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Noch einer fürs Bügelzimmer

Früher. Als das Zappadong-Gebäude noch stolze 33 Stockwerke in den Himmel ragte und Frau Röslis Herbert schwungvoll auf dem Dach landen konnte, ja, früher, da war alles anders. Nicht besser. Einfach nur anders. Das heisst, ein bisschen besser war es schon. Man konnte nämlich einfach zur Drehtür reinlatschen (oder bei Bedarf den Hintereingang nehmen). Und wir hatten Svetlana, unsere taube und nicht sehr fleissige Putzfrau - aber immerhin putzte sie das Nötigste. Und den Herrn Lightbringer, den ich schmerzlich vermisse.

Seit fast einem Jahr (das genaue Datum müsste ich nachsehen) stecken wir tief im Dreck. Wir drückten von einem Tag auf den anderen den roten Knopf und versenkten das ganze Gebäude in schmutziger Schweizer Erde. Das schreibe ich nicht, um Ihnen hier den Kopf vollzulabern über vergangene viel schönere Zeiten, sondern zum besseren Verständnis der folgenden Begebenheit.

Also. Ich steh an der Reception und langweile mich still und leise vor mich hin. Nichts los hier (mein Türsteher schmollt immer noch im Bügelzimmer, manchmal allein, manchmal zusammen mit BodeständiX). Da höre ich ein Rumpeln und kurz danach stolpert ein schmutziges Etwas in die nicht ganz so heiligen Hallen des Zappadong-Gebäudes. Ich blicke kurz hoch und murmle: "Dusche im zweiten Stock, Bügelzimmer im 12. Stock."

Das schmutzige Etwas hebt den Finger und fuchtelt mir damit vor der Nase herum. Nase, denke ich. Die hier kommt mir irgendwie bekannt vor. Die habe ich schon gesehen. Dann gucke ich das ganze Etwas an. Es ist nicht viel grösser als ich - und somit ziemlich klein.

(Zwischenbemerkung: Kennen Sie den? => Was ist der grosse Vorteil von kleinen Menschen? - Sie werden später nass, wenns regnet. Also, ich fand den Witz witzig, Zap auch, und wie Sie ihn finden, darüber mache ich mir grad keine Gedanken, weil ich mich wieder mit der Nase des kleinen Etwas beschäftigen muss, vor der immer noch ein Zeigefinger herumfuchtelt.)

Endlich sagt er auch was, der kleine Mensch mit der ziemlich grossen Nase. "Ich habe gehört, Sie haben einen Panikraum."
"Ja", antworte ich. "Aber wollen Sie nicht zuerst duschen?"
"Nein. Ich will in den Panikraum."
"2. Untergeschoss", sage ich (Zappadong-Leser, die es besser wissen, können sich bei mir melden; ich bringe manchmal Zahlen durcheinander).
Der schmutzige Mensch eilt davon, samt Nase und Zeigefinger.
"He, Sie!" rufe ich. "Darf ich noch fragen, weshalb Sie in den Panikraum wollen?"
"Ich wurde verraten", hallt es durch die Halle.
"Oha!", murmle ich.
Der Verratene dreht sich um und kommt zurück. Der Zeigefinder fuchtelt noch etwas erregter vor meinem Gesicht. "Von den Medien! Diese Siechen! Drehen mir die Wörter im Mund um. Sollen es doch erst einmal besser machen. Und überhaupt, immer diese Fragen. Statt mir einfach zu glauben und das zu drucken, was ICH SAGE." Immer lauter wird er, während er spricht.
Na ja, das mit den Medien ist so eine Sache. Das mit dem Glauben auch. Und das mit dem gedruckten Wort sowieso. Deshalb halte ich mich aus der Sache raus. Fast. Eins muss ich noch klären.
"Nicht das Panikzimmer", empfehle ich.
"Nicht? Also, nach Libyen fliege ich nicht schon wieder, nur im Fall."
Ich atme auf. Wenigstens das nicht.
"Gehen Sie doch in den 12. Stock. Ins Bügelzimmer. Da sitzen noch einer oder zwei. Mit denen können Sie dann ganz ausführlich und tiefschürfend über die Ungerechtigkeiten des Lebens diskutieren."
"Wollen Sie damit sagen, ich sei nicht der Einzige, dem Unrecht widerfährt?", fragt mich der Mensch erstaunt.
Was soll ich da noch sagen? Besser nichts. Ich deute zur Treppe. "Leider haben wir keinen Lift."
Der Mann, der zur Teppe eilt, dreht sich nicht einmal um. Nur seine Hand, die fährt in die Höhe und winkt ab. Auch diese Geste kommt mir bekannt vor.

Ich seufze. Weil: Wie ich die alle wieder aus dem Bügelzimmer kriege, ist mir ein Rätsel. Andererseits: Vielleicht ist es Zeit für eine neue Geschäftsidee:

BÜGELSERVICE ZAPPADONG.

Frau Zappadong

4 Kommentare:

Thomas said...

Der Appenzeller wird aber nicht Mitglied der Schoggi-Partei?! Dann würde ich ganz sicher nicht beitreten.

flashfrog said...

at Thomas: Schokolade mit Appenzeller?? Waaaaahh...

Titus said...

Ich hab's! Mr. Doorman als VR-Präsident der Sibirksa Orangeski Plantanski braucht doch bestimmt noch einen «globalen Botschafter».

Weshalb wird er nicht Sponsor für den Appenzeller, der in alle Welt reist und dadurch überall bekannt ist (als was auch immer...)?

Anonymous said...

Sehr geehrter Herr Titus,

bitte ersparen Sie den andern diesen Appenzeller! Ich kann Ihnen versichern, dass die käsearmen Länder dieser Welt es nicht vedienen, als Appenzeller-Exportland missbraucht zu werden. Obwohl ... wenn das Schule machen würde ... und man alle unerwünschten Appenzeller, Sauerkrauts und Sushis auf Reisen schickte ... wieviel weniger Schaden würde angerichtet werden! Hm ... vielleicht ist die Idee vom Appenzeller-Sponsoring doch nicht so schlecht.
So eine Appenzeller-Sauerkraut-Sushi-ect.-Verschickung müsste natürlich professionell aufgezogen werden, mit einer maximaler Aufenthaltsdauer von zehn Minuten pro Land (zwecks Schadensbekämpfung), einer eigenen Fernsehsendung, regelmässig stattfindenden Konferenzen und vielem mehr, was nötig ist, um solche Leute beschäftigt zu halten. Das benötigte Geld könnte von Sponsoren (Mr. Doorman?) aufgebracht werden, oder durch freiwillige Spenden der beteiligten Staaten. Denn, seien wir ehrlich, welcher Staat wäre nicht froh, für seine Appenzeller, Sauerkrauts, Sushis, ect. so eine elegante Beschäftigungsstrategie im Ärmel zu haben?

Hochachtungsvoll

Ihr

Rösli von Deralp