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Nichtniedlicher Krieg

Mr Doorman fingert an seinen Manschnettenknöpfen herum. Er muss sichtlich Anlauf holen für das, was er gleich sagen wird. "Onkel Vladimir hat angerufen und gefragt, ob es sicher genug sei in der Schweiz."

Das ist eine gute Frage in einer Zeit, in der kleine Männer mit grossen Nasen nicht gerade eine gute Falle machen, man als Rekrut riskiert, von seinen Vorgesetzten in Friedenszeiten in den Tod geführt zu werden und - wenn wir schon beim Thema sind - die Armee aufgrund inkompatibler Systeme nicht einmal den Weg zur ultimativen Manöverübung findet. Es ist eine gute Frage in einer Zeit, in der wir die Panik vor der Pandemie im Frühjahr eingehämmert bekommen und im Spätherbst der Impfstoff für die Grippe von heute erst übermorgen den Weg in unsere Körper findet (falls überhaupt).

Ich seufze. Mr Doorman nimmt das als Zeichen, etwas Genauer zu werden. "Er will doch zu Weihnachten wieder einmal zu Besuch kommen."

(Zwischenbemerkung: Zappadong-Leser der ersten Stunde erinnern sich vielleicht an unsere erste Weihnacht hier drin ... sie verlief leicht chaotischer als eine Militärübung mit inkompatiblen Systemen).

"Da sehe ich jetzt kein generelles Problem", erwidere ich (und behalte das spezifische Problem - das Benehmen von Mr Doormans Verwandtschaft - für mich).
"Ich schon." Es ist Mr Doorman peinlich, das erkenne ich auf die 1.50 Meter Abstand zwischen ihm und mir genaustens.
"Dann erzählen Sie mal", fordere ich ihn auf.
"Diese Idioten hier ..." Er faltet die Zeitung auf der Theke auseinander und zeigt mit dem Finger auf diesen Artikel. 

Ich seufze erneut. Er hat recht. Wir haben Krieg in der Schweiz. Einen Krieg, den wir friedlichen Schweizer so lange verniedlicht haben (denn nicht wahr, wir Schweizer haben kein Problem mit der Gewalt, friedliebend, wie wir sind; sind doch liebe Jungs, nur ein bisschen hitzig, und überhaupt, ist alles nur halb so schlimm), bis er auch mit dem besten Willen nicht mehr als niedlich eingestuft werden konnte. Und jetzt haben wir den Salat. Respektive den nichtniedlichen Krieg.

"Ich weiss nicht, was Sie Onkel Vladimir sagen sollen", sage ich. "Aber ich hatte eigentlich nicht den Eindruck, dass er vor solchen Krawallbrüdern Angst hat."
"Hat er auch nicht. Er weiss nur nicht, ob er die Basketballschläger oder doch besser die Kalaschnikows mitbringen soll."

Und ich weiss jetzt nicht mehr, ob ich mich auf Weihnachten freuen soll oder nicht.

UPDATE und PS: Kann mir jemand verraten, warum ein solches Spiel überhaupt angepfiffen wird? - Um noch mehr Gewalt zu verhindern? 

1 Kommentare:

Titus said...

Was heisst hier ob Basketballschläger oder Kalaschnikows? Die Schweiz erlaubt nur Waffenexporte, keine Waffenimporte... ;-)

So ganz spontan (und doch diplomatisch ausgedrückt) würde ich sagen: Macht diese Chaoten zu Eunuchen.

Nur führt das alleine wohl nicht dazu, dass es nicht wieder neue Hooligans gibt. Diesen Mecano, der einen Menschen zu einem Hooligan macht, den möchte ich gerne verstehen.

Ich fürchte allerdings, dass die hohe Politik, welche mit Massnahmen wie Stadion- oder Alkoholverbot kommt, selber auch keinen blassen Schimmer darüber hat, was diese zu dem gemacht hat, was sie heute sind.

Das Problem des Hooliganismus verschiebt sich mit diesen Massnahmen einfach nur von «innerhalb des Stadion» zu «ausserhalb des Stadions». Und wenn man bei Letzterem mehr oder weniger erfolgreich Symptombekämpfung betrieben hat, verschiebt sich das Ganze einfach auf eine andere Sportart oder eine andere publikumsstarke Veranstaltung...

Irgendwas fehlt bei diesen Typen und ich vermute - wie so oft - dass es die fehlende familiäre Aufmerksamkeit und Zuneigung ist (oder war).