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Und Sie, Frau Zappadong ...

...fragt Mr Doorman.
"Was, ich?", frage ich zurück.
"Wie ist Ihr Abstimmungswochenende verlaufen?"
"Zwei Mal verloren, einmal unentschieden."
"???"
"Bei den Flügern und der Ausfuhr von Kriegsmaterial auf den Sack bekommen, und zwar gehörig."
"Und bei den ... Sie wissen schon".
"Unentschieden."
"???"
"Ich habe leer eingelegt."
"Sie meinen: nüüt, nichts, nada. Ist Ihnen die Meinung ausgegangen?"
"Ich finde, dass etwas schief läuft in der Schweiz und wünschte mir einen Marschhalt."
"Dann hätten Sie Ja stimmen müssen."
"Konnte ich nicht. Ein Bauverbot ist der falsche Bauplatz."
"Dann hätten Sie Nein stimmen können."
"Wollte ich. Konnte ich aber nicht."
"???"
"Lange Geschichte. Viele Geschichten. Persönliche und andere. Und niemand, der diese Geschichten wirklich hören will. Und genau darum mein Leer."
"Und jetzt gehören Sie zum xenophoben Sauhaufen."
"Ja."
"Geht es Ihnen gut?"
"Nein."
"Kann ich Ihnen einen Kaffee anbieten?"
"Ja, gerne."
"Und dann?"
"Dann sehen wir mal."

UPDATE: Beim Kaffeetrinken das hier gelesen und gedacht, das könnte ein Anfang sein.

7 Kommentare:

Ugugu said...

jetzt kommen sie aber auch bitte wieder etwas runter, frau zappadong. in einem ersten emotionalen reflex habe ich "xenophober sauhaufen" ins twitterland gerufen. was auf einen teil der ja-stimmer auch tatsächlich zutrifft. ich habe mich in den letzten wochen mit zu vielen ja-stimmern unterhalten, und nicht mehr als diffuse ängste als begründung für ihr ja zur initiative erhalten. nichts zumindest was aus ihrem realen leben gegriffen wäre. von diffuser fremdenangst bis zu offenem rassismus ist es meist noch ein stückchen, wobei letzterer per definition auf diffusen und irrationalen ängsten aufbaut.

immerhin glaube ich aber durchaus feststellen zu können, dass in den letzten 20 jahren offen formulierter rassismus eine starke enttabuisierung durchgemacht hat. sind es die kryptofaschistischen svp-plakate oder andere hetzschriften welche derlei bewirkt haben? auch hier bin ich zum teil etwas ratlos, habe aber momentan auch keine näherliegende erklärung.


gerade weil ich gemäss svp-definition seit jahren in einem klassischen schweizer "muslimghetto" lebe, habe ich die plakatserie als persönlichen faustschlag ins gesicht erlebt. weil es menschen in meinem ganz persönlichen lebensumfeld aufs übelste diffamiert und ausgrenzt. und ehrlich gesagt wär es mir lieber, wenn unsere friedlich gelebte und gepflegte multikulti-koexistenz nicht eines tages von durchgeknallten snipern auf umliegenden hügeln gestört würde. wie damals in sarajevo.

Zappadong said...

Und gerade weil Sie dieses Plakat als Faustschlag erlebten (ich übrigens auch, und das Onlinespiel war absolut jenseits) müssen Sie vorsichtiger sein mit Worten. Nächstes Mal. Weil auch Sie damit Leute treffen. Zum Beispiel ganz viele Leute, die MIR sehr wichtig sind.

Ich bin noch nicht runter vom Ganzen. Mich erschrecken die Verbalattacken vom Nein-Lager genauso wie die vom Ja-Lager (Wobei BB Sie um Längen schlägt mit seinen pfannenfertigen Vor- und Pauschalurteilen gegenüber einem Teil der Schweizer Bevölkerung). Wie schon einmal geschrieben: Ich bin zur SP ausgetreten, als sie angefangen haben, den SVP Stil zu kopieren.

Bruder Bernhard said...

@zappadong: ich denke, du hast dich wieder mal in etwas verrannt, mit verlaub. wenn du jetzt meinst, du müsstest dich mit svp-wählern solidarisieren, nur weil die sich missverstanden fühlen - schade.

es ist immer einfach, mit 'pauschalurteil pauschalurteil' kritiken abzutun. ich nehme für mich in anspruch, über die sachen nachgedacht zu haben, die ich in diesem zusammenhang von mir gebe. drum kommt es vielleicht pfannenfertig daher.

ich habe langsam den eindruck, einige leute sind ob des resultats mehr erschrocken als wir 'unterlegenen'...

Zappadong said...

BB, ich verrenne mich sehr häufig, und wenn ich mich nicht gerade verrenne, dann seckle ich mit dem Kopf gegen die Wand.

Aber nicht in dieser Sache. Was DU nicht verstehst ist Folgendes: Jene Ja-Stimmer, die ich kenne, würden NIE SVP wählen. NIE und NIMMER. Es geht hier nicht um die SVP (auf jeden Fall nicht in meinem Fall), sondern um etwas ganz anderes, das so anders zu sein scheint, dass du es nicht einmal sehen kannst (willst).

PS: Ich bin nicht erschrocken über das Resultat. Ich habe es kommen sehen. Gerade wegen all der vielen Nicht-SVP-Wähler, die für ein JA waren. Und es ist so: Mir macht dieses Resultat keine Angst. Ich sehe es als Chance.

Ugugu said...

Ich habe auch keine Angst vor dem Resultat oder den Moslems. Sehe aber die absolute Notwendigkeit so schnell als möglich wieder Rechtsgleichheit herzustellen. Solange es genügend Leute gibt, die den Souverän (welchen auch immer) absolut über den Rechtsstaat stellen, lebe ich zumindest in der Ungewissheit, ob staatliche Diskriminierung nicht eines Tages mit voller Härte mich selbst treffen kann. Mal ganz egoistisch gesprochen.

Zappadong said...

Das ist allerdings ein sehr gewichtiger Einwand, ugugu.

Initiativen sollten ganz am Anfang (noch vor der Unterschriftensammlung) auf ihre Kompatibilität mit dem Rechtsstaat und den Menschenrechten geprüft werden. Ich dachte immer, das sei Grundvoraussetzung. Die Verwahrungsinitiative und auch die Minarett-Initiative werfen jedoch grosse Fragezeichen auf.

Spätestens bevor man eine Initiative zur Abstimmung freigibt, muss glasklar nachgewiesen sein, dass sie sich mit dem Rechtsstaat verträgt und die Menschenrechte nicht verletzt. Das wäre für mich zwingend.

Denn: Abstimmen lassen und dann sagen: "Upps, das geht ja gar nicht", ist eine Volksverarschung ohnegleichen.

Bruder Bernhard said...

hätte man die Abstimmung nicht zugelassen, hätten dieselben Leute ebenfalls Zetermordio geschrien, die sich nun beschweren. Es hatte eben niemand damit gerechnet, dass so Viele den inneren Kompass verloren haben könnten. Es sind nicht immer die Anderen Schuld, wenn man einen Schuh voll rauszieht.