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Vom der niedlichen Akquise zum knallharten Durchgreifen

Gestern ging es an dieser Stelle im Zusammenhang mit der Auswertung der Steuerdaten-CDs um das niedliche Wort Akquise. Heute gucken wir mal, welch absolut unniedliches Verhalten hinter so einer Akquise steckt.

Die Verhaftung findet immer am Morgen vor Arbeitsbeginn statt. Entscheidend ist, dabei den Druck so gross wie möglich zu machen. Zwar werden bei der Durchsuchung fast nie Dokumente gefunden. Aber das aber hilft dem Verdächtigen nicht - im Gegenteil. Ihm wird gesagt, dass leider nichts gefunden worden sei, also bestehe Verdunklungsgefahr. Man müsse ihn nun in U-Haft nehmen. Ausser er telefoniere freundlichst seiner Bank, den Kontostand durchzufaxen.
Mit dem Fax haben die Fahnder den Beweis - selbst wenn die CD als Beweismittel abgelehnt würde. Nun machen sie Fluchtgefahr in die Schweiz geltend. Der Verdächtige solle bitte per Blitzüberweisung 20 Prozent seines Vermögens den Behörden schicken, ansonsten man ihn doch in U-Haft nehmen müsse.
Quelle: Online-TagesAnzeiger

Ganz ehrlich: Ich würde meinen Anwalt anrufen, den Anruf an die Bank unterlassen und ginge dann in den Knast. Aus Protest gegen so ein Vorgehen. Aber es scheint mir ganz so, als gewöhne man sich in Deutschland so langsam aber sicher an gar alles.

6 Kommentare:

Petra said...

Ist denn Steuerhinterziehung in der Schweiz nicht strafbar?

Zappadong said...

@Petra: Wir unterscheiden (noch) zwischen Steuerhinterziehung und Steuerbetrug. Eine Broschüre der CS erklärt das ziemlich verständlich:

"Der Unterschied zwischen Steuerhinterziehung und Steuerbetrug fusst im Konzept der Selbstdeklaration und dient dem Schutz der Bürger. Macht er bei der Selbstdeklaration von Einkommen und Vermögen Fehler, vergisst er zum Beispiel etwas anzugeben, lässt sich das als Steuerhinterziehung klassifizieren. Im Gegensatz zu anderen Staaten ist das in der Schweiz kein strafrechtliches Delikt. Das heisst nicht, dass Steuerhinterziehung ein Kavaliersdelikt ist; tatsächlich ahnden die Behörden Steuerhinterziehung mit Bussen bis zu einem Mehrfachen des hinterzogenen Betrages. Noch einen Schritt weiter gehen die Massnahmen beim Steuerbetrug. Denn hier wird ja absichtlich etwas vertuscht, zum Beispiel durch ein gefälschtes Dokument. Steuerbetrug ist ein strafrechtlich relevantes Delikt und wird mit einem Strafverfahren verfolgt."

Ich mag diese Unterscheidung. Weil das Ausfüllen der Steuererklärung auch für ehrliche Dödel wie mich nicht immer ganz einfach und klar ist => und wenn ich dann einen Fehler mache, stehe ich nicht gleich mit einem Bein im Knast.

Nun, die Vorteile dieses Unterschieds Steuerhinterziehung / Steuerbetrug herauszustreichen oder die Nachteile zu hinterfragen ist müssig, da wir uns wohl dem weltweiten Druck beugen und diese Differenzierung aufgeben müssen.

Auf jeden Fall finde ich, dass jeder Täter (auch der Steuerhinterzieher) so etwas wie ein Recht auf einen fairen Ablauf seines Strafverfahrens hat. Im geschilderten Beispiel sehe ich das nicht. Und deshalb würde ich mich gleich für den Knast melden - und es den Ermittlern überlassen, den genauen Kontostand zu erfahren (den sie ja angeblich auf einer CD gefunden haben) - geliefert bin ich so oder so. Und ich würde den Teufel tun, ohne Verurteilung gleich mal 20 Prozent meines Vermögens zu überweisen.

web.quantensprung said...

Der Link zum Tagesanzeiger marschiert nicht.
Korrekt= tagi

******

Ich sehe das auch so, dass es sich bei der relativ geringen Anzahl an CS-Sündern um einen «Ex-Credit-Suisse-Berater» handeln könnte und gehe noch weiter:

Es kann gut sein, dass es sich gar nicht um Beweise handelt, mit denen die deutschen Steuerfahnder die Steuerhinterzieher (mit Verhaftung) bedrohen. Es kann sich um eine schlichte Adressdatenbank, also um gar keine effektiven Bankdaten, handeln.

Jeder Bankberater und der hinterste Verkäufer im Aussendienst besitzen eine Adressdatei seiner Kunden …

Brechen die Steuerhinterzieher ein, und fordern aus Angst den erforderten Anteil an, werden aus blossen Hinweisen erst Beweise.

Das Pikante: Die Delinquenten liefern sich in jedem Fall selber ans Messer.

Titus said...

Schaurig, dieses Vorgehen: Die Unschuldsvermutung gilt nicht mehr. Statt dass die Untersuchungsbehörden die Schuld beweisen müssen, muss nun der Angeschuldigte (also jener Unglückrabe, der da auf der CD drauf ist), seine Schuld beweisen...

Worüber ich mich wundere: Hausdurchsuchung ist möglich, aber eine Auskunft bei seiner Hausbank nicht?

Ich will keine Steuerhinterzieher verteidigen, ganz im Gegenteil. Aber diese Praxis macht doch mehr als Angst, denn sie könnte beliebig auf andere Bereich erweitert werden: Wir vermuten, dass... also beweise Du mir Deine Unschuld...

Titus said...

Korrigenda:
«...muss der Angeschuldigte seine Unschuld beweisen...» sollte es richtig heissen.

Zappadong said...

@Quantensprung: Danke, habe den Link im Artikel korrigiert.

@titus: Ich finde das ebenfalls beängstigend. In einem anderen Blog hat vor ein paar Wochen jemand geschildert, was für Folgen so ein Auftreten für Menschen haben, deren Name auf so einer Daten-CD erscheint - die aber alles legal versteuert hatten.

Da wird im Moment gerade ein riesiger Druck aufgebaut - und weil ja nicht wirklich jemand Erbarmen mit den Steuersündern hat, finden das alle noch ganz okay. Man kann aber einen Schritt weitergehen. Vielleicht gehören die Namen auf den nächsten CDs zu Personen, die sich politisch "in den falschen Kreisen" aufhalten. Man stelle sich das gleiche Vorgangsprozedere der Fahnder mal für diese Personengruppe vor ...