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Im Steuerdschungel

Alter Ego hat in einem fremden Land im Süden gelesen. Damit steuerlich alles seine Ordnung hat, hat Alter Ego wie vom Veranstalter gewünscht, zusätzlich zur Rechnung (die in besagtem Land UNBEDINGT Honorarnote heissen muss, und unbedingt NICHT Rechnung) folgende Papierchen beigelegt:
a) eine amtliche Bestätigung, dass sie sämtliche Einkünfte aus anderen Ländern vollumfänglich in der Schweiz versteuert (erneuerbar alle 3 Jahre)
b) eine amtliche Bestätigung, dass sie in der Schweiz offiziell als selbständig Erwerbende arbeitet und als solche auch ihre Sozialbeiträge bezahlt.
Auf Wunsch des Veranstalters hat Alter Ego für jeden einzelnen Leseveranstalter eine Honorarnote geschrieben - für einen davon sogar zwei, weil sich der Veranstalter die Kosten mit einem Mitveranstalter teilen wollte.

Dermassen ausgerüstet fuhr Alter Ego Anfang Februar in das fremde Land, genoss die Lesungen und fuhr dann wieder nach Hause.

Zwei der drei Veranstalter haben im Laufe der Zeit das Honorar überwiesen. Die Überweisung von Veranstalter Nummer drei fehlte auch fast Ende April noch. Also fragte Alter Ego nach. Die Nachfrage überkreuzte sich mit einem Brief jenes Amtes, das für die Auszahlung des Honorars verantwortlich ist.

Leider, leider kann man nichts überweisen, bevor man nicht GANZ sicher ist, dass Alter Ego das Geld wirklich in der Schweiz versteuert. Weshalb ein paar Forumlare beiliegen. In eines davon musste Alter Ego das exakte Honorar einfüllen und von der Wohngemeinde beglaubigen lassen, dass Alter Ego dort wirklich Steuern bezahlt und dass die Wohngemeinde sicher gehen muss, dass Alter Ego diesen Betrag in der nächsten Steuererklärung dann wirklich angibt. Zusätzlich möge doch Alter Ego bitte ihre ID kopieren und auch die Hotelrechnung selber begleichen. Die würde Alter Ego dann mit dem Honorar zusammen überwiesen bekommen, falls, falls, sie all das tut, worum sie gebeten wird.

Herr Zappadong, der die finanziellen Angelegenheiten von Alter Ego erledigt (Alter Ego ist darin grottenschlecht) hat tief geseufzt und alle Papierchen ausgefüllt. Alter Ego fuhr zur Gemeinde und holte sich von einer perplexen netten Dame im Steueramt den Stempel.

Alles zusammen schickte Alter Ego gestern zurück in das fremde Land. Ob sie dort jemals wieder lesen wird, ist fraglich. Genauso fraglich ist wohl, ob das Honorar samt nun selbst übernommener Spesen irgendwann auf ihrem Konto eingehen wird.

4 Kommentare:

dan said...

Das ist ja fast schon so Komplex und Vertrackt wie die "Credit Default Swap's" welche die Banken für die Schuldenäuffnung von Griechenland einführten.

Und das hat dieselben Risiken, nämlich dass die Gläubiger nie Geld sehen werden...

Zappadong said...

Na ja, dafür war das Essen in besagtem Land wirklich lecker. Und die Leute, mit denen Alter Ego vor Ort zu tun hatte, auch. Dass der Amtsschimmel dann so laut wiehert, ist nicht die Schuld des Veranstalters.

Hausfrau Hanna said...

"Ob sie dort jemals wieder lesen wird, ist fraglich."

Ich rate Ihnen ab,
liebe Frau Zappadong,
auch wenn das Essen lecker ist in diesem Land. Mir ist leicht schwindlig geworden beim Lesen dieser hochkomplexen Finanzgeschichte.
Reisen Sie stattdessen in den Norden. Dort hat es nicht nur schöne Natur. Sondern auch Krimiautoren und -autorinnen!
Mit denen Sie den Austausch pflegen können :-)
Vänliga hälsningar
Hausfrau Hanna

Relax-Senf said...

Liebe Frau Zappadong, ich weiss nicht ob ich Ihnen für Ihren Erfahrungsbericht Mitgefühl für den frustrierenden Leerlauf zukommen lassen soll oder Ihnen zum Erfahrungsvorsprung herzlich gratulieren darf. Im letzteren Fall haben Sie nämlich einen erheblichen praktischen Vorteil, für die anstehenden Änderungen beim Einkaufen.

Wie ich aus einer zuverlässigen Quelle gehört habe, gibt es Bestrebungen, im Sinne der bürgerlichen Gleichbehandlung, dass man nicht nur für Einzahlungen auf ein Anlagekonto jeweils eine Kopie der letzten Steuererklärung beilegen muss sondern alle Händler und Ladenbesitzer müssen vor einem Geschäftsabschluss vom Kunden den Nachweis einholen, dass die Kaufsumme sauber verdient und versteuert wurde.

Zur Überwachung dieser Innovationen und zur Kontrolle der Käufer und Verkäufer sollen zigtausende von neuen Arbeitsstellen entstehen. Unklar ist noch, wie die Löhne finanziert werden sollen. Angedacht ist jedoch, dass z. B. Hausfrauen als frei arbeitende Kontrolleure und auf eigenes Zeitinvestitionsrisiko in den Läden herumlungern könnten, um beim kostenlosen Genuss-Shopping die Ladenkassen im Auge zu behalten, ob dort die Verifizierungsprozeduren lückenlos eingehalten werden Ohne Erfolgsmeldung mit Straffolge bleibt der Beobachtungsaufwand unentschädigt. Dagegen wird das erfolgreiche Überwachen fürstlich belohnt. So hat, wie immer im Leben, jedes System zwei Seiten und sorgt so für Gewinner und Verlierer. Mag mich erinnern, dass früher diese Bezahlungsvariante unter dem Begriff Erfolgsbonus bekannt war.