RSS Feed

Wenn der runde Tisch eckig ist

Zum runden Tisch komme ich gleich. Erst einmal: Dank heftiger Unterstützung schaffte es der amerikan beauty Videoclip ein erstes Mal ins Fernsehen. Damit wurde die Stimmzahl auf Null zurückgedreht und das Spiel beginnt von vorne. Also, weiterklicken für Song Nummer 80. Hier. Damit ich das nicht mehr schreiben muss, richte ich auf der Blogroll einen permanenten Link ein.

(Zwischenruf von Mr Doorman: "Klicken macht jung, klicken macht Spass, klicken ist cool, klicken ..." ---- Ich unterbreche ihn an dieser Stelle, klicken Sie trotzdem; er hat nämlich recht.)

Jetzt aber zum runden Tisch von Hildegard Fässler. Da sassen wir gestern: GIS, Zap und ich. Wie es dazu kam, können Sie hier nachlesen. Also. Wir sassen erst einmal nicht lange, denn immer wieder mussten wir aufstehen um mehr Tische heranzuschieben. So wurde aus einem nicht ganz kleinen Rechteck ein sehr, sehr langes Rechteck, an dem sehr viele Leute sassen.

Am zur Tradition gewordenen runden Tisch (der 30. gestern Abend) informiert Hildegard Fässler jeweils über die zu Ende gegangene Session in Bern. Von Fischen fressenden Kormoranen über abgeschmetterte Konsumentenschutzanliegen und das in einem absolut harzigen Verfahren knapp angenommene 3. Konjunkturpaket bis zu der Bundesratswahl gabs Einblicke in das Verhalten der verschiedenen Akteure. Dabei erklärte Hildegard Fässler "hammergenial verständlich und einfach" (Zitat Zap), wie das so abläuft in Bern und was sie dazu meint.

Fazit: Zap will da nächstes Mal wieder hin. Unbedingt. Ich auch. GIS musste in die andere Richtung nach Hause; wir hatten noch keine Gelegenheit, sie zu fragen. Wir werden das aber heute oder morgen nachholen.

Na, dann wollen wir mal sehen ...

... ob es die Jungs von amerikan beauty bis ganz nach vorne schaffen. Gestern eingestiegen, jetzt (8.28 Uhr) auf Platz 16 ... und heute Abend in den Top 10 oder gar Top 5? Alles ist möglich with a little help of their friends. Also bitte auch heute 5 (fünf) Mal für die Nummer 80 klicken. Hier. Danke.

... wie die Reaktionen auf das neue Gewand "meiner" Tageszeitung ausfallen. Mir gefällt's. Und nach einem kurzen Überfliegen des Inhalts (Herr Zappadong hat das Blatt zur Arbeit mitgenommen) ziehe ich ein provisorisches Fazit: Besser als erwartet.

Frau Zappadong

Lovemachine - Wir brauchen Ihre (Wahl)Hilfe

"Wählen. Ja. Unbedingt!", brüllt Mr Doorman ins Telefon. "Nummer 80!"
Sein Vetter Vladmir scheint nicht ganz zu kapieren, was Mr Doorman will. Also brüllt Mr Doorman noch eine Runde lauter: "Voten! Für die Nummer 80! Lovemachine - ja, genau, Lovemachine." Mr Doorman klickt Vetter Vladimir aus der Leitung und wählt die nächste Nummer.

Ich hab's nicht so mit dem Telefonieren. Ich schreibe lieber einen Aushang:

Wählen Sie amerikan beauty. Den Song Nummer 80. 5 x am Tag (so oft kann man nämlich).

PS: Was für eine wunderbar demokratische Art, in die Medien zu kommen :-)



Frau Zappadong

Sind Sie krank?

... fragte Mr Doorman heute Morgen.

"Warum?", fragte ich zurück.
"Sie regen sich ja gar nicht auf."
"Sollte ich denn?"
Mr Doorman verdrehte die Augen.
Mir fiel nichts ein.
Er rückte seine schnieke Unformjacke zurecht. "Über den Deppen, der meint, die Berufslehre in der Schweiz tauge nichts. Darüber, dass heute in der Schweiz die Lehrstellen vergeben werden, bevor das Junggemüse weiss, was es überhaupt werden soll. Über den unsäglichen Teddy-Bär-zum-Gipfel-tragen-Artikel auf Seite zwei Ihrer Tageszeitung. Über ... " Mr Doorman verliert an Schwung. "Über Obama, der nur redet und dabei weder handelt, sondern nicht einmal mehr etwas verspricht. Über die viele heisse Luft vor, um, über, nach den Bundesratswahlen. Über ..." Er zuckt mit den Schultern, zupft sich einen Spinnenwebe aus den Haaren (Keller!) und fragt: "Sollen wir eine Runde Russisches Roulette spielen?"

"Au ja", antworte ich. Und während wir die Treppen hochsteigen, frage ich mich, ob ich zum Doc soll. So was ist doch nicht normal ...

Während das Aufräumen weitergeht ...

... werfe ich Ihnen noch etwas "Turnhallencontent mit Schweizer Schluss" hin. Muss ja nicht immer dreckiger Rock sein.



Frau Zappadong (auf der Suche nach dem nicht perfekten, aber besseren Layout)

Nicht erschrecken!

.
Es ist so:

Erstens sehe ich nicht mehr so gut (verfluchtes Alter!)

Zweitens haben mir innerhalb von zwei Tagen zwei Menschen, die sich nicht kennen, zu verstehen gegeben, dass weisse Schrift auf schwarzem Grund absolute Sch ... na ja, Sie wissen schon.

Drittens ist das so was wie ein Versuch. Sozusagen eine Angewöhnungsphase. Mehr verrate ich noch nicht. Weiss nämlich selber noch nicht so genau, ob ich das jetzt so will oder nicht.

Viertens und alle weiteren ...ens überlasse ich Ihnen.

Ich gewöhne mich an und traure meinem Schwarz nach. Zum Glück ist Mr Doorman im Keller - dort ist eh alles schwarz, auch wenn hier oben im Moment alles so weiss strahlt, dass ich gar nicht weiss, ob ich mich daran gewöhnen kann.

Update (viel Zeit und viele Farben später): Nein, Weiss ist einfach nicht meine Farbe. Jetzt ist es besser.

Update II: Hmmmm ... die Hintergrundfarbe passt noch nicht ganz. Muss eine geeignete Musterfarbe aus einer anderen Vorlage suchen. Kann noch eine Weile dauern "Evil-Eyes"-Zap muss ans Maschinchen.

Grosser Seufzer

Frau Zappadong

Wir lieben Frau unkultur

.
"Hören Sie auf, herumzuschwafeln", sagt Mr Doorman, "und lesen Sie lieber das hier."

Ich lese das hier. Und bin mit Mr Doorman völlig einer Meinung. Wir lieben Frau Unkultur. To bits.

Frau Zappdong (mit herzlichen Grüssen von Mr Doorman an Frau unkulur)

Von irren Autoren und noch irreren Musikern

.
Gestern Abend, nach der Arbeit, las ich den Kommentar von Bruder Bernhard.

da hast natürlich recht, musiker sind als natürliche performer im vorteil.

Ich gestehe, ich habe gelacht (sorry, BB) ... denn wenn es eine Sorte Künstler gibt, die noch irrer ist als die Autoren, dann sind es die Musiker. Vorteil? Hmmmm ...

Ein Erklärungsversuch:

Ein Autor ist irr genug, sich an einen Laptop oder eine Schreibmaschine zu setzen (ja, solche Schreiberlinge gibt es tatsächlich noch), um dann mehr oder weniger für sich allein Buchstaben und Wörter zu tippen, die irgendwann eine Geschichte ergeben, die vielleicht irgendwann einen Verlag findet und mit der sich (falls der Autor nicht blöd genug war, für die Veröffentlichung zu bezahlen) irgendwann mehr oder weniger Geld verdienen lässt. Das ist - wie Bugsierer in seinem Kommentar so schön schreibt "nichtbeachtung und finanzielles scheitern sind bei den meisten die regel. alle wissen das. es ist ein hochrisikospiel, die börse ist ein kindergarten dagegen." - ein Tanz auf dem Seil ohne Netz.

Gleiches lässt sich für den Musiker sagen, nur hängt sein Seil noch höher. Denn: Während der Autor nicht mehr als ein Zimmer und einen (im Notfall billigen) Laptop braucht, sucht der Musiker erst einmal einen Proberaum und schafft sich gute (und damit teure) Instrumente an. Allein ist man noch keine Band, muss also Gleichgesinnte suchen. Wenn alles stimmt (und das ist schon schwer genug), schlägt man sich nicht nur mit (Song)Texten herum, sondern erfindet auch und vor allem die Musik dazu.

Schauen wir uns nun das mit dem Verdienst an: Autoren sind (noch) einigermassen geschützt, bei den Musikern hat der kostenlose Download die ganze Industrie auf den Kopf gestellt. Kritische Geister mögen einwenden, dass die Vertragskonditionen mit den Plattenlabels auch nicht viel besser waren, aber immerhin gab's von der gekauften Musik ein Einkommen. Die Musiker, die ich kenne, verdienen ihr Geld mit den Gigs, wo sie ihre CDs dann selbst verkaufen. Halt. Stopp. Rewind bis zum Wort verdienen. Es gibt eine Gage. Von der zieht die Band die Kosten für den Tourbus ab, bezahlt allenfalls ihren Tontechniker noch selbst, genauso wie das Nachtessen. Dann teilt sie den Rest durch die Bandmitglieder. Mein Gitarrenlehrer dazu: "Wir waren mit Beauty of Gemina in London. Coole Sache. Unterm Strich war's ein Gratisausflug - mehr nicht."

Da habe ich es einfacher. Wenn ich einen Buchvertrag unterschreibe, bekomme ich einen Vorschuss und dann später Tantiemen. An eine Lesung nehme ich eine Tasche mit meinen Büchern und ein paar anderen Schriftstellerutensilien mit und bekomme nebst Honorar Anfahrt und Essen vergütet. Das Honorar gehört mir allein, ich muss es mit niemandem teilen.

Zurück zu meinem Gitarrenlehrer. Womit er sein Geld verdient? Mit Unterrichten. "Daneben" spielt er bei Beauy of Gemina, ist Gitarrist der besten Cover Band nördlich und südlich der Alpen und verfolgt gleichzeitig sein eigenes Bandprojekt.

Ob ich tauschen würde? Jederzeit. Ich wäre gerne Rocksängerin geworden, aber leider bin ich ein musikalisches Antitalent. Die Bedingungen würden mich nicht abschrecken. Es ist halt schon so: alle wissen das. es ist ein hochrisikospiel. Aber: Ein gewaltig gutes Spiel.

PS: Vielleicht wird doch noch was aus meiner Musikerinnenkarriere. Mein Gitarrenlehrer hat gefragt, ob ich gerne Songtexte für seine Band schreiben würde. Was für eine Frage!!!

PPS: Um auf den Anfang zurückzukommen: Es ist auch von Vorteil, als Autorin eine gute Performerin zu sein. Es gibt nichts Öderes als langweilige Lesungen.

Frau Zappadong

Heidis + Peters, Teil III - Im Ernst

.
"Im Ernst, ich wünsche mir, dass die Medien uns Schweizer Künstler wieder ernst nehmen."
(Dodo Hug, im Beitrag "Zusammenraufen - Gemeinsam stark)

Nachdem ich am Wochenende genau an diesem Thema genagt habe

(Zwischenbemerkung: Ich habe herausgefunden, dass eine sehr wichtige CH Organisation im Bereich Kinder- und Jugendbücher kein einziges meiner Bücher rezensiert hat.)

werfe ich das Thema und meinen Frust einfach mal ziemlich ungefiltert in die Runde.

Wie in diesem Beitrag diskutiert, ist ein Künstler ein selbständig Erwerbender und somit unter anderem auch ein Stück weit Selbstvermarkter. Auf die Unterstützung der lokalen und regionalen Presse kann man sich dabei verlassen - aber sobald es nur schon eine Nummer grösser wird, wird es schwierig.

Mögliche Gründe:

- Kultur hat in den meisten Zeitungen mittlerweile in einer kleinen Ecke Platz.
- Sogar, wenn da sehr viel mehr Platz wäre, hätte es immer noch nicht Platz für jeden und jede.
- Man schreibt über das, was man schon kennt => Neues hat es schwerer, überhaupt in die Medien Einzug zu halten.

Trotzdem: Dürfte man nicht erwarten, als Musiker auch mal im landesweiten Radio gespielt zu werden (ich habe Musikerkollegen, die das trotz hervorragender Musik nie geschafft haben)? Als Theatermacherin ein paar Kilometer abseits der grossen Stadt trotzdem einmal in einer landesweiten Tageszeitung aufzutauchen? Als bildender Künstler auch mal eine Zeile oder ein paar Filmsekunden zugestanden zu bekommen? Als Jugendbuchautorin auf einer Rezensionsseite für Kinder- und Jugendbücher aufzutauchen?

Und wenn ich schon beim Fragen bin: Ist es für jemanden aus der kulturellen Pampa schwieriger?

Sie dürfen Ihre Antworten gerne in diese Runde zurückwerfen. Danke.

PS: Zum Thema "Der Künstler als selbständig Erwerbender" geht es hier.

Update: Hochinteressant: Woher Werbung nehmen

Frau Zappdong

Notiz an der Tür

.
Bin beschäftigt. Guten Lesestoff gibt es hier.

Frau Zappadong

Und die Lektion für heute geht so:

.
Children and teenagers are YOUNG. Being YOUNG is not the same thing as being a MORON ... Den Rest gibt es hier.

Und die Anmerkung von Frau Zappadong gratis dazu: Meine Rede!

Heidis + Peters, Teil II

.
Kultur ist zu einem entscheidenden Faktor für die Attraktivität der Städte geworden. Susanna Perin zeigt dies in ihrem Beitrag zu "Heidis + Peters" am Beispiel der Stadt Zürich, die "dank der Kultur- und Kreativbranche, oder dank medialer Kolportage von Weltoffenheit, kultureller Vielfalt und reichem kulturellem Angebot - nun zu den Global Cities zählt."

Ist doch gut, oder? Leider hat die Sache einen Haken.

"Die Stadtentwicklung von unten, also Kreativschaffende, Einzel-, Klein- und Kleinstbetriebe, ergo Nischenökonomien, erschaffen erst den urbanen Raum, werden aber nach und nach durch teure Mieten aus der Stadt hinausgedrängt, während sich im Zentrum der Stadt einflussreiche Firmen, Multis und deren überbezahltes Personal breitmachen. Erschwinglicher Arbeits- und Wohnraum verschwindet hingegen immer mehr aus der Stadt. Nebst prekären Arbeitsbedingungen von Kulturschaffenden kommen prekäre räumliche Bedingungen erschwerend hinzu."

Der Künstler und seine Kunst sind zwar gut für den Ruf einer Stadt (es darf auch ein Kanton, eine Kleinstadt oder ein Dorf sein), man schmückt sich - meistens - gerne damit, aber wenn es um sein Gehalt geht, kann er häufig nicht mehr mithalten.

Susanna Perin geht in ihrem Beitrag der Frage nach, warum Kunst- und Kulturschaffende so gut ausbeutbar sind oder anders herum formuliert, warum die meisten von ihnen für Luft, Liebe und wenig Geld arbeiten. Sie sieht im Künstler ein "role Model", also ein Vorbild, für die Arbeits- und Sozialpolitik der heutigen Zeit, in der Schlagworte wie "Flexibilität", "Anpassungsfähigkeit", "jederzeit arbeitsbereit" schon fast zu einer Selbstverständlichkeit geworden sind. Der Künstler, mit seiner Vorstellung von einer kreativen, selbstbestimmten Tätigkeit, mit der er sich von "den anderen" abhebt, ist längst zu einem unfreiwilligen Vorzeigemodell für eine Haltung geworden, die man immer häufiger in unserer schönen, neuen Arbeitswelt antrifft.

Sogar mein Briefträger, der mir kürzlich sehr gehetzt und überhaupt nicht glücklich ein Paket in die Hand gedrückt hat, leidet unter dem Druck des "immer mehr, immer schneller, immer effizienter". Aber während mein Briefträger (noch) regelmässig Ende Monat sein Gehalt bekommt, rackert sich der Künstler ohne Netz und doppelten Boden, dafür mit der nicht immer glückselig machenden Illusion eines selbstbestimmten Lebens für eine Handvoll Franken ab.

"Der Kultursektor charakterisiert sich durch eine überdurchschnittliche Quote an flexibilisierten und atypischen Arbeitsverhältnissen. Im Kulturbereich liegen selbständige Erwerbstätigkeit, Teilzeitarbeit, befristete Anstellungen, Mehrfachbeschäftigung exorbitant über den gesamtwirtschaftlichen Durchschnittswerten."

Damit befinden sich die Künstler in guter Gesellschaft eines nicht geringen Teils der selbständig Erwerbenden, die sich ohne grosse soziale Sicherheit, dafür mit ähnlichen Idealen wie die Künstler mehr oder weniger schlecht als recht durch das Leben wursteln.

Wo hier die Freiheit liegt? Als ehemalig selbständige Erwerbstätige immer schön mitten drin oder im besten Fall am Rand der Selbstausbeutung und als momentane freischaffende Autorin im einkommenstechnischen Ödland kann ich nur sagen: Es ist die Selbstbestimmung. Das Gefühl, das zu tun, was man gerne tun möchte (wobei ich mir auch schon gewünscht habe, sehr gerne eine gutverdienende Irgendwasangestellte zu sein). Ja, auch ein Gefühl der Freiheit. Wobei: Vielleicht ist das eine trügerische Illusion, der man sich hingibt, um den geringen Verdienst für sich zu rechtfertigen.

Wo dieser Beitrag hinführen soll und kann? Ganz ehrlich. Ich weiss es selber nicht so genau. Im besten Fall zu einer Diskussion. Lösungen sehe ich keine, nicht einmal Lösungsansätze. Ich weiss nur, dass Susanna Perins Beitrag meine Hirnzellen ganz schön in Bewegung gesetzt hat.

Susanna Perin zu möglichen Lösungsansätzen: "Ein besserer Grad der Organisierung ist notwendig. Als individualisierte Arbeiter kommen wir ... nicht mehr weiter." Vielleicht muss aber auch schon dies reichen: "Ich wünsche angesichts der widrigen Umstände mehr inhaltliche Auseinandersetzung und Verantwortungsbewusstsein der Kulturschaffenden."

Und ich? Was denke ich? Abgesehen davon, dass ich genügend bescheuert war, in meinem Leben immer das zu arbeiten, was keinen grossen Stutz einbrachte? Ich schaue die Sache pragmatisch an: So ist das Leben eben. Als Selbständige hätte ich jederzeit den Bettel hinschmeissen und mir eine Stelle suchen können. Wollte ich aber nicht. Als freischaffende Autorin habe ich von Anfang an gewusst, dass ich nicht über die Runden kommen werde - und arbeite nebenher als Englischlehrerin im (kleinen) Teilpensum weiter. Ob ich mich organisieren will? Weiss nicht. Ich bin nicht zuletzt selbständig, weil ich ein Freigeist bin.

Und wenn Sie bis hierhin mitgelesen haben (DANKE!!!), dann frage ich Sie jetzt, was Sie von der ganzen Sache halten.

PS: Die Zitate stammen aus dem Beitrag "Made in Precarity" von Susanna Perin, die mir freundlicherweise erlaubt hat, längere Passagen aus dem Text zu veröffentlichen.

Update: Frau unkultur hat sich zum Thema ebenfalls ein paar Gedanken gemacht, die ich Ihnen nicht vorenthalten möchte.

Update II: Ein hochinteressanter Blogeintrag zum Thema von Petra van Cronenburg

Frau Zappadong

People who choose to work in publishing hate good books - oder so ... oder ähnlich ...

.
Ahhhhhhhh! Endlich!!!!!!

Ich habe einen würdigen Ersatz für meine unersetzliche Miss Snark gefunden!

Der Aufsteller des Tages.

Frau Zappadong

Schon noch blöd ...

.
... dass in der Schweiz Leute wohnen, die eine Meinung haben (Populismus!).

... dass es in der Schweiz Politiker gibt, die nicht alles, was aus Wirtschaftskreisen kommt, frag- und kritiklos abnicken (Ignoranten!)

Nun, gut möglich, dass das "Volk" tatsächlich den ganzen Überblick nicht hat.

Nun, gut möglich, dass die Politiker nicht alles wissen können.

Nur: Das Mantra einiger Wirtschaftskapitäne "Der Markt wird's schon richten" hat dummerweise auch nicht so ganz funktioniert.

Ganz herzig wird es dann, wenn diese Kapitäne verkünden, die Schweiz sei auch nicht mehr, was sie mal war, und man müsste dann im Fall schon darüber nachdenken, ebendieser Schweiz den Rücken zu kehren, wenn das so weitergeht mit dem Dreinreden.

Dann kehren Sie mal schön, liebe Kapitäne. Am besten erst mal vor der eigenen Tür. Was Sie bei dieser Reinigungsaktion berücksichtigen sollten: Weder das gemeine Fussvolk in der Schweiz noch die Politiker in der Schweiz haben etwas dagegen, dass es Menschen gibt, die mehr verdienen als andere. Nur dort, wo das gesunde Augenmass verloren geht, dort, wo die Überheblichkeit abhebt, dort sind einige von uns Schweizern empfindlich. Und genau dort wäre es nicht verboten, sich ein paar Gedanken zu machen beim (oder vor) dem Kehren.

Frau Zappadong

Wo bitte geht's zur nächsten Wand ...

.
... in die uns ein paar Abgehobene fahren oder besser knallen lassen?

"Banken haben schon wieder begonnen, riskante Papiere in Wundertüten zu verpacken und zu verkaufen, wie sie im letzten Herbst zum Kollaps des Systems beigetragen hatten. "
Walter Niederberger, TagesAnzeiger

"Ein Jahr später präsentiert sich die Wall Street fast wieder in alter Blüte und Stärke ... Es werden bereits wieder Verbriefungsdeals eingefädelt ... Die Leute haben viel Geld verloren, und das wollen sie jetzt zurückholen."
Jens Korte, NZZ am Sonntag (nur Print)

Na dann, Hallellujah und einen schönen Sonntag noch.

Update: Danke dem aufmerksamen Bruder Bernhard. Der Artikel, zu dem das erste Zitat gehört, wurde von Walter Niederberger verfasst.

Hier jetzt noch der Constantin Seibt, der seinen Artikel mit folgenden Worten schliesst:

"Die Wiederherstellung des Vertrauens in das Finanzsystem nach dem Lehman-Konkurs wurde zum teuersten Unternehmen in der Geschichte der Menschheit. Die Krise selbst vernichtete nach Schätzungen des IWF 10'500 Milliarden Dollar. Ende 2008 zahlten sich die Wallstreet-Banker 18 Milliarden Dollar an Boni aus – den sechsthöchsten Betrag aller Zeiten. Sie kassierten damit exakt das zehnfache der 1,8 Milliarden, die im gleichen Jahr von sämtlichen Staaten der Welt als Hilfe gegen den Hunger aufgebracht wurden. Für eine Milliarde Menschen. "

Na ja, das macht diesen Sonntag auch nicht viel fröhlicher, nicht wahr?

Frau Zappadong

Lesen und Schreiben für alle

.
Heute Morgen war der Wirtschaftsteil meiner Tageszeitung so gut, dass ich mir gedacht habe, ich würde das Blatt glatt weiterhin abonnieren, wenn das in Zukunft die Messlatte für die Berichterstattung wäre. Das Lesen der Artikel war erschütternd (Thema) und gleichzeitig eine Freude (sprachlich). Womit wir beim Thema wären.

Rund 800'000 Erwachsene in der Schweiz könnten diesen Wirtschaftsteil nicht lesen, selbst wenn man ihnen die Zeitung gratis in die Hand drücken würde. Für diese Menschen sind Buchstaben Monster, Wörter Betonwände und Sätze ein undurchdringlicher Dschungel.

Wer zu diesen 800'000 Menschen gehört, stellt sich nicht hin und posaunt seine Schwäche in die Welt hinaus - sondern versteckt sich verschämt hinter Ausflüchten und Ausreden. Und bleibt von einem bedeutenden Teil des Lebens ausgeschlossen.

Kürzlich hat sich einer - notgedrungen - zu seinem Problem bekannt und ihm ein Gesicht gegeben, das man nicht unbedingt erwartet hätte. Unser Mister Schweiz, André Reithebuch, gehört zu diesen 800'000 Menschen. Also keiner, der irgendwo am Rand steht, sondern einer mitten unter uns, einer, von dem man es nicht erwartet hätte. Bei 800'000 Betroffenen ist anzunehmen, dass jeder / jede von uns schon mal einem / einer begegnet ist - oder sogar jemanden kennt, für den das Lesen und das Schreiben keine Freude, sondern eine mühsame Qual ist, eine unsichtbare Trennscheibe, die einen vom Rest der Welt abkapselt.

Der Schweizer Dachverband Lesen und Schreiben hat am 8. September einen Aufruf gestartet: Lesen und Schreiben für alle. Ziel ist es, dass in Zukunft jede Person unabhängig ihres Alters oder ihrer Herkunft Lesen Schreiben und Rechnen so erlernen kann, dass sie in der Lage ist, am öknonimischen, sozialen, kulturellen und politischen Leben teilzunehmen.

Mein Alter Ego gehört zu den 50 Erstunterzeichnern dieses Aufrufs. Bitte unterzeichnen Sie mit. Sie können das hier tun.

PS: Mr Doorman hat schon unterschrieben. Er findet, dass Svetlana (vielleicht erinnern Sie sich an sie; sie hat eine Weile für Ordnung im Zappadong-Gebäude gesorgt) unbedingt besser schreiben lernen sollte. Und Herr Merz besser lesen (wobei diese Leseschwäche wahrscheinlich andere Ursachen hat, aber Mr Doorman ist gerade ziemlich übel gelaunt wegen der ganzen Libyien-Sache und macht im Moment keine feinen Unterschiede mehr).

PPS: Bitte helfen Sie mit, den Aufruf in die Schweiz / Welt zu tragen. Danke.

Frau Zappadong

Bauchnabelschau

.
Gestern, als ich vom Arbeiten nach Hause kam, lief im TV der Schweizer Kanal mit irgendeiner doofen Sendung (ich will gar nicht wissen, welche). Da sass die Moderatorin in einem ziemlich schnieken Flugzeug, so ein kleines Ding mit dem man ganz dolle Loopings und andere Kunststücke machen kann.

Also, sie sass hinten und aus dem Off hörte ich in ungefähr 3 Minuten ungefähr 10 Mal, wie mutig, tapfer, cool und mutig (ähm, ich glaube, das hatten wir schon) ... na ja ... nach diesen drei Minuten hatte ich genug gesehen und gehört und ging in die Küche zur Kaffeemaschine.

Später nahm ich einen neuen Anlauf. 10 vor 10. Da leitete der Moderator einen Beitrag über irgendwelche coolen Typen, die in der Wüste einen Geschwindigkeitsrekord aufstellen wollen, mit einem Filmausschnitt über sich selbst ein, wie er auf irgendeinem total cool sein wollenden Irgendwaszwischentöffundpickup durch die Staaten fuhr. Ich schlurfte zurück zur Küche und suchte im Kühlschrank nach Irgendetwasdasnichtzuvielekalorienhat.

Als ich dann heute Morgen zum umpften Mal im Kulturteil meiner Tageszeitung (die nicht mehr lange meine Tageszeitung ist, weil das Abo im Januar 2010 tatsächlich doch noch ausläuft) absoluten Schwachsinn über das Filmfestival in Venedig lesen musste, geschrieben aus der Sicht einer weiteren coolen Bauchnabel- statt Filmexpertin, hatte ich die Schnauze voll und begab mich zu Mr Doorman ins Bügelzimmer.

"Zeigen Sie mir doch mal IHREN Bauchnabel", bat ich.

Mr Doorman öffnet die Knöpfe seiner schnieken Uniform, dann die Knöpfe seines schnieken Hemdes ... und zum Vorschein kam ein wirklich cooler Bauchnabel. Cool vor allem, weil er weder spricht noch schreibt, sondern still vor sich hinbauchnabelt und mich weder TV- noch Abogebühren kostet.

PS: Grüsse von Mr Doorman. Er findet genau wie ich, dass die Freitag-Tasche in irgendeinem Film in Venedig nun wirklich keine Erwähnung wert gewesen ist. Aber eben ... was verstehen er und ich schon von Medien.

PPS: Merke: cool ist nicht gleich cool. Und nein, dieser Beitrag ist nicht von einer Eiscremefirma gesponsort.

Frau Zappadong

Frau unkultur ist wieder da ...

.
... und hoffentlich mehr als nur für einen Beitrag.

PS: Das chaiba Twittern wird steinlangweilig. Es leben die Blogs.

Wo der zackige Herr aus Basel recht hat ...

.
... hat er recht.

Update: Und grad nomoll recht.

So als Stein, da könnte ich ...

.
... mich doch auch durch ein Fenster schmeissen oder auf einen Tisch knallen lassen, oder nicht?

Gerade als ich mein politisches Leben an den Nagel hängen wollte ...

.
... wirbelte das blühende Leben in das Zappadong-Wohnzimmer - und zwar in Form einer jungen Frau, der besten Freundin von Tochter Zap (da sie sich als Gegasatzinsich bezeichnet nennen wir sie im Folgenden GIS).

"Ich setz mich eine Weile zu dir", sagte sie fröhlich und liess sich aufs Sofa plumsen.

Da GIS keine Lehrstelle gefunden hat, reden wir eine Weile über ihre Vorlehre, die sie jetzt macht, die Praktikas, die dazugehören, unter anderem das als Landschaftsgärtnerin, einen Beruf, den sie nicht lernen will, weil er zu streng ist - "obwohl ich für ein Weib megastark bin".

Dann geht's zur Politik. GIS weiss was läuft, ist kompromisslos, wie nur 16-jährige (oder chiibig ufrächt alte Leute) ein können und will die Welt verändern. Sie erwischt mich auf dem falschen Fuss.

"Daran glaube ich nicht mehr", erkläre ich.

"Nicht aufgeben!", ruft sie. "Du darfst nicht aufgeben!"

Die hat leicht reden! So ziemlich genau 30 Jahre lang habe ich praktisch keine Wahl, keine Abstimmung verpasst, habe mir in Standaktionen die Beine in den Bauch gestanden und den Mund fusselig geredet, habe Unterschriften gesammelt und mitgeholfen, Initiativen und Referenden zustande zu bringen (nur um dann grausam eins auf den Deckel zu bekommen), habe Mr Doorman mit meinen Ausbrüchen ins Bügelzimmer getrieben ... und jetzt mag ich nicht mehr. Weil (liebe Lupe) das neue, aufgepappte Gesicht von Herrn Merz immer noch aussieht wie das alte und weil man in der Schweiz an einer Pressekonferenz neuerdings nicht einmal mehr Fragen stellen darf.

Das alles erkläre ich GIS und füge an, dass ich in Zukunft - in er Ermangelung einer Ziegenherde im hintersten Krachen eines Bündner Bergtals - die Katze hüten, die Blümchen im Garten pflegen und den Steinen beim Atmen zuhören werde.

"NEIN!", ruft sie nochmals. "Das kannst du nicht tun!"

Und dann sagen sie in der Tagesschau, dass es in der EU wegen der Boni rumort und man etwas tun will. Dass der Datenschutzbeauftragte bereit ist, gegen Google zu klagen.

Ich entscheide spontan, GIS zum nächsten runden Tisch von Hilde Fässler einzuladen - ihr 30. übrigens. Wir schlagen ein.

Bruder Zap hat mal gesagt: "Ich bin ein Stein." Ich schliesse mich seinen Worten an. Ziegenhüterin kann ich immer noch werden.

Jetzt gehe ich erst mal hoch ins Bügelzimmer und hebe einen mit Mr Doorman.

Frau Stein Zappadong

Die Welt dreht sich weiter

.
Während mein Alter Ego auf Lesereise war, hat sich die Welt weitergedreht.

Herr Merz hat das Gesicht verloren und sich ein neues angepappt. Alles wie gehabt.

Ich lese immer noch Elsbeth Maag und atme mit den Steinen. Tut "im Fall uhuara guat". Mittlerweile könnte unser Parlament einen Breitmaulfrosch in den Bundesrat wählen und mir wäre es so ziemlich wurst. Ob das noch gesund ist?

Unaufgeregte Grüsse

Frau Zappadong