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Mutige, entschlossene Entscheide!

In einer Zeit wirtschaftlicher und politischer Orientierungslosigkeit stehen mutige und entschlossene Entscheide da wie Felsen in der Brandung. Das hat sich wohl das Bundesamt für Sozialversicherung gesagt und deshalb mutig und entschlossenen den Blinden den Beitrag für ihre Blindenhunde von CHF 190.00 auf CHF 110.00 pro Monat gekürzt.

Nein, diese Nachricht ist nicht ganz neu, aber sie wäre an mir vorbeigegangen, wenn nicht gestern Abend bei Giacobbo und Müller davon die Rede gewesen wäre. Und irgendwie ... irgendwie blieben mir die witzigen Bemerkungen der beiden im Hals stecken.

Es hat mich dann auch nicht unbedingt beruhigt, heute Morgen in einem Kommentar des Tagi (Printausgabe) zu lesen, dass die Schrottpapiere, welche unsere Nationalbank der UBS für 60 Milliarden abgekauft hat, nun noch 20 Milliarden wert sind. Aber eben. Wahrscheinlich vergleiche ich wieder einmal Bananen mit Orangen und kapiere wieder einmal nichts von gar nichts.Und mit diesem sicheren Fels in der Brandung (sprich klugen Entscheid des Bundesamtes für Sozialversicherung) ist alles in bester Ordnung.

Trotzdem: Ich würde auf der nächsten Steuererklärung gerne ankreuzen, wofür ich meine Steuern lieber bezahle - für bonigeile Topmanager oder Blindenhunde.

UPDATE: Gute Nachrichten von Mia: "Der Schweizerische Blinden- und Sehbehindertenverband (Selbsthilfeorganisation mit 4600 blinden und sehbehinderten Mitgliedern - www.sbv-fsa.ch) hat sich der Sache angenommen :-)"

16 Kommentare:

Titus said...

Das ging mir gestern auch so - und ich wundere mich heute, weshalb so etwas an mir vorbei ging?

Sind viele Medien schon so gleichgeschaltet, dass solche doch aufregenden Infos nur noch durch einen aufmerksamen Redaktor aufgenommen werden?

Zappadong said...

Es sind nur Blinde, titus, absolut systemirrelvante Menschen. Und - so die Begründung für die Kürzung - Blindenhunde sind nicht mehr zeitgemäss, sprich sie sind unsexy. Manchmal ist die Realität nur sehr hart auszuhalten.

Dieser Entscheid erinnert mich an jenen, Eltern von schwerkranken Kindern nicht tatkräftig zu unterstützen. Damals hätte ich tagelang laut schreiend durch die Gegend rennen können - und es tut auch heute noch ziemlich heftig weh, daran zu denken. Vielleicht wäre es höchste Zeit für eine "Bewegung von unten".

Titus said...

Du kennst meine Meinung bereits zur «Bewegung von unten»...

Zappadong said...

Ich bin immer noch "wacklig" (du weisst schon) ... aber auf dem Weg zu mehr Energie. Brauche noch etwas Zeit.

Mia said...

Die IV macht noch ganz andere Sachen, die an Nichtdirektbetroffenen einfach so vorbeigehen. Es gibt einen Blog, der sich u.a. damit befasst: http://ivinfo.wordpress.com/

Relax-Senf said...

Verstehe Ihre Sicht Frau Zappadong. Finde es auch irritierend, die Kürzung für Blindenhunde, vor allem unter dem Aspekt vom "eingesparten" Totalbetrag.

Anbringen muss ich jetzt jedoch einen Kommentar zu dem TV-Bericht übers schwerkranke Kind. Habe bereits damals Ihre Sicht dazu gelesen und mich aus "zeitweiliger" Harmoniesucht ruhig verhalten. (Hat mit Energiemanagement beim Bloggen zu tun!) Also, wenn der Staat, also wir alle die Ausfallkosten für Eltern bezahlen, die ihre Kinder pflegen müssen, dann stimme ich theoretisch und teilweise zu.

Sie haben jedoch damals dafür plädiert, dass der Arbeitgeber diese Kosten zu tragen hat. Und dies kann es nicht sein, weil es einer Mehrheit der KMUs und Einzelfirmen verdammt weh tun würde.

Ich teile Ihre Sympathie für die Eltern, aber es ist der Staat - dann kommt es an einer Abstimmung nicht durch - oder man muss eine Versicherung dagegen abschliessen. Arbeitgeber sind auf alle Fälle nicht dafür zuständig noch mehr Risiken abzudecken, wie es heute schon der Fall ist. Der zunehmende Kostendruck durch die Globalisierung wird es auch nicht zulassen.

Hausfrau Hanna said...

"Trotzdem: Ich würde auf der nächsten Steuererklärung gerne ankreuzen, wofür ich meine Steuern lieber bezahle - für bonigeile Topmanager oder Blindenhunde."

Ich auch,
liebe Frau Zappadong,
und wahrscheinlich die meisten Menschen in der Schweiz auch. Und das Resultat, da bin ich mir sicher,
wäre eindeutig!
Mit ist es vorhin gerade ziemlich übel geworden. Und das ist nicht vom Kaffee...
Trotzdem wünsche ich Ihnen einen guten Tag
Hausfrau Hanna

Zappadong said...

Lieber Relax

Ich muss nachforschen gehen, denn ich war der Meinung, dass es um staatliche Gelder ging.

Mia said...

@ Zappadong & Haufrau Hanna

Die IV wird nicht über die Steuern finanziert, sondern über die AHV/IV/EO/ALV-Beiträge. Die chronische Unterdeckung der IV sollte ursprünglich einerseits über Einsparungen (5. IV-Revision über die wir 2007 abgestimmt haben, sowie die 6. Revision, über die in der nächsten Session im NR debattiert wird) sowie auch über eine Erhöhung des IV-Lohnbeitrages (von 1,4 auf 1,5 %) saniert werden.

Den Lohnbeitrag bekämpften Wirtschaft und Bürgerliche im Parlament - den davon muss bekanntlich der Arbeitgeber die Hälfte bezahlen und selbstverständlich zahlen Besserverdienende höhere Beiträge. Mit der Mehrwertsteuerhöhung beträgt die monatliche Belastung eines 5000.-/Hauhalts 20.- mit einer Erhöhung der Lohnbeiträge hätte sie nur 5.- ausgemacht.

Und sanieren tut die Mehrwertsteurerhöhung die IV bei weitem nicht. Die Sparmassnahmen die mit dem Schlagwort der angeblich "Scheininvaliden" durchgedrückt wurden (und mit der 6. IV-Revision noch massiv verschärft werden) treffen jetzt eben alle Menschen, die auf die IV angewiesen sind.

Dass die Finanzen der IV aus dem Ruder laufen, liegt nicht ausschliesslich und alleine an den angeblichen Scheininvaliden (Die Resultate der IV-Detektive in diesem Bereich waren bisher ja eher bescheiden), sondern z.B.auch daran dass viele Menschen mit Behinderungen aufgrund verbesserter medizinischer Versorgung heute viel älter werden, als bei der Einführung der Invalidenversicherung.

Und natürlich auch daran, dass die Wirtschaft heute alles aussondert, was nicht 150% leistungsfähig ist.

Gleichzeitig kosten auch die (teilweise total sinnlosen) Beschäftigung-, Trainings- und Wiedereingliederungsprogramme eine Menge Geld. Das ganze ist vor allem eins: ein Riesengeschäft für Nichtbehinderte.

Auch an den überteuerten Hilfsmitteln wie Rollstühle, Hörgeräte ect. wurde jahrelang von den betreffenden Firmen sehr sehr gut verdient.
Dort spart man nicht, denn die Lobby der Wirtschaft weiss sich zu wehren, im Gegensatz zu den direkt Betroffenen.

Zappadong said...

Liebe Mia

Herzlichen Dank für deine Ausführungen. Stimmt! Da war ein Denkfehler drin. Danke auch für den Link. Er wird Einzug finden in die Blogroll.

Ugugu said...

Mir scheint @Mia hat heftig den Durchblick in der Thematik. Blog ist ebenfalls abonniert.

Zappadong said...

Ist neu in der Blogroll ... unter IV-Info. Der Originalname ist "uhaimli" lang.

Zappadong said...

Um zum Thema zurückzukommen: Die berechnete Einsparung pro Blindenhundleben um 10'000 Franken ist dann wahrscheinlich ein halbes Rad eines Rollstuhls oder so ähnlich. Oder die vierteljährliche Spesenabrechnung eines Lobbyisten.

@Mia: Gibt es irgendeine Bewegung, die sich gegen diese Kürzung einsetzt? Oder müssen die Blinden das einfach so hinnehmen?

Mia said...

@Zappadong

ich weiss es gerade nicht (ob sich da seitens der Betroffen Widerstand formiert) versuche es aber mal abzuklären. Ich werde berichten, (falls es etwas zu berichten gibt :-))

In der Regel ist es aber leider so, dass sich Menschen mit Behinderungen in der Schweiz nicht zu wehren trauen, da Leistungen der Invalidenversicherung oftmals nicht als "Recht" betrachtet werden, sondern eher als eine Art "Almosen", wo die Betroffenen froh sein müssen überhaupt etwas zu bekommen und Angst haben, gar nichts mehr zu bekommen, wenn sie sich wehren.

Und auch die Behindertenorganisationen überlegen es sich zweimal, dazu Stellung zu nehmen, denn sie werden alle von der Invalidenversicherung mit nicht unerheblichen Beiträgen finanziell unterstützt. (Böse Zungen reden hier von Schweigegeld... ;-) ) Da bei Behindertenorganisationen zu einem Grossteil Nichtbehinderte arbeiten und denen die Sicherung ihres eignen Lohnes eventuell ein bisschen näher liegt, als das Futtergeld für Blindenführhunde, darf sich da jeder selbst seine Gedanken dazu machen...

Mia said...

@Zappadong
Der Schweizerische Blinden- und Sehbehindertenverband (Selbsthilfeorganisation mit 4600 blinden und sehbehinderten Mitgliedern - www.sbv-fsa.ch) hat sich der Sache angenommen :-)

Zappadong said...

Danke, Mia. Ich nehme das als up-date ins Posting.