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Fundstück des Tages

Nein, wir haben Onkel Vladimir nicht gefunden. Es scheint, als ob dieser exterritoriale Teilchenbeschleuniger irgendwo ein Loch hat (typisch Hochleistungstechnik!) und es Mr Doormans russischen Verwandten ins Elsass katapultiert hat, wo er Frau Petra v. C. die Haare vom Kopf isst. Liebe Frau Petra v.C., wir sind unterwegs!

Etwas Gutes hatte der Teilchenbeschleuniger aber doch noch: Er hat ein anderes Fundstück ausgespuckt. Nämlich einen der lesenswertesten Blogs,

(Zwischenbemerkung für Puristen: eines der lesenswertesten Blogs),

den  (das) ich in letzter Zeit entdeckt habe (leider etwas spät). Aber vielleicht kennen Sie Nichts ist klar ja noch nicht. Dann gehen Sie mal gucken und lesen, während Mr Doorman und ich uns per Anhalter ins Elsass durchschlagen. Könnte eine Weile dauern. Irgendwie scheinen die Autofahrer keine grosse Lust zu haben, mich und Mr Doorman mitzunehmen.

Exterritoriales Gebiet und Schwarze Löcher

Wir befinden uns auf exterritorialem Gebiet, was mich leicht nervös macht, Mr Doorman aber absolut kalt lässt.
"Sie sollten sich Sorgen um Onkel Vladimir machen, nicht um irgendwelchen exterritorialen Gugugs", brummt er. 
Ich lache etwas gequält und flüstere: "Wenn die rausfinden, was wir im Namen von Onkel Vladimir bei uns zuhause bunkern, sind wir geliefert."
"Ach, was", winkt Mr Doorman ab. "Wir sind in der Schweiz. Hier gilt Schweizer Recht. Und Onkel Vladimir hat bei der verstorbenen Seele seiner Grossmutter Olga geschworen, dass er das Gold bei der russischen Steuerbehörde deklariert hat. Kein normaler Schweizer wird an dieser Version zweifeln. Nicht einmal der kleine Mann mit der grossen Nase."
Der wohl schon gar nicht, denke ich und erkläre: "Exterritorial bedeutet, dass das Schweizer Recht hier nicht gilt."
"Aber wir sind doch in der Schweiz", antwortet Mr Doorman ungeduldig. "Bei den Leuten, die diese grässliche Sprache sprechen. Alle diese schschschschschschs und äääääääääääs und ...."
"Französisch", präzisiere ich.
"Von mir aus. Klingt alles so schschschschschschsch-mässig. Schschschschschööönääääääf." Er schüttelt sich.
"Nicht ganz", muss ich schon wieder präsisieren. "Meyrin. Ohne Schschschschsch, nur mit äääääääää."
"Von mir aus. Hauptsache Schweiz. Mit Schweizer Recht."
"Exterritorial. Ohne Schweizer Recht."
So langsam scheint das bis zu Mr Doormans Gehirn vorzudringen. "Sie meinen ...." Er hält sich die Hand vor den Mund. Über der Hand weiten sich seine Augen zu grösseren Spielzeugmurmeln. "Wir sind geliefert", sagt er.
"Sage ich ja", antworte ich.
"Lassen Sie uns sofort abhauen", schlägt Mr Doorman vor.
"Und Onkel Vladimir? Den können wir doch nicht einfach hierlassen."
"Vielleicht kommt er ja sowieso nicht wieder", meint Mr Doorman fatalistisch.
Da könnte er recht haben. Denn Onkel Vladimir steckt in einer grossen, langen Röhre, eng zusammengequetscht mir irgendwelchen Teilchen, und sucht Schwarze Löcher. Wenn nicht wieder jemand ein paar Brösmeli von irgendwas auf diese empfindliche Gerätschaft streut und es damit lahmlegt, könnte er sogar eines finden. Dann kommt er nicht wieder. Wir müssen uns was einfallen lassen.Weil, irgendwie mag ich den Kerl.

Noch eine Postkarte aus Sie-wollen-nicht-wissen-wo

Wir haben unterwegs die Zeitung gelesen. Und beschlossen, Arno del Curto zum Mann des Tages zu wählen. Wegen dieser Worte hier:

Wir haben ein verdammtes Gärtchendenken. Schreiben Sie das genau so. Ein verdammtes Gärtchendenken. Wir haben Leute, die bestimmen, die keine Leidenschaft fürs Eishockey haben. Die einfach zeigen wollen, wer sie sind. Dabei sind sie gar niemand. Sie haben einfach ein Ämtlein, das ihnen Macht gibt.

Wenn das die neue Ehrlichkeit ist, dann her damit. Del Curto sagt noch mehr. Zum Beispiel übers Champagnersaufen im VIP-Zelt.

Dem Herrn David Bosshart, wegen dem wir gestern eine Postkarte geschrieben haben, könnte das Interview gefallen, wünscht er sich doch Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit, Zugehörigkeit. Kreativität und Leidenschaft.

PS: Zum Glück gibt's hier grosse Postkarten - wir mussten trotzdem klein schreiben, damit alles Platz hat.
PPS: Wir suchen immer noch Onkel Vladimir. Bei Francine Jordi ist er nicht.
PPPS: Für unsere Unterschriften fehlt der Platz.

Postkarte aus Sie-wollen-nicht-wissen-wo

Sind gut angekommen. Suchen Schwarze Löcher. Onkel Vladimir hat ein Bild von Francine Jordi gesehen und möchte sie kennenlernen. Mr Doorman und ich nicht unbedingt. Eigentlich schreiben wir Ihnen nur, weil wir finden, dass Sie das hier lesen sollten. Frohe Festtage. Wir gehen jetzt Onkel Vladimir suchen. Er ist entweder in einem Schwarzen Loch oder auf dem Weg zu Francine Jordi. Falls sie bitte jemand vorwarnen möchte.


Frau Z. und Mr D.

Heute darf ich einmal ...

... hemmungslos sentimental sein (Es ist Weihnachten, auch für religionslose Seelen wie mich).

Da kommt einer und schreibt zur richtigen Zeit die richtige Karte mit den richtigen Worten.
Da kommt einer und schreibt zur richtigen Zeit die richtige Mail mit den richtigen Worten.

Danke ihr zwei.
Danke auch an alle, die Karten geschrieben haben (reale und virtuelle).

PS: Mr Doorman und ich machen den Laden dicht und fahren mit Onkel Vladimir weg. Fragen Sie nicht, wohin. Sie möchten das gar nicht wissen.

Bis bald

Mr Doorman
Frau Zappadong

Gedankensplitter in eigener Sache ... so was wie eine Fortsetzung

Da schwinge ich mich also mit einem Kopf, in dem es wie ein einem Bienenhaus summt, aufs Fahrrad und hoffe, die frische Luft bringe etwas Klarheit - was sie nicht ganz tut. Dafür habe ich jetzt Tickets für DAS Konzert des Jahres ... und alles, was ich für die Zubereitung des mexikanischen Mittagessens brauche.

Immer noch mit einem mittelprächtigen Chaos im Kopf, schlendere ich zum (realen) Briefkasten und da schafft einer, was die frische Luft nicht geschafft hat (genauso wenig wie das OMMMMMMMMMMM .... das ich mir selber vorgesummt habe).

Der Mensch ist nicht gemacht, das Leben zu verstehen, sondern es zu Leben.

Steht da in einer Weihnachtskarte, adressiert an Frau Zappadong, Mr Doorman und Onkel Vladimir. Das soll ein gewisser George Santayana gesagt haben. Wer das ist, werde ich im Internet nachsehen müssen. Eins ist jetzt schon klar: Der Mann rettet mir mit diesem Spruch das Jahr. Und der Mensch, der mir die Karte geschickt hat, mein geistiges Seelenleben. Danke.

Ein paar Gedankensplitter in eigener Sache ...

... weil mich das Thema nicht loslässt:

Angeregt von einem Blogeintrag, der uns Emanzen (ich fürchte, so eine bin ich wohl) ins Bett mit der SVP legt (wo ich ja eigentlich nie hinwollte), habe ich nach der Emanze aller Emanzen gesucht und nachgeschaut, was sie denn so Garstiges geschrieben hat.

(Zwischenbemerkung: "Gesagt" lasse ich weg, weil ich mir die "Arena" im Schweizer Fernsehen schon seit Jahren nicht mehr antue und deshalb nicht weiss und auch nicht nachschauen will, was Alice Schwarzer denn dort so alles gesagt - oder allenfalls gebrüllt - hat.)

Nun, geschrieben hat sie unter anderem das da:

Nein, hinter dieser Minarett-Abstimmung steckt natürlich viel mehr: nämlich das ganze Unbehagen! Das Unbehagen an den Gottesstaaten und ihren Steinigungen und Selbstmord-attentaten. Das Unbehagen an der (Zwangs)Verschleierung von Frauen sogar mitten in Europa. Das Unbehagen an der Zwangsverheiratung von hierzulande aufgewachsenen Töchtern und Söhnen. Das Unbehagen an der statistisch nachweisbaren höheren Gewalt in traditionellen muslimischen Familien. Das Unbehagen an der Relativierung von Emanzipation und Rechtsstaat, ja der ganzen Demokratie - und das im Namen „anderer Sitten“ und eines „wahren Glaubens“. Kurzum: Die Sorge um die in den letzten 200 Jahren so mühsam und blutig erkämpften Menschenrechte im Westen.

Den ganzen Artikel gibt es hier. So garstig finde ich ihn gar nicht.

Diplomatie à la Onkel Vladimir

Umarmt wurde dann trotzdem noch. Weshalb ich mich gerade ziemlich gerädert fühle.Nun sitzen wir in unserer grossen Küche, den Tisch voller Köstlichkeiten, und unterhalten uns über das Leben.

"Bei euch ist das Leben ja gefährlicher geworden als in Sibirien", sagt Onkel Vladimir, während er beherzt nach einer Original Zappadong-Berger-Bio-Bauernwurst greift (der dritten).
"Ist es denn gefährlich in Sibirien?", versuche ich vom Thema abzulenken.
"Mmmmmm", murmelt Onkel Vladimir. "Man kann dort erfrieren. Oder von einer herunterfallenden Orange erschlagen werden. Oder zusammen mit einer einstürzenden Brücke in eine Schlucht fallen. Oder ..." Er beisst in die Wurst und kaut erst mal eine Weile. "Oder", fährt er fort, "es wird einem einfach das Gold geklaut."
"Deshalb hast du es jetzt bei uns deponiert", stelle ich fest.
"Klar", meint er. "Ihr bunkert in der Schweiz doch so allerhand." Er leert sein Glas, fährt sich über den Mund und meint entschuldigend: "Leider konnte ich das Zeugs nicht in Zahnpastatuben transportieren. War ein bisschen zu viel."
Könnte man sagen, bei einer Tonne Gold. "Warum eigentlich bei uns?", frage ich. "Ich meine, du hättest es doch auch bei der too big to fail Bank lagern können. Von wegen Zahnpastatuben und so."
"Zu riskant", grummelt Onkel Vladimir. "Ich habe vier Mal angerufen, jedes Mal von einem anderen Handy aus. Unter anderem Decknamen. Jedes Mal habe ich ein Passwort erhalten, das ich nicht aufschreiben durfte."
"Ach", sage ich.
"Nun, das wäre noch dringelegen. Hatte etwas leicht Nervenkitzelhaftes. Aber als die dann fragten, wie viele Kilos sie als Boni behalten dürfen, 500 oder 600, da riss mir der Faden." Er haut mit der Faust auf den Tisch und ich wechsle freiwillig das Thema.
"Und warum ist es jetzt bei uns gefährlicher als in Sibirien?", knüpfe ich an Onkel Vladimirs Eingangsfeststellung an.
"Ihr habt Streit mit dreien euerer Nachbarländer. Plus Libyen. Nicht zu vergessen: die USA." Onkel Vladimir schiebt mit seiner Pranke ein paar Brotbrösel unter den Tisch. Dass er mit seinem versteckten Gold ebenfalls ein Streitpunkt sein könnte, scheint ihm nicht aufzufallen. Vom Uran wollen wir an dieser Stelle gar nicht reden. Dafür redet Onkel Vladimir weiter: "Bei euch kann man sich keine Fussballspiele ansehen, ohne dass es danach gefährlich wird. Die Hitzewellen euerer Minarett-Debatte schwappen bis nach Russland über." Onkel Vladimir hebt den Zeigefinger, worauf Mr Doorman blass wird und ihm den schnell wieder runterdrückt. "Nicht, Onkel Vladimir, nicht", bittet er. "Das erinnert mich an jemanden, an den wir hier nicht so gerne erinnert werden."
"Schon gut", brummt Onkel Vladimir. "Ich sehe, ihr seid auch sehr empfindlich geworden."
Mr Doorman und ich sehen uns an.
"Darf ich erwähnen", fährt Onkel Vladimir ausgesprochen diplomatisch fort, nur um die Diplomatie auch gleich wieder sausen zu lassen,  "dass es mir scheint, ihr hättet eure Eier verloren. Das ist gefährlich"
"???", sage ich nicht, sondern gucke einfach.
Mr Doorman zuckt entschuldigend die Schultern. "Er hat etwas zu viel getrunken", sagt er.
Könnte man sagen. Trotzdem. Irgendwie hat er recht, der Onkel Vladimir. Wir hocken wie hypnotisierte Kaninchen vor unseren Problemen, während jene, die von sich glauben, Eier zu haben, uns ziemlich tief in die ... lassen wir es. Es könnte uns glatt den Appetit verschlagen. Und sogar etwas mit Onkel Vladimir zu tun haben.

Heute Morgen um 5 Uhr früh ...

... fuhr Onkel Vladimir mit seinen Lastwagen auf das Zappadong-Gelände. Das heisst, er liess fahren. Er selber sass in der Limousine, die von einem Boris chauffiert wurde.

(Zwischenbemerkung: Dieser Boris fragte zuerst nach einer gewissen PvC und als ich sagte, ich kenne sie, liess er ausrichten, er sei auch ein Geheimzeichen. Keine Ahnung, was er damit meint. Fragen Sie doch einfach Frau v. C.)

Wie auch immer. Es stiegen alle aus. Alle baumlang und alle mit Muskeln, die Arnold Schwarzenegger vor Neid grün anlaufen lassen würden. Zum Glück waren sie ein wenig zu müde für eine grosse Umarmungsaktion, was meinen Brustkorb und mich ausserordentlich erleichterte.

"Was ist denn mit dem Haus passiert?", fragte Onkel Vladimir.
"Versenkt", antwortete Mr Doorman.
"Aha", sagte Vladimir. "Aber nicht ganz, wie mir scheint."
"Lange Geschichte", meint Mr Doorman. "Erzähl ich dir später. Du kannst deine Lastwagen in die Garage fahren."

(Zwischenbemerkung: Das sagte Mr Doorman so ganz nebenbei, als hätte er nicht die letzten paar Tage wie ein Irrer geackert, damit wir überhaupt Garagen haben, in denen Onkel Vladimir seine Lastwagen parken kann.)

Onkel Vladimir stellt sich vor mich hin. Ich blicke hoch. Er schaut mit grimmigem Gesicht zu mir runter.
"Ich habe Uran geladen", erklärt er.
Ich lächle. "Ist bestimmt für den Eigengebrauch", helfe ich ihm auf die Sprünge.
"Natürrrrrrlichchchch. Ich baue mit den Stäben kleine Türmchen", sagt er. Und fügt schnell hinzu: "Narürrrrlichchchch keine Minarett-Türmchen. Spielzeugtürmchen."
"Dann ist ja gut", antworte ich.
Er beugt sich zu mir herunter und flüstert: "Und dann habe ich noch ganz viel Gold da. Ungefähr eine Tonne." Er blinzelt mir zu. "Eigengebrauch."
"Ach, eigentlich egal, woher, wieviel und wozu", sage ich. "Sie haben das der russischen Steuerbehörde doch sicher gemeldet."
"Natürrrrrrlichchchch." Er schaut mich an, als hätte ich soeben eine unanständige Frage gestellt.
"Alles klar", sage ich. "Lassen Sie die Wagen schon mal in die Garage fahren."
"Und Sie bekommen bestimmt keine Probleme, Frau Zappadong?", fragt er.
"Iiii Wooo", lächle ich.
Wäre ja komisch.

Die Zitate zum Sonntag

Frage Sonntagszeitung an Zürcher Justizdirektor Markus Notter: "UBS-Banker haben mit präparierten Handys gearbeitet, mit fingierten Belegen, mit Diamanten in Zahnpastatuben. Warum reicht das nicht?"
Antwort Markus Notter: "Das klingt zwar nach James Bond. Aber der Anfangsverdacht auf eine in der Schweiz strafbare Handlung ist nach Ansicht der Staatsanwaltschaft nicht gegeben."

Frage der NZZ am Sonntag an Claude Béglé, Verwaltungsratspräsident der Schweizerischen Post: " ... die Kunden schätzen den Service Public. Warum muss liberalisiert werden?"
Antwort Claude Béglé: "Das ist eine gute Frage. Liberalisierung ist ein Teil unserer Kultur. Wir sind in diesem Land für Eigeninitiative, für freie Marktwirtschaft, gegen Monopole. Ausserdem liberalisiert ganz Europa den Post-Sektor. Es wäre komisch, wenn wir das nicht täten."
Folgefrage: "Die Schweiz ist Sonderwege gewohnt."
Antwort Béglé: "Die Frage der Postmarkt-Liberalisierung spaltet das Land. Auch interessant ist, dass das liberale Vorzeigeland USA keine liberalisierte Post kennt. Ob die Liberalisierung mehr Vor- als Nachteile bringt, ist eine berechtigte Frage, die ich nicht beantworten möchte."

(Quellen: Printausgabe der Sonntagszeitung und der NZZ am Sonntag. Kein Link an dieser Stelle, weil ich mir diesen Stuss nicht auch noch online antun will.)

Ich hätte ganz viele Fragen und noch viel mehr Bemerkungen zu diesen Antworten. Belassen wir es bei zweien:

Frage 1: Wenn präparierte Handys, fingierte Belege und in Zahnpastatuben geschmuggelte Diamanten nicht zu einer Strafuntersuchung reichen: Darf ich in Zukunft meine Steuererklärung auch fingieren?

Frage 2: Wieviel Gehalt (abgesehen von Spesenentschädigungen und eigenem Chauffeur) erhält eigentlich Herr Béglé für eine Begründung wie diese: Es wäre komisch, wenn wir es nicht täten.

Ansonsten warten wir immer noch auf Onkel Vladimir. Sie erinnern sich: Er kommt mit einem Lastwagen voller Uran und einem voller Gold. In Anbetracht der (neuen) rechtlichen Ausgangslage in diesem Land rechne ich nicht damit, dass das zu irgendwelchen Problemen führen sollte. Wäre ja komisch, nicht wahr?

PS: Ich suche immer noch eine Piratenflagge. Vielleicht sollte ich aber auch nach einer Fahne mit einer Banane darauf Ausschau halten.

Update: Hintergrundinformationen zum Machtkampf bei der Post finden Sie in diesem Bilanz-Artikel. Danke für den Link, ugugu.

Frau Zappdong

Piratenflagge

"Wir brauchen eine Piratenflagge", sage ich zu Mr Doorman.
"???"
"Ich habe mir auch überlegt, die Peace-Fahne herauszuhängen, aber das trifft die Sache nicht so ganz", schiebe ich hintennach.
"???"
Uff. Das wird schwierig. Also noch ein Versuch. "Ich will mich als Rebellin outen."
Mr Doorman lacht. Das ist immerhin besser als sein bescheuertes Fragezeichengesicht.

(Zwischenbemerkung: Ja, ich habe schlechte Laune. Was nicht an Hansjuri liegt, der mich gestern besucht hat. Das war nämlich ein richtiger Aufsteller! Danke.)

"Und wogegen wollen Sie rebellieren?" fragt Mr Doorman.
"Die Bankmanager. Die Post. Das schnelle Leben. Die Technogläubigkeit. Das Ich-will-alles-gratis. Den Brot-und-Spiele-Konsumrausch. Das ..."
"Frau Zappadong. Sie sind uralt 48. Kein Teenager", unterbricht mich Mr Doorman.
"Mir wurscht", antworte ich. "Ich will eine Piratenflagge."
"Dazu müssten wir einkaufen gehen", sagt Mr Doorman.
Auch das noch! Aber wenn's denn sein muss... Erst geht's ans Gotthard-Konzert.
Ihnen empfehle ich derweilen folgende Lektüre:

Konkursite Lehrmann Brothers zahlt 50 Millionen Boni aus
Ein weiterer Pflock für die Abzocker-Initiative

"Und was machen wir mit Onkel Vladimir?", fragt Mr Doorman.
"Darüber denken wir morgen nach", antworte ich.

It's that time of the year again ...

Frau Zappadong geht rocken. Sie zieht sich ihre jährliche Portion Gotthard rein.

09.512

Ich bin zurück auf dem Dach und harre weiter aus. Weil ich die Nase gerade gestrichen voll habe. Mr Doorman hat sich zwischenzeitlich ins warme Gebäudeinnere zurückgezogen. Jetzt aber kommt er auf mich zugerannt, in der Hand eine Zeitung, mit der er aufgeregt herumwedelt.
"Vielleicht tut sich doch noch was!", ruft er.
"Ja, ich werde erfrieren", antworte ich.
"Möglich. Aber das meine ich nicht. Gucken Sie mal."
Ich gucke. Kalt habe ich danach immer noch, aber es geht mir besser.

09.512 steht für eine parlamentarische Initiative der SP, in der eine PUK zur Finanzkrise und ihren Folgen gefordert wird.  Für die mit der Schweizer Politik nicht so Vertrauten unter Ihnen: PUK steht für Parlamentarische Untersuchungskommission, und so eine PUK kann gefordert werden, wenn Vorkommnisse von grosser Tragweite der Klärung bedürfen. Wie die WOZ heute richtig folgert, fallen die Finanzkrise und die damit verbundene Rettung der UBS mit 68 Milliarden Franken zweifelsohne in diese Kategorie.

Das würde ich auch sagen. Ich sage sogar noch mehr. Bei den nächsten Wahlen wähle ich nur jene Politiker, die diese parlamentarische Initiative untersützen werden.

Und jetzt protestiere ich noch eine Runde weiter. Im Notfall ganz allein. Gerne würde ich Ihnen die Karrikatur zeigen, welche die WOZ über ihren Artikel gestellt hat. Aber ich finde sie online nicht. Also kaufen Sie die Printausgabe. Ist sowieso eine gute Idee (das mit der Printausgabe kaufen).

Frau Zappadong

Der kann uns mal gern haben, der!

Es ist nicht viel wärmer geworden auf dem Zappadong-Dach seit heute Morgen. Wir protestieren, warten auf die Ankunft von Onkel Vladimir mit seinen zwei Lastwagen und protestieren.

Ich zum Beispiel auch noch hiergegen:

"Ich leere meinen Briefkasten heute noch einmal in der Woche, wieso muss die Post dann jeden Tag zugestellt werden?" (Quelle)


Wenn das der Technologiefreak aus Arlesheim sagt, lächle ich milde. Aber wenn das - wie in diesem Fall - der Professor für Management von Netzindustrien an der ETH in Lausanne, Matthias Finger, vorschlägt, dessen Lehrstuhl wird von der Post finanziert wird ... dann werde ich noch hässiger als ich es sowieso schon bin (und  ich bin grad ziemlich hässig, by the way und übrigens und sowieso).

Bei der Post macht man sich neuerdings ohnehin so seine Gedanken. Zum Beispiel, ob man eine Briefkastengebühr einführen soll. Wenn Sie grad schon am Brainstormen sind, liebe oberste Pöstler ... Wie wär's hiermit: Den Briefkasten, für den ich pro Monat CHF 15.00 Gebühr zahle, füllen Sie noch einmal pro Woche und dafür versiebenfachen Sie die Brieftaxten von CHF 1.00 für einen Brief auf CHF 7.00.

"Au ja!", ruft Mr Doorman, der mit einer weitern Kanne Kaffee auf mich zuschlendert. "Das ist eine wunderbare Geschäftsidee. Die könnten wir doch mit Onkel Vladimir be...."
Ich höre nicht weiter zu, sondern stürze mich vom Dach. Und weil sie den letzten Blogeintrag sicher gelesen haben, wissen Sie, dass mir nichts passieren kann. Ist nur einen Meter hoch.

Too big to jail - Mr Doorman und Frau Zappadong demonstrieren weiter, während Onkel Vladimir unterwegs hierher ist

Es ist scheisskalt auf dem Zappadong-Dach, das dank der Reparaturarbeiten von Mr Doorman nun einen Meter aus dem Boden ragt. Mr Doorman und ich trinken heissen Kaffee und gucken in die winterliche Landschaft. Hinter uns flattert das Spruchband von gestern.
"Unser Protest ist vielleicht ein wenig zu abstrakt", sagt Mr Doorman.
Da könnte er recht haben. Es war ein wütender Spontaneinfall. "Wir haben noch Stoff und wir haben noch Farbe", antworte ich.
"Wie wäre es mit too big to fail, too big to jail?", fragt Mr Doorman.
"Gefällt mir", sage ich. "Ist das auf Ihrem Mist gewachsen?"
Mr Doorman schüttelt den Kopf, trinkt einen Schluck Kaffee und deutet dann auf die Zeitung, auf der er sitzt. "Paolo Bernasconi, Ex-Staatsanwalt."
"Sagt er sonst noch was?", will ich wissen.
"Ja. Dass die Verfahren in den USA unglaublich viele Verdachtsmomente zutage gefördert haben."
"Haben Sie. Aber so Sachen wie das Schmuggeln von Diamenten in Zahnpastentuben, das bewusste Täuschen von Behören ect. sind nun mal ganz normale Alltagsangelegenheiten, etwas, das jeder umsichtige Geschäftsmann jederzeit tun würde", sage ich und klinge dabei selber fast ein wenig wie ein Staatsanwalt.
"Hä?", fragt Mr Doorman nicht ganz so eloquent wie UBS Manager reden können und offensichtlich weniger gewählt ausgedrückt als ein Staatsanwalt.
 Ich ziehe ihm (Mr Doorman, nicht dem Staatsanwalt) die Zeitung unter dem Hintern hervor und zeige ihm das da:

"Dieses mit Einbussen verbundene Geschäftsgebaren wäre nach Schweizer Rechtssprechung aber nur strafbar, wenn UBS-Manager im Voraus erkannte Risiken eingegangen wären, die ein umsichtiger Geschäftsmann in derselben Situation nie eingehen würde". (Quelle: Online-Tagi)

Mr Doorman atmet laut hörbar auf. Was ich nun gar nicht verstehe, bis er etwas murmelt, in dem eindeutig das Wort Vladimir fällt. Ich erinnere mich an Mr Doormans Augenringe von gestern und sage: "Onkel Vladimir?"
"Na, ja", druckst Mr Doorman herum. "Der ist unterwegs nach Zappadonghausen."
Schreck lass nach. "Mit oder ohne Kalaschnikow?", frage ich.
"Ohne", antwortet Mr Doorman wie aus der Pistole geschossen.
So laut aufatmen wie Mr Doorman tue ich nicht. Denn: Auch wenn Onkel Vladimir ohne Waffe hierher unterwegs ist, so ist er doch hierher unterwegs. Es wäre mir lieber, er wäre irgendwo auf dem Weg nach dorthin (wo immer das ist - einfach nicht hier).
"... in den Orangen", dringt Mr Doormans Stimme zu mir durch.
"Wir haben genügend Orangen", sage ich ungehalten. "Er muss keine mitbringen."
"Tut er aber", antwortet Mr Doorman. "In jenen auf dem ersten Lastwagen versteckt er das Uran und in jenen auf dem zweiten seine geheimen Goldvorräte."
Ich atme auf. "Ach das", sage ich. "Das ist doch nur, was jeder umsichtige Geschäftsmann in derselben Situation tun würde."
Mr Doorman guckt mich verdutzt an. Dann nutzt der die Gunst des Augenblicks. "Er will das Zeugs hier bei uns im Zappadong-Gebäude lagern."
Ich winke ab. "Kein Problem. Wir sagen später einfach, wir hätten von nichts gewusst."
Mr Doorman fällt einen Moment lang die Kinnlade runter. Dann grinst er und meint: "Ich rufe dann mal Onkel Vladimir an."
Was er sogleich macht. Und so stehen wir auf dem scheisskalten Dach, während Mr Doorman in sein Handy brüllt: "Nein, nein, alles im grünen Bereich. Musst einfach genügend Uran mitbringen. Weisst du, so in der Grössenordnung too big to jail."
Und jetzt entschuldigen Sie uns bitte. Wir würden gerne unseren Protest weiterführen.

TOO BIG TO FAIL - TOO BIG TO JAIL
  
Update: Er steht zwar nicht hier neben uns auf dem Dach, aber drüben, bei der Augenreiberei, stellt sich titus ebenfalls ein paar Fragen zum Thema.

Mr Doorman und Frau Zappadong protestieren

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UBSUBSUBSUBSUBSUBSUBSUBSUBSUBSUBS 

Position? Na klar doch!

Mr Doorman sieht etwas unausgeschlafen aus.
"Na, den Positionen der Parteien nachstudiert?", frage ich.
"Nein, mit Onkel Vladimir telefoniert."
Oha. Will ich wirklich wissen, was die beiden besprochen haben? Ich entscheide mich für ein klares NEIN und weiche lieber auf die Parteien aus.
"Ich habe mir das nochmals durch den Kopf gehen lassen", sage ich. "Ich meine, das mit den Parteien."
"Aha", antwortet Mr Doorman etwas geistesabwesend.
"Ja. Schalten Sie doch schon mal unsern Computer an. Ich mache uns derweilen eine grosse Tasse starken Kaffee."
Während ich also Kaffee mache, schlurft Mr Doorman zum Schreibtisch.

Später sitzen wir vor dem Computer. Mr Doorman immer noch mit Augenringen, die zum Fürchten aussehen, aber wenigstens wieder hellwach.
"Es besteht Hoffnung", sagt er und fügt schnell hinzu: "Für die Parteien. Das mit Onkel Vladimir ..."
"Nicht heute, bitte", bitte ich.
Er seufzt. "Ist wohl besser so."
Und so richten wir unser Augenmerk wieder auf die Webseiten der Parteien. Kantonal mögen sie nicht gerade top sein, aber schweizweit sind sie am Ball. Wenn Sie ein paar Minuten Zeit haben, gucken Sie doch mal hier:
SP, CVP, FDP, Grüne

"Darf ich mir noch eine Bemerkung gestatten?", fragt Mr Doorman.
"Wenn sie nichts mit Onkel Vladimir zu tun hat", antworte ich.
"Die Seite der FDP gefällt mir überhaupt nicht", sagt Mr Doorman. "Erinnert mich an Sibirien."
Mich auch. Aber vielleicht haben Mr Doorman und ich nur einen leicht schrägen Geschmack.

Position? Was ist das?

"Nimmt mich mal wunder", sagt Mr Doorman, "was denn die Parteien im Kanton Zappadong so zu sagen haben nach der Minarett-Abstimmung."
Mich auch. Also klicken wir uns auf die Webseiten der einzelnen Parteien und gucken. Und staunen.

Die letzte Position der SP stammt vom Februar 2009.  Die Partei hat weder vor noch nach der Minarett-Abstimmung irgendwas zu sagen auf ihrer Webseite.

Etwas konkreter in ihren Positionen ist die FDP. Sie nimmt unter dem Titel Keine Immigration ohne Integration zur Minarett-Initiative Stellung: Ein Minarettverbot lehnen wir ab, da es keine Lösung darstellt, um das Zusammenleben zwischen Christen und Muslimen zu verbessern. Leider fehlt die Nachbearbeitung; das heisst, eine Analyse und Stellungnahme nach der Abstimmung.

Anders die CVP: Die nimmt unter Positionen Stellung zum Abstimmungsresultat.

Die Grünen sind unter Positionen einfach grün.

Die Grünliberalen führen unter Positionen den Menüpunkt Bildung. Da gibt es auch einiges zur Integration zu lesen, aber eine aktuelle Position in Bezug auf die Abstimmung vom 29. November gibt es keine.

Die EVP kennt zwar keinen Menüpunkt Positionen, aber sie nimmt trotzdem eine ein, womit sie SP und Grüne weit hinter sich lässt.

"Mager", bilanziert Mr Doorman erschüttert. "Das ist ja elend mager."
"Ja", antworte ich. Und ich hätte eine Frage an die Parteien: Wie planen Sie, einer solchen SVP-Seite (auf der nichts fehlt) in Zukunft informations- und argumentationstechnisch gegenüberzutreten?"
Mr Doorman brummt irgendwas, das nach vornehmer Zurückhaltung klingt. Ich wäre dafür, sie aufzugeben und endlich ganz klar Position zu beziehen. Nicht mit Schlagworten, sondern Informationen, Meinungen und allenfalls sogar Foren, in denen sich das gemeine Fussvolk melden und mitdiskutieren kann. Himmel noch mal!

Herr, lass Hirn vom Himmel regnen ...

Mr Doorman hängt grinsend eine Postkarte an unsere Pinwand hinter der Reception.
"Na, mal wieder ein Fundstück ausgegraben?", frage ich.
"Fundstück ja, ausgegraben nein." Mr Doorman grinst immer noch. "So was kann man heute in Buchläden kaufen." Er tritt einen Schritt beiseite und ich habe freie Sicht auf das Mittelmeer Anschlagbrett.

Die letzte Stimme, die man hört, bevor die Welt explodiert, wird die Stimme eines Experten sein, der sagt: Das ist technisch unmöglich. (Peter Ustinov).

"Gefällt mir", sage ich und denke, dass sich dieser Spruch bestimmt in irgendeiner Art auch auf die Finanzwelt übertragen lässt. Und dann erinnere ich mich an den Uralt-Spruch, den ich in den letzten zwei Wochen gleich zwei Mal gelesen habe: Herr, lass Hirn vom Himmel regnen.

Womit ich ganz elegant beim Thema angekommen wäre, das mir heute (Montag)Morgen auf dem Magen liegt. "Wenn Sie fertig gegrinst haben", sage ich zu Mr Doorman, "lesen Sie doch bitte das hier. Und dann suchen wir uns eine Postkarte mit dem Hirn-Regnen Spruch. Eine für die Pinwand und eine für die SVP-Schaltzentrale."

Update: Es scheint, als hätte David Sieber von der Südostschweiz ähnliche Gedanken gewälzt wie wir hier in Zappadonghausen. Sein Kommentar zur SVP Hirnlosigkeit erschien heute Morgen unter dem Titel Macht aus dem Staat Gurkensalat (Mr Doorman lässt fragen, ob es dazu allenfalls auch eine Postkarte gäbe - falls ja, hätte er sie gerne für das hausinterne Anschlagbrett).

Update II: In der FDP-Ecke macht man sich ebenfalls Gedanken. Zum Glück.

Der Song zum Sonntag

Einfach mal wieder gute Musik ...



(ohne diesen Song hätte mein Alter Ego den "Blackout" nicht geschrieben ...)

Frau Zappadong

Dann wollen wir uns wieder einmal köstlich amüsieren - Wir haben eine Gewinnerin!

 Mr Doorman hat fleissig gerechnet. "Wir haben eine Gewinnerin!", sagt er.

Zur Erinnerung: Zappadong-Besucherinnen und Besucher hatten die einmalige Chance, an einem Gewinnspiel teilzunehmen. Viel wichtiger: Ich konnte mich amüsieren. Und zwar gleich dreifach. Erstens über mein Alter Ego, das sich einen Moment lang ausmalte, zu einem Geldbetrag zu kommen, der den Namen "Betrag" verdient.

(Zwischenbemerkung: Na ja, nicht wirklich. Alter Ego wusste im Voraus von Petra Ivanov, dass sie sich mit dem Geldsegen von Pro Litteris höchstens ein paar Packungen Erdnüsschen kaufen können würde.)

Zweitens über den Betrag, den ich dann wirklich witzig fand. Drittens - und das ist das Beste an der Sache - über Sie und mit Ihnen. Wie Mr Doorman es treffend ausdrückte: "Auf die Zappadong-Besucher kann man sich verlassen."

Zu Erstens: Mein Alter Ego muss weiterhin vom grossen Geldbetrag träumen.
Zu Zweitens: Ha, da müssen Sie schon bis zum Ende des Beitrags lesen (ein bisschen Spannung muss doch sein bei so einer Preisverleihung).
Zu Drittens - Ihnen: DANKE.
Folgen Sie mir zur Preisverleihung jetzt bitte über folgende Treppe:

Stufe 1: Anheuern würde ich bei Titus, denn bei dem gäbs am meisten Geld. Ich werde ihn deshalb als nächsten Präsidenten von Pro Litteris vorschlagen.
Stufe 2: Schuld sind die Minarette. Das sage nicht ich, sondern Jutta Wilke, die vermutet, die Abstimmungskampagne habe einfach zu viel Geld verschlungen. Da bleibe dann nicht mehr viel für Autoren. Wohin das Geld ist, weiss ich nicht, Frau Wilke, aber an gar allem sind die Minarette dann auch nicht schuld. Und ein bisschen mehr als 7 Euro haben tatsächlich rausgeguckt.
Stufe 3: ugugu ist ugugu. Scharf auf den Punkt mit einer runden Zahl. Immerhin wäre er grosszügiger als Pro Litteris.
Stufe 4: Gnörpf ringt mir am meisten Respekt ab. Der hat vor den 61 Seiten Regelment nicht kapituliert - bleibt dann aber leider genau so vage und undurchsichtig wie das Reglement selbst. Könnte es sein, dass Sie sich leicht verzettelt und verloren haben auf diesen 61 Seiten, Herr Gnörpf?
Stufe 5: Vorsicht! Esoterik! Himmel noch mal! Bobsmile! Wie können Sie! Esoterik ins Zappadong-Gebäude schleppen. Dummerweise funktioniert Ihre Esoterik hier drin genauso wenig wie im richtigen Leben. Nahe dran aber doch zu weit weg.
Stufe 6: Nix gäbe es von Phono. Damit liegt er noch ein bisschen weiter weg als der Esoteriker auf Stufe 5. Ich bewundere jedoch den Realitätssinn von Phono und schneide davon gerne eine Scheibe für mein Alter Ego ab.
Stufe 7: Bruder Bernhard haut mir seine Antwort wie immer scharf und ungeschminkt um die Ohren. Viel Schotter gibt es nicht. Womit er recht hat. Allerdings lupft er mich auf eine Idee. @ gnoerpf: Steht im Reglement irgendwas von Lesungenn (sorry, 61 Seiten sind mir zu viel).
Stufe 8: Am wenigsten verstehen tue ich Thomas. Der will keine Cookies. Ich meine, welcher vernünftige Mensch verzichtet schon freiwillig auf ein Guetzli???? (Ich erlaube mir, an dieser Stelle anzufügen, dass Thomas einen wirklich guten Filmblog führt - einfach dem Link folgen ...)
Stufe 9: Am zweitnächsten dran war Raumsinn. Ich werde den Preis genau so verjubeln, wie er es vorschlägt (und beim nächsten St. Gallen Besuch seiner Tochter ein Mitbringsel mitbringen).
Stufe 10 (und zweiter Trostpreis): Am Neugierigsten bin ich bei Hansjuri: Der muss bei mir um die Ecke wohnen. Kommen Sie vorbei und holen Sie sich Ihren Trostpreis ab (Preisübergabe nur bei persönlicher Abholung). Okay, okay, das ist nicht ganz fair, aber ich bin nun mal neugierig.
Stufe 10 (und erster Trostpreis): Am meisten gelacht habe ich bei der Antwort von BodeständiX. Er vermutet, dass nicht die Pro Litteris mir was schuldet, sondern ich ihr - für den administrativen Aufwand. Ich fürchte, das kommt der Sache ziemlich nahe. (Ich gestatte mir an dieser Stelle die Bemerkung, dass BodeständiX seinen Namen zurecht trägt - für den Chefposten bei Pro Litteris ist er damit aber wohl zu bodenständig).
Stufe 11 .... TATARATATA und TATARATATA erster Preis: PvC - oder etwas persönlicher Petra van Cronenburg. (@ Petra: Nein, ich habe nicht geschummelt. In dieser Welt schummeln genug andere, da braucht's mich nicht auch noch dazu). Sie tippte auf 25 Euro 68 Cents, was nach Brachialumrechnung von Mr Doorman (1,50 für den Euro) CHF 38.52 macht - je nach Feintuning der Berechnungsart etwas mehr oder weniger.

Und jetzt zur stolzen Auszahlungssume: CHF 34.90 für drei gemeldete Bücher (Man bleibt mit so einem Dingens ja 25 Jahre im Rennen - also gilt das von 2007 auch). Macht pro Buch CHF 11.6333....

Mr Doorman hat ausgerechnet, dass mein Alter Ego - wenn es dann mal 100 Bücher geschrieben hat - tatsächlich auf eine vierstellige Auszahlungssumme kommt. Und seit er das ausgerechnet hat, fragt er jeden Abend: "Haben Sie heute schon ein Buch geschrieben?"

Mir bleibt die Schlussrede: Danke fürs Mitmachen. Ihre Antworten wiegen die CHF 34.90 mehr als auf. Ich habe mich köstlich amüsiert.

Frau Zappadong

Beunruhigende Signale - Minarette, Teil 5

"Das da", sagt Mr Doorman, "sollten Sie auch noch lesen, Frau Zappadong."
Finde ich auch.
Vergessen Sie dabei aber das da nicht.

Spontanentscheidung - Last Tweet


Das Problemjugendproblem - Minarette, Teil 4

Mr Doorman serviert mir einen wunderbar riechenden Kaffee, während ich erschöpft in einem der bequemen Sessel hänge. "Frau Zappadong", sagt er, "darf ich Sie auf den Kommentar von David hinweisen?"
"Nicht nötig", antworte ich. "Ich habe ihn gelesen und finde, das könnte der Anfang einer wirklich guten Diskussion sein."
"Finde ich auch", meint Mr Doorman. "Darf ich Sie deshalb auch darauf hinweisen, dass David seine Ausführungen noch vertieft hat?" Er öffnet seinen Laptop, klickt sich zur Substanz durch und lässt mich dann mit Kaffee und Text allein:

Eines der vielen Probleme, das in die Minarettinitiative hineingespielt hat, ist die Kriminalität, Gewaltbereitschaft und generelle Unangepasstheit von Jugendlichen. Diese Probleme sind bei gewissen Einwanderungsgruppen höher als bei Schweizern, es ist aber überhaupt nicht so, dass sich die Probleme auf einzelne Gruppen beschränken. Wie könnten vernünftige Lösungsansätze aussehen?
  • Kein vernünftiger Lösungsansatz ist, keine solche Leute mehr in die Schweiz zu lassen. Die Leute kommen, um hier jene Arbeiten zu machen, die die Schweizer nicht machen wollen. Zudem sind viele als Kriegsflüchtlinge in die Schweiz gekommen. Ein Rückgängigmachen ist ethisch auch nicht vertretbar. Die Wirtschaft soll zurückhaltend sein mit der Anstellung von Personen aus dem Ausland, aber wenn sie sich dafür entscheidet, dann mit allen Konsequenzen.
  • Die Fehler sind auch nicht in der Kultur der Herkunftsländer zu finden. Die Kriminalitätsrate auf dem Balkan ist laut UN-Studie heute tiefer als in Westeuropa.
Es liegt auf der Hand, dass das Umfeld der Jugendlichen hier in der Schweiz den grössten Einfluss darauf hat, ob sie auf die gerade oder die krumme Bahn gelangen. Der einzig vernünftige Ansatz ist es, hier bei uns nach Fehlern zu suchen. 

Den restlichen, sehr lesenswerten Text finden Sie hier.

Ich schlage vor, die Diskussion bei David in der Substanz zu führen und nicht hier in Zappadong-Hausen. Nicht, weil ich sie nicht führen will, sondern weil ich es sinnvoll fände, wenn sich alle Teilnehmer auf der gleichen Plattform austauschen würden - also drüben bei David.

Frau Zappadong

Bahn oder Lastwagen

Hausfrau Hanna hat gefragt, ob ich mit dem Lastwagen unterwegs bin. Gute Frage. Hier die Antwort in Form eines kleinen Zwischenkommentars (bin für zwei Stunden in Zappadong-Hausen, bevor es eine Ecke weitergeht):

Nein, ich bin mit der Bahn unterwegs und habe heute Nachmittag zwischen St. Gallen und Zappadong-Hausen:

- einer Frau zugehört, die ihren Wagen nicht verkaufen will und deshalb ein Angebot ablehnt, jedoch für eine Bekannte genau nachfragt, was der Wagen alles kann (bis hin zur gefahrenen Kilometerzahl)
- einer Frau zugehört, die per Handy ihren Lebenspartner samt Möbeln aus der Wohnung geworfen hat (dauerte ca. 20 Minuten und verlief sehr aufgeregt und laut)
- einem Mann gegenübergesessen, der zwei Dosen Bier in 30 Minuten geleert hat und irgendwann mit mir zu sprechen begonnen hat, obwohl ich am Schreiben war wie eine Irre (ich ignoriere ungern Mitmenschen, die mit mir sprechen wollen, aber in diesem Fall habe ich das getan).

Könnte mir jemand einen Lastwagen besorgen für den Rest der Tour?

Frau Zappadong (erschlagen)

Mr Doorman hält die Stellung

Danke für die spannende Diskussion. Ich bin den Rest der Woche mehr oder weniger auf Achse und weiss nicht, ob ich Zeit haben werde, aktiv an der weiteren Diskussion teilzunehmen. Bis ich zurück bin, hält Mr Doorman die Stellung. Er hat Kaffee gemacht und die bequemen Sessel hervorgeholt.



Picture by Kay. Kein Titel.

Minarette, Teil 3

Frau Z. : "Ich weiss nicht, ob der Verfasser / die Verfasserin dieses Textes ein Intellektueller / eine Intellektuelle ist ..."
Mr D. (unterbricht) : "Machen Sie es kurz und knapp, statt hier herumzulabern."
Frau Z. : "Okay. ... Lesen!"

Mr Doorman analysiert ... Minarette, Teil 2

"Ziemlich heiss hier drin", sagt Mr Doorman.
"Yap", antworte ich, und wir wissen beide, dass er nicht über Raumtemperaturen spricht.
"Darf ich mal?", fragt er.
"Nur zu", antworte ich.

Mr D. : "Also. Die Abstimmung war am letzten Sonntag, richtig?"
Frau Z. : "Ja."
Mr D. : "Ihr Schweizer seid lustig."
Frau Z. : "...." (Ich meine, ich kann ihm ja schlecht sagen, dass dies ein saudofer Scherz in einem saudofen Moment ist.)
Mr. D. : "Ihr diskutiert also NACH der Abstimmung anstatt vor der Abstimmung."
Frau Z. : "Das ist nicht ganz richtig."
Mr D. : "Nicht ganz?"
Frau Z. : "Wir haben aneinander vorbeigesprochen. Die einen sprachen von einem Bauverbot, die anderen von Alltagsproblemen."
Mr D. : "Aber es ging doch um ein Bauverbot, oder nicht?"
Frau Z. : "Ja."
Mr D. : "Wo liegt denn das Problem?"
Frau Z. : "Das Problem liegt in einem aufgestauten Frust. Der ist am letzten Sonntag explodiert."
Mr D. : "Aha." (er sagt nur aha, sieht aber so aus: ???)
Frau Z. (zweiter Anlauf): "Das Problem liegt darin, dass man denen mit dem Frust vor der Abstimmung nicht zugehört hat, sondern ihnen einhämmern wollte, es ginge nur um ein Bauverbot."
Mr. D. (immer noch ???): "Aber darum ging es doch. Oder habe ich etwas falsch verstanden?"
Frau Z. : "Nein. Sie haben nichts falsch verstanden."
Mr D. : "Dann haben jene, die über ihre Alltagsprobleme abstimmen wollten, etwas falsch verstanden."
Frau Z. : "Nein, die wussten dass es um ein Bauverbot ging."
Mr D. : "???"
Frau Z. : "Es ging um ein Bauverbot, das eine bestimmte Religion betrifft. Und weil diesen Menschen, die über ihren Alltag abstimmen wollten, Ängste in Bezug auf diese Religion haben, machten sie es zu so was wie einer Stellvertreter-Abstimmung. Weil das Minarett eben nicht nur ein religiöses, sondern auch ein politisches Symbol ist. Ein Symbol für eine Politik und eine Wertehaltung, die mit jener der Schweizerischen Wertehaltung kollidiert."
Mr D. : "Und warum hat man denn über diese Werte nicht vor der Abstimmung diskutiert."
Frau Z. : "Sind ein heisses Eisen."
Mr D. : "Oha."
Frau Z. : "Nun ja, man hat es versucht. Aber ganz viele Menschen haben sich der Diskussion entzogen. Die einen, weil man über solche heissen Eisen nicht spricht und die andern, weil man sie Rassisten schimpft, sobald sie es versuchen."
Mr D. : "Aber die Typen mit den Schlagworten haben ziemlich laut gebrüllt."
Frau Z. : "Das ist ja das Problem. Viele ansonsten vernünftige Menschen haben Angst vor den Typen mit den Schlagworten, weil sie denken, diesen Typen eine Plattform zu geben, wenn sie die Themen aufgreifen."
Mr. D. : "Aber wenn sie es nicht tun, dann bleiben für die Menschen mit den Alltagsproblemen nur die Typen mit den Schlagworten.
"Frau Z : "...." (wo er recht hat, hat er recht)
Mr D. (nach einer Weile heftigen Nachdenkens): "Darum habt ihr vor der Abstimmung nicht diskutiert."
Frau Z. : "Nicht wirklich."
Mr. D. : "Darum disktuiert ihr jetzt. Nach der Abstimmung."
Frau Z. : "Ja." 
Mr D. : "Darf ich mir eine Bemerkung gestatten?"
Frau Z. : "Nur zu."
Mr D. : "Mir scheint, ihr redet immer noch alle aneinander vorbei."
Frau Z. : "Scheint mir auch so."
Mr D. : "Ihr seid wirklich lus ... ähm ... seltsam, Ihr Schweizer."

Tabu-Zonen ... von wegen Minarette und so

"Dann schiessen sie mal los", sagt Mr Doorman.
Einfacher gesagt als getan. Aber ich hab's mir selber versprochen:

Der erste (von jenen, die ich kenne), den es erwischte, war ein Teddybär von einem Jugendlichen: Freundlich, nett, aufgestellt ... und vor allem fehlte ihm jeder Hauch von Fremdenfeindlichkeit. Er gehörte zu jenen, die nie etwas gegen Ausländer sagten, im Gegenteil, er nahm sie öfters in Schutz, wenn mal wieder ein Schweizer seine Klappe etwas gar weit aufriss und zu wettern begann.

Wie gesagt, ihn erwischte es zuerst. Er sass alleine vor einem öffentlichen Gebäude, als eine Gruppe jugendlicher Ausländer auf ihn zukam. Irgendwas an seinem Gesicht passte ihnen nicht (er konnte später nicht sagen, was es war). Und so war dieses Gesicht kurze Zeit später Matsch.

Das war auch das erste Mal, wo mir all die vernünftigen Argemente fehlten, mit denen ich jeweils jugendliche Schläger zu verteidigen versuchte. Ich verstand schlicht und einfach nicht, warum diese Jungs das getan hatten.

Trotzdem: So tragisch es war - ich redete mir ein, dass es eine Ausnahme gewesen war. Und dass es auch Schweizer gibt, die zuschlagen. Und dass ich nicht Wasser auf die Mühlen jener leeren wollte, die sowieso gegen alles auch nur ein bisschen Fremde lospoltern. Also sagte ich nichts.

Dummerweise blieb es nicht bei diesem einen Mal. Ich verteidigte nichts und niemanden mehr, wenn die Leute um mich herum ihre Erlebnisse erzählten. Stellte fest, dass solche Vorfälle wie der mit dem Teddybärjugendlichen keine Ausnahme sind. Und hielt den Mund.

Und irgendwann begriff ich den Mechanismus:

Ich kann und darf gegen die Kaste der Banker wettern.
Ich kann und darf über Fussballrowdies herziehen.
Ich kann und darf offene Briefe gegen SVP-Vertreter und FDP-Vertreter schreiben.
Ich kann und darf über birnenweiche Plakate und ebenso birnenweiche Slogans der SP lästern.
Ich kann und darf politische Entscheide in meinem Land in Grund und Boden hinein kritisieren und verurteilen.
Ich kann und darf gegen das Bildungssystem in der Schweiz anschreiben, Gerichtsentscheide hinterfragen und, und und ...

ABER: Ich würde mich in Teufels Küche reiten, wenn ich gegen die ausländischen Schläger in diesem Land herziehe. Weil: So was tut man nicht (ausser man gehört zu jener Sorte Politiker, über die ich gerne mal herziehe). Denn - um auf meinen Teddybärjugendlichen zurückzukommen - vielleicht waren diese Schläger ja Jungs, die irgendwie benachteiligt sind von unserem System, die irgendwie zu kurz kommen im Leben. Ja, vielleicht hat sie unsere Fremdenfeindlichkeit zu einer solchen Tat getrieben. Und überhaupt: Es hätten auch Schweizer sein können.

Ja, es hätten Schweizer sein können. Es gibt nämlich auch Schweizer, die zuschlagen. Und wie. Die Schläger von München sind - soviel ich weiss - Schweizer. Nur, wenn Schweizer zuschlagen, dann darf man sich ärgern und über den Wertezerfall in unserer Gesellschaft reden. Wenn Schweizer Fussballrowdies einen Zug auseinandernehmen, dann darf man ganz offiziell wütend sein. Wenn ein serbischer Jugendlicher einen Familienvater vor den Augen seiner Kinder grundlos spitalreif schlägt, dann sollte man in der Zeitung besser nicht schreiben, dass es ein serbischer Jugendlicher war.

Denn wenn es - zum Beispiel - um jene ausländischen Jugendlichen geht, die in ganzen Gruppen losziehen, mit dem Ziel, ein paar doofe Schweizer zu verprügeln, dann hält der anständige, politisch korrekte Schweizer plötzlich den Mund - er will sich nicht der Gefahr aussetzen, als fremdenfeindlicher Rassist dazustehen. Und so haben wir im Laufe der Jahre eine Tabu-Zone eingerichtet. Eine, über die ein weltoffener, liberaler Schweizer nicht redet.

Geredet wird trotzdem. Von den andern. Den Schlagwortproduzenten, den Politikern mit den billigen Lösungen (alle Ausländer raus / genug ist genug / die Schweiz den Schweizern und was es sonst noch an hirnlosem Quark so alles gibt).

Betroffene (sei es von körperlichen oder verbalen Angriffen) fanden bei den weltoffenen Schweizern kein Gehör - ja, man machte sie öfters mal vom Opfer zum Täter (hättest ja nicht den Minirock tragen müssen / alleine in diese Gegend gehen sollen / nachts um zwei noch auf der Strasse sein dürfen ...). Und so wandten sich diese Betroffenen samt ihrem Umfeld halt an jene, die zuhörten, fühlten sich von den gemässigten Volksvertretern nicht ernst genommen und von der Politik öfters verarscht.

Was das alles mit Minaretten zu tun hat? Auf den ersten Blick absolut gar nichts. Auf den zweiten Blick: Es sind in den meisten Fällen Jugendliche aus dem Balkan, die ein anderes Wertesystem in sich tragen und die dieses Wertesystem auf ihre Weise in der Schweiz umsetzen. Sie können das, weil wir sie haben machen lassen. Sie können das auch, weil unser Wertesystem jugendliche Straftäter nicht in erster Linie bestrafen, sondern "auf den richtigen Weg" zurückbringen will - was an und für sich eine wirklich gute Sache ist, wenn ein Jugendlicher das auch erkennt - was aber sehr schlecht ist, wenn ein Jugendlicher mit einem anderen Wertesystem das als Zeichen von Schwäche auslegt und dann nur Verachtung dafür hat. Sie können das auch, weil niemand ihnen klar und deutlich signalisiert hat: So nicht. Nicht hier. Nicht bei uns. Das heisst, es gibt schon solche, die das sagen. Aber das sind meistens die Schlagwortpolitiker - und sofort folgt der Gegenreflex einer aufgeklärten Gesellschaft, die Probleme lieber differenziert sieht. Auch das wäre an und für sich gut, wenn dieser Wunsch nach einem differenzierten Denken nicht irgendwo einen blinden Fleck hat - eben diese Tabu-Zone.

Zurück zum auf den zweiten Blick: Diese Tabu-Zone hat Folgen. Zum Beispiel, dass die Leute JA zur Minarett-Initiative sagten und eigentlich meinten: Verdammt noch mal, tut endlich was gegen das darüber-spricht-man-nicht-Problem. So haben zum Beispiel sehr viele Schweizer Jugendliche und Junge ein Ja in die Urne gelegt, jene, die zu einer Generation gehören, die im Ausgang immer wieder mit den Problemen konfrontiert werden, die der sich für aufgeschlossen haltende Teil der Schweizer lieber erst gar nicht sieht.

Es gibt noch weitere darüber-spricht-man-nicht-Probleme, die am letzten Sonntag zu einem Ja geführt haben. Es ist höchste Zeit, sie aus ihrer Tabu-Zone zu holen und an Lösungen zu arbeiten. Wie auch immer sie aussehen.

Wie sie nicht aussehen können und dürfen: Rassistisch und ausländerfeindlich. Wie sie aussehen dürfen: Nach echten Lösungen, in denen nicht mehr aus Rücksicht oder Angst Tabuthemen einmal mehr unter den Tisch gekehrt werden.

Totenkopf meets Aktentasche ...

... oder: Das Leben ist nicht immer, was es scheint.

Dann wollen wir uns wieder einmal köstlich amüsieren - mit Gewinnspiel

"Er ist da! Er ist da!", ruft Mr Doorman so laut, dass man ihn sogar im 33. Stockwerk noch hören kann - was gut ist, weil ich mich ebendahin geflüchtet habe.
"WER?", brülle ich zurück.
"Der Brief von Pro Litteris!", hallt es die Treppen hoch, die ich in dem Moment runterzurennen beginne, in dem der letzte Buchstabe von LitteriS bei mir angekommen ist. Und zwar in Rekordgeschwindigkeit.

So, und während ich diese 33 Stockwerke in die Tiefe rase, erkläre ich Ihnen im Zeitraffer, was das mit der Pro Litteris auf sich hat: Alter Ego schreibt Bücher und hat sich deshalb entschlossen, sich bei der schweizerischen Urheberrechtsgesellschaft für Literatur und bildende Kunst anzumelden, eben die Pro Litteris (für die deutsche Leserschaft: Pro Litteris ist die CH Ausgabe von VG Wort) - selbstverständlich mit der Absicht, am Ende des Jahres Kohle zu sehen. Der Auslöser waren die euphorischen "Er ist da!"-Postings im Autorenforum, wo jeweils im März der Check bejubelt wird, der bei den glücklichen Empfängern eintrudelt. Gegen so einen Glücksschub hat Alter Ego selbstverständlich nichts einzuwenden - und so hat es die drei Bücher, die von ihm 2008 auf dem Markt waren, bei Pro Litteris angemeldet. Im Gegensatz zu seinen deutschen Kolleginnen und Kollegen, die sich schon im Frühjahr freuen dürfen, wurde Alter Ego auf den Dezember 2009 vertröstet - für die 2008-Ausschüttung. Sprich: Wenn ich jetzt gleich im untersten Stockwerk ankomme, werde ich die Früchte von 2008 ernten dürfen.

"Da sind Sie ja endlich", sagt Mr Doorman vorwurfsvoll, als ich hechend in die Eingangshalle stürme.
"Öffnen", japse ich. "Sofort."
"Wollen wir uns nicht zuerst überlegen, was wir mit dem Zaster machen werden?", fragt Mr Doorman.
"Was Sie wollen. Ein gediegenes Nachtessen zu zweit. Eine Fahrt mit dem Bernina Express. Ein Wellnesswochende in ..."
Das Geräusch von hastig zerrissenem Papier unterbricht mich. Mr Doorman zieht einen Brief aus dem verfansten Umschlag, liest ihn und ....

Fortsetzung folgt .... Denn: So etwas Spannendes wie diesen Moment gibt es in Zappadong-Hausen selten. Und so funktionieren wir das zu einem kleinen Wettbewerb um:

Wer am nächsten an die Summe kommt, die Alter Ego von Pro Litteris erhält, gewinnt ein Alter Ego Buch nach Wahl. Packen Sie einfach die Zahl Ihrer Wahl in einen Kommentar.

UPDATE: Im Rausch der Aussicht auf endlosen Reichtum habe ich den Einsendeschluss vergessen. Schätzungen werden entgegengenommen bis zum Mittwoch, 9. Dezember 2009 (damit das "Päggli" danach hurtig zur Post gebracht werden kann).

Frau Zappadong (samt Alter Ego)

Allerlei gute Ratschläge

Daniel Cohn-Bendit findet, die Schweizer müssten noch einmal abstimmen. Ich nehme an, so wie die Iren, die zu etwas NEIN gesagt haben, zu dem sie JA sagen hätten müssen. Also mussten sie abstimmen, bis das Resultat stimmte.

Dann rät D. Cohn-Bendit reichen Muslimen auch noch, ihr Geld aus der Schweiz abzuziehen. Namentlich erwähnt er dabei Saudiarabien und die Vereinigten Arabischen Emirate. Wenn mich jetzt nicht gerade ein paar Internetquellen total veräppelt haben, herrscht in Saudiarabien Kirchenverbot. Aber egal ... Äpfel und Birnen sind ja auch nicht dasselbe.

Die ARD schüttet einen Kübel Schande über die Demokratie und warnt vor diesem gefährlichen Monster. Da bin ich leider etwas sprachlos und kann darum nichts dazu sagen.

Die St. Galler Jungsozialisten Monika Simmler räumt gemäss Print Tages Anzeiger ein, dass wohl auch Feministinnen heimlich JA gestimmt haben. Sie könne diese Art von Feminismus nicht nachvollziehen, den sie der Alice Schwarzer Fraktion älterer SP Frauen zuordnet. Muss ich jetzt daraus schliessen, dass all das, was diese Feministinenfraktion, der unsere jungen Frauen eine Menge verdanken, zustande gebracht hat, des Teufels ist - zusammen mit Alice Schwarzer? Was sie (Frau Simmler) der Schwarzer-Fraktion rät, entzieht sich leider meiner Kenntnis, weil Antonio Cortesi (der Verfasser des Artikels) entweder nicht nachgehakt hat oder die Antwort auf seine Nachhackfrage noch viel doofer ist als die Schwarzer-Antwort.

Zurück zu den guten Ratschlägen: Ich müsse mich nicht gleich mit den SVP-Wählern solidarisieren, rät mir Bruder Bernhard - als ob ich das je hätte. Was ich jedoch mit Sicherheit gesagt habe: Dass man Leute, die man nicht ernst nimmt mit ihren Sorgen, der SVP in die Arme treibt. Und bei dieser Aussage bleibe ich. Heute mehr denn je. Denn: Es waren nicht nur SVP Wähler, die JA gesagt haben am Sonntag (selbst im Kanton St. Gallen kommen wir nicht über 40 Prozent SVP Wähleranteil - wir hatten jedoch einen JA-Anteil am Sonntag von 66 Prozent).

Einen Rat ganz anderen Kalibers hat der CVP Darbelly. Er will ein Burka-Verbot (womit er nicht alleine ist), aber scheint's hat er vor zwei Tagen auch darüber nachgedacht, in Zukunft muslimische und jüdische Friedhöfe zu verbieten. Ähm ... der brauchte jetzt dringend mal den Rat, wo die Bremsen sind und wann man sich ihrer bedienen sollte.

Irgendwo (fragen Sie mich nicht wo), habe ich glaub's auch die Feststellung gelesen, dass wir Schweizer zu dumm für die Demokratie sind. Da ist dann guter Rat allerdings teuer. Man müsste sich nur noch fragen, für wen.

Und ganz am Schluss: Der kleine Mann mit der grossen Nase hat das einzig Gescheite in der ganzen Sache gesagt. Nämlich: Ruhig Blut zu bewahren und sachlich zu diskutieren.

"Kleiner Mann mit grosser Nase?", ruft Mr Doorman. "Habe ich was verpasst?"
Ich schüttle den Kopf. "Nein, haben Sie nicht", sage ich. "Und heute mache ich Ihnen einen Kaffee. Setzen Sie sich schon mal hin und entspannen Sie sich."