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What it's like - Gegen das Vergessen

Der folgende Blogeintrag ist einer von mehreren Solidaritätsbeiträgen für die in Libyen festgehaltenen Schweizer.

Aus unseren Lautsprecherboxen dröhnt What it's like von Everlast. Und beim Refrain singt Mr Doorman ziemlich laut und nur leicht falsch mit:

God forbid you ever had to walk a mile in his shoes
'Cause then you really might know what it's like to sing the blues
Then you really might know what it's like


Sobald der Song fertig ist, drückt Mr Doorman die Repeat-Taste. Sieben What it's like später schaut er mich an und sagt: "Fragen Sie sich manchmal auch, wie es ist?"
"Was?", frage ich.
"Eine Geisel zu sein."
"Nein", sage ich und schäme mich ein wenig. Seit Monaten berichten die Zeitungen von den zwei in Libyen Festgehaltenen und ich weiss trotzdem nicht viel mehr, als dass der kleine Mann mit der grossen Nase jämmerlich versagt hat. Aber die Geiseln? Wenn ich ehrlich bin, habe ich mich vor allem über den kleinen Mann mit der grossen Nase geärgert - die Geiseln waren einfach Geiseln. Wie sich das anfühlt, habe ich mir nie überlegt.

Mr Doorman sagt: "Dann überlegen Sie mal" und drückt auf die Repeat-Taste. Ich überlege.

Ich weiss nicht, wie es ist, eine Geisel zu sein. Ich weiss nicht, was man den ganzen Tag tut und was man sich den ganzen Tag fragt. Ich weiss nicht, wie fest einen die Angst im Griff hat und was sie mit einem macht. Ich weiss nicht, wie man damit umgeht, seine Familie nicht sehen zu können. Ich weiss eigentlich gar nichts. Und ich überlege mir, ob ich nichts weiss, weil ich nichts wissen will. Weil ausblenden einfacher ist, als darüber nachzudenken. Weil sich über den kleinen Mann mit der grossen Nase zu ärgern einfacher ist als sich in die Haut der Geiseln oder deren Familie zu versetzen.

God forbid you ever had to wake up to hear the news

'Cause then you really might know what it's like to have to lose

Then you really might know what it's like

Irgendwo habe ich einmal gelesen, was eine ehemalige Geisel gesagt hat: Nämlich, dass es wichtig ist zu wissen, dass man nicht vergessen gegangen ist. Und dass es für die Angehörigen wichtig ist zu wissen, dass sie nicht allein sind. Das macht für mich Sinn. Und deshalb schreibe ich ein Spruchband für das Zappadong-Dach.

Gegen das Vergessen unserer Geiseln in Libyen.
Ihr seid nicht allein.

An dieser Solidaritätsaktion beteiligen sich auch:

Augenreiberei: 487 Tage
Bobsmile: Wider des Vergessens - Heute: Libyen
Die Kreide: Vergeiseln
La Triperie (Bruder Bernhard): Die Katzen des Muammar al-Gaddafi
Thinkabout: Wir vergessen die Menschenrechte UND die Menschen nicht
Lupe: Zwei Schweizer Geiseln in Libyen - na und?

Frau Zappadong und Mr Doorman

1 Kommentare:

文章 said...
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