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09.512

Ich bin zurück auf dem Dach und harre weiter aus. Weil ich die Nase gerade gestrichen voll habe. Mr Doorman hat sich zwischenzeitlich ins warme Gebäudeinnere zurückgezogen. Jetzt aber kommt er auf mich zugerannt, in der Hand eine Zeitung, mit der er aufgeregt herumwedelt.
"Vielleicht tut sich doch noch was!", ruft er.
"Ja, ich werde erfrieren", antworte ich.
"Möglich. Aber das meine ich nicht. Gucken Sie mal."
Ich gucke. Kalt habe ich danach immer noch, aber es geht mir besser.

09.512 steht für eine parlamentarische Initiative der SP, in der eine PUK zur Finanzkrise und ihren Folgen gefordert wird.  Für die mit der Schweizer Politik nicht so Vertrauten unter Ihnen: PUK steht für Parlamentarische Untersuchungskommission, und so eine PUK kann gefordert werden, wenn Vorkommnisse von grosser Tragweite der Klärung bedürfen. Wie die WOZ heute richtig folgert, fallen die Finanzkrise und die damit verbundene Rettung der UBS mit 68 Milliarden Franken zweifelsohne in diese Kategorie.

Das würde ich auch sagen. Ich sage sogar noch mehr. Bei den nächsten Wahlen wähle ich nur jene Politiker, die diese parlamentarische Initiative untersützen werden.

Und jetzt protestiere ich noch eine Runde weiter. Im Notfall ganz allein. Gerne würde ich Ihnen die Karrikatur zeigen, welche die WOZ über ihren Artikel gestellt hat. Aber ich finde sie online nicht. Also kaufen Sie die Printausgabe. Ist sowieso eine gute Idee (das mit der Printausgabe kaufen).

Frau Zappadong

3 Kommentare:

Ski said...

"Große Tragweite" ist in der Politik ja immer so eine Definitionsfrage. Ungerne bekommt man das Gefühl vermittelt, 68 Milliarden wären im Finanzbereich ein kleiner Fisch, während zwei Milliarden im Bereich Klimaschutz oder Entwicklungshilfe derzeit eine gaaaaanz große Sache (Walfisch?) sein soll.
Ich, als Nicht-Schweizer, bin zumindest für die Erklärung der PUK sehr dankbar. Icehockey erschien mir irgendwie ungenügend, als nahe liegende Erklärung.

Btw: Ist Herr Doorman ihr Haustier?

gnoerpf said...

Nichts gegen Aufklärung, aber was soll in diesem Fall eine PUK gegenüber den Berichten von FINMA, Revisionsgesellschaft und Staatsanwalt noch an Mehrwert bringen. Ich werde das Gefühl nicht los, dass es hier (zumindest teilweise) darum geht, ein Thema am Weiterköcheln zu halten welches neben aktuelleren Themen wie Umgang mit Klimaveränderungen oder Moslems halt doch nicht mehr so ganz akut ist.

Zappadong said...

Zu FINMA, Revisionsgesellschat und Staatsanwaltschaft: Alle drei haben enttäuscht. Wobei: Alle drei haben wohl einfach nur die rechtlichen Aspekte angeschaut und wenn man sich vor Augen hält, mit welch krimineller Energie einzelne Banker zum Teil vorgegangen sind, weiss man auch, warum man als Anwalt bei einer Bank sehr gut verdient. Sie sind Meister im Finden der Schlupflöcher.

Nun, mag sein, dass rechtlich alles "verhebbt" - und dass es deshalb wirklich nichts bringt, wenn man ein Verfahren anstrebt (ausser sehr viel Frust). In der PUK sehe ich eine Chance, auch Moral und Ethik und eine menschliche (wenn nicht rechtliche) Verantwortung mindestens zu beleuchten.

Die Banken haben uns geradewegs an die Wand gefahren. Hier in Zappadong-Hausen baden wir die Krise immer noch aus, während einige Manager schon wieder mit unverhohlener Gier in die Bonitöpfe greifen. So etwas widert mich an.

Leider findet man unter dem Link zur WOZ die Karrikatur nicht. Kurz auf den Punkt gebracht, steht neben einer genialen Zeichung, die auf die Minarett-Initiative Bezug nimmt (verhülltes "Gesicht", das sich beim Heben der Kopfbedeckung als Bankgebäude herausstellt): "Zur Erinnerung: Es darf in diesem Land keine Parallelgesellschaft mit eigenen Gesetzen geben."

Dem schliesse ich mich an. Ich will das Thema nicht köcheln lassen, ich will, dass es siedet. Und ich hoffe, dass die Abzockerinitiative so schnell wie möglich zur Abstimmung kommt. Vielleicht schaffen wir es diesmal, im Voraus darüber zu diskutieren und nicht erst nach der Abstimmung.