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Diplomatie à la Onkel Vladimir

Umarmt wurde dann trotzdem noch. Weshalb ich mich gerade ziemlich gerädert fühle.Nun sitzen wir in unserer grossen Küche, den Tisch voller Köstlichkeiten, und unterhalten uns über das Leben.

"Bei euch ist das Leben ja gefährlicher geworden als in Sibirien", sagt Onkel Vladimir, während er beherzt nach einer Original Zappadong-Berger-Bio-Bauernwurst greift (der dritten).
"Ist es denn gefährlich in Sibirien?", versuche ich vom Thema abzulenken.
"Mmmmmm", murmelt Onkel Vladimir. "Man kann dort erfrieren. Oder von einer herunterfallenden Orange erschlagen werden. Oder zusammen mit einer einstürzenden Brücke in eine Schlucht fallen. Oder ..." Er beisst in die Wurst und kaut erst mal eine Weile. "Oder", fährt er fort, "es wird einem einfach das Gold geklaut."
"Deshalb hast du es jetzt bei uns deponiert", stelle ich fest.
"Klar", meint er. "Ihr bunkert in der Schweiz doch so allerhand." Er leert sein Glas, fährt sich über den Mund und meint entschuldigend: "Leider konnte ich das Zeugs nicht in Zahnpastatuben transportieren. War ein bisschen zu viel."
Könnte man sagen, bei einer Tonne Gold. "Warum eigentlich bei uns?", frage ich. "Ich meine, du hättest es doch auch bei der too big to fail Bank lagern können. Von wegen Zahnpastatuben und so."
"Zu riskant", grummelt Onkel Vladimir. "Ich habe vier Mal angerufen, jedes Mal von einem anderen Handy aus. Unter anderem Decknamen. Jedes Mal habe ich ein Passwort erhalten, das ich nicht aufschreiben durfte."
"Ach", sage ich.
"Nun, das wäre noch dringelegen. Hatte etwas leicht Nervenkitzelhaftes. Aber als die dann fragten, wie viele Kilos sie als Boni behalten dürfen, 500 oder 600, da riss mir der Faden." Er haut mit der Faust auf den Tisch und ich wechsle freiwillig das Thema.
"Und warum ist es jetzt bei uns gefährlicher als in Sibirien?", knüpfe ich an Onkel Vladimirs Eingangsfeststellung an.
"Ihr habt Streit mit dreien euerer Nachbarländer. Plus Libyen. Nicht zu vergessen: die USA." Onkel Vladimir schiebt mit seiner Pranke ein paar Brotbrösel unter den Tisch. Dass er mit seinem versteckten Gold ebenfalls ein Streitpunkt sein könnte, scheint ihm nicht aufzufallen. Vom Uran wollen wir an dieser Stelle gar nicht reden. Dafür redet Onkel Vladimir weiter: "Bei euch kann man sich keine Fussballspiele ansehen, ohne dass es danach gefährlich wird. Die Hitzewellen euerer Minarett-Debatte schwappen bis nach Russland über." Onkel Vladimir hebt den Zeigefinger, worauf Mr Doorman blass wird und ihm den schnell wieder runterdrückt. "Nicht, Onkel Vladimir, nicht", bittet er. "Das erinnert mich an jemanden, an den wir hier nicht so gerne erinnert werden."
"Schon gut", brummt Onkel Vladimir. "Ich sehe, ihr seid auch sehr empfindlich geworden."
Mr Doorman und ich sehen uns an.
"Darf ich erwähnen", fährt Onkel Vladimir ausgesprochen diplomatisch fort, nur um die Diplomatie auch gleich wieder sausen zu lassen,  "dass es mir scheint, ihr hättet eure Eier verloren. Das ist gefährlich"
"???", sage ich nicht, sondern gucke einfach.
Mr Doorman zuckt entschuldigend die Schultern. "Er hat etwas zu viel getrunken", sagt er.
Könnte man sagen. Trotzdem. Irgendwie hat er recht, der Onkel Vladimir. Wir hocken wie hypnotisierte Kaninchen vor unseren Problemen, während jene, die von sich glauben, Eier zu haben, uns ziemlich tief in die ... lassen wir es. Es könnte uns glatt den Appetit verschlagen. Und sogar etwas mit Onkel Vladimir zu tun haben.

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