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Kein Anschluss unter dieser Nummer

"Ich mag Ihre Postgeschichten", sagt Mr Doorman. "Erzählen Sie doch noch einmal die von Ihrem Bruder." Kann ich machen:

Bruder Zappadong brauchte eine telefonische Auskunft der Post (weshalb, ist eine andere - (w)irre Geschichte, die ich Ihnen später erzähle) - das Internet hatte ihm Auskünfte geliefert, die er weder glauben konnte noch glauben wollte (das wäre dann eben die andere Geschichte). Also rief er an. Zuerst bei der Post in Vaduz. Die netten Pöstler in Liechtenstein begrüssten ihn freundlich, hörten ihm zu und gaben ihm dann schnell, freundlich und kompetent Auskunft.

Dann versuchte er es bei seiner zuständigen Poststelle im Zappadong-Gebiet. Es blieb beim Versuch, weil unsere Poststellen keine Telefonnummern mehr haben. Man muss eine 800-er Nummer wählen. Bruder Zappadong fand das etwas birnenweich, sagte sich aber: Auskunft ist Auskunft ist Auskunft und rief an.

Eine Maschinenstimme beschied ihm, dass er zur falschen Zeit anrufe. Also wartete er den richtigen Moment ab und telefonierte erneut. Er durfte dann wählen zwischen 1 für ...., 2 für ...., 3 für .... usw., was er auch tat. "Da sind Sie bei mir falsch", beschied ihm das Wesen aus Fleisch und Blut, das er schlussendlich in der Leitung hatte. "Wählen Sie doch ...."

Bruder Zappadong wählte nicht. Dazu muss man wissen, dass er wie alle Zappadongs mit einem harten Berglerschädel ausgerüstet ist und solchen Gugus nur bedingt mitmacht. Als Mann der Tat begab er sich höchstpersönlich zur nächsten Poststelle. Und wie das so ist auf dem Land, wo noch jeder jeden kennt, fand er sich an der Poststelle einer Bekannten gegenüber.

"Ui", sagte sie, als sie in sein Gesicht schaute. "Was hast du?"
"Zwei Dinge", schmetterte mein Bruder. "Eine Frage und eine Beschwerde. Ich beginne besser mit der Frage, denn nach der Beschwerde ist dir vielleicht nicht mehr nach einer Antwort."
Also stellte er erst seine Frage (das ist jetzt eben die andere Geshichte, für die es in dieser Geschichte hier keinen Platz hat). Er erfuhr, dass er das auf dem Internet schon richtig herausgefunden habe, und das sei eben leider so und blablaba ..., was seiner sowieso schlechten Laune nicht unbedingt gut tat. Und so legte er dann ziemlich laut mit seiner Beschwerde los.

Von wegen 800-Nummer. Unpersönlichem Nicht-Service. Nicht Erreichbarkeit. Zeitverplämpeln. Kundenunfreundlichkeit. Bei jedem Märgglikauf und Briefaufgeben müsse man sich Gratis-Katzenfutter andrehen lassen, werde gefragt, ob man ein Los kaufen möchte und auf die Vorzüge vom Postkonto aufmerksam gemacht. Lauter Zeugs, das er weder brauche noch wolle. Aber wenn er eine telefonische Auskunft brauche, könne man nicht einmal mit der zuständigen Stelle sprechen, sondern müsse mit einer Maschine vorlieb nehmen.

So was dauert eine Weile. Und so bildete sich hinter ihm eine kleinere Schlange von Leuten, die alle mithörten und mit dem Kopf nickten.
"Wir dürfen hier keine Gespräche mehr entgegennehmen", antwortete seine Bekannte. "Von wegen zu viel Zeit verschwenden."
"AHA! Aber Zeit für Katzenfutter, Lösli und Kontos habt ihr."
Die Leute in der Schlange nickten.
Die Bekannte entschuldigte sich. Er habe ja recht. Solches Zeugs komme halt von oben.

(Zwischenbemerkungen: Ab und zu kommen bei der Post Theoretiker vorbei, die mit der Stoppuhr messen, wie lange die Postarbeiter für ihre Tätigkeit brauchen und wie viele Meter sie dafür zurücklegen ... und den erstaunten Pöstlern dann mitteilten, wie sie noch effizienter arbeiten können, und wo man noch 3 Sekunden einsparen könne. Telefonieren mit den Kunden liegt bei solcher Hetze nicht drin. Man muss ja schliesslich Katzenfuttermüsterchen verteilen ...Und wenn ich schon zwischenbemerke: Die Wege der Postboten werden ebenfalls vermessen, und dann wird ausgerechnet, wie lange sie für ihre Runde haben dürfen. Die Berechnungen basieren auf guten Wetter- und Strassenzustandsbedingungen.)

Mein Bruder guckte sie an und fragte: "Und was ist, wenn die Dame / der Herr im Callcenter meine Frage nicht beantworten kann?"
"Dann rufen sie hier bei mir an. Ich antworte und sie rufen dich dann mit der Antwort zurück."
Meinem Bruder blieb die Luft weg. Während er nach Atem rang, schrieb ihm die Bekannte etwas auf einen Zettel und schob ihm das Papierchen rüber. Er guckte drauf: Eine Telefonnummer, eine richtige, keine 800-er.
"Für nächstes Mal", sagte die Bekannte
Die Leute in der Schlange grinsten. Mein Bruder schloss daraus, dass sie alle schon so einen Zettel zu Hause haben. Ich vermute, er liegt damit goldrichtig.

6 Kommentare:

BodeständiX said...

Köstlich, köstlich... wenn's nicht so biireweich-traurig wäre. Die galoppierende Dummheit bahnt sich allerortens den breitbetonierten Weg. Woran das liegen mag?

tin said...

Kann diese Geschichte leider nur bestätigen. Ich habe kürzlich auch bei dieser Nummer (es ist aber die 0848, also nicht mal gratis!) angerufen. Die freundliche Dame hat mir vorgelesen, was ich das selber im Internet vor mir hatte. Ich wurde auch "ein bisschen" ungehalten - und ja, zum Glück habe ich auch noch die normale Nummer meiner Poststelle.

Petra said...

Huch, seid Ihr rückständig in der Schweiz! In Frankreich kann man sich per Call Center medizinisch behandeln lassen, seine Sozialhilfe verlieren, Konzerte buchen, Krankenscheine verbeuteln, Konten zu retten versuchen, Tarotkarten legen lassen und Fußpilz von Amt zu Amt verschieben.

Ich schrecke jedes Mal komplett zusammen, wenn ich jemanden anrufe und da ist ein echter Mensch dran.

Titus said...

Hach, jetzt ist die Post gleich weit wie Cablemcom...

Frau Zappadong, holen Sie die Piratenfahne raus! Jetzt gehen wir zu Herrn Beglé und erklären ihm mal, wo «Expansionsmöglichkeiten» bestehen. Wir sind doch hier nicht in Frankreich! ;-)

Thomas said...

War früher aushilfsmässig auch einmal Briefträger. Als ich vor kurzem einen ehemaligen Kollegen getroffen habe, hat er mir erklärt, dass sie nun selbst ihre Zeit kontrollieren müssen/dürfen. Wenn ich das richtig verstanden habe. Bei «Unregelmässigkeiten» wird aber sicher nachgeprüft.

文章 said...
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