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Exterritoriales Gebiet und Schwarze Löcher

Wir befinden uns auf exterritorialem Gebiet, was mich leicht nervös macht, Mr Doorman aber absolut kalt lässt.
"Sie sollten sich Sorgen um Onkel Vladimir machen, nicht um irgendwelchen exterritorialen Gugugs", brummt er. 
Ich lache etwas gequält und flüstere: "Wenn die rausfinden, was wir im Namen von Onkel Vladimir bei uns zuhause bunkern, sind wir geliefert."
"Ach, was", winkt Mr Doorman ab. "Wir sind in der Schweiz. Hier gilt Schweizer Recht. Und Onkel Vladimir hat bei der verstorbenen Seele seiner Grossmutter Olga geschworen, dass er das Gold bei der russischen Steuerbehörde deklariert hat. Kein normaler Schweizer wird an dieser Version zweifeln. Nicht einmal der kleine Mann mit der grossen Nase."
Der wohl schon gar nicht, denke ich und erkläre: "Exterritorial bedeutet, dass das Schweizer Recht hier nicht gilt."
"Aber wir sind doch in der Schweiz", antwortet Mr Doorman ungeduldig. "Bei den Leuten, die diese grässliche Sprache sprechen. Alle diese schschschschschschs und äääääääääääs und ...."
"Französisch", präzisiere ich.
"Von mir aus. Klingt alles so schschschschschschsch-mässig. Schschschschschööönääääääf." Er schüttelt sich.
"Nicht ganz", muss ich schon wieder präsisieren. "Meyrin. Ohne Schschschschsch, nur mit äääääääää."
"Von mir aus. Hauptsache Schweiz. Mit Schweizer Recht."
"Exterritorial. Ohne Schweizer Recht."
So langsam scheint das bis zu Mr Doormans Gehirn vorzudringen. "Sie meinen ...." Er hält sich die Hand vor den Mund. Über der Hand weiten sich seine Augen zu grösseren Spielzeugmurmeln. "Wir sind geliefert", sagt er.
"Sage ich ja", antworte ich.
"Lassen Sie uns sofort abhauen", schlägt Mr Doorman vor.
"Und Onkel Vladimir? Den können wir doch nicht einfach hierlassen."
"Vielleicht kommt er ja sowieso nicht wieder", meint Mr Doorman fatalistisch.
Da könnte er recht haben. Denn Onkel Vladimir steckt in einer grossen, langen Röhre, eng zusammengequetscht mir irgendwelchen Teilchen, und sucht Schwarze Löcher. Wenn nicht wieder jemand ein paar Brösmeli von irgendwas auf diese empfindliche Gerätschaft streut und es damit lahmlegt, könnte er sogar eines finden. Dann kommt er nicht wieder. Wir müssen uns was einfallen lassen.Weil, irgendwie mag ich den Kerl.

1 Kommentare:

Petra said...

Ich sag das nur ungern so harsch, aber wenn ihr Onkel Vladimir nicht bald bei mir abholt, gebe ich ihn zur Adoption frei! Von wegen schwarzes Loch. Das hat er wohl im Bauch. Der Mann futtert mir die Haare vom Kopf, hat meinem Hund schon Russisch beigebracht und hört nicht mehr auf, Geschichten zu erzählen, ganz komische Geschichten... au secours!!!