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Sturmer Grind

Wenn man eine ganze Woche dahinsiecht, kann es einem im Kopf schon mal trümmeln. Wobei. Vielleicht ist das die falsche Einleitung. Weil. Diese Woche konnte man auch einen sturmen Grind bekommen, wenn man sich ganz gesund fühlte.

Unsere allerliebste too big to fail Bank hat uns - wie sich einmal mehr gezeigt hat - so richtig schön in die Scheisse geritten. Neuste Entwicklung: Der kleine Mann mit der grossen Nase hat getäubelt und die ehemaligen Glücksritter ebendieser allerliebsten Bank je nach Quelle als "Gauner" oder "Betrüger" betitelt. Und wir haben einen Staatsvertrag mit den USA, der nicht einmal das Papier wert ist, auf dem er geschrieben ist.

(Zwischenbemerkung für jene, die für den letzten Satz im obigen Abschnitt eine Erklärung möchten: Halten wir uns an unser Gerichtsurteil, werden kaum Daten ausgeliefert und die Amerikaner schäumen vor Wut. Geben wir den Amerikanern, was sie wollen, so brechen wir unser Gesetz. So was nennt man Dilemma.)

In solchen Zeiten wird nach einer starken Regierung gerufen.

(Zwischenbemerkung: Mr Doorman und Onkel Vladimir rufen lieber nach der langbeinigen Bedienung und bestellen den ich-weiss-nicht-wievielten Drink)

Zurück zum Thema. Alle rufen. Auch der Mann mit dem Stoppelbart und der intelligenten Brille, dessen Partei vor allem dadurch auffällt, so farblos zu sein, dass man sie glatt übersehen könnte. Der Mann mit der Brille hat das gar nicht gern. Und darum ruft er jetzt besonders laut. Aber Achtung: Er will denn im Fall nicht den Empörten spielen. Das tun schon die andern, sagt er. Er findet politisches Gezänk statt Arbeit für unser Land verantwortungslos.

(Zwischenbemerkung: Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass das immer jene sagen, die sich gerade total übergangen fühlen?)

Bevor der Mann mit der Brille an die Arbeit geht, geigt er aber den andern noch die Meinung. Weil. Ein bizzli Empörung darf dann schon sein. Und so empört er sich über die Panzerknacker der Nation (= Sozialdemokraten) und die konservativen Demagogen vom Albisgüetli (SVP). Was er gegen die CVP hat, konnte ich nicht in Erfahrung bringen, vielleicht hat er noch nichts, weil er immer noch versucht, die Windfahnenleute besagter Partei mit einem Standpunkt in Verbindung zu bringen. Ist ja auch wurscht, es geht nur um Politik, und deshalb ist das alles halb so tragisch.

Wenn also nicht tragisch, dann muss es dramatisch sein. Weshalb der Mann mit der Brille und dem Stoppelbart zum Kampf aufruft. Die FDP müsse das Attentat der Demagogen auf das Erfolgsmodell Schweiz abwehren.

Den Rest erspare ich Ihnen. Der Mann mit der Brille hat nämlich auch noch was zu den Banken gesagt. Aber das wollen Sie gar nicht wissen.

(Quelle: NZZ)

2 Kommentare:

Titus said...

Also der Mann mit der Brille und dem Stopelbart hat ja nicht ganz unrecht Sogar nicht einmal nicht ein bischen nicht unrecht.

Nur - sind wir jetzt irgendwie schlauer? Haben wir etwas Zusätzliches erfahren? Hat er nun wenigstens endlich einen elektrischen Rasierapparat?!?

Nein (also zur letzten Frage weiss ich es natürlich nicht genau), er bläst ins gleiche Horn. Was unterscheidet ihn denn dann von uns, die wir manchmal auch ziemlich kratzbürstig, aber nicht von einer Schar Delegierten gewählt sind?

Wann beginnen wir endlich die Dinge und Probleme ehrlich zu betrachten und darüber zu diskutieren, ganz ohne Polemik, Anschuldigungen und Profilierungsgedanken?

Hmmm... jetzt hab' ich auch einen sturmen Grind. S'liegt wohl am Föhn aus dem Tessin...

Zappadong said...

Natürlich hat er recht, der Mann mit dem Stoppelbart. Das Problem: Solche Sachen ruft er immer dann, wenn ihm längere Zeit mal wieder niemand zugehört hat, sprich: Wenn es eine Weile her ist, seit er ausgeteilt und es damit in die Presse geschafft hat - weil: Austeilen kann er schon.

Das Austeilen hat übrigens heute einer der buntesten Exponenten der farblosen Partei übernommen. Herr Philipp Müller wird in einem Interview mit dem Tages Anzeiger deutlich. Zur UBS-Geschichte meint er: "Die Scheisse ist angerichtet."

ähm ... abgesehen von der Wortwahl, die dem stoppelbärtigen Herrn mit der Brille nicht so ganz passen dürfte, liegt in diesem Zitat eine Menge Wahrheit. Nur: Die Scheisse ist schon längst angerichtet. Herr Müller kommt eigentlich ein bisschen spät mit seiner Erkenntnis.

Er hat übrigens tatsächlich auch bemerkt, dass seine Partei immer noch viel Geld bekommt von jenen, die die UBS in die Sch... (Sie wissen schon) geritten hat und findet das jetzt grad nicht mehr so gut.