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Von Disketten und Buspassagieren

"Schön, dass Sie wieder da sind", sagt Mr Doorman.
"Ja", ergänzt Onkel Vladimir. "Kannst gleich die Hemden bügeln und hochprozentigen Nachschub holen."

Ich haue Onkel Vladimir mein Feriensouvenir um die Ohren - einen dicken, spitzen Eiszapfen aus dem Ötztal, den ich eigentlich am Stück ins Gefrierfach legen wollte, sozusagen als Ötziersatz. Nun, jetzt muss er halt als Eiswürfel für unsere Drinks herhalten.

"Ist eine ganze Menge passiert", beginnt mich Mr Doorman auf den neusten Stand der Dinge zu bringen.
"Will ich überhaupt wissen, was so gegangen ist?", frage ich.
"Nein", antwortet Mr Doorman.
"Doch", brummt Onkel Vladimir, der sich die Hand an die Nase hält. "Oder wollen Sie auf ein paar Millionen verzichten?"
"Millionen von was?", erkundige ich mich. "Falls Sie von Bakterien reden: Diese paar Millionen habe ich bereits kennengelernt, einzeln."
"Geld." Onkel Vladimir brummt immer noch.
"Geld?", frage ich.
"Sie haben doch überall so Sticks und Disketten herumliegen." Jetzt nuschelt er. Ich glaub, da ist ein Zahn rausgefallen.
"Habe ich."
"Die können Sie dem deutschen Staat verkaufen", nuschelt Onkel Vladimir.
"Ach ja?"
"Ja." Er beginnt, heftig zu nicken, hört aber sogleich wieder auf damit.
"Egal, was drauf ist?", will ich wissen.
"Nun, Sie müssten schon ein paar Kundendaten rausrücken."
"Tut mir leid", antworte ich. "Damit kann ich nicht dienen."
"Schade", meint Onkel Vladimir.
"Also kein Geld?", frage ich.
"Nein."
An dieser Stelle mischt sich Mr Doorman ins Gespräch. "Sie brauchen keine Diskette und keinen Stick. Sie können auch einen Bus entführen und damit drohen, die Passagiere ... na ja, Sie wissen schon." Er macht eine eindeutige Bewegung, die mir gar nicht gefällt.
Mir ist gar nichts mehr klar und so sage ich: "Warum sollte ich einen Bus entführen?"
"Einen deutschen Bus", präzisiert Mr Doorman. "Und dann sagen Sie, Sie wollen 2,5 Millionen Euro oder Sie ... na, Sie wissen schon."
"???"
"Es ist so: Die deutsche Regierung wird bezahlen."
"???"
"Weil: Die Leute werden ausrasten, wenn die Regierung für das Leben von ein paar Buspassagieren nicht bezahlt, hingegen für ein paar Zahlen auf einer Diskette schon."
Ich gestehe: Ich verstehe nur Bahnhof. Und darum gehe ich jetzt schlafen. Mögen die Buspassagiere sicher ankommen.

4 Kommentare:

Petra said...

Diesmal irrt Onkel Vldimir. Auf den CD-ROMS kann sonstwas sein, der deutsche Staat will die nämlich vor dem Bezahlen nicht mal prüfen. Reines Blindgeschäft. Nach der Geldübergabe macht man sich halt dünne. Und dann müssten Kriminelle einen Kriminellen verfolgen ... oder so ähnlich.

Zappadong said...

Liebe Petra

Sind Sie sicher? Ich habe da was von fünf Stichproben gehört, die gemacht wurden - und in jedem dieser Fälle soll eine Million Steuer fällig sein ... ähm ....

Fraz Zappadong

Petra said...

Verdächtig klein, die Summe. Banker können das nicht gewesen sein.
Grüßli ins Nummernparadies! :-)

Bobsmile said...

Auf jeden Fall kann der oder die TäterIn rechnen.
5 bestätigte Dossiers à 1 Mio zum Preis von 2.5 Mio sind ein schadloses Geschäft. Da können die anderen 1495 Dossiers alles Nieten sein, die Regierung macht immer noch 2.5 Mio bene und alle behalten ihr Gesicht. Nicht so wie beim kleinen Mann mit der langen Nase, da war's ausser Spesen nix gewesen, dafür keine Hehlerei, und es geht um zwei Menschenleben und nicht nur um diese bedruckten Papierzettelchen.
Hach, die Welt ist aus den Fugen, Frau Zappadong!