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Too big to jail - Mr Doorman und Frau Zappadong demonstrieren weiter, während Onkel Vladimir unterwegs hierher ist

Es ist scheisskalt auf dem Zappadong-Dach, das dank der Reparaturarbeiten von Mr Doorman nun einen Meter aus dem Boden ragt. Mr Doorman und ich trinken heissen Kaffee und gucken in die winterliche Landschaft. Hinter uns flattert das Spruchband von gestern.
"Unser Protest ist vielleicht ein wenig zu abstrakt", sagt Mr Doorman.
Da könnte er recht haben. Es war ein wütender Spontaneinfall. "Wir haben noch Stoff und wir haben noch Farbe", antworte ich.
"Wie wäre es mit too big to fail, too big to jail?", fragt Mr Doorman.
"Gefällt mir", sage ich. "Ist das auf Ihrem Mist gewachsen?"
Mr Doorman schüttelt den Kopf, trinkt einen Schluck Kaffee und deutet dann auf die Zeitung, auf der er sitzt. "Paolo Bernasconi, Ex-Staatsanwalt."
"Sagt er sonst noch was?", will ich wissen.
"Ja. Dass die Verfahren in den USA unglaublich viele Verdachtsmomente zutage gefördert haben."
"Haben Sie. Aber so Sachen wie das Schmuggeln von Diamenten in Zahnpastentuben, das bewusste Täuschen von Behören ect. sind nun mal ganz normale Alltagsangelegenheiten, etwas, das jeder umsichtige Geschäftsmann jederzeit tun würde", sage ich und klinge dabei selber fast ein wenig wie ein Staatsanwalt.
"Hä?", fragt Mr Doorman nicht ganz so eloquent wie UBS Manager reden können und offensichtlich weniger gewählt ausgedrückt als ein Staatsanwalt.
 Ich ziehe ihm (Mr Doorman, nicht dem Staatsanwalt) die Zeitung unter dem Hintern hervor und zeige ihm das da:

"Dieses mit Einbussen verbundene Geschäftsgebaren wäre nach Schweizer Rechtssprechung aber nur strafbar, wenn UBS-Manager im Voraus erkannte Risiken eingegangen wären, die ein umsichtiger Geschäftsmann in derselben Situation nie eingehen würde". (Quelle: Online-Tagi)

Mr Doorman atmet laut hörbar auf. Was ich nun gar nicht verstehe, bis er etwas murmelt, in dem eindeutig das Wort Vladimir fällt. Ich erinnere mich an Mr Doormans Augenringe von gestern und sage: "Onkel Vladimir?"
"Na, ja", druckst Mr Doorman herum. "Der ist unterwegs nach Zappadonghausen."
Schreck lass nach. "Mit oder ohne Kalaschnikow?", frage ich.
"Ohne", antwortet Mr Doorman wie aus der Pistole geschossen.
So laut aufatmen wie Mr Doorman tue ich nicht. Denn: Auch wenn Onkel Vladimir ohne Waffe hierher unterwegs ist, so ist er doch hierher unterwegs. Es wäre mir lieber, er wäre irgendwo auf dem Weg nach dorthin (wo immer das ist - einfach nicht hier).
"... in den Orangen", dringt Mr Doormans Stimme zu mir durch.
"Wir haben genügend Orangen", sage ich ungehalten. "Er muss keine mitbringen."
"Tut er aber", antwortet Mr Doorman. "In jenen auf dem ersten Lastwagen versteckt er das Uran und in jenen auf dem zweiten seine geheimen Goldvorräte."
Ich atme auf. "Ach das", sage ich. "Das ist doch nur, was jeder umsichtige Geschäftsmann in derselben Situation tun würde."
Mr Doorman guckt mich verdutzt an. Dann nutzt der die Gunst des Augenblicks. "Er will das Zeugs hier bei uns im Zappadong-Gebäude lagern."
Ich winke ab. "Kein Problem. Wir sagen später einfach, wir hätten von nichts gewusst."
Mr Doorman fällt einen Moment lang die Kinnlade runter. Dann grinst er und meint: "Ich rufe dann mal Onkel Vladimir an."
Was er sogleich macht. Und so stehen wir auf dem scheisskalten Dach, während Mr Doorman in sein Handy brüllt: "Nein, nein, alles im grünen Bereich. Musst einfach genügend Uran mitbringen. Weisst du, so in der Grössenordnung too big to jail."
Und jetzt entschuldigen Sie uns bitte. Wir würden gerne unseren Protest weiterführen.

TOO BIG TO FAIL - TOO BIG TO JAIL
  
Update: Er steht zwar nicht hier neben uns auf dem Dach, aber drüben, bei der Augenreiberei, stellt sich titus ebenfalls ein paar Fragen zum Thema.

1 Kommentare:

PvC said...

Oh, ich feu mich auf Onkel Vladi - schickt den mal gleich noch zu mir über die grüne Grenze, ich bräucht einen russischen Sponsor. Muss nicht too big sein, big reicht auch. ;-)