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Der kleine Mann mit der Nase ist weg

Und das ging so: Vor ungefähr drei Tagen sass ich tief in Gedanken versunken an der Reception - Sie wissen schon, die grossen Fragen des Lebens nach dem Woher und Wohin und vor allem all dem Teil, der dazwischenliegt. Ich hörte also meinen Türsteher nicht die Treppe herunterkommen. Erst als mich die Schallwellen von Mr Doormans

"D E R N E R V T!"

samt Stuhl ganz nach hinten an die Wand schleuderten, schaute ich hoch und blickte direkt in ein paar panikgefüllte Augen und auf eine gespenstisch weisse Nasenspitze. Gleich dahinter glühte - als netter Kontrast - Mr Doormans Gesicht im Bereich zwischen hochrot und violett.

"Was ...?" Weiter kam ich nicht.
"DER MUSS WEG! SOFORT!", brüllte Mr Doorman. Er hielt den Mann, den er mit festem Griff am Tschopenkragen in seinen Krallen hatte, noch etwas höher in die Luft.
Nicht schütteln, bitte, wollte ich sagen, aber mein Türsteher holte nicht einmal Luft, bevor er weiterbrüllte.
"LIBYEN! ITALIEN! UND JETZT AUCH NOCH SPARMASSNAHMEN!" Jetzt endlich sog Mr Doorman eine Ladung Luft in die Lungen und redete dann sichtlich bemüht gefasst weiter. "Der will sogar, dass ich auf dem Boden statt auf dem Bügelbrett bügle. Von Hand. Weil das Bügeleisen auch nicht mehr drin liegt. Und dann faselt er ganz gemeingefährlich noch was von sukzessiver Reduktion des Mengengegerüsts beim Personal."
"Hä?" fragte ich nicht sehr ladylike.
"Stellenabbau", brummte Mr Doorman. "Studierte reden manchmal ganz schön geschraubt. Aber der hier redet nicht nur geschraubt, der schraubt innerhalb einer Stunde auch drei Mal in eine andere Richtung. Und dann dieses Fuchteln."
Ein tiefer Seufzer füllte den ganzen Raum mit dichtem Nebel. Wir hörten ein paar seltsame Geräusche und als wir wieder klar sehen konnten, war der kleine Mann mit der Nase fort.
Ich war darüber nicht unglücklich. Auf Mr Doormans Gesicht lag eine seliges Lächeln. "Und, wie geht es Ihnen?", fragte er.
Jetzt seufzte ich. "Lange Geschichte", sagte ich in den frisch aufgezogenen Nebel hinein.
"Ich mache uns Kaffee", sagte Mr Doorman.
Gute Idee, fand ich. Und dann guckten wir der Welt ein bisschen beim Drehen zu.

Wir gucken noch immer.

1 Kommentare:

Titus said...

Naja, und sagen tut er angeblich auch nicht immer die ganze Wahrheit, sondern eben nur die halbe. Das wäre etwa so, wie wenn Ihr nun einen Capuccino trinkt... :-)