Mr Doorman sitzt am Zappadong-Computer. "Was ist mit Facebook?", fragt er.
"Was meinen Sie mit
Was?", frage ich zurück.
"Na, brauchen Sie das noch?" Er klingt leicht ungeduldig.
"Habe ich ja gar nicht", erwidere ich so geduldig wie möglich. Ein Ungeduldiger reicht im Moment.
"Aha", antwortet Mr Doorman.
Was soll jetzt dieses etwas spitze
Aha? Ich atme langsam aus und denke mir ein Ommmmmm dazu. Mr Doorman guckt mich an. "Hatten Sie aber mal."
"Hatte", sage ich. "HATTE. Ungefähr eine Woche lang. Und dann bin ich raus."
"Weil Sie keine Freunde fanden?"
"Weil ich nicht lesen wollte, dass meine Freunde gerade aufgestanden sind, sich jetzt Kaffee kochen oder irgendeiner
Ich-hasse-xyz-Gruppe beigetreten sind."
Das Grinsen von Mr Doorman reicht von einem Ohr zum anderen. Das kann beängstigend aussehen, glauben Sie mir (Sie kennen bestimmt den
Joker - so sieht das aus.)
"Dann kann ich also Twitter auch löschen", sagt er und was er denkt, steht in seinen spöttisch hochgezogenen Augenbrauen.
Ja, eigentlich könnte er, denke ich, doch ich zögere.
"Was ist jetzt?", drängt Mr Doorman. "Kann ich?"
Sein Blick sagt mir, dass ich ungefähr eine Sekunde Zeit habe, mir das zu überlegen. In dieser Sekunde geht mir ein kleiner Twitter-Film durch Kopf, den man zu mehreren Twitternachrichten verbraten könnte, denn der Film umfasst wesentlich mehr als die 140 Zeichen:
Ich lese nicht mehr mit. Ich folge Leuten, die mir eigentlich egal sind. Genauso, wie mir Leute folgen, denen ich egal bin. Ich habe schon lange den Überblick verloren, denn die Nachrichten jener wenigen Leute, die ich wirklich spannend finde, verlieren sich in der Mitteilungsflut. Pro Tag bin ich im Schnitt noch etwa eine Minute auf Twitter. Das ist jene Minute, in der ich einen eigenen Beitrag einstelle. Wenn ich ganz ehrlich bin, dann tue ich das, um auf mich aufmerksam zu machen, auf meine Blogs, meine Bücher, meine Lesungen. Und wenn ich so darüber nachdenke, dann komme ich zum Schluss, dass es die meisten so machen.
Ich glaube nicht an Twitter als das neue Nachrichtentool. Dazu kommt alles zu hektisch, zu unreflektiert. Ich glaube nicht an Twitter als Informationstool, weil sich die Informationen in einem viel zu grossen Zeichenstrom verlieren. Ich glaube nicht an Twitter als PR-Tool, nicht, wenn es alle so machen wie ich - und das machen sie. Ich glaube nicht an Twitter als Kommunikationstool, denn alle schreiben in diesen riesigen Cyberraum hinein und die wenigsten lesen - weil man gar nicht alles lesen kann.
"Warten Sie noch", sage ich, als die Sekunde um ist. Ganz schön inkonsequent, aber vielleicht hat ja der eine oder andere Zappadong-Besucher noch ein gutes Argument.
"MySpace?" Der Ungeduldspegel in Mr Doormans Stimme ist merklich angestiegen.
"MySpace?" Ich grüble. Ähm ... Da habe ich doch ... ich glaube, ich habe mich registriert, aber nie was aufgeschaltet. "Löschen", ordne ich an und höre das Aufatmen.
"XING?", drängt Mr Doorman weiter.
Ich seufze. Mitgliederbeitrag bezahlt, 99 Besuche in einem Monat (ja, an dieser Stelle darf gelacht werden). "Nicht löschen", sage ich. Schliesslich habe ich bezahlt
"Netlog?"
"NICHT löschen!" Das ist die Plattform des Alter Ego Zielpublikums.
"KreuzundQuer?"
"Nicht löschen."
Pause. Mr Doorman scheint durch zu sein.
"Zappadong?"
Ich erschrecke. Hat er das eben wirklich gefragt? Als ich zu ihm hinüberblicke, hat er wieder dieses irre Grinsen im Gesicht. So, dann wollen wir ihn mal zurück erschrecken. "Löschen!", rufe ich.
Schade, dass Sie Mr Doorman nicht sehen können. Er hat nicht nur das
Joker-Grinsen gut drauf.
Mal sehen, was er macht. Und verraten Sie ihm nicht, dass ich ein Back-Up habe.
PS: Ich überlege, mein Geld in Zukunft mit Workshops zu machen. Der erste: "Wege aus der Sklaverei der elektronischen Medien." Das könnte ich doch gleich mal via Twitter kom......
Frau Zappadong