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Tabu-Zonen ... von wegen Minarette und so

"Dann schiessen sie mal los", sagt Mr Doorman.
Einfacher gesagt als getan. Aber ich hab's mir selber versprochen:

Der erste (von jenen, die ich kenne), den es erwischte, war ein Teddybär von einem Jugendlichen: Freundlich, nett, aufgestellt ... und vor allem fehlte ihm jeder Hauch von Fremdenfeindlichkeit. Er gehörte zu jenen, die nie etwas gegen Ausländer sagten, im Gegenteil, er nahm sie öfters in Schutz, wenn mal wieder ein Schweizer seine Klappe etwas gar weit aufriss und zu wettern begann.

Wie gesagt, ihn erwischte es zuerst. Er sass alleine vor einem öffentlichen Gebäude, als eine Gruppe jugendlicher Ausländer auf ihn zukam. Irgendwas an seinem Gesicht passte ihnen nicht (er konnte später nicht sagen, was es war). Und so war dieses Gesicht kurze Zeit später Matsch.

Das war auch das erste Mal, wo mir all die vernünftigen Argemente fehlten, mit denen ich jeweils jugendliche Schläger zu verteidigen versuchte. Ich verstand schlicht und einfach nicht, warum diese Jungs das getan hatten.

Trotzdem: So tragisch es war - ich redete mir ein, dass es eine Ausnahme gewesen war. Und dass es auch Schweizer gibt, die zuschlagen. Und dass ich nicht Wasser auf die Mühlen jener leeren wollte, die sowieso gegen alles auch nur ein bisschen Fremde lospoltern. Also sagte ich nichts.

Dummerweise blieb es nicht bei diesem einen Mal. Ich verteidigte nichts und niemanden mehr, wenn die Leute um mich herum ihre Erlebnisse erzählten. Stellte fest, dass solche Vorfälle wie der mit dem Teddybärjugendlichen keine Ausnahme sind. Und hielt den Mund.

Und irgendwann begriff ich den Mechanismus:

Ich kann und darf gegen die Kaste der Banker wettern.
Ich kann und darf über Fussballrowdies herziehen.
Ich kann und darf offene Briefe gegen SVP-Vertreter und FDP-Vertreter schreiben.
Ich kann und darf über birnenweiche Plakate und ebenso birnenweiche Slogans der SP lästern.
Ich kann und darf politische Entscheide in meinem Land in Grund und Boden hinein kritisieren und verurteilen.
Ich kann und darf gegen das Bildungssystem in der Schweiz anschreiben, Gerichtsentscheide hinterfragen und, und und ...

ABER: Ich würde mich in Teufels Küche reiten, wenn ich gegen die ausländischen Schläger in diesem Land herziehe. Weil: So was tut man nicht (ausser man gehört zu jener Sorte Politiker, über die ich gerne mal herziehe). Denn - um auf meinen Teddybärjugendlichen zurückzukommen - vielleicht waren diese Schläger ja Jungs, die irgendwie benachteiligt sind von unserem System, die irgendwie zu kurz kommen im Leben. Ja, vielleicht hat sie unsere Fremdenfeindlichkeit zu einer solchen Tat getrieben. Und überhaupt: Es hätten auch Schweizer sein können.

Ja, es hätten Schweizer sein können. Es gibt nämlich auch Schweizer, die zuschlagen. Und wie. Die Schläger von München sind - soviel ich weiss - Schweizer. Nur, wenn Schweizer zuschlagen, dann darf man sich ärgern und über den Wertezerfall in unserer Gesellschaft reden. Wenn Schweizer Fussballrowdies einen Zug auseinandernehmen, dann darf man ganz offiziell wütend sein. Wenn ein serbischer Jugendlicher einen Familienvater vor den Augen seiner Kinder grundlos spitalreif schlägt, dann sollte man in der Zeitung besser nicht schreiben, dass es ein serbischer Jugendlicher war.

Denn wenn es - zum Beispiel - um jene ausländischen Jugendlichen geht, die in ganzen Gruppen losziehen, mit dem Ziel, ein paar doofe Schweizer zu verprügeln, dann hält der anständige, politisch korrekte Schweizer plötzlich den Mund - er will sich nicht der Gefahr aussetzen, als fremdenfeindlicher Rassist dazustehen. Und so haben wir im Laufe der Jahre eine Tabu-Zone eingerichtet. Eine, über die ein weltoffener, liberaler Schweizer nicht redet.

Geredet wird trotzdem. Von den andern. Den Schlagwortproduzenten, den Politikern mit den billigen Lösungen (alle Ausländer raus / genug ist genug / die Schweiz den Schweizern und was es sonst noch an hirnlosem Quark so alles gibt).

Betroffene (sei es von körperlichen oder verbalen Angriffen) fanden bei den weltoffenen Schweizern kein Gehör - ja, man machte sie öfters mal vom Opfer zum Täter (hättest ja nicht den Minirock tragen müssen / alleine in diese Gegend gehen sollen / nachts um zwei noch auf der Strasse sein dürfen ...). Und so wandten sich diese Betroffenen samt ihrem Umfeld halt an jene, die zuhörten, fühlten sich von den gemässigten Volksvertretern nicht ernst genommen und von der Politik öfters verarscht.

Was das alles mit Minaretten zu tun hat? Auf den ersten Blick absolut gar nichts. Auf den zweiten Blick: Es sind in den meisten Fällen Jugendliche aus dem Balkan, die ein anderes Wertesystem in sich tragen und die dieses Wertesystem auf ihre Weise in der Schweiz umsetzen. Sie können das, weil wir sie haben machen lassen. Sie können das auch, weil unser Wertesystem jugendliche Straftäter nicht in erster Linie bestrafen, sondern "auf den richtigen Weg" zurückbringen will - was an und für sich eine wirklich gute Sache ist, wenn ein Jugendlicher das auch erkennt - was aber sehr schlecht ist, wenn ein Jugendlicher mit einem anderen Wertesystem das als Zeichen von Schwäche auslegt und dann nur Verachtung dafür hat. Sie können das auch, weil niemand ihnen klar und deutlich signalisiert hat: So nicht. Nicht hier. Nicht bei uns. Das heisst, es gibt schon solche, die das sagen. Aber das sind meistens die Schlagwortpolitiker - und sofort folgt der Gegenreflex einer aufgeklärten Gesellschaft, die Probleme lieber differenziert sieht. Auch das wäre an und für sich gut, wenn dieser Wunsch nach einem differenzierten Denken nicht irgendwo einen blinden Fleck hat - eben diese Tabu-Zone.

Zurück zum auf den zweiten Blick: Diese Tabu-Zone hat Folgen. Zum Beispiel, dass die Leute JA zur Minarett-Initiative sagten und eigentlich meinten: Verdammt noch mal, tut endlich was gegen das darüber-spricht-man-nicht-Problem. So haben zum Beispiel sehr viele Schweizer Jugendliche und Junge ein Ja in die Urne gelegt, jene, die zu einer Generation gehören, die im Ausgang immer wieder mit den Problemen konfrontiert werden, die der sich für aufgeschlossen haltende Teil der Schweizer lieber erst gar nicht sieht.

Es gibt noch weitere darüber-spricht-man-nicht-Probleme, die am letzten Sonntag zu einem Ja geführt haben. Es ist höchste Zeit, sie aus ihrer Tabu-Zone zu holen und an Lösungen zu arbeiten. Wie auch immer sie aussehen.

Wie sie nicht aussehen können und dürfen: Rassistisch und ausländerfeindlich. Wie sie aussehen dürfen: Nach echten Lösungen, in denen nicht mehr aus Rücksicht oder Angst Tabuthemen einmal mehr unter den Tisch gekehrt werden.

40 Kommentare:

Bruder Bernhard said...

Dein Problem, zappadong: Diese Tabuzone hast du dir selbst eingerichtet, und nun tschuttest du gegen deine eigene innere wand. und nun soll man plötzlich ohne rassismus und fremdenfeindlichkeit etwas aufbauen, nachdem ihr eine rassistische und fremdenfeindliche initiative, die gar gegen die menschenrechte verstösst, angenommen habt.

du solltest nicht die anderen für deine früheren denkfehler und tabus verantwortlich machen. das ist ganz allein dein problem.

Ugugu said...

Ich möchte auch gerne mal wissen worin dieses Tabu eigentlich genau bestehen soll? Tagein, tagaus Medienberichte über jugendliche Schläger, Hooligans etc. (darüber soll man berichten, keine Frage, und auch nichts verharmlosen, aber es gibt auch noch Leute mit anderen Problemen) und Politiker von ganz rechts bis sehr weit nach links die nur noch darüber sinnieren wie und wo man die Daumenschraube weiter anziehen könnte. Mich würde nämlich auch mal langsam interessieren, wie wir aus dieser reaktionären Spirale wieder ausbrechen? Dabei gibt es längst erprobte Alternativen die sogar funktionieren: Mehr Bildung und mehr Chancen auf richtige Anerkennung zum Beispiel.

Oder etwa indem wir die Logik der braunen Nachwuchskräfte übernehmen? "Scheiss Schwiizer" prügelt "Scheiss-Ausländer" weil "Scheiss-Ausländer" prügelt "Scheiss-Schwiizer". I doubt it. Nein: Rassismus ist zurecht ein Tabu. Und sollte es baldmöglichst auch wieder werden.

Zappadong said...

@ BB: Wenn es ganz alleine mein Problem wäre, wäre es überhaupt kein Problem. Dann könnte ich für mich alleine vor mich hintäubeln und mich ärgern oder mir eine Wand suchen, an die ich meinen Grind schlagen kann. Aber scheinbar bin ich eben doch nicht ganz allein, auch wenn du das ums Verrecken nicht wahrhaben willst. Ich sehe in deiner Haltung ("das ist ganz allein dein Problem") absolut keinen Lösungsansatz - nicht einmal die Bereitschaft, sich mit dem Thema (das deiner Meinung nach kein Problem ist) auseinanderzusetzen. Meine Frage deshalb an dich: Selbst du kannst nicht abstreiten, dass irgendetwas ziemlich schief läuft bei uns. Hast du einen Ratschlag, was man dagegen tun könnte? Da du aus einer ganz anderen Richtung kommst als ich, wäre es spannend zu erfahren, wie du mit der Situation umgehen willst (ausser die Deppen zu beschimpfen, die nicht so abgestimmt haben, wie sie hätten sollen).

@ugugu: Zentral ist deine Frage, wie wir aus der Spirale ausbrechen können. Ich sehe die Ansätze dort, wo du sie auch siehst, nur reicht es nicht, was wir bis jetzt getan haben.

Bildung: Wir sind auf dem richtigen Weg - aber es reicht noch nicht (sonst würde es besser klappen).

Anerkennung: Dazu braucht es zwei Seiten. Es braucht nicht nur die Anerkennung von Ausländern durch uns Schweizer, sondern auch umgekehrt. Ich bin überzeugt, dass bei einer überwältigenden Mehrheit diese Anerkennung zum grossen Teil funktioniert. Dort, wo sie nicht funktioniert, fehlt sie meiner Ansicht nach auf beiden Seiten. Wir sind also bei der Anerkennung noch lange nicht dort, wo wir sein könnten und sollten. Und wie man das ändern kann, ist im Moment meine grosse Frage

Ein Vorschlag meinerseits: Persönliches Engagement und Präsenz zeigen, statt Videokameras installieren. Zum Beispiel: In Zappadong-Hausen gibt es neuerdings sogeannte "Bahnhofspaten", die am Bahnhof Präsenz zeigen. Allein die Anwesenheit dieser - freundlichen - Erwachsenen hat die Situation schon beruhigen können.

Solche Projekte wie die "Bahnhofspaten" sollten meiner Ansicht nach vermehrt zum Zug kommen. Statt bedrohliche Präsenz zu markieren, wird der Kontakt samt Gespräch gesucht. Damit zeigt man: Es ist uns nicht egal, was passiert - aber wir sind auch nicht an Konfrontation interessiert, sondern an einem Kennenlernen. Wo man sich kennt und ernst genommen fühlt, geht man anders miteinander um.

Kein Delegieren an andere: Also nicht alles an die Polizei, die Behörden delegieren, sondern selber tun, was man kann. Ein freundlicher, respektvoller Umgang miteinander (wie man in den Wald ruft, so kommt es zurück) hilft da schon mal ungemein. Aber auch das reicht nicht, weitere Lösungsansätze sind gesucht.

Rassismus darf - wie du schreibst - nicht sein. Wir müssen ihm den Nährboden nehmen. Aber dazu müssen wir meiner Meinung nach das eine oder andere Tabuthema aufbrechen.

Zum Beispiel dieses: Dass eine Behörde Eltern wochenlang vertröstet, weil das Eisen, das es anzufassen gälte, ein sehr heisses ist (es ging im konkreten Fall um Mobbing durch ausländische Mädchen). Hätten die zuständigen Stellen beherzt (und fair!!!) eingeschritten, wären sehr vielen Beteiligten sehr viele unangenehme Momente erspart geblieben.

Titus said...

Gib ihnen Arbeit, gib ihnen einen Sprachkurs und schick' ihre Kinder in die Schule: Etwa so sehe ich die heutige Integrationspolitik.

Bei den Italienern, die ja gerade wegen der Arbeit in die Schweiz kamen, funktionierte das gut.

Doch bei jenen aus dem Balkan funktioniert dieses einfache «Konzept» eben nicht.

Sie stammen aus einem Land, das es nicht mehr gibt (Yugoslawien). Die ursprüngliche Tradition wurde durch das yugoslawische Regime kaputt gemacht. Worauf kann man stolz sein?

Verhalten wir uns im Ausland nicht deshalb auch äusserst korrekt, weil wir stolz sind, Schweizer zu sein und mit unserem Verhalten die Schweiz nicht beschmutzen möchten? Wenn aber nichts da ist, worauf man stolz sein kann, warum soll man sich dann korrekt verhalten? (ich hoffe, ich konnte das verständlich rüberbringen).

Wahrscheinlich trifft noch ein anderer Punkt zu, nämlich die familiäre Tradition, welche eben auch Halt geben kann und «Halt» sagen kann (eben die Regeln setzen).

Zum einen sind Familien aus den Balkanländern äusserst zerissen und die Kommunikation mit ihnen ist wahrscheinlich nicht einfach. Zum anderen finden sie bei sich zu Hause ein aus unserer Sicht «veraltetes» Familienbild vor, welches sich nie richtig (weiter)entwickeln konnte. Dieses prallt nun auf unser Bild, in dem zumindest vordergründig alles erlaubt ist.

Alles in allem denke ich, dass wir insbesondere jene aus dem Balkan falsch aufgenommen und behandelt haben, das heisst, nicht berücksichtigt haben, dass sie aus einem kriegsgeplagten Land stammen, in dem vor Ausbruch des Krieges viele freiheitliche Werte ausradiert wurden.

Wir müssen uns daher in Zukunft schon überlegen, ob man immer alle nach dem gleichen Schema behandeln kann...

Thinkabout said...

@Bruder Bernhard

Dein Kommentar macht mich ziemlich fassungslos. Wahrscheinlich ähnlich fassungslos, wie Du Dich eben fühlst. Deine Einstellung aber ist von einer eigenen ganz besonderen Selbstgerechtigkeit. Ist alles nicht (mehr) Dein Problem? Schuld tragen die anderen, welche die Folgen zu verantworten haben.
Au weia, lieber BB. Es ist Zeit, vom Ross runter zu kommen und zu überlegen, was denn schief läuft, dass es - um in Deiner Sprache zu bleiben - so weit kommen konnte?
Von Dir habe ich noch keinen einzigen vernünftigen Satz gelesen, der sich danach erkundigt hätte, wie es sein kann, dass sechs von zehn Schweizern so reagier(t)en, wie Du es verabscheust? Eine Fehldiagnose der Situation zu behaupten genügt da nämlich offensichtlich nicht.
Merke: Wahr ist auch, was gefühlt wird. Es ist politisch relevant. Und wahr ist auch, dass es dafür konkrete Erfahrungen gibt.
In städtischen Agglomerationen musst Du mir den Lehrer erst zeigen, der noch nie hilflos einer Situation gegenüber stand, in der jugendliche Immigranten mit ihrer fehlenden Konfliktfähigkeit (so wie wir diese verstehen) eine Situation schafften, in der weder Autorität noch Konzilianz irgend etwas bewirkte - mit einer Gewaltbereitschaft, die genau daher rühren durfte, wo sie Zappadong vermutet.
Welcher Lehrer führt in solcher Schulumgebung Elternabende durch, bei denen auch nur ein Drittel der Eltern genau dieser Kinder anwesend sind? Nur so als weiteres Beispiel.
Ich würde mir wünschen, Du würdest das Moralisieren über die ach so von rechts verführten unverantwortlichen Zeuseler lassen, darin die echte Sorge erkennen - und z.B. mit konkreten Beispielen, KONKRETEN, dagegen anschreiben, von positiven Beispielen erzählen, statt einfach zu behaupten, die Wahrnehmungen einer Rheintalerin, die im Rheintal lebt, wären falsch.

Thinkabout said...

@Ugugu
Ich glaube, das Tabu gibt es. Die braune Sosse, die Du ortest, ist genau das, was Menschen wie Zappi in dieser Debatte sehr schnell anvermutet wurde (eigene Wortschöpfung, sorry), und zwar sehr schnell. Es gibt eine Art Wohlfühl-Reflex in der Politik, der Toleranz gegenüber Integrationsschwierigkeiten in eine Passivität abgleiten lässt, die schnell zu gefühlter Gleichgültigkeit wird: Lehrpersonen fühlen sich vielerorts sehr allein und überfordert mit diesem Problem. Es ist eben generell nicht mehr opportun, mit Erziehung Regeln zu verbinden, die dann auch durchgesetzt werden. Auf jeden Fall haben Lehrer dafür keine Rückendeckung -und ernten dafür nur Hohn und Spott von jenen Jugendlichen, die nur diese Sprache kennen.
Also braucht es dafür viel mehr Konzepte und Massnahmen - aber auch die klare Ansage an die, welchen man Unterstützung geben möchte: Das Angebot ist nicht gratis. Und die Regeln sind nicht beliebig.
Eine Clausthaler-Erziehung "manchmal sitzt der Hund, manchmal eben nicht", reicht da nicht.
Oder halt: es braucht mindestens die Bestätigung des Zusatzes: Aber immer öfter.

Schön, dass Du und Zappi in vermehrten Anstrengungen für Bildung den Lösungsansatz seht. Würde ich auch gern. Mir fehlen nur die konkreten Beobachtungen dafür. Wurde der Bildungsetat erhöht?

Und, auch wenn es nicht unser Hauptproblem sein muss, aber so ganz unverwandt ist es nicht mit unserer politischen Landschaft: Was ist davon zu halten, dass in D eine Abwrackprämie mal eben so für 5 Mia Euro beschlossen werden kann, der Bildungsetat jährlich aber nur gerade 6 Mia beträgt?

Können wir sagen, dass es bei uns eine konstruktive, kreative Unrast gibt, die nach vermehrten Bildungskonzepten und -Anstrengungen sucht und sie will?
Und genügen uns diese?

Also, machen wir den Politikern mal ein bisschen mehr Feuer unter dem Hintern und sagen Ihnen: Na, erschreckt über das Ergebnis? Dann sorgt dafür, dass das, was unser integrativer Schulstoff eigentlich enthalten würde, auch besser unter ALLE Leute kommt.

Die Schweiz ist nach wie vor ein Land mit viel Potential für echte Integrationsleistungen. Aber es ist Zeit, den Verdacht der Beliebigkeit aus den Massnahmen und Bildungsinstituten zu verbannen -und dafür auch vermehrt faire Angebote zu starten. Dann darf und soll man daran aber auch die Regeln knüpfen und auch anwenden, die mit dazu gehören.

Thinkabout said...

@Titus
Auch noch was an Dich und
@Alle,
dann halte ich die Klappe:
Danke für Deine Gedanken, sie scheinen mir sehr wichtig zu sein.
Ich möchte noch was in die Runde werfen, werde das aber auch sonst noch thematisieren:

Ist Euch schon mal aufgefallen, wie sehr wir hier eine Diskussion über Dritte führen? Ist es einem von uns in den Sinn gekommen, genau diese Dritten zu fragen, zu versuchen, sie in die Debatte zu integrieren? Hat jemand von Euch Menschen angeschrieben, befragt, eingeladen zu eigenen Darstellungen, Statements etc.
Wahrscheinlich nicht, und das ist kein Vorwurf. Aber genau darin muss sich (auch) etwas ändern.
Wir müssen Formate, Umgebungen und Anlässe schaffen, in denen sich Muslime besser und leichter und freier nach aussen darstellen können.
Die heute gelesenen Sätze, die mir ein gutes Stück Gelassenheit (und auch Zuversicht) zurück geschenkt haben, kamen von Muslimen. Gut möglich, dass es abseits von den Laugtsprechern gerade unter ihnen viele gäbe, die uns lehren könnten, dass man in der weiteren Folge durchaus auf Augenhöhe an Verbesserungen arbeiten kann.

Titus said...

Ja, Thinkabout, die eigentlich Betroffenen sind bis jetzt kaum zu Wort gekommen. Das ging mir auch durch den Kopf, als ich von den Zuzügern aus dem ehemaligen Yugoslawien sprach.

Allerdings, die Meinungsfreiheit war in diesem Zusammenhang nur wegen den Plakaten ein Thema und nicht etwa weil Betroffene nicht ihre Meinung hätten äussern können.

Wir vergessen dabei vielleicht, dass nicht sie mit uns, sondern wir mit ihnen ein Problem haben - und dass sie die Situation vielleicht auch unterschätzt haben oder noch immer unterschätzen, um sich aus eigenem Antrieb, also ohne erst befragt werden zu müssen, sich zu äussern.

Zudem spielt bei den Betroffen sicher noch etwas anderes mit rein: «Bloss nicht auffallen, bloss sich nicht hervor tun».

Weiter ist es auch eine Gratwanderung, den 400'000 Personen die richtige «Protion» Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, das heisst, nicht ständig nur über sie zu berichten, sie aber eben auch nicht gänzlich zu vergessen.

Und schliesslich - das ist das altbekannte Problem - stellt sich natürlich auch die Frage, wer sich für solche Minderheiten interessiert. Lässt sich daraus eine Bildstrecke machen? - um es etwas plakativ zu sagen...

Das sollen keine Ausreden sein. Doch wie Du bei Monsieur Croche schon sinngemäss sagtest: Dir fehlen auch gewisse Zeichen seitens der Betroffenen. Mir auch.

Zappadong said...

Generell, bevor ich einzeln antworte:

Ich gestehe: Ich gehe mit dem Gedanken an diese Abstimmung zu Bett und wache damit auf. Seit fast einer Woche. Heute Morgen habe ich mir gedacht: Du hast die Perspektive verloren; du bist zu nah dran. Nur wenn man es von weiter weg anschaut, kann man verstehen.

Ich gestehe auch: Mein leerer Stimmzettel ist ein Resultat dieser Nähe. Ob er anders ausgesehen hätte, wenn ich sachlicher und auf der Vernunfts- statt auf der Gefühlseben abgestimmt hätte?

Ich frage mich aber auch: Wenn es ein Nein gegeben hätte - würden wir dann all diese Diskussionen führen? Könnte ich dann all diese Artikel in den Zeitungen lesen, die mir in den letzten Tagen wirklich im Kopf haften geblieben sind? Heute Morgen zum Beispiel die ganze Seite aus dem Teil "Kultur und Gesellschaft" im Tagi. Nein, wir wären wohl zur Tagesordnung übergegangen, die "richtigen" hätten "gewonnen" - no need to worry, everything okay und weiter im Text, während sich die "Verlierer" einmal mehr fragten, ob man sie in diesem Staat noch wahrnehme.

Irgendwo sitzt ein ganz heftiger Frust, dass es zu einem solchen Abstimmungsresultat kommen konnte. Vielleicht liegt BB mit seiner Frage nach den Zu-kurz-gekommenen gar nicht so schief. Vielleicht haben wir gerade alle - Ausländer und Schweizer - in diesem Land das Gefühl, zu kurz zu kommen. Mehr dazu später.

PS: Leider habe ich den Text von Martin Ebel nicht online gefunden.

Zappadong said...

@Titus: Ich finde, du sprichst in deinem Kommentar ein paar entscheidende Punkte an, die es wert sind, in einem separaten Beitrag diskutiert zu werden.

"Verhält" ein einziges Integrationskonzept für alle Gruppen? Oder versagt es bei einzelnen (ganz konkret bei den Menschen aus dem Balkan).

Falls es bei einzelnen Gruppen versagt, was können wir besser machen oder wo können / müssen wir ansetzen.

Es sind - auch das ist heute im Tagi geschildert - nicht zuletzt auch Jugendliche, die ein Ja in die Urne gelegt haben. Und da lese ich dann Sätze wie diese: "Wir Jugendlichen haben eben schlechte Erfahrungen gemacht" Und: Die Lehrlinge üben Kritik an der älteren Generation, die keine Ahnung habe von den Problemen, mit denen die Jungen in ihrem Alltag konfrontiert werden."

Darüber muss geredet werden. Denn, wenn Jugendliche so sprechen, meinen sie damit nicht den Tamilen, der neben ihnen die Schulbank drückt oder die Lehre macht, sondern Jugendliche aus dem Balkan, deren Integration besonders schwierig zu sein scheint.

Einer der Gründe orte auch ich in dem wahnsinnigen Spagat zwischen dem Leben im Elternhaus und dem realen Leben in der Schweiz, den die Jugendlichen machen müssen. Den Ruf, gegen den sie ankämpfen - oder halt eben nicht mehr ankämpfen, sondern ihn ganz bewusst ausleben (so quasi als Bestätigung).

Da ist so vieles aus dem Ruder gelaufen, dass Bildung alleine nicht mehr genügt. Oder, wie es einer der Jugendlichen, die ich kenne, schon fast ratlos verzweifelt gesagt hat: "Die haben doch alles. Die besuchen unsere Schulen. Bekommen Förderunterricht. Haben die gleichen Chancen wie wir. Weshalb packen sie es denn nicht?"

Zappadong said...

@thinkabout:

Als der Kanton Basel (ich weiss leider nicht welcher der beiden) anfing, Integration mit Gegenforderungen zu verbinden (Deutsch lernen / Elternabende besuchen usw.) ging durch manche Reihen ein Aufschrei. Mittlerweile gilt genau dieser Kanton mit seinen Massnahmen als Vorbild.

Zu den Situationen in der Schule: Ich denke, das muss in die Richtung gehen, die ich weiter oben schon angedacht habe. Wir haben alle eine Verantwortung. Es liegt an uns, das vorzuleben, was uns wichtig ist. Und es liegt an uns, die (Erziehungs)Arbeit nicht nur den Lehrkräften und den Polizisten zu überlassen. Nur haben wir leider einen Punkt erreicht, wo das gar nicht mehr so einfach ist. Konkretes Beispiel aus meiner näheren Umgebung:

Vier Jugendliche zwingen ein paar mit einem Kinderwagen, auf die Strasse auszuweichen (das Trottoir wollen sie für sich allein). Ein Mann mischt sich ein und fordert mehr Respekt für das Paar mit dem Kinderwagen. Er wird krankenhausreif geschlagen. Da überlegt sich so Mancher, ob er noch etwas sagen / tun soll.

Vielleicht müssen wir uns wirklich zusammenschliessen. Wie die Bahnhofspaten in Zappadong-Hausen. Oder die "Nachtwanderer", über die ich kürzlich ein Portrait gesehen habe: Das sind Gruppen von Menschen, die freiwillig nachts unterwegs sind - im Gegensatz zu "Bürgerwehren" nicht als Bedrohung, sondern als Hilfe für jene, die Angst haben und als Ansprechpartner für jene, die ein Problem haben.

Zum direkten Kontakt ein Beispiel:
Da geht einer (den ich kenne)beim Vater der Freundin seiner Tochter vorbei mit den Worten: "Nichts für ungut, aber ich will sehen, mit wem meine Tochter da so verkehrt." Der Vater (ein Serbe) lädt ihn auf ein Bier ein, sie stossen zusammen an und besagter Vater entschuldigt sich für sein Misstrauen - er habe halt so seine Erfahrungen gemacht. Was sagt der Serbe? "Ich nehme es dir nicht übel. Schäme mich ja selber wie ein Hund, wenn mal wieder etwas passiert, das auf die Kappe meiner Landsleute geht." Die beiden kommen seither bestens miteinander aus.

Das Problem ist damit aber nicht gelöst. Wie Titus sagt: Wie schaffen wir es, an etwas zu arbeiten, dass 400'000 Menschen betrifft, die vorwiegend damit beschäftigt sind, nicht aufzufallen, weil sie keine Angriffsfläche bieten wollen ... und ein Teil davon auffallen will, aus was für Gründen auch immer (Identitätssuche / auf sich aufmerksam machen usw.

PvC said...

@zappadong
Ich will mich nicht in eure Schweizer Debatte einmischen, schon gar nicht in eine derart emotionalisierte. Nur vielleicht zum Nachdenken etwas von außen:

In meiner sicherlich bereits altmodischen Journalistenausbildung habe ich einen wichtigen Grundsatz gelernt (der heute leider immer mehr mit Füßen getreten wird):
Wenn in einem Artikel jemand möglicherweise kriminalisiert wird (z.B. in Polizeiberichten), dann gehören da folgende Dinge absolut nicht hinein, wenn sie nicht DIREKT als Ursache zur Tat führten: Die Nationalität, die Religion, die Herkunft plus Name.

Der Journalist, der das trotzdem tut, macht sich schuldig, falsche Zusammenhänge und Motive zu konstruieren und damit womöglich ganze Gruppen von Menschen unter Generalvorverdacht zu stellen.

Und nur, wenn ich da wirklich objektiv bleibe, kann ich die wahren Ursachen erforschen, die seltenst dort liegen, wo sie so schön einfach scheinen. (Nebenbei: bei uns gibt es keinen einzigen Jugendlichen aus dem Balkan, aber die gleichen Probleme mit Jugendlichen, so what?)

Innehalten, aufpassen, was man mit leichtfertigen Verknüpfungen anrichtet - und wem man damit in die Hände spielt.

Bruder Bernhard said...

@zappadong: wie lange schon schreibe ich gegen diese unsägliche initiative an? habe ich nicht alles schon mehrfach geschrieben?

ihr wolltet ein zeichen setzen. das habt ihr geschafft. ich fand den anlass krumm, verquer, unpassend, daneben, diskriminierend, rassistisch. verantwortungsvolle intellektuelle sollten sich nicht zu anwälten eines dumpfen unbehagens machen, sondern ihm mit ihren mitteln begegnen. dafür schreibe ich.

einzelfälle kann man seitenweise zu allem und jedem zitieren, die sind sicher auch schrecklich, das habe ich selber auch schon mehrfach so geschrieben und z.b. gefordert, die schweiz solle endlich ihre verantwortung als reichstes land der welt wahrnehmen und der milliarde verhungernder wirkungsvoll helfen.

hier werden sachen verknüpft die nicht zusammen gehören, das hilft euren einzelfällen keinen schritt weiter.

@thinkabout: keine ahnung, wieso dich mein jetziger kommentar fassungslos macht. hast du ihn gelesen? zappadong schreibt über ihr verqueres verständnis von political correctness, das sie vom tabu schnurstracks zum knallenden tabubruch führt. da hat sie etwas falsch verstanden gehabt, das kann sie jetzt nicht irgend jemand anderem anlasten.

vernünftige sätze habe ich genug geäussert, wie es so weit kommen konnte. ich werde sie hier nicht wiederholen. es konnte so weit kommen, weil es eine grundstimmung gibt in dieser satten selbstzufriedenen schweiz: schuld haben immer die anderen. dies in etwa die zusammenfassung meiner bisherigen beiträge.

wenn ich noch deine beispiele aus den städtischen agglomerationen lese, zeigt sich wieder dieser verhängnisvolle drall, überall einen trend gegen die immigranten zu basteln. zu jedem beispiel gibt es gegenbeispiele oder beispiele mit schweizer akteuren - also, was sollen diese nebelkerzen? so können wir noch jahrelang hin und her debattieren...

Thinkabout said...

@Bruder Bernhard
vom "verqueren verständnis von political correctness" zum "tabubruch" - es sind immer Wertungen, die Du vornimmst und die höchstens Unterschiede zementieren. Und wenn denn ein Tabu gebrochen worden ist, so liegt darin auch die Chance, aufgebrochene Krusten mit Lösungsmodellen zu ersetzen.
Wenn Du anprangerst, dass nach unserer Meinung "Schuld immer die anderen hätten", dann lies Deinen Kommentar noch: Er sagt genau das. Schuld haben allein wir. Damit motivierst Du uns nicht gerade zu Reflexion, würden wir sie nicht schon selbst führen.
Wahrscheinlich bleiben wir Beide auf halbem Weg stehen:
Wenn Du anmahnst, wir würden einen Trend gegen Immigranten basteln, dann verkennst Du, dass wir nicht Repression wollen, sondern Sanktion in Form einer Erziehung zur massvollen Integration - die sich nach Kriterien für alle richtet und sehr wohl ein Hilfsmittel und keine Unterdrückung sein soll. Wir wollen mehr Einmischung zum Wohl der Durchmischung. Mit Nebelkerzen hat das herzlich wenig zu tun. Vielmehr mit der Erkenntnis, dass es auch hier nicht nur schwarz und weiss gibt. Leider auch nicht zugunsten Deiner Position.

Petra said...

Sanktion = Bestrafung. Erziehung als Strafe?

Ich will mich mal nur kurz neben Bruder Bernhard aufs Strafbänkchen setzen. Weil ich ähnlich fassungslos wie er beobachte, wie es heutzutage offensichtlich keine Rolle mehr spielen soll, vor wessen Karren man sich spannen lässt und wem man mit dem Hochstilisieren von persönlichen Einzelerlebnissen zu Pseudostatistiken gerade wunderbar in die Hände spielt. Weil dort auf genau die gleiche Weise argumentiert wird. Die Rechten in ganz Europa feiern solche Argumente. Und wer die Abstimmung ins Land setzt, war sattsam bekannt.

Ja, da hat jeder einzelne eine Verantwortung dafür, wem er die Bälle zuspielt, auch wenn Verantwortung weh tut. Die deutsche Geschichte hat gezeigt, was aus solch harmlosen Ballspielen werden kann, bei denen sich kein Gutmensch etwas Böses denkt.

Ich würde gern jeden, der auf Bruder Bernhard wegen seines Wachseins herumhackt, nach Marseille einladen. Dort feiert gerade vor den Regionalwahlen die Front National die braven schweizerischen Gutmenschen und saugt begierig persönliche Erlebnisse mit den ach so bösen Ausländern, den ach so bösen Anderen auf. Und nicht nur dort. Schon mal an die bodenlose Gewalt, den Hass und die Straftaten dieser Jugend gedacht?

Ihr habt jetzt keine Türmchen mehr vor dem Kopf, aber lasst bitte nicht Bretter davor wachsen!

Thinkabout said...

@Petra
Ich bin es müde, mir vorwerfen zu lassen, ich hätte mich vor einen fremden Karren spannen lassen. Damit sagt man, sagst Du, ich wäre zu dumm gewesen, die wahren schlechten Beweggründe anderer zu verstehen, oder zumindest unverantwortlich genug, ihnen ein Sprachrohr zu geben. Tut mir Leid:
Nach meiner eigenen Einschätzung wäre es unverantwortlich gewesen, meinem und dem Unbehagen meiner kleinen Welt, die nicht bis nach Marseille reicht, keine Stimme zu geben. Und ich agiere dabei nicht in erster Linie politisch, sondern gesellschaftlich, und wage sogar die Behauptung, dass, wer Verantwortungsbewusstsein reklamiert, dieses in der Folge selbst wird beweisen müssen. Gezeter und Fremdschämen wird dafür nicht ausreichen.
Der Schweiz nun Fremdenhass vorzuwerfen und entsprechend motiviertes Abstimmungsverhalten, das ist wirklich gefährlich. Das heisst, zu verkennen, dass die Schweiz ein sehr wohl integratives Abstimmungsverhalten gezeigt hat, immer wieder. Hervorragend hierzu der Leitartikel bei NZZ Online heute:
Die Schweiz wird am Minarettverbot nicht zerbrechen. Genauso wenig anzunehmen ist, dass der Souverän bei ausländerpolitischen Vorlagen nun plötzlich nur noch dem Bauchgefühl folgen und der Symbolpolitik den Vorzug geben wird. Zur Erinnerung: Die im Februar zur Abstimmung gebrachte Ausdehnung der Personenfreizügigkeit auf Bulgarien und Rumänien – beides Länder, mit denen viele Schweizer nun wahrlich nicht nur sonnige Gedanken verbinden – wurde mit rund 60 Prozent der Stimmen klar angenommen.

PS: Irgendwie schön: Als Word Verification verlangt die Software von mir die Eingabe von: "sorglyt"

Bruder Bernhard said...

@thinkabout: es fällt mir schwer, meinen sarkasmus an die leine zu nehmen. ich frage mich schon, was du mir eigentlich vorwirfst. ich werte? welche bizarrer vorwurf. ich sitze auf dem hohen ross? weil ich finde, die mehrheit hat nicht immer recht? vielleicht solltest du langsam deine eigene kleine welt doch ein bisschen erweitern, bevor du vor abstimmungen politisch unverantwortliche parolen propagierst.

die schweiz ist nicht xenophob. das sagt hier zumindest niemand. aber eine mehrheit der stimmbürger hat einer xenophoben vorlage zugestimmt, in vollem wissen darum, dass sie es ist. das wurde nämlich vorher genug diskutiert, so dass alle bescheid wussten.

da muss man werten, weil es wurde mist gebaut. euer signal nach oben und unten hat sich verselbständigt.

Petra said...

Ich bin baff erstaunt, wie man meine Worte massiv uminterpretiert. Und kann nur Bruder Bernhards zweiten Abschnitt unterschreiben.
Damit verlasse ich jetzt erst mal die kleine Welt. Ich gehöre da ganz offensichtlich nicht hin...

Mara said...

Und was ist jetzt damit gewonnen, den dumpfen Jugendlichen eine scheinbare Nationalität zuzuordenen? Wahrscheinlich aben sie eh schon längst die schweizer Staatsbürgerschaft - wie lange wollt ihr Sie noch Ausländer nennen?

Es ist doch nichts damit getan ihnen eine Religion anzuhängen, von denen sie wahrscheinlich keine Ahnung haben und so zut un als hätte sie alle Chancen der Welt sie müssten sie nur bei den Hörnern packen (haben sie nämlcih nach neuesten Untersuchungen überhaupt nicht, die Fussnoten zu der OECD-Studie macht alles wieder zunichte).

Ich weiss immer noch nciht, wass das überhaupt mit der Abstimmung zu tun haben sollte. Die Angst ist hier Gewalt auf der Strasse -

PS: es gibt bereits gerichtsakten aus dem 17- jahrhundert aus dem Burgund, die ganz wunderbar das Phänomen der marodierenden Jugendgruppe zum ersten mal genauer beleuchtet.

PSS: die Stärke der schweizer Demokratie ist dass sich darüber immer vor der Abstimmung Gedanken gemacht wurde...

Titus said...

@ PvC
Wir sind hier (hoffentlich) noch nicht so verborrt, nicht auch eine Sichtweise von «aussen» zuzulassen. Das kann häufig auch ein Spiegel sein, den man uns vors Gesicht hält.

@ BB / Thinkabout / Petra
Erlaubt mir Euch daran zu erinnern, dass die Abstimmung vorbei ist. Hier muss niemand mehr davon überzeugt werden, was er zu stimmen hat. Schauen wir nach vorn und versuchen, auch das Positive aus diesem Entscheid zu sehen (ja, das gibt es auch).

Um mich nicht zu wiederholen:
http://www.augenreiberei.ch/2009/12/04/akzeptabel-%E2%80%93-oder/comment-page-1/#comment-1039

Zappadong said...

Vielleicht sollten jene, die schlicht und einfach abstreiten, dass wir kein Problem mit einem Teil der muslimischen Bevölkerung haben, folgendes Bedenken: Wir können die Existenz dieser Probleme glatt abstreiten - und tun damit absolut niemandem einen Gefallen. Schon gar nicht jener Bevölkerungsgruppe, in der die Probleme vermehrt auftreten. Denn: Die Stimmung wird sich weiter aufladen und leiden darunter tut dann nicht jener Teil dieser Bevölkerungsgruppe, die versucht, sich in unsere Gesellschaft einzufügen. Wobei ich einfügen nicht gleichsetzen will mit totaler Anpassung.

Ich würde gerne das Positive dieses Entscheids sehen - weiss aber, dass dies in den Ohren der "Verlierer" vom letzten Sonntag wie Hohn klingt. Trotzdem: Wir hätten jetzt die Chance zu einer Diskussion, zu einem Hinterfragen von Mechanismen sowohl von Rechts als auch von Links. Wir könnten das Positive unseres bisher eingeschlagenen Wegs suchen, uns fragen, was gut funktioniert hat (das ist sehr vieles), uns aber auch der Frage stellen, was schief gelaufen ist. So viel ich weiss, macht man das fast überall, wo Menschen zusammen leben und arbeiten - warum also nicht auch in einem Staat.

Im Moment aber scheint mir, machen wir genau den Fehler, den wir nicht machen sollten: Gewisse Kreise der Abstimmungsgewinner machen auf Häme und klopfen sich auf die Schulter und gewisse Kreise der Abstimmungsverlierer negieren sämtliche Probleme. Beides bringt uns keinen Schritt weiter.

Ich weiss, dass ich mich wiederhole: Aber meine Stimme vom letzten Sonntag war der Wunsch, diese Diskussion endlich einmal führen zu dürfen.

@Mara: In die Klasse von Zap kamen in der Oberstufe zwei Flüchtlingsmädchen aus dem Iran. Beide waren ungefähr ein Jahr in der Schweiz als sie nach Zappadong-Hausen zogen. Ihre Eltern kamen zum Elternabend; sie sprachen nach der kurzen Zeit schon ziemlich gut Deutsch. Ein Mädchen hat die Realschule besucht und ist seit diesem Sommer in der Lehre, ihre Schwester hat zusammen mit Zap von der Realschule in die Sek gewechselt und beginnt nächsten Sommer eine Lehre. Es ist also möglich.

Und gerade weil es möglich ist und gerade weil es viele Beispiele gibt, die zeigen, dass es möglich ist, finde ich, dass es unsere Pflicht ist, dort genauer hinzuschauen, wo etwas nicht funktioniert hat. Damit man das kann, muss man sich aber erst einmal eingestehen können, dass es überhaupt etwas zum Hinschauen gibt. Denn: Vielleicht haben die erschwerten Bedingungen eines Teils ausländischer Jugendlicher bei der Lehrstellensuche ja auch etwas damit zu tun, dass ein Teil ihrer Landsleute nicht ganz unschuldig ist, dass man ihnen mit Vorurteilen begegnet. Ich behaupte noch einmal: Wir tun überhaupt niemandem einen Gefallen, wenn wir Problem negieren oder sie verniedlichen. Im Gegenteil.

Die Sonntagspresse heute war voller Artikel zum Thema. Die verschiedensten Stimmen kamen zu Wort. Für mich wäre das ein guter Anfang.

Mara said...

@ zappadong

Es gibt einen eklatant grossen Unterschied zwischen politischen Flüchtlingen (Iran, Kaukasus, China..)die als Einzelpersonen in die Schweiz kommen und Bevölkerungsgruppen die in erster Linie aus wirtschaftlichen Gründen zuwandern. Die politischen Flüchtlinge waren schon in ihrem Heimatland grösstenteils Eliten, bildungsnah und hochflexibel (sonst wären sie nämlich nicht hier). Das sind völlig andere Voraussetzungen.

Zappadong said...

@Mara: völlig einverstanden. Und darum sollten wir Integrationsmassnahmen diskutieren. Herausfinden, wo wir sie verbessern können. Herausfinden, wo sie warum funktionieren und wo sie warum scheitern. Nur so können wir etwas ändern.

Diese Diskussion wünsche mich mir. Dabei soll endlich einmal alles offen auf den Tisch gelegt werden dürfen, denn Problemlösungen, die auf dem Ausblenden wichtiger Aspekte beruhen, sind keine Problemlösungen. Beispiel: Da beklagt sich eine Bibliothekarin bei mir, dass jedes Jahr so und so viel Geld für Bücher in jensten Landessprachen ausgegeben werden, die dann aber die meiste Zeit ungelesen auf dem Buchregal in der Bibliothek stehen.

Sprich: Eine an und für sich sehr gute Idee ist zum Scheitern verurteilt, weil man gewisse Punkte nicht berücksichtigt hat oder (im Moment noch) Unrealistisches erwartet - für Mütter aus bestimmten Religions- und Kulturkreisen ist der Gang in eine Bibliothek schlicht und einfach nichts Selbstverständliches.

Zappadong said...

PS: Dazu gehört für mich auch das offene Eingestehen, dass wir ein Problem mit dem Verhalten eines Teils der männlichen Jugend aus dem Balkan haben. Dieses Eingeständnis würde uns helfen, ganz konkret an dem Problem zu arbeiten.

Ich weiss, dass in dieser Richtung schon verschiedenste Anstrengungen unternommen werden und dass auch an vielen Schulen Bemühungen im Gang sind, das Problem konkret anzugehen. Nur: Darüber liest man sehr wenig; es wird zu wenig kommuniziert - und ich weiss nicht, ob das einfach an den Journalisten liegt, die lieber eine Sensationsmeldung bringen, oder aus Angst davor, auf diesem Weg zuzugeben, dass wir ein Problem haben.
Dabei bin ich überzeugt, dass man sehr viel Alltagsfrust vermeiden könnte, wenn jene Menschen, die die Faust im Sack machen, wüssten, was überhaupt getan wird.

Um ein heikles Thema aufzugreifen: Bei ganz vielen Büezern hat es jahrelang rumort, weil sie das Gefühl hatten, die IV sei eine total ungerechte Sache. Man hat ihnen gesagt, Sozialbetrug gebe es nicht. Aus ihrem eigenen Erleben heraus wussten sie, dass es ihn eben wirklich gibt. Seit die Kontrollen stärker sind und das auch so kommuniziert wird, ist das viel weniger ein Thema, ganz viel Frustpotential hat sich in Luft aufgelöst. Der Büezer kann und darf wieder an Gerechtigkeit glauben.
Gewonnen haben beide Seiten: Nämlich jene, die gesagt haben, die Missbrauchquote sei minim (das ist jetzt nicht mehr eine diffuse Behauptung, sondern erwiesen) und der Büezer, der jetzt mit mehr oder weniger mit dem Gefühl zur Arbeit geht, es herrsche Gerechtigkeit (weil für ihn vorher jeder Einzelfall der Beweis vom Gegenteil war).

Bruder Bernhard said...

@zappadong: Dein zitiertes Unbehagen an der IV ist ein gutes Beispiel, um zu zeigen, wie weit das von Dir behauptete Volksempfinden an den tatsächlichen Ursachen vorbei geht. Was war das Problem? Die paar Sozialbetrüger? Das entspricht einfach nicht den Tatsachen.

Es ist z.B. erwiesen, dass die IV vor allem darunter zu leiden begann, dass die Firmen die Leute in noch so gerne in die IV abschoben, um sie nicht entlassen zu müssen. Man muss sich nur mal diese Präsentation von Maggie Graf vom Seco anschauen, ist zwar von 2005, aber das ist ja genau die heisse Zeit: http://www.gesundheitsfoerderung.ch/pdf_doc_xls/d/betriebliche_gesundheitsfoerderung/allgemeines/BGF_Tagung_Archiv_2005/d/Graf_Maggie__Praesentation.pdf
- auffällig der Zusammenhang zwischen Alter und IV (je älter desto IV), Bildung und IV, Branche und IV (Bau an der Spitze).
Fazit: Von dir als Intellektuelle würde ich eigentlich erwarten, dass Du mithilfst, Mythen zu zerstören, statt diese unter der Entschuldigung 'so fühlt der Büezer eben, das muss man ernst nehmen' weiter aufzuwärmen.

Ugugu said...

@Thinkabout:

"Genauso wenig anzunehmen ist, dass der Souverän bei ausländer- politischen Vorlagen nun plötzlich nur noch dem Bauchgefühl folgen und der Symbolpolitik den Vorzug geben wird."

Keine Ahnung wie du zu diesem Urteil kommst. Ich kann dir und der NZZ in diesem Punkt überhaupt nicht folgen. Die Schweizer Stimmbürger haben schon mehrfach mit dem Bauch anstatt mit dem Kopf gestimmt, gerade wenn es um das Thema Migration geht. Oder wie willst du mir erklären, dass wir über Ausländer- und Asylgesetze verfügen, die in ihrer Rigidität europaweit ganz weit vorne stehen? (Auch hier gilt die Schweiz unter Faschisten von Nord- bis Südeuropa übrigens als "Leuchtturm".)

Nein, sobald es um konkrete Integrationsschritte geht (Einbürgerung der dritten Generation, remember?) sind wir Schweizer momentan komplette Versager.

Ein Überlegungsfehler scheint mir zu sein, dass du dir als gläubiger Christ offenbar nicht vorstellen kannst, dass 80 Prozent der Muslime in der Schweiz (mit oder ohne Schweizer Pass) sich selbst kaum bis gar nicht über Religion definieren, da sie wie ein Grossteil der Schweizer längst rationalere Fundamente gefunden haben als jahrhunderte alte Märchen von höheren Wesen.

Wir haben über ein Phantom abgestimmt und keineswegs über Integrationsmassnahmen. Der Verfassungsartikel entspringt rassistischen und religiösen Motiven und ist juristisch ganz eindeutig diskriminierend. Wer freiwillig am völlig überdrehten Überfremdungsdiskurs der SVP mitdrehen will, darf dies tun, keine Frage, muss sich dann aber auch nicht darüber die Augen reiben, dass er im gleichen Boot hockt.

Der seit 20 Jahren gefahrene Extremkurs der SVP ist rein parteipolitisches Kalkül. Sobald sie davon abweicht, schmilzt sie auf eine 10-Prozent-Partei zürück, da es in den anderen bürgerlichen Parteien genügend Hardliner gibt.

Thinkabout said...

"Ein Überlegungsfehler scheint mir zu sein, dass du dir als gläubiger Christ offenbar nicht vorstellen kannst, dass 80 Prozent der Muslime in der Schweiz (mit oder ohne Schweizer Pass) sich selbst kaum bis gar nicht über Religion definieren, da sie wie ein Grossteil der Schweizer längst rationalere Fundamente gefunden haben als jahrhunderte alte Märchen von höheren Wesen."

Lieber Ugugu
mal abgesehen von der bitteren Despektierlichkeit in Deiner Bemerkung zu uns Gläubigen allgemein mag es Dich überraschen: Ich weiss sehr wohl um den auch bei den Muslimen grossen Anteil "weltlicher" Bürger, aber ich konstatiere einen viel grösseren inneren Druck, mit liberalen Aussagen in der Öffentlichkeit zurückhaltend zu sein, um keine internen Auseinandersetzungen zu schüren.
Aber hier wie da gilt auch:
Das Leben und die Bedingungen derer, die nicht nach einem Glauben leben, ist nicht unabhängig von jenen, die es tun. Auf jeden Fall wird damit politisiert.
Selbstverständlich habe ich mit einem Verbot von Minaretten nicht über Integrationsmassnahmen abgestimmt. Ich habe sie aber auch nicht verhindert. Die juristisch tatsächlich vorliegende Diskriminierung ist im Alltagsleben auch der gläubigen Menschen nicht zentral. Kirchtürme wie Minarette sind vielmehr öffentliche Symbole einer kulturellen Verankerung einer Religion in einer Gemeinschaft. Für mich scheint klar, dass, wenn die muslimische Gesellschaft als Glaubensgemeinschaft einmal in der Schweiz verankert ist, dieser öffentliche gesellschaftliche Ausdruck davon auch selbstverständlich werden wird. Bis dahin ist es ehrlicher, einzugestehen und auch öffentlich zu bekunden, dass dies (noch) nicht so ist. Für Integration und Vorleistungen in diese Richtung können wir sorgen, indem wir die tatsächliche Relgionsfreiheit betonen, Moscheen selbstverständlich zulassen und sie ganz bewusst in unsere Stadt- und Dorfbilder integrieren. Der Verzicht auf Minarette kann dabei helfen und erleichtern, dass solche Kirchen nicht in Industriequartiere verbannt werden, sondern dort entstehen dürfen, wo die Muslime wirklich leben. Diese faktische Entdiskriminierung scheint mir sehr viel wichtiger zu sein - und dafür Energie aufzuwenden, sehr lohnend.
Der Imam der Ahmadiyya-Bewegung, Ahmed Sadaqat, hat festgehalten, dass das Minarett für die Glaubensausübung so wichtig sei, wie der Mercedesstern fürs Autofahren (mit dem Mercedes, natürlich).
So gelassen muss man das nicht sehen, das will ich gar nicht behaupten. Aber man kann. Und man soll auch unvermindert in die Richtung arbeiten, dass Minarette genau so gelassen bejaht werden können von uns, wie deren Verzicht von einem (grossen?) Teil der gläubigen Muslime heute hingenommen werden kann.
Die Diskriminierungsdebatte aber rein formal-juristisch an Kirchtürmen fest zu machen, ist genau so eine Zuspitzung und Polemisierung, wie sie der SVP umgekehrt vorgeworfen wird und führt zu einer Verhärtung der Diskussion.
Es ist eben gerade so, dass mein konkretes eigenes Erleben der Religion zwischen vorhandenen und fehlenden Kirchtürmen (dazu werde ich bei mir noch bloggen) dazu führt, dass ich die Bedeutung dieser Türme sehr viel eher als Ausdruck einer gesellschaftlichen Aussage sehe denn als Teil der Religionsausübung. Sie sind, gerade das zeigt die aktuelle politische Debatte, Ausdruck und Symbol der Verbreitung oder Verankerung in der Gesellschaft - und daher ist es keine Schande, einzugestehen, dass wir baulich nichts demonstrieren sollten, was wir gesellschaftlich im Miteinander noch nicht geleistet haben. Dein Argument, dass ich religiös verbrämt keinen Blick für die säkularisierte Mehrheit der Muslime habe, greift also meiner Meinung nach genau bei diesem Thenma überhaupt nicht.

Zappadong said...

@BB: Ich bin keine Intellektuelle, war nie eine und werde nie eine sein (dazu bin ich zu simpel gestrickt).

Ich komme aus der Arbeiterklasse und kenne einfache Arbeiter nicht nur vom Hörensagen oder wenn sie mal in Form eines Handwerkers durch die Haustür kommen, dem man ein ordentliches Trinkgeld gibt. Und deshalb beanspruche ich für mich, mindestens teilweise mitzubekommen, was dieser Teil unserer Bevölkerung - der früher durch die SP vertreten wurde und heute zum Spielball der SVP geworden ist - erlebt, fühlt und denkt.

Was du ansprichst (die Arbeitswelt, die die schwächsten Glieder in die IV oder Sozialhilfe ausspuckt), ist eine Tatsache. Aber, und das willst du jetzt wahrscheinlich wieder nicht hören, es gibt auch den anderen Fall. Und genau hier sind die Arbeiter empfindlich. Unterschätze nie den Gerechtigkeitssinn des einfachen Büezers. Und vor allem: Mach ihn nicht klein, negiere ihn nicht, zieh ihn nicht ins Lächerliche. Arbeite lieber aktiv daran mit, diesen zum Teil tief verunsicherten Menschen das Gefühl zu geben, dazuzugehören und eine Stimme zu haben.

Im Übrigen wärme ich nichts auf. Ich erzähle (aus persönlichem Erfahrungsschatz), was abläuft. Man kann sagen, das sei nicht repräsentativ. Mag sein. Aber es ändert nichts daran, wie Menschen fühlen. Es wäre schön, wenn das zur Kenntnis genommen würde.

Ich habe irgendwann dieses Jahr ein Interview mit einem Politiker gelesen (Name entfallen), der ganz heftig gegen die Kontrolle bei der Sozialhilfe war - und sie jetzt eine gute Sache findet, nicht zuletzt, weil sich die Situation beruhigt hat.

Zwei Fragen am Rand: Dürfen Intellektuelle gewisse Fragen gar nicht stellen? Müssen Intellektuelle eine allgemeingültige gemeinsame Meinung haben?

Bruder Bernhard said...

@zappadong: vielleicht verwechselst Du Intellektuelle und Akademiker? Es ist natürlich nicht zufällig, dass ich Dir Deine privilegierte Position immer wieder in Erinnerung rufen, damit gehen die erwähnten Verpflichtungen einher. Drück dich nicht vor dieser Verantwortung; Deine Ausbildung, Deine Tätigkeit, Dein Schriftstellerberuf - du gehörst zu den Intellektuellen. Intellektuelle verstecken sich seit über 100 Jahren gerne hinter den 'einfachen Büezern' - ein rhetorischer Kunstgriff, der sie der intellektuellen Argumentation entheben soll.

Zu den 'Fragen stellen': Es gibt einen rhetorischen Kniff, den die Rechte gerne anwendet. Sie fragt und nimmt die Antwort dadurch schon vorweg. Und beklagt sich dann, man werde doch wohl noch fragen dürfen.

Abgesehen davon: ich sehe dich eigentlich wenig fragen, aber viel behaupten. Ehrlich, das tut mir weh, auch wenn ich Deinen Eigensinn kenne und verstehe. Vielleicht grad drum, ich weiss nicht. Du hast Dich in etwas verrannt und findest nicht mehr raus. Ihr versucht einen Bauchentscheid umsverrecke zu rationalisieren. Und kommt mir mit einer Schattenarmee von 'einfachen Büezern' daher, als ob ihr die einzigen seid, die aus der Arbeiterklasse stammen und diese kennen.

ugugu said...

@Thinkabout: Komischerweise hat die Abstimmung genau das Gegenteil gezeigt: Dort wo es bereits Moscheen mit Minaretten gibt, funktioniert dieses gesellschaftliche Miteinander einwandfrei, vermutlich weil es dort von der Mehrheit nicht als "Machtsymbol" sondern als Zeichen von "Gugus, uns gibt es übrigens auch" wahrgenommen wird. Insofern kann ein Minarett auch als besonders wichtige Integrationsmassnahme gesehen werden.

Überhaupt, ich bin kein Hardcore-Atheist, der irgendwem sein spirituelles Spielzeug wegnehmen will. Das Problem der Nichtanerkennung anderer Religionen ist aber vor allem ein Problem der Religionen unter sich selbst und nicht dasjenige von Atheisten.

@Zappadong: Das Aufklärungsprojekt Wikipedia meint übrigens Frau Zappadong ist einwandfrei und ganz eindeutig als Intellektuelle zu bezeichnen.

Petra said...

Tja, Frau Zappadong, so unbequem es scheinen mag, aber Schriftsteller, egal aus welchem Stall sie kommen, sind Intellektuelle.

Wir Schriftsteller haben meiner Meinung nach eine doppelte Verantwortung:

1. Wir haben eine nicht ganz unerhebliche Stimme in der Öffentlichkeit und gehören zu den Privilegierten, die ein gewisses Maß an Bildung genossen haben oder uns selbst angeeignet (dazu braucht man ja keine Diplome, aber man ist Kopfarbeiter). Daraus erwächst eine gesellschaftliche Verantwortung, bei der wir uns weniger als Tante Erna ausreden können, wir hätten irgendwas nicht gewusst oder nicht bedacht.

Wir müssen noch höllischer als Otto Normalverbraucher aufpassen, welche politischen Strömungen wir zum Feiern und Frohlocken bringen.

2. Schriftsteller sind Spracharbeiter. Wir sollten noch sehr viel mehr als andere Menschen um die positive wie negative Macht des Wortes wissen und entsprechend sorgfältig mit Worten und Behauptungen umgehen (siehe mein Beitrag oben mit willkürlichen Zuweisungen von Religionen und Nationalitäten). Denn das haben wir gelernt, das ist unser Beruf.

Ein Wort eines Muslims dazu von Emir Abd el Kader:

"Zwei Dinge auf Erden
beherrschen die Welt,
der Säbel und die Feder
Aber die Feder ist mächtiger."

Von dieser Sorgfalt würde ich mir gern mehr wünschen...

Zappadong said...

Zu den Intellektuellen:

Ich hasse solche Zuteilungen. Mein Bruder ist gelernter Maurer. Und deshalb nie ein Intellektueller? Mein anderer Bruder ist Schreiner. Und deshalb kein Intellektueller? DAS ist für mich Diskriminierung pur - und ein Grund, ein Leben lang keine Intellektuelle zu sein. Denn, was macht mich zu einer Intellektuellen?

Bin ich, alleine aufgrund der Tatsache, ich Bücher schreibe, automatisch eine Intellektuelle? Ist Oskar Freysinniger ein Intellektueller, weil er Bücher schreibt? Ist Dieter Bohlen ein Intellektueller, weil er Bücher schreibt? Na dann, danke. Und nein, einem solchen Verein will ich nicht automatisch angehören. Weshalb ich dem Verband der Schweizer Schriftsteller nicht beigetreten bin und auch nicht beitreten werde: Weil die alle in schöner regelmässigkeit schöne Mitteilungen herausgeben, in denen schöne Worte stehen (und wie man so hört, fühlt sich da manch einer unter Gruppendruck, wenn er mal wieder etwas mitunterzeichnen soll, zu dem er nicht stehen kann). Danke, ich möchte gerne selber denken und selber entscheiden.

Ich will meine Meinung sagen dürfen. Laut, deutlich und klar. (Wobei mir jetzt grad spontan noch der Peter Handke einällt, der ein Intellektueller war, genau bis zu dem Zeitpunkt, an dem er sich auf die serbische - sprich die falsche - Seite schlug; von da an war er dann nicht mehr Intellektueller, sondern Prügelknabe).

Ich mag keine Schubladen und wäre einfach gerne ein Mensch. Das muss reichen.

Und BB, so langsam geht mir das auf den Nerv von Wegen vor der Verantwortung drücken und so. Ich hätte das Ganze sehr viel billiger haben können: Nämlich wenn ich meine Schnauze vornehm gehalten und still und heimlich ein Ja in die Urne geworfen hätte. Es ist überhaupt nicht einfach, als Rassistin vom Dienst am Pranger zu stehen - und dann auch noch gesagt zu bekommen, wie man bitte schön als Intellektuelle zu denken hat.

Wenn ich auch noch schnell meine Definition von Intellektuellen geben dürfte (so ich denn eine positive finden würde): Es ist ihre Aufgabe, Zustände zu hinterfragen und den Finger auch auf die unangenehmen Punkte zu legen (statt vornehm zu schweigen).

Und meine Frage an Petra: Wenn ich meine Feder schwinge, soll ich dort ohne Tinte schreiben oder die Feder beiseite legen, wo ich Ungerechtigkeiten entdecke, die man aber dem Frieden zuliebe lieber nicht benennen sollte?

Ich schreibe sehr, sehr gerne für die Toleranz. Aber ich hätte diese Toleranz gerne von beiden Seiten. Die Jugendlichen in meinem Umfeld als Scheissschweizer zu bezeichnen, die jungen Frauen primitiv anmachen, weil man das bei schlampigen Huren ja darf, in Gruppen auf einzelne loszugehen, deren Schweizer Grind einem nicht passt, gruppenweise andere Jugendliche regelrecht zu plagen, das strapaziert meinen Toleranzbegriff. Und wenn wir grad bei so netten Begriffen sind, die wir eigentlich mit Inhalt füllen sollten: Schülern zu verbieten, ein T-Shirt mit einem Schweizer Kreuz zu tragen, empfinde ich als Diskriminierung. Aber vielleicht habe ich ja was falsch verstanden.

Zu mir: Ich bin dort tolerant und friedfertig, wo man es mit mir auch ist. Dort, wo man über mich hinwegtrampelt, will ich mich wehren können. Auch wenn das im schlimmsten Fall heisst, in Sachen religiöses Zusammenleben einen Marschhalt einzulegen und erst einmal gemeinsam zu definieren, wie wir uns dieses Zusammenleben vorstellen, bevor wir Fakten schaffen.

Sorgfalt: Beim Schreiben meiner Bücher lege ich grösste Sorgfalt in die Ausgestaltung meiner Figuren. Ich will ihre Gefühle und Beweggründe nachempfinden können. Ich gebe mein Bestes beim Schreiben meiner Bücher. Und deshalb möchte ich an meinen Büchern gemessen werden (wenn schon) und nicht an meinem Intellekt-Grad.

Thinkabout said...

Wir sollten noch sehr viel mehr als andere Menschen um die positive wie negative Macht des Wortes wissen und entsprechend sorgfältig mit Worten und Behauptungen umgehen (siehe mein Beitrag oben mit willkürlichen Zuweisungen von Religionen und Nationalitäten). Denn das haben wir gelernt, das ist unser Beruf.

Einverstanden, obwohl ich nur Möchtegern-Autor bin. Aber dies belehrend einer Frau Zappadong vorzuwerfen, die sich richtiggehend aufreibt in genau diesem Bemühen, die richtigen Worte zu finden, legt für mich ein anderes Problem offen:
In diesem Eifer der gefühlten Verantwortung sollten wir immer auch erst hinlesen und jenseits aller intellektuell verstandenen Pflichten erst versuchen, zu verstehen. Ja, auch den politischen Gegner. Und erst recht dann, wenn man sich schon kennt. Und um die Qualitäten des anderen weiss.

Petra said...

Sorry, ich steig hier endgültig aus. Ich verstehe nämlich NICHTS mehr.

Aber vielleicht liegt das daran, dass für mich Intellektuelle auch und vor allem MENSCHEN sind, Menschen die SEHR genau hinschauen und ihre Meinung sagen. Die aber eben auch öffentliche Menschen sind, ob sie das wollen oder nicht.(Zappadong, du müsstest mich aus meinen Texten besser kennen). Dieses System der Klassen(komplexe) ist bei mir seit dem Fall des Eisernen Vorhangs endgültig überholt.

Irgendwie werde ich nur falsch verstanden und dann... Lassen wir das.
Zappadong, du hast offensichtlich eine große Verletzung erlebt - da will ich nicht auch noch drin herumstochern.
Tut mir Leid, dass ich hier überhaupt Kommentare abgegeben habem ich hätte mein Maul halten sollen. Das ist alles offensichtlich noch viel zu frisch. (Beurteilen tu ich gar nichts, nur den Text, der hier steht, unabhängig von der Person, die ich ja nicht persönlich kenne).

@Thinkabout:
Ständig Unterstellungen mir gegenüber, das hilft der Diskussion auch nicht. Ich habe kein Problem mit Intellektuellen, ich finde, die brauchen sich aber auch nicht zu schämen. Und ich hab auch kein Problem damit, ob Zappadong diese Berufseinordnung annehmen mag oder nicht. Würde sie in einem weniger freien Land leben, wäre es vielleicht sogar eine Ehre für sie...
Das war einfach mit einem Grinsen gesagt: Ey, du bist auch eine von uns.
Tut mir Leid, und bonne nuit allesamt.

Zappadong said...

Liebe Petra

Ich wollte dich nicht erschrecken. Entschuldige.

Ich bin nicht verletzt. Aber ich habe eine abgrundtiefe Abneigung gegen den Begriff "Intellektuelle" (und ich fürchte, das hat voll durchgeschlagen - vor allem, wenn man mir auch gleich noch sagt, wie und was ich als solche zu denken habe).

Der Begriff sortiert Menschen in zwei Klassen. Jene, die denken können und jene, die nicht denken können. Okay, das mag subjektiv sein und tatsächlich mit meiner Lebensgeschichte zusammenhängen.

Im Gegensatz zu Quantensprung, der in einem anderen Kommentar etwas von einem Busfahrer sagt, der wahrscheinlich keine Zeit für Hochgeistiges hat, glaube ich fest daran, dass der Mensch unabhängig von Beruf und Ausbildung fähig ist, sich Gedanken zu machen und sie auch zu formulieren. Um das Klisché vom Busfahrer zu übernehmen: Wer sagt uns denn, dass er sich in seiner knappen Freizeit nicht mit den Klassikern der Literatur auseinandersetzt? Wer sagt uns, dass er kein Experte in klassischer Musik ist? Wer weiss, ob er am Sonntag jeweils Museen besucht und mehr über Kunst versteht als ich und drei andere Schriftsteller zusammen? Und wer sagt uns, dass so ein Mensch nicht jederzeit eine Debatte über Menschenrechte führen könnte und dabei manchen "Experten" in den Schatten stellt.

Wer weiss schon, ob die Gabathuler nebst dem Schreiben am liebsten Actionfilme schaut, mit dem Sohn Ego-Shooter Spiele spielt, sich an Rockkonzerten die Lunge aus dem Leib brüllt und im Rahmen extrem ausgelassener Familienfeste nicht wie ein Fuhrmann redet? (ähm, bis auf eine Angabe in diesem Abschnitt stimmen alle ... ich fahre auf der Play Station nur Autorennen mit Sohnemann).

Wer von uns beiden - der Busfahrer oder ich - ist in diesem Fall der / die Intellektuelle?

Kommt dazu, dass sich nicht wenige Intellektuelle nicht wenig auf ihr Intellektuellsein einbilden.

Und so beharre ich darauf: Ich bin keinen Intellektuelle. Mindestens genauso wenig (oder genauso viel) wie der Busfahrer aus meinem Beispiel.

Das mit dem Falschverstandenwerden ist gegenseitig. Ich habe im Moment gerade auch das Gefühl, total falsch verstanden zu werden. Was auch eine heilsame Erfahrung ist: Ich weiss jetzt, wie sich jene fühlen, die die Faust im Sack machen und lieber nichts mehr sagen.

David said...

Wir haben ein Problem mit einem Teil von muslimischen Jugendichen. Wir haben ein Problem mit einem Teil von Balkan-Jugendlichen. Wir haben ein Problem mit einem Teil von portugiesischen Jugendlichen. Wir haben ein Problem mit einem Teil von Schweizer Jugendlichen.

Indem wir das Problem an der Nationalität oder der Religion (und leider, PvC, in der Schweiz konsequent in den Zeitungen) aufhängen, machen wir den ersten grossen Fehler. Wir müssen die Problemjugendlichen als Individuen ernst nehmen. Indem wir das Problem der Nation oder Religion anlasten, geben wir den Jugendlichen gar keine Chance, an sich selber zu arbeiten. An ihrer Nationalität oder Religion können sie ja nichts ändern. Indem wir den Jugendlichen als Individuum mit individuellen Stärken und Schwächen betrachten und ihnen das vermitteln, nehmen wir sie ernst und geben ihnen eine Chance, sich als Individuum zu entwickeln. „Ich mag keine Schubladen und wäre einfach gerne ein Mensch“ (Zitat Zappadong) gilt auch für sie.

Den zweiten grossen Fehler machen wir, indem wir wegschauen. Wir zeigen zu wenig Zivilcourage. Manche haben durch die Schauergeschichten Angst bekommen, fremdländisch aussehende Jugendliche nur schon anzusehen. Viele sind aber einfach zu bequem, mitzuhelfen beim Erziehen. (Wie lautet das afrikanische Sprichwort: Um ein Kind zu erziehen, braucht es ein ganzes Dorf.)

Den Problemjugendlichen mangelt es meistens an starken Bezugspersonen. Sie bräuchten eine Ersatzvaterfigur, weil der eigene Vater mit der Situation überfordert ist. Indem wir Klassenlehrer durch Fachlehrer ersetzen (die ausserdem allesamt Frauen sind) und es nicht schaffen, die Jugendlichen in verbindliche Freizeitangebote einzubinden, machen wir den dritten grossen Fehler.

Es gäbe Modelle, mit aufsuchender Jugendarbeit an die Jugendichen heranzukommen. Es wurden Beispiele am Bahnhof genannt. Es gäbe Schulsozialarbeiter, Vorschulangebote, frühe Einschulung, Krippen und Mittagstische. Leider fehlt in den bügerlichen Kantonen und Gemeinden meist das Verständnis dafür, wie wichtig solche Angebote sind, und sie fallen der Sparwut zum Opfer. Der Kanton Zürich sparte zum Beispiel auch bei der Jugendanwaltschaft, so dass renitente Jugendliche nicht vorgeladen wurden, sondern sie einfach nach ein paar Monaten (!) eine schriftliche Verwarnung erhielten. Die Lösungen müssen wir nicht erfinden, sie wären schon lange vorhanden. Allein der Wille fehlt. Indem die bürgerlichen Parteien am falschen Ort sparen, machen sie den vierten grossen Fehler.

Und der fünfte grosse Fehler ist, dass wir dann genau diese Politiker wählen, die der Lösung der Probleme im Weg stehen.

Zappadong said...

Nach zwei Wochen mit vielen Lesungen mit vielen Klassen habe ich ganz viele neue Eindrücke - von total spannenden, interessanten Diskussionen bis hin zum angefickt (sorry, hartes Wort, aber sogar Tochter Zap hat die Augen weit aufgerissen, als ich erzählte, was passiert ist) werden auf dem Pausenplatz. Ich habe auch ein paar sehr interessante Möglichkeiten gesehen, was man alles machen kann, um Jugendliche (Schweizer und Ausländer) gut zu betreuen und helfen, einen Platz im Leben zu finden.
Ich finde Davids Kommentar einen ersten Schritt in eine Diskussion, die ich gerne führen würde - und ich danke David dafür, dass er mich an der eigenen Nase erwischt und gepackt hat.

Nachdenkliche - und im Moment recht müde Grüsse - daher mehr morgen

Frau Zappadong

Thinkabout said...

Auch ich danke Dir, David.
Und ich wünsche mir, dass die aktuelle Debatte am Ende auch dazu führt, dass man einmal über die Werte diskutiert, oder sie sich einfach bewusst macht, die zu verteidigen sich lohnt. Und damit meine ich nicht rechtspopulistisches Geschrei, sondern Bildungsmassnahmen,welche Integration genau so fördern wie das Selbstbewusstsein und die Identifikation mit dem eigenen Staatswesen. Das muss den Linken nicht verdächtig sein: Es geht darum, dass wir begreifen, dass der Erhalt der Grundprinzipien dieses tollen Staates nur funktionieren, wenn wir uns dafür einsetzen. Und das kann weh tun, Zeit, Geduld, Einsatz verlangen. Und natürlich eine Politik, die das auch umsetzen kann. Aber man kann noch so oft in der Minderheit sein: Es gibt keine Alternative zu diesem Engagement, und manchmal mag der Gedanke trösten, dass es noch sehr viel schwieriger war, die Errungenschaften unserer Demokratie und der Substanz des Bildungswesens zu erkämpfen - als es jetzt braucht, um diese Dinge zu bewahren oder zu verbessern.
Manchmal scheint mir, wir müssten nur endlich begreifen,was wir für uns selbst riskieren, indem wir uns eben aus zu vielem raushalten.

Zappadong said...

Hinweis: David von der "Substanz" hat die Gedanken seines Kommentars aufgenommen und sie in einem Blogartikel zum Ausdruck gebracht.

http://substanz.skroll.ch/?p=1644

文章 said...
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