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Ein Schleimtopf ohne Schleim

Als ich zurückkomme, ist alles anders. Das Zappadong-Gebäude ragt aus dem Dreck - die ganzen 33 Stockwerke. Vollständig geputzt (inklusive Fensterscheiben). Ich blinzle. Es ist immer noch da. Auf dem Dach weht eine Flagge. Keine Piratenflagge, sondern einfach eine knallrote Flagge. Vor dem Eingang, an einem alten Holztisch, sitzt Mr Doorman.

"Wieder da?", fragt er.
Ich nicke. "Sie auch?"
Er nickt.
"Waren Sie das?" Ich deute auf das Gebäude.
Er nickt erneut. Ich setze mich zu ihm hin.
"Ist schön geworden", sage ich. "War das nicht ..."
"Kein Problem." Er grinst. "Hatte ja genügend Kohle."
Ach ja. Mr Doorman hat bei den Schweizer Grossbanken angeheuert.
"Machen Sie Ferien zuhause?", frage ich.
"Nein." Das Grinsen wird einen Zacken breiter. "Gekündigt. Goldener Fallschirm. Die haben mir das Geld buchstäblich nachgeworfen."
Mir ist das noch nie passiert. Ich frage mich, wie sich so was anfühlt.
"Beschissenes Gefühl", antwortet Mr Doorman, der sich mal wieder in meine Gedanken eingeklinkt hat. Das kann der nämlich.
"Echt?"
"Ja. Ist ein wenig, wie in einen grossen Schleimtopf zu fallen und dann das eklige klebrige Zeugs nicht mehr wegzubekommen."
Ich warte. Aber mehr kommt nicht. Und Mr Doorman sieht auch nicht aus, als ob er noch irgendwas zum Thema Geld verdienen bei den too big to fail Banken sagen möchte.
"Ich hätte einen Lift einbauen lassen können", sagt er stattdessen.
Hätte?, denke ich.
"Hab's gelassen", antwortet er. "Ein Zappadong-Gebäude mit Lift wäre wie ein Schleimtopf ohne Schleim."
Was immer er damit sagen will: Egal. Ich merke, wie sehr ich ihn vermisst habe, meinen Türsteher.
"Trinken wir einen Kaffee?", frage ich.

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