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Uran verscherbeln war gestern - Heute gehen wir in die Politik

"Frau Zappadong, Sie müssen Nationalrätin werden", sagt Mr Doorman.
"???" (Es ist zu früh am Morgen für solche Überraschungsangriffe.)
"Da kommt das Geld von selbst."
"???" (Ach, ja, denke ich, aber wenn ich das jetzt sage, wird es mir erklärt.)
"100'000 Franken für zwei Sitzungen pro Jahr", erklärt Mr Doorman. (Ich habe doch gar nichts gesagt.)
(Ich gebe auf.) "Für zwei Sitzungen?", frage ich.
Mr Doorman nickt. "Steht im Magazin*."
"Und was muss ich dafür tun?", erkundige ich mich. "Meine Seele dem Teufel verkaufen?"
"Nicht ganz", antwortet Mr Doorman. "Nur einem Beirat einer Firma beitreten."
"Bedingungslos?", will ich wissen. "Oder ..."
"Offiziell bedingungslos."
"Aha."
"Na ja, vielleicht sollten Sie dann im Parlament im Sinne der Firma reden und abstimmen." Mr Doorman zuckt mit den Schultern. "Scheint heute Gang und Gäbe zu sein."
"Aha." (Mich überfordert so was zu so einer Tageszeit - und eigentlich auch generell, zu jeder Tageszeit.)
"Sie können auch mehreren Beiräten, Verwaltungsräten und was es sonst noch an Ämtlis gibt beitreten", fährt Mr Doorman fort, der mein Schweigen als Interesse auslegt. "Wenn Sie die richtigen Leute kennen, rückt man auch ein paar Dinge für Sie gerade. So können Sie zum Beispiel Parteipräsidentin werden."
"???"
"Ihre Geldgeber werden es für Sie richten."
"???"
"Ja. Steht im Magazin*. Und wenn Sie in eine Kommissionssitzung gehen, gibt Ihnen die Firma, die Sie so grosszügig entlöhnt auch gleich ein Positionspapier mit Argumenten mit und sagt Ihnen, wo Sie sich mit einem Antrag wie melden müssen."
"???" (Mir ist schlecht. Da kann man schlecht denken.)
"Sind Sie Mitglied einer Partei?", dringt Mr Doormans Stimme durch dicken Nebel zu mir durch.
Ich schüttle refelxartig den Kopf.
"Okay, dann nehmen wir was Bürgerliches. Zahlt sich besser aus. Hätten Sie lieber das christliche C oder das liberale F?"
"Gar nichts", würge ich aus meiner ziemlich trockenen Kehle.
"Dann nehmen wir das F. Obwohl Herr Eugen David von der Partei mit dem C. aus dem Kanton Zappadong ganz schön absahnt - und Sitzungen schon mal nach dem Willen seiner Geldgeber abhält - steht im Magazin*."
Ich winke matt mit der Hand.
"Sie wollen, dass ich aufhöre?", fragt Mr Doorman.
Ich nicke.
"Kein Nationalrat?", hakt er nach.
"Um Himmels Willen, nein", hauche ich.
Mr Doorman grinst zufrieden. "Sie sind meine Frau Zappadong", meint er. "Verscherbeln wir also lieber Onkel Vladimirs Uran."
"Natürlich tun wir das!", ruft Onkel Vladimir, der die Treppe hinunterkommt und die letzten paar Worte mitbekommen hat. "Was denn sonst?"
Ja, was denn sonst.

Wenn Ihnen die Lust am Wählen noch nicht vergangen ist. Checken Sie doch bitte vor dem Ausfüllen des Stimmzettels, wie viele Ämtlis die Kandidaten Ihrer Wahl haben und überlegen Sie es sich dann noch einmal.

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