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Die Zitate zum Sonntag

Frage Sonntagszeitung an Zürcher Justizdirektor Markus Notter: "UBS-Banker haben mit präparierten Handys gearbeitet, mit fingierten Belegen, mit Diamanten in Zahnpastatuben. Warum reicht das nicht?"
Antwort Markus Notter: "Das klingt zwar nach James Bond. Aber der Anfangsverdacht auf eine in der Schweiz strafbare Handlung ist nach Ansicht der Staatsanwaltschaft nicht gegeben."

Frage der NZZ am Sonntag an Claude Béglé, Verwaltungsratspräsident der Schweizerischen Post: " ... die Kunden schätzen den Service Public. Warum muss liberalisiert werden?"
Antwort Claude Béglé: "Das ist eine gute Frage. Liberalisierung ist ein Teil unserer Kultur. Wir sind in diesem Land für Eigeninitiative, für freie Marktwirtschaft, gegen Monopole. Ausserdem liberalisiert ganz Europa den Post-Sektor. Es wäre komisch, wenn wir das nicht täten."
Folgefrage: "Die Schweiz ist Sonderwege gewohnt."
Antwort Béglé: "Die Frage der Postmarkt-Liberalisierung spaltet das Land. Auch interessant ist, dass das liberale Vorzeigeland USA keine liberalisierte Post kennt. Ob die Liberalisierung mehr Vor- als Nachteile bringt, ist eine berechtigte Frage, die ich nicht beantworten möchte."

(Quellen: Printausgabe der Sonntagszeitung und der NZZ am Sonntag. Kein Link an dieser Stelle, weil ich mir diesen Stuss nicht auch noch online antun will.)

Ich hätte ganz viele Fragen und noch viel mehr Bemerkungen zu diesen Antworten. Belassen wir es bei zweien:

Frage 1: Wenn präparierte Handys, fingierte Belege und in Zahnpastatuben geschmuggelte Diamanten nicht zu einer Strafuntersuchung reichen: Darf ich in Zukunft meine Steuererklärung auch fingieren?

Frage 2: Wieviel Gehalt (abgesehen von Spesenentschädigungen und eigenem Chauffeur) erhält eigentlich Herr Béglé für eine Begründung wie diese: Es wäre komisch, wenn wir es nicht täten.

Ansonsten warten wir immer noch auf Onkel Vladimir. Sie erinnern sich: Er kommt mit einem Lastwagen voller Uran und einem voller Gold. In Anbetracht der (neuen) rechtlichen Ausgangslage in diesem Land rechne ich nicht damit, dass das zu irgendwelchen Problemen führen sollte. Wäre ja komisch, nicht wahr?

PS: Ich suche immer noch eine Piratenflagge. Vielleicht sollte ich aber auch nach einer Fahne mit einer Banane darauf Ausschau halten.

Update: Hintergrundinformationen zum Machtkampf bei der Post finden Sie in diesem Bilanz-Artikel. Danke für den Link, ugugu.

Frau Zappdong

5 Kommentare:

PvC said...

Frage 1: Das nicht. Aber du darfst Diamanten in Zahnpastatuben...

Onkel Vladimir: Könnte Probleme bekommen, wenn er die Vignette vergisst. So viel Ordnung muss sein.

;-)

ugugu said...

Frage 2 kann ich beantworten, hab das kurz im Geschäftsbericht 2008 nachgeschaut. Entschädigung an VR-Präsi: 248'560 Franken. Die anderen VR-Mitglieder erhielten je 84'525 Fränkli. Der CEO 770'000. Die anderen Konzernleitungsmitglieder im Durchschnitt immerhin noch knausrige 492'781. Der Durchschnittslohn der Mitarbeitenden lag bei 78'141 wobei der Minimallohn bei 42'746 per Annum lag.

Und ich kauf mir jetzt eine Tube Zahnpasta...

Zappadong said...

@Petra: Wir haben Onkel Vladimir letztes Jahre zu Weihnachten eine Autobahnvignette geschickt. Was er damit gemacht hat, wissen wir nicht. Vielleicht hat er sie in kleine Schnipsel geschnitten und auf jeden Lastwagen so ein Fetzchen geklebt. Aber das passt schon. Wäre ja komisch, wenn nicht.

@ugugu: Jo, also, 248'560 Fränggli sind ja schon fast schäbig, gell. Da wundert es mich nicht, dass Herr Béglé - wie gleich in beiden Zeitungen zu lesen war - sich beim ersten Vorstellungsgespräch nach Spesen und Chauffeur mit Auto erkundigt hat.

Morgen sollte Onkel Vladimir eintreffen. Ich werde dann versuchen, ein bisschen Gold von einem Goldbarren zu schaben. Für Ihre Zahnpastatube.

Zum Minimallohn gäbe es auch noch ein schönes Zitat vom Herrn Béglé. Sinngemäss beantwortet er eine Frage auf die Höhe der Löhne bei der Post, dass man bei den Privatisierten weniger erhält ... und die Post müsse konkurrenzfähig sein.

Na, dann. Auf ein gutes, fruchtbares 2010. Möge uns der Galgenhumor nicht abhanden kommen (und Onkel Vladimir unseren Geldspeicher füllen).

ugugu said...

Bei durchschnittlich 4 bis 8 VR-Sitzungen pro Jahr (keine Ahnung wieviele es bei der Post sind) doch ziemlich übertriebene VR-Honorare, wie mir scheint. Interessant übrigens auch dieser Bilanz-Artikel. Nähme mich wunder was die streitschlichtenden PR-Brigaden für ihre "guten Dienste" erhalten haben...

Titus said...

Vielleicht sollte man einfach einmal alle, die - sagen wir mal - über CHF 150'000 verdienen, auswechseln und zwar in der Politik und der Wirtschaft...