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Der Killer im Kinderzimmer

Der Nationalrat will also die Killergames verbieten. Sohn Zappadong ist nicht der Einzige, der deswegen Aggressionschübe bekommt - die übrigens nicht durch besagte Spiele, sondern durch das Verhalten der Politiker ausgelöst werden. Ich wage mal zu behautpen: Kaum einer dieser Politiker hat sich ernsthaft mit der Materie auseinandergesetzt - die um Runden komplexer ist als man denkt. Die einfache Gleichung Killergames spielen = Amokläufer werden ist etwas gar simpel gestrickt.

Die NZZ hat sich gestern mit Kindern beschäftigt, die keine Kinder mehr sein dürfen / können (ein absolut lesenswerter Artikel!) Darin ging es auch um Killerspiele:

"Killerspiele sollen generell verboten werden, obwohl sie für die überwiegende Zahl der Jugendlichen lediglich eine neue Form des Schachspiels sind und ihre moralischen Sensibilitäten auch stärken können. Betrachtet man das Aggressionspotenzial, dann müsste man auch Slapstick am Fernsehen, den Strassenverkehr und Pannen am Computer verbieten. In einem realitätsfernen Raum werden Argumente konstruiert, die keinen Zusammenhang mit der Lebenswelt der Jugendlichen haben."

Das trifft die Sache ziemlich genau auf den Punkt. An einer Tagung zum Thema Gewalt in Computerspielen beeindruckten mich die jugendlichen Podiumsteilnehmer am meisten. Sie holten mit ihrer gelassenen Art so manche Zuhörer wieder auf den Boden.

Der Kinderpsychologe Remo Largo ist zwar gegen solche Spiele, aber aus moralischen Gründen und nicht aus Gründen der Gewaltprävention.

"Videogames, in denen Menschen umgebracht werden müssen, damit man gewinnt, gehören verboten. Und zwar nicht, weil sie die Gewalt bei den Jugendlichen schüren – das ist bis jetzt nicht nachgewiesen –, sondern weil es gegen mein ethisches Empfinden und hoffentlich auch gegen das der Gesellschaft geht, dass Jugendliche sich auf diese Art unterhalten."
Dieses Argument lasse ich gelten. Aber nicht als Grund für ein Verbot, sondern für eine Diskussionsgrundlage.
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3 Kommentare:

David said...

Du sprichst mir aus dem Herzen. Danke.

Petra said...

Ich habe schon mal in meinem Blog beschrieben, wie mich ein Computerspiel völlig zerstört hat, hehehe (Namen anklicken).
Ich denke, das Problem liegt sehr viel tiefer und es ist auch beileibe kein schweizerisches: Sicherheitssucht. Der Glaube, das Leben, das die Unsicherheit selbst ist, kontrollieren und beherrschen zu können.

Und dem frönen nicht nur die ach so bösen Politiker, sondern ihre Schäfchen dazu.

Man kann da durchaus anfangen zu philosophieren, ab wann das Sicherheitsbedürfnis anfängt und ab wann es krank wird: Wenn ich die Ehe fürs Leben eingehe? Einen Wachhund halte? Mir einen Chip für die Getränke in der Disco unter die Haut pflanzen lasse? Den Nachbarn durch die Gardine beobachte? Den Nachbarn per Videokamera beobachte?

Zappadong said...

Liebe Petra

Welch herrliche Blogthemen Sie mir da liefern! Ich werde mir erlauben, meinen Blogeintrag um Ihren Link zu erweitern. Herzlichen Dank für das Lesevergnügen, Sie gefährliches Frauchen Sie.