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Sie sind am A...., Frau Zappadong

Ja, der Onkel Vladimir, der bringt es halt immer direkt auf den Punkt. Weshalb er unser Gespräch mit einem "Sie sind am Arsch, Frau Zappadong" beginnt.
Nun, das könnte man so sehen, bei einer Ladung geschmuggelten Urans und tonnenweise versteckten Goldbarren im Keller. Aber mit seinem Ausspruch meint Onkel Vladimir - wie sich gleich herausstellen wird - nicht die kleinen Mitbringsel aus seiner Heimat.
"Stellen Sie sich vor, Ihr Compüterchen geht kaputt und Sie holen sich einen dieser cleveren Burschen, der das wieder hinkriegt", beginnt er.
Ich warte, denn ich habe keine Ahnung, worauf er hinaus will.
"Dann", fährt Mr Doorman fort, "nutzt er die Gelegenheit und lädt sich das fixfertige Manuskript Ihres Alter Egos auf eine CD und verschwindet damit."
"Oha", sage ich.
"In der Tat", antwortet Onkel Vladimir. "Denn nun kommt's: Sie gehen zur Polizei und zeigen den *&%ç%* (zensuriert) an."
Ich nicke heftig.
"Und die Polizei informiert sie darüber, dass er Ihr Manuskript an einen Verlag verkauft hat und einen Vorschuss kassiert hat."
"Ha, den kriegen wir dran!", rufe ich.
"Nein", erklärt Onkel Vladimir. "Deshalb sind Sie ja am Arsch."
"Hä?", sage ich.
"Darf ich zitieren?", fragt Onkel Vladimir.
"Sie dürfen", antworte ich.

"Da Daten anders als Autos oder Handys keine Sachen sind, kann man sie nicht stehlen. Und wo es keine gestohlene Ware gibt, da gibt es auch keine Hehlerei." (Frau Justizministerin Beate Merk aus Bayern, Quelle)

Ich bin grad ein bisschen verwirrt. "Sie meinen, weil mein Manuskript kein Auto oder kein Handy ist, sondern nur Daten auf einem Maschinchen, kann man es klauen."
"Sie haben's erfasst", sagt Onkel Vladimir zufrieden. "Sie sind am ..."
"Stopp!", rufe ich. "Ich hab's kapiert."
"Ja, die ersten 50 Prozent", fährt Onkel Vladimir ungerührt fort. "Jetzt kommt der Rest."
"Welcher Rest?"
"Der nächste Teenager. 13 Jahre alt. Findet Ihren Blog zum Brüllen schlecht und verwurstelt ihn zu einem Buch Warum man Blogs hassen muss und schreibt dazu wortwörtlich ihre Beiträge ab."
"Dem werd ich was hinter die Löffel geben", murmle ich.
"Aber nicht doch!", sagt Onkel Vladimir. "Können Sie doch nicht. Das clevere Kerlchen ist doch schon längst für den Aussermarsianischen Buchpreis nominiert. Sie würden als schlechte Verliererin dastehen."
Jetzt ist mir schlecht. Ich überlege mir, meinen Beruf zu wechseln und Schuhmacherin zu werden. Wenn mir dann jemand die Schuhe klaut, kann ich darauf beharren, dass sie eine Sache sind ...

PS: Wäre noch ganz witzig, wenn jemand der Frau Merk aus Bayern ein paar persönliche Daten abstauben würde und ihr dann mit ihrer eigenen Argumentation käme ...

Schönes Wochenende

13 Kommentare:

Titus said...

Als ich diese Aussage der Frau Merk las (bevor ich diesen Beitrag sah), dachte ich auch spontan an Sie, Frau Zappadong, denn ich hatte genau den gleichen Gedanken.

Ob Frau Merk, nicht weniger als Justizminsterin aus dem Freistaat Bayern, schon einmal etwas von «immateriellen Gütern» gehört hat? Dazu zählen zum Beispiel in der Buchhaltung schon seit Jahren (also schon bevor es Internet und so'n Zeugs gab) auch Lizenzen.

Nach Frau Merks Definition hiesse das also: Lizenzen darf man klauen - mindestens aber soll man dafür nichts bezahlen.

Übrigens wäre die Text-Klau-und-Buch-schreib-Geschichte eine gute Möglichkeit, um einmal aufzuzeigen, dass Internet eben KEIN rechtsfreier Raum ist.

Zappadong said...

Es kommt noch schlimmer. Eine "Literaturkritikerin" der NZZ (sorry, das MUSSTE einfach in Anführungs- und Schlusszeichen) findet das Geschrei der Blogger um Hegemanns Roman kleinkarriert - wo doch das Klauen im Internet gang und gäbe sei.

Manchmal frage ich mich, ob diese Leute überhaupt eine Ahnung haben, was ein Blog ist und wie es im Internet zu und her geht.

Frau Zappadong

PvC said...

Zum Glück sind Anwälte nicht so dumm wie Politiker und Kritiker. Zum Glück ist die Sharing-Szene nicht so dumm, wie man ihr nachsagt - DIE nennen nämlich Quellen.

Meine bösartige Vermutung: Genau diese Internetszene soll jetzt herhalten. Fürs Leistungsschutzgesetz...

Aber trotz allem wundert es mich, dass es Onkel Wladimir noch nicht als Buch gibt!

David said...

Die Aussage von Frau Merk ist natürlich Blödsinn. Aber: Unterliegen Bankdaten einem Urheberrecht? Wohl kaum. Daher ist die Begründung der Frau Merk zwar Quatsch, aber ob "Diebstahl" wirklich ein juristisch wie auch umgangssprachlich passender Ausdruck für das "Leaken" von Bankdaten ist, kann man durchaus diskutieren.

Es ist ein Verstoss gegen das Datenschutzgesetz, aber Diebstahl ist es in meinen Augen nicht.

Eine weitere berechtigte Diskussion ist, ob man Verstösse gegen das Immaterialgüterrecht als Diebstahl (oder gar "Raubkopiererei" oder "Piraterie") bezeichnen soll. Ich würde alle diese Begriffe nicht verwenden, denn beim Wort Diebstahl stellt man sich vor, dass der/die Bestohlene danach nicht mehr im Besitz des Diebesgutes ist. Was aber nicht zutrifft. Darum sollte man mit der Verwendung von Begriffen aus dem Sachenrecht sehr vorsichtig sein. Leider fehlen passende Begriffe in Bezug auf immaterielle Güter.

PvC said...

Es gibt passende Ausdrücke: Urheberrechtsverletzung, Verstoß gegen das Zitatrecht wären solche Bezeichnungen bei Büchern.
Mit Konten kenne ich mich nicht aus.

David said...

Ja ok, und den "Datendieb" nennt man dann "Verstößer gegen das Zitatrecht"? Solche Begriffe eignen sich wohl für die Justiz, aber nicht für die Boulevard-Schlagzeile und werden sich darum umgangssprachlich nicht durchsetzen.

Zappadong said...

"leaken" ist ein allerlieblichst Wort für dieses kriminelle Vorgehen.: Einer klaut Daten aus einer Firma. Dann verkauft er sie an einen Staat. Beamte dieses Staates düsen nach Frankreich um das Geld zu überbringen. Somit wird vermieden, dass er Verkäufer festgenommen wird (in Deutschland müsste man das tun)und ausgeliefert werden kann. Sehr viel krimineller geht's nicht mehr. "leaken" ist dafür ein lächerlicher Ausdruck.

Vielleicht habe ich irgendwann Besuch und dieser Besuch schaltet meinen PC ein, findet mein Manuskript und "leakt" es an ein paar Freunde, von denen es einer auf das Netz "leakt". Vielleicht findet mein Besuch bei dieser Gelegenheit auch meine Buchhaltung auf meinem PC und findet, die könnte er auch "leaken" lassen, allenfalls noch mit ein paar Fotos von mir. Und ich sitz da und muss mir sagen lassen, dass das heute halt so ist?

Mir ist egal, wie das Gesetz dazu heisst, aber ich wünschte mir dringendst eins, das solche Aktivitäten verbietet. Beim Schreiben ist es klar, wie PvC schreibt: Es geht um das Urheberrecht.

Und in der (seriösen) Bloggerszene geht NICHTS ohne Quellenangabe und wann immer möglich mit einer Verlinkung. Ich kann mich nicht erinnern, dass H.H. ihre geklauten Textstellen gekennzeichnet und den Urheber genannt hat.

Das könnte im kokreten Fall von Bret Ellis Easton - hoffentlich - Folgen haben. (Der viel zititerte Satz über die vergewaltigte und gefolterte Sechsjährige stammt nämlich von ihm, nicht von H.H.)

Zappadong said...

Ups: Bret Easton Ellis (sorry, hab damals nach 50 Seiten aufgehört zu lesen, zu kapputes Buch)

Zappadong said...

@David: Es ist also kein Diebstahl, wenn ich in meiner Firma Daten herunterlade, um sie jemand anderem zu verkaufen?

Denken Sie diese Aussage mal fertig: Dann kann in Zukunft jeder Arbeitnehmer alles vom Firmencomputer herunterladen und verkaufen? Hochsensible Daten. Persönliche Daten. Neue Erfindungen. Versuchsverläufe der Forschungs- und Entwicklingsarbeit? usw

Das nenne ich Diebstahl.
Den Datendieb würde ich Datendieb nennen. So, wie ich den Handtaschendieb einen Handtaschendieb nenne.

David said...

Der Unterschied ist: Die Handtasche ist nach einem Diebstahl nicht mehr da. Die Daten sind nach einem "Diebstahl" immer noch da. Ausserdem kommen völlig unterschiedliche Gesetze zur Anwendung. Es besteht ein grundsätzlicher Unterschied, und man sollte Verschiedenartiges nicht gleich bezeichnen.

Diebstahl ist schon seit Jahrtausenden Diebstahl, Datenschutz- und Urheberrechtsgesetze hingegen sind weniger als 200 Jahre alt.

Ich habe aber überhaupt nicht gesagt, dass ein Datenschutzverstoss oder eine Urheberrechtsverletzung ein Kavaliersdelikt sei. Da hast du meine Aussage falsch interpretiert. Ich bin ein vehementer Befürworter von einem strikten Datenschutz. Verstösse sollen geahndet werden. Aber die Begriffe zu vermischen, bringt nichts. Diebstahl ist ein Begriff aus dem Sachenrecht.

Deine Schnappschüsse unterliegen in der Schweiz übrigens wohl nicht dem Urheberrechtsgesetz. Jedoch haben die abgebildeten Personen ein "Recht am eigenen Bild". Sie dürfen also nicht ohne Einwilligung der abgebildeten Person veröffentlicht werden. Das ist wieder ein anderes Gesetz.

Zappadong said...

Doch, die Handtasche ist nach einem Diebstahl immer noch da - einfach an einem anderen Ort :-)

Aber das sind Kinkerlitzchen. Ich sehe schon, worauf du hinauswillst - und du hast damit auch recht. Nur: Für mich bleibt es Diebstahl, auch wenn die ursprünglichen Daten immer noch da sind. Es liegt an der Justiz, einen Begriff dafür zu finden; er darf einfach die Sache nicht bagatellisieren - und es darf auch nicht zweierlei Strafmass für diese zwei "verschiedenen Arten von Diebstahl" geben.

David said...

Wie viel Daten würden denn einem gestohlenen Porsche entsprechen?

Wenn man gleicherlei Strafmass wollte, müsste man die Schadenssumme vergleichen können. Die Schadenssumme ist bei Daten aber sehr schwer bezifferbar. Wer ist überhaupt der Hauptgeschädigte: Die Bank oder deren Kunden? Ist die Bank evtl. sogar mitschuldig, weil sie die Daten fahrlässigerweise zu wenig sicher aufbewahrt und damit genauso gegen das Datenschutzgesetz verstossen hat?

Ich weiss es nicht. Aber zweierlei Strafmass ist wohl zwingend, weil man Ampère und Kilogramm nicht über die gleiche Leiste schlagen kann.

Petra said...

Werte Zappadong,
auch wenn hier die Begriffe boulevardmäßig durcheinanderrauschen, ist das Kopieren sensibler Daten in einer Firma selbstverständlich kriminell und vor allem ein Kündigungsgrund. Genau darum geht es in der Debatte ja auch: Darf man mit Kriminellen Geschäfte machen, um andere, womöglich noch schlimmere Kriminelle zu finden.
Und das ist eben nicht ganz so einfach zu beantworten, wie's die Stammtische gern hätten.