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Die Post der Zukunft oder Die Zukunft der Post liegt in der Steinzeit

Heute Morgen hat Herr Messmer aus Arlesheim einen Blogartikel veröffentlicht, bei dessen Lesen ich Tränen gelacht habe. Der Mann hat Humor, habe ich mir gedacht ... oder er träumt besonders wild. Weil es aber um die Post ging und man da gar nichts ausschliessen kann, beschloss ich, der Sache sicherheitshalber nachzugehen (von wegen: Das Leben schreibt noch immer die irrsten Geschichten). Und siehe da. Die irre Geschichte von Herrn Messmer ist tatsächlich WAHR.

Wenn Sie ganz starke Nerven haben, können Sie sich gerne diesen Beitrag antun - es reicht aber auch, wenn Sie dem obigen Link folgen (und Herrn Messmer einfach glauben, was er schreibt).

Wenn Ihnen nicht ganz klar ist, was Herr Béglé sagen wollte, zeige ich Ihnen das anhand eines Beispiels:

Nehmen wir an, ich möchte den Blogartikel von Herrn Messmer kommentieren. Da könnte ich jetzt einfach bei ihm auf "Kommentar schreiben" klicken, eine paar Worte in mein Maschinchen tippen und "veröffentlichen" drücken - oder den Postweg nehmen. Der ginge so:

1. Ich schreibe meinen Kommentar von Hand - weil ein PC in dieser Postvariante überflüssig ist.
2. Ich packe den Brief in ein Couvert, schreibe Herrn Messmers Adresse drauf, schlecke ein Märggli ab, drücke es auf den Umschlag und trage den Brief zum nächsten Briefkasten. (Ergänzt aufgrund von Angaben von Herrn Gnoerpf)
3. Jemand von der Post leert den Briefkasten und bringt die Briefe in ein spezielles Zentrum.
4. Von dort aus ruft wahlweise eine nette Dame / ein netter Herr den Herrn Messmer an (oder schreibt ihm, das habe ich nicht so genau kapiert) und sagt: "Lieber Herr Messmer, Frau Zappadong hat einen Kommentar geschrieben. Sollen wir Ihnen den Brief schicken oder dürfen wir ihn öffnen, den Text einscannen, in ein pdf-Format umwandeln und Ihnen das Resultat unserer Arbeit elektronisch schicken."
5. Nachdem Herr Messmer fertig gelacht hat (oder sich fragt, ob er irrtümlich trotz Blog-Psychohygiene in der Irrenanstalt gelandet ist), beantwortet er die Frage. So, wie ich ihn kenne, hätte er meinen Kommentar gerne als pdf-Datei, weil er ihn sonst zu Hause einscannen (oder ABSCHREIBEN) müsste, um ihn dann bei sich im Blog zu veröffentlichen.
6. Herr Messmer hat sich also für das pfd entschieden und möchte gerne den Hörer auflegen, doch es ist ein bisschen so wie im Coop, wo man erst gefragt wird, ob man eine Supercard hat und danach gleich die Frage folgt, ob man auch die Pünggtli sammle. Im Fall der Post sind das aber nicht Pünggtli, sondern die nette Dame /der nette Herr fragt: "Sollen wir das pdf bei uns für Sie archivieren?"
7. Keine Ahnung, wieviel man für den Spezialservice noch draufzahlen wird. Ich fürchte nur, Herr Messmer kann bloggen, so viel er will, den Psychiater wird er spätestens jetzt dennoch brauchen.

9 Kommentare:

gnoerpf said...

Immer diese Vereinfachungen. Bei Schritt 2 fehlt doch das Adressieren des Couverts und das Aufkleben des Märgglis. Wobei das Anbieten von vorfrankierten Couverts schon fast wieder ein Geschäftsmodell für die sterbende Post wäre.

miktator said...

Gibt es nicht schon die Möglichkeit die Couverts online zu frankieren? Nur so von wegen vorfrankierten Couverts.... :)

David said...

Ich denke nicht, dass Herr Béglé so blöd ist. Er drückt sich nur etwas missverständlich aus. Es geht natürlich nicht um einzelne Briefe, sondern um die gesamte Briefpost: Man kann (natürlich online) angeben, wenn man die Briefe nicht mehr physisch, sondern als PDF erhalten möchte.

Zappadong said...

@ David. Selbst wenn. Wer Texte online verschickt, hat doch selber ein pdf-Programm. Warum also die Post als Zwischenstation bemühen?

Was mir zum ersten Teil des Rundschau-Beitrags noch eingefallen ist: Da erledigt unsere Post in New York eine (gute alte Hand)Arbeit, die bei uns schon längst dem Rationalisierungswahn zum Opfer gefallen ist. Dort - behauptet man - könne man damit Geld verdienen. Bei uns hat der Paketbote 30 Sekunden Zeit, ein Paket an der Haustür zu überreichen ... (ich finde alleine schon die Bildsequenz in der Rundschau herzig, in der eine Mitarbeiterin in langsamstem Tempo einen Stapel Briefe zählt - bei uns würde man solche Leute entlassen ... zu wenig effizient). Zu diesem Thema mehr in separaten Blogeinträgen ... demnächst in diesem Blog ...

PvC said...

Und so fällt dann das Briefgeheimnis eines Tages dem Nacktscanner anheim...

M.M. said...

Okay, ich musste jetzt erst mal etwas Luft holen, Moment, phu, es geht schon,phu, Moment.. Ah,besser, jetzt noch die Tränen wegwischen: Frau, HABE ICH JETZT GELACHT!!!!

David said...

Ich sehe in der Scan-Sache schon einen gewissen Sinn. Gerade wenn ich viel umherreise, will ich lieber meine gesamte Post per PDF erhalten. Jetzt könnte ich versuchen, alle Ansender anzuschreiben und zu überzeugen, sie sollten mir statt Briefpost E-Mails schicken – ein hoffnungsloses Unterfangen. Wenn ich nun der Post sagen kann, sie soll mir alles einscannen und mailen, ist das doch ein super Service.

Zappadong said...

@David: Dann würde ich vorschlagen, dass Sie sich direkt bei der Post melden und sich auf die Kundenliste setzen lassen.

文章 said...
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