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Frau Zappadong goes (not) Literaturwettbewerb

Zeitunglesen gestern hatte etwas Gefährliches an sich. Lauter Beiträge zum Ärgern. Das ist ja nicht unbedingt das, was man sich für einen Sonntag so wünscht. Andererseits: Selber schuld, wer Sonntagszeitungen liest.

Zum Thema: Gestern in der NZZ am Sonntag (Printausgabe):

Die Stadt Zürich vergibt jedes Jahr einen Werkbeitrag an einen Comiczeichner / eine Comiczeichnerin. CHF 42'000. Dummerweise wissen davon nur ganz wenige. Sowohl ein bekannter Basler Comiczeichner als auch der Inhaber eines Comicladens hatten nicht den Schimmer einer Ahnung, dass es so was gibt. Eine Comiczeichnerin, die davon gehört hatte, suchte vergeblich im Internet nach Informationen und nahm an, es handle sich um ein Gerücht. Tut es aber nicht. Die Stadt Zürich vergibt - absolut intransparent - CHF 42'000 an ein paar Eingeweihte.

So weit, so schlecht. Heute bekam ich Post vom KJM, dem Ostschweizer Ableger des SIKJM (Schweizer Institut für Kinder- und Jugendbuchautoren) ... und da fiel mir ein, dass da doch irgendwann mal was gewesen ist in Bezug auf einen Schweizer Kinder- und Jugendbuchpreis. Ich erfuhr letztes Jahr per Zufall davon, weil eine Autorenkollegin anfragte, ob ich da dabei sei. War ich nicht. Aber neugierig, wie ich nun mal bin, habe ich im Netz nach Infos gesucht. Ausser dass es den Preis gibt, war da leider gar fast gar nichts zu erfahren.

Heute Morgen habe ich (wohl um der Putzarbeit auszuweichen) eine Mail an das SIKJM geschrieben, in der ich mich nach den Teilnahmebedingungen erkundigte, und im Gegensatz zur letzten Mail (in einer anderen Angelegenheit), die ich im August 2009 abschickte und nie eine Antwort erhielt, hatte ich keine Stunde später eine Antwort im virtuellen Briefkasten.

Der Schweizer Kinder- und Jugendmedienpreis wird alle zwei Jahre an Personen mit Schweizer Bürgerort oder Wohnort (seit mindestens 2 Jahren) oder an Schweizer Verlage, Reihen oder Editionen verliehen. Eine Fachjury prüft alle Medien (Romane, Bilderbücher, Sachbücher, Lyrik, Theaterstücke, Comics, andere Medien wie Hörbücher, Hörspiele, CD-ROMs, Editionen und Reihen), die vom 1. April des Preisjahres bis zum 31. März des nächsten Preisjahres erschienen sind. Die Fachjury fragt unter
anderem nach der ästhetischen und der sprachlichen Qualität eines Mediums. Sie können sich aus oben genannten Gründen nicht um den Preis bewerben.


Okay. Dann halt nicht.

Dass es auch anders geht, zeigen die Organisatoren dieses Kinder- und Jugendbuch Literaturwettbewerbs. Oder jene des Glauser Krimi-Preises (inklusive Hansjörg-Martin-Preis für Kinder- und Jugendkrimis). Selbst die Teilnahmebedingungen und Anmeldemodalitäten für den Schweizer Buchpreis sind für jeden ersichtlich. Um nur ein paar Beispiel zu nennen ...

UPDATE: Vielen Dank an Jerzovskaja für den Hinweis auf diesen lesenswerten Artikel.

6 Kommentare:

Titus said...

Ich hätte einen Vorschlag:

Im nächsten Jackpot von Euromillions sind 190 Million Franken drin.

Das Ausfüllen und Abgeben eines Scheines benötigt drei Minuten, ja das können Sie sogar online machen!

Die Chancen stehen höher, dass sie da gewinnen, und zwar nicht, weil Sie nicht gut schreiben können und besser zahlen ausfüllen können, sondern, weil, eben, die wollen irgendwie einfach unter sich bleiben, diese etablierten Berufsschreiber und so.

Und: Sollten Sie gewinnen, dürfen Sie täglich guten Gewissens der Putzarbeit ausweichen und stattdessen eine Literatur-Fachjury putzen lassen...

André said...

@Frau zappadong:
ja was denn, brauchen sie die kohle oder sehnt es sie nach dem ruhm?
und überhaupt: hätten sie den platz, die trophäe irgendwo an die wand zu hängen?

Zappadong said...

@andré: die Kohle wäre nicht schlecht :-)

Im Ernst: Ich werde nie so einen Preis gewinnen. Darum geht es nicht. Es geht um die Mauscheleien, die Intransparenz. Ich bin jetzt im 4. Jahr in diesem ganzen "Literaturbetrieb" und ab und zu treibt es mir den kalten Schweiss auf die Stirn. Und wie Sie vielleicht wissen, ist das Anrennen gegen Betonwände eines meiner Lieblingshobbys (weshalb ich dieser Tage auch einen Schlagabtausch mit Pro Litteris führe: Frustfaktor hoch, Arbeit nicht die Mühe wert und trotzdem ... aber das ist eine andere Geschichte, die vielleicht auch irgendwann einmal erzählt werden will).

Bobsmile said...

Ist doch ganz einfach. Lassen Sie Tochter Zap die Hälfte vom Hegemann Roman (Axolotl Roadkill) abschreiben, den Rest können Sie ihr dann getrost aus den Lieblingsblogs zusammen klauen, damit das ganze in einem anderen Kontext steht, dann ein paar Blognachbarn mit Schokolade fürs Hochjubeln bestechen und schon regnet's Nachwuchspreise, die sie gemeinsam abstauben können.
Tochter Zap kann sich ja dann immer noch im Nachhinein für die unterlassenen Quellenverweise entschuldigen.
Und sie tun gleichzeitig was gegen diese völlig veralteten "Urheberrechtsexzesse"(O-Ton Hegemann).
:-)

Zappadong said...

Lieber Bobsmile

Zap hat Abschreiben nicht nötig. Die schreibt selber gewaltig gut. Aber sie kommt vom Land, ihr Vater ist kein berühmter Filme - / Theatermann und ihre Mutter kocht ihrer Tochter lieber was Gutes, als sie mit 15 in einen Literaturbetrieb zu werfen, in dem Jungtalente total verheizt werden.

Zu den Urheberrechtsexzessen: Da schreibe ich (nach einem ganzen Tag Ping Pong mit Pro Litteris, in dem es um Kopiervergütigungen ging - du erinnerst dich: 34.90 für drei Bücher)nichts mehr.

Oder doch: Vielleicht so viel: Die nette Dame, mit der ich ein ziemliches Durcheinander auseinandergedröselt habe, findet rund 35 Franken Kopierentschädigung für 3 Bücher viel. Ich habe ihr dann sehr nett geschrieben, dass das Peanuts sind, und wer in einer Branche arbeitet, in der es um Peanuts geht, und auch nur Peanuts verdient werden können, sollte vielleicht nicht unbedingt 308'000 Franken im Jahr garnieren und so weiter und so weiter (das ganze Proletengeschwafel halt). Sie meint, ich solle das alles der Geschäftsleitung mitteilen. Was ich tun werde. Aber nicht mehr heute. Heute ist bei mir die Luft draussen.

Jerzovskaja said...

http://mischkultur.ch/leere-sprechblasen-im-kulturdepartement-zuerich/