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Wortschöpfung des Tages

Mr Doorman hängt über der Theke und japst nach Luft. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob er es mit dem Morgentraining etwas übertrieben hat oder ob er gleich sterben wird (nun, das eine könnte vom andern abhängen). Aber dann merke ich, dass er an einem ziemlich heftigen Lachanfall leidet.

Ich klopfe ihm auf den Rücken, hole ein Glas Leitungswasser, das ich ihm über den Kopf schütte und warte, bis er sich erholt.

"Was ist?", frage ich.
"Also, der kleine Mann mit der grossen Nase hat ja grandiose Wortschöpfungen auf Lager (siehe weiter unten), aber diese Woche hat ihn Herr Grübel mit Lichtgeschwindigkeit überholt." Mein Türsteher deutet auf den Computer-Bildschirm.
Oha, denke ich, die Seite des Haudegens aus Arlesheim. Na, dann schnalle ich mich besser mal an. Der Mann hatte in den letzten paar Tagen bedenklich schlechte Laune. Sogar der nette Herr Federer ging ihm auf den Keks.

Heute ist ihm der Herr Grübel von der too big to fail Bank über die Leber gelaufen. Aus verständlichen Gründen. Denn: Was der von sich gibt, befindet sich schon in einer Ärgernisklasse für sich.

Einfach köstlich, wie Herr Grübel den Vulgärausdruck "Schrottpapier" bankpolitisch-korrekt umdeutet:
Das sind keine Schrottpapiere, das sind ausgewählte illiquide Mittel, welche die Nationalbank übernommen hat.
Na ja, über das Wort "köstlich" könnte man diskutieren, Herr Messmer ... Aber wie Sie richtig sagen, es kommt ja noch viel besser, denn die too big to fail Bank hätte der Nationalbank gerne noch einen weiteren Stapel ausgewählter illiquider Mittel überlassen - nur, die Nationalbank wollte nicht. Tztztztztz ...

Mr Doorman, der sich mittlerweile erholt hat, guckt mich an. "Ich habe da eine Geschäftsidee", sagt er.
Mir fürcht's!
"Wir könnten ein Definitions-Wörterbuch herausgeben", fährt er ungerührt weiter. Die ersten drei Begriffe hätten wir dann schon:

Schrottpapiere = ausgewählte illiquide Mittel(Grübel)
Stellenabbau = sukzessive Reduktion des Mengengegerüsts beim Personal (Merz)
grössenwahnsinnig = too big to fail (??? würde mich Wunder nehmen ...)

Ja, das könnte was werden. "Suchen Sie schon mal einen Verlag", schlage ich vor. Aber passen Sie auf, dass man Ihnen als Vorschuss keine ausgwählten illiquiden Mittel anbietet.

2 Kommentare:

Petra said...

Dazu passt Lehmans "Schuldenklumpfuß", den die NZZ erfunden hat.
Also aufgepasst, wenn der Typ von der Bad Bank (unbedingt ins Wörterbuch!) mal wieder humpelt, als hätte er ein Bocksbein...

bobsmile said...

"Too Big to Fail" ist gemäss der jekami-Enzyklopädie wikipedia eine Finanzdoktrin zum "Bail-out"(aus dem Dreck ziehen) von Unternehmen oder Gebietskörperschaften in der Krise, die eine rettungswerte Größe erreichen.

Dachte immer, es wäre nur eine hämische Wortschöpfung, jetzt ist das aber tatsächlich ein allgemeingültiger Fachausdruck. *Schauder*