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Big M is watching you

Die Monitoring-Software Sysomos registriert zudem jene persönlichen Daten von Bloggern, welche diese auf ihren Internetseiten preisgeben, erklärt Mike Schwede von der Bieler Firma Orange8, die das Programm für die Migros installiert hat. So kann das Monitoring-Team der Migros per Knopfdruck feststellen, welche Blogger in den letzten Monaten die meisten Einträge zur Migros geschrieben haben und allenfalls auch, wo diese Personen wohnen und wie alt sie sind.(aus Sonntag-Online, via)
Ich seh's schon  vor mir: An einem dieser seltenen Tage, an denen ich tatsächlich in der Migros einkaufe (nie an einem Donnerstag, wenn die Dreifachpunktejäger unterwegs sind, und auch sonst nur, wenn es anders gar nicht geht), heult plötzlich eine Alarmsirene los und eine Stimme verkündet über den Lautsprecher: "An Kasse 3 steht Frau Zappadong, die sich weigert, eine Cumulus-Karte zu besitzen und das erst noch ungeniert in ihrem Blog verkündet. Sie hat nicht einmal unsere M-Zeitung abonniert, diese Frau, die! Zu Ihrer Information: Frau Zappadong wohnt in diesem unsäglich hässlichen, 33-stöckigen Gebäude an der Zappadongstrasse 33 und ist 333 Jahre alt. Wenn Sie bei ihr Dampf ablassen wollen, rufen Sie sie an unter 033 333 33 33."

Mir kommt da grad dieser subversive Gedanke einer Bloggerverschwörung. Weiss nur noch nicht, ob diese Verschwörheinis NICHTS über die Migros schreiben sollen - oder so viel, dass der neu gekürte "Community-Manager" in sinnloser Arbeit ersäuft.

Eine Frage hätte ich noch (für den Fall dass der Community Manager mal hier vorbeischaut): Wenn ich nun jeden Tag die Migros in den orangen Supermarkthimmel lobe, bekomme ich dann einen Gratisgutschein für ein iPad oder - was mir lieber wäre - einen Haushaltsroboter?

12 Kommentare:

Bobby California said...

Der Titel soll wohl eine Anspielung sein auf die von George Orwell beschriebene totale Überwachung der Bürger. Womit Sie natürlich voll daneben gezielt haben. Beim Blog-Monitoring geht's ja nun wirklich nicht um die Überwachung unbescholtener Bürger. Vielmehr haben die Unternehmen jetzt gemerkt, dass die Blogger eine gewisse publizistische Macht haben. Deshalb beobachten Firmen wie Migros jetzt die Blogger, so wie sie das auch mit den traditionellen Medien tun. Und die Firmen wehren sich gegen unbewiesene Verleumdungen, so wie sie das auch bei den traditionellen Medien tun. Der einzige Unterschied ist, dass die Firmen die Blogger noch mit Samthandschuhen anfassen. Was gewisse Blogger manchmal rauslassen, verstösst gegen jegliche journalistischen Regeln (zB unbewiesene Behauptungen rausposaunen). Journalisten kriegen für sowas schnell mal Post von einem Anwalt. Wenn gewisse Blogger so weiter machen, ists nur eine Frage der Zeit, bis sich Anwälte bei ihnen melden.

Wenn Sie nun einen «Gratisgutschein» für wohlwollende Berichterstattung wünschen, dann verhalten Sie sich genau so wie alle korrupten Journalisten, die Sie und Ihresgleichen sonst so gern kritisieren.

Zappadong said...

Lieber Bobby

Nehmen Sie das Leben ein bisschen weniger ernst: Die Frage nach dem Haushaltsroboter war ironisch gemeint. Von "wünschen" kann keine Rede sein. Na ja, das heisst, ein Haushaltsroboter wäre schon schön, aber den würde ich entweder selber basteln, selber kaufen oder - bei meinem Losglück eher unwahrscheinlich - irgendwann in einem Wettbewerb gewinnen. Bis es so weit ist, bin wohl im Hause Zappadong ich der Haushaltsroboter, mit gütiger Unterstützung vom Rest der Familie Zappadong.

PS: Falls es Ihnen noch nicht aufgefallen ist: Dieser Blog ist werbefrei (ähm, ausser Eigenwerbung ...*hüstel*). Sponsoren dürfen aber gerne mithelfen, die Schokolade für den Panikraum zu finanzieren => Kachingle

Titus said...

Es ist ein zweischneidiges Schwert:

Einerseits finde ich es richtig, wenn sich eine Firma gegen verleumderische Aussagen im Internet wehrt, denn Internet soll ja kein rechtsfreier Raum sein.

Andererseits stellt sich die Frage der Verhältnismässigkeit. Vor einer Klage sucht ein Unternehmen ohnehin wohl besser den direkten Kontakt, weil dies auch für sie günstiger kommt als einen juristischen Prozess anzustossen...

Meine Befürchtung ist aber auch, dass in Zukunft schon mal da oder dort ein Schreiben eines Anwalts ins Haus flattert, um einen Blogger einzuschüchtern. Der Inhalt des Schreibens wäre wahrscheinlich unhaltbar. Bei diesen Spielchen darf dann von beiden Seiten einfach nicht vergessen werden, wo Meinungsfreiheit anfängt und wo sie aufhört. Denn auch das gehört zum Bloggen.

Was mich schliesslich am meisten an der Aktion stört, ist die kategorische und systemunterstützte Auswertung (oder Überwachung) von Blogs. Das wäre etwa so, wie wenn wir Blogger alles aus der PR-Abteilung der Migros bis ins kleinste Detail in Frage stellen würden und bei Bedarf anprangern würden...

Übrigens, wie wäre es mit einer Datenbank aller PR-Mitarbeiter mit deren Handy-Nummer, Auto-Kennzeichennummer, Alter, usw. Schliesslich wollen auch wir wissen, mit wem wir es zu tun haben und wollen auch auswerten können, wie oft diese online intervenieren... ;-)

Zappadong said...

@Titus. In der Abteilung "Customer&Web Intelligence" der Migros arbeiten zurzeit 40 Angestellte, 20 sollen noch dazukommen. Das ist schon eine ganze Menge und zeigt, wie ernst Migros die Medien nimmt.

Auch ich kann dem Ganzen nicht nur Negatives abgewinnen. Es ist so, wie du schreibst: Das Internet soll kein rechtsfreier Raum sein, in dem jeder(r) einfach mal nach Lust und Laune etwas behaupten kann und darf. Dass da eine Firma wie die Migros ein kontrollierendes Auge einsetzt, geht für mich in Ordnung.

Problematisch wird es, wenn

- Daten der Blogger und der Medienschaffenden "auf Vorrat" gesammelt werden (es würde reichen, bei rufschädigenden Artikeln herauszufinden, von wem sie stammen)

- aus Medien- und Blogartikeln Gefälligkeitsartikel würden, sprich, wenn Medienleute und Blogger aufgrund von Einnahmen aus geschalteter Werbung Artikel schreiben, die die Grenze zwischen Werbung und Information verwischen.

- ein Konzern alleine aufgrund seiner finanziellen Möglichkeiten Blogger oder Medienschaffende einschüchtern und zum Schweigen bringen könnte.

Positiv wäre, wenn kritische Berichterstattung (egal in welchem Medium) zur Selbstanalyse eines Konzerns dienen würde - und somit sogar Verbesserungen bringen könnte.

Deine Umkehrfolgerund mit der Datenbank aller PR-Mitarbeiter trifft den wunden Punkt dieser Überwachung genau.

Titus said...

Ja, da bekam ich auch schon ein Angebot, doch gelegentlich über das eine oder andere Produkt etwas zu schreiben... Mein schier unerschütterlicher Idealismus spuckte daraufhin eine Error-Meldung aus... ;-)

Wer will, kann ja quasi zur Absicherung auch ein Unternehmen um eine Stellungnahme bitten. Ich habe das auch schon gemacht. Die Reaktion war bisher eher Verwunderung (so im Stil «sind sie freier Journalist?») - und vor allem dauerte es eine Eeeewigkeit (die wussten wohl nicht so richtig mit der Anfrage eines Bloggers an die Medienstelle umzugehen).

Wenn's dann keine Antwort gibt, ist das fragliche Unternehmen selber schuld... (wobei in so einem Fall zu erwähnen wäre «wollte dazu keine Stellung nehmen»).

Bobby California said...

Zappadong > Es ist ja wohl hochgradig inkonsequent, wenn Sie zuerst auf Alarmstimmung machen («Big M is watching you») und mir dann vorwerfen, alles zu ernst zu nehmen. Wenn Sie auf diese billige Tour aus Mücken Elefanten machen, zahl ich sicher keine Kachingle-Beiträge. Sie werden sicher nicht von Migros attackiert, wenn Sie im Blog schreiben, Sie hätten keine Cumuluskarte. Etwas anderes ist es, wenn man in seinem Blog die Migros beschuldigt, Kassiererinnen fristlos zu entlassen, ohne über den geringsten Beweis zu verfügen. Sowas ist einfach unfair, und dann ist es auch logisch und richtig, wenn sich der Pressesprecher meldet.

Titus: Wenn Unternehmen sich gegen unliebsame Berichte in einer Zeitung wehren wollen, schicken sie gerne als Erstes einen Anwalt vor, oder sie reichen gleich eine Klage ein. Die Kosten spielen dann offenbar keine Rolle.

«...darf nicht vergessen werden, wo Meinungsfreiheit anfängt und wo sie aufhört»: Ja, aber Meinungsfreiheit beinhaltet nicht die Freiheit, jemanden ohne Beweise zu verleumden. Journalisten halten sich meistens an diese Regel (weil das Risiko einer Klage einfach zu gross ist). Bei den Bloggern ist das Bewusstsein der Fairness noch an einem kleinen Ort. Vielleicht würde es nicht schaden, wenn einige Blogger mal Post von einem Anwalt erhalten würden. Das würde helfen, das Bewusstsein für verantwortungsvolles Bloggen zu schärfen. Wenn ich's sage, glaubt man mir ja nicht. Lieber schaltet man mir dann das Mikrofon ab. Dabei mein ichs ja nur gut mit den Bloggern...

Titus said...

@ Bobby California
Eben, darum stand davor auch noch die Aussage «darf von beiden Seite nicht vergessen werden, ...».

Andererseits: Der Umgangston ist heute generell rauher. Dabei denke ich jetzt nicht speziell an Blogs. Gepoltert wird heute auch in den Beizen oder einfach nur unter Kollegen viel mehr bzw. viel heftiger. Sprachliche Tabus gibt es in diesen eher geschlossenen Kreisen kaum mehr.

Das soll keine Entschuldigung sein, sondern soll nur aufzeigen, dass es ein allgemeiner Trend ist. Und währenddem die gesprochenen Worte - gegen wen auch immer - in einer Beiz und anderswo sich schnell verflüchtigen, können sie online eins-zu-eins nachgelesen werden.

Insofern hat die Öffentlichkeit durchs Bloggen auch etwas Gutes, denn es zwingt einem dazu, einen anständigen Ton anzuschlagen (entweder schon vor einer potentiellen Klage oder dann halt erst danach...).

Zappadong said...

@Bobby Califormia: Übers Kachingeln reden wir, wenn Sie Kachingle beigetreten sind (ich bin mir ja auch nicht sicher, ob ich Sie kachingeln würde ...). Und ich hoffe doch schwer, dass sich der Pressesprecher hier nicht einmischt, bloss weil ich keine Cumulus-Karte habe. Aber mitgelesen wird. Und zwar ging es gar nicht lang vom Erscheinen des Blogeintrags bis zum Auftauchen des orangen Konzerns in meiner Blogstatistik. Ich fand das schon fast ein bisschen beängstigend. Was mich zum Titel bringt: Er stimmt (siehe vorherigen Satz)ziemlich offensichtlich.

Was Sie über die die Unternehmer und Ihre Anwälte schreiben, stimmt bedenklich. Sie schreiben nämlich "unliebsame Artikel", nicht "Artikel, die nicht auf Tatsachen basieren / Artikel, die Unwahrheiten verbreiten". Im zweiten Fall wäre ein Einschreiten berechtigt, im ersten wird es gefährlich. Im Übrigen verstehe ich dieses Grabenziehen zwischen Bloggern und Journalisten nicht. Habe ich nie verstanden.

Denn: Es gibt Printmedien, bei denen ganz bewusst Schrott geschrieben wird, der auf reinen Vermutungen basiert (leider immer mehr) und es gibt Blogger, die akribisch recherchieren (wie zum Beispiel Titus).

Und: Es gibt Blogs, denen wir das Auffliegen von Grässlichkeiten oder politischen Ungeheurlichkeiten verdanken, die bis anhin schön fein (und vielleicht - ich schreibe bewusst vielleicht, weil ich es nicht weiss - unter sanftem Druckmachen) aus den Medien ferngehalten worden sind.

Hotcha said...

"ging es gar nicht lang vom Erscheinen des Blogeintrags bis zum Auftauchen des orangen Konzerns in meiner Blogstatistik."

Big Brother sind halt immer die anderen...

Bobby California said...

Zappadong > «Sie schreiben "unliebsame Artikel", nicht "Artikel, die Unwahrheiten verbreiten"»: Gemeint ist natürlich der erste Fall. Deshalb klären seriöse Journalisten die Fakten ab, BEVOR sie etwas schreiben. Wenn man alle Beweise in den Händen hat, läuft die Klage ins Leere. Andernfalls sieht man alt aus.

«Im ersten Fall wird es gefährlich»: Nö. Ist halt unser tägliches Brot. Man versucht uns einzuschüchtern, verstehen Sie? Meistens ist der Versuch aber erfolglos. Wenn man die Fakten parat hat, kann wenig passieren. Aber deshalb ist es eben unerlässlich, dass man die Fakten kennt, bevor man schreibt. Das wollte ich einem gewissen Blogger mitteilen, aber er will es nicht hören, dann halt nicht, bitte sehr.

«Im Übrigen verstehe ich dieses Grabenziehen zwischen Bloggern und Journalisten nicht»: Ich verstehe es auch nicht. Fragen Sie die Blogger, die uns immer wieder als «Bäumetöter» beschimpfen. Die haben den Graben geschaufelt, nicht ich.

«Es gibt Printmedien, bei denen Schrott geschrieben wird, der auf reinen Vermutungen basiert»: Stimmt, aber dagegen kann man sich wehren (Presserat, Ehrverletzungsklage usw.)

«Es gibt Blogger, die akribisch recherchieren»: Die gibt es in Deutschland (zB Deef Pirmasens, der den Fall Hegemann enthüllte), in der Schweiz hingegen gibt es leider bisher keine Blogger, die einen solchen Scoop wie Deef landen konnten.

Zappadong said...

@ Hotcha: So kann man es sehen. Ich sehe aber einen Unterschied darin, ob ich mich für die Besucher interessiere, die durch die Drehtür im Zappadong-Gebäude kommen (wobei ich a) nur erfahre, woher sie in etwa stammen und b) meine Statistiken nirgends gespeichert werden; sprich, ich sehe immer nur ein paar Tage zurück, dann purzeln die Einträge aus der sehr, sehr simplen Statistikrolle) oder ob ich systematisch mit Spezialmaschinchen alle Blogs, Twitterbeiträge, Facebookergüsse absuche. Aber eben: Ansichtssache.

@Bobby California: Bin in Bezug auf die Recherche völlig einverstanden und unterschreibe mit, was Sie dazu sagen. Ihr Kommunikationsproblem mit dem "gewissen Blogger" kann und will ich an dieser Stelle nicht lösen, möchte aber erwähnen, dass ich sehr gerne hier in Zappadong-Hausen mit Ihnen verbal die Klinge kreuze.

Zu den erfolglosen Versuchen: Ich wünsche mir sehr viel Standfestigkeit von Seiten der Journalisten. Wenn ich so die Online-Plattformen unserer Printmedien anschaue, finde ich aber öfters Verletzungen des Code of Conduct; sprich, da weiss man dann manchmal nicht mehr, wo der Artikel aufhört und die Werbung für einen Konzern anfängt. So, wie ich Sie kennengelernt habe, nervt Sie das wahrscheinlich genauso wie mich ...

Nicht alle Blogger nennen Journalisten Bäumetöter!!! Ich bin gegen Sippenhaft, hüben bei den Journalisten wie drüben bei den Bloggern.

Es gibt Länder, in denen Blogger einen ganz anderen Stellenwert haben als bei uns. Wir stecken - leider - immer noch in den Kinderschuhen. Und vielleicht findet sich ein Grund dafür in dem immer noch bewussten Lächerlichmachen von Bloggern in einem Teil der Printmedien.

Bobby California said...

Zappadong > «Ich kreuze gerne hier mit Ihnen verbal die Klinge»: Gleichfalls! Immerhin verfügen Sie über die Fähigkeit zur Selbstkritik, was 1) leider eine Rarität ist in der CH-Bloggersezene und 2) die Voraussetzung fürs Diskutieren ist.

«Da weiss man manchmal nicht mehr, wo der Artikel aufhört und wo die Werbung anfängt... nervt Sie das wahrscheinlich genauso wie mich»: So ist es.

«Nicht alle Blogger nennen Journalisten Bäumetöter»: Umso besser, aber es gibt immer noch zuviele von der Sorte.

«Ich bin gegen Sippenhaft»: Ich auch, bin ja jetzt selber ein Blogger ;-)

«Wir stecken immer noch in den Kinderschuhen. Und vielleicht findet sich ein Grund dafür im Lächerlichmachen von Bloggern in Printmedien»: Das glaube ich nicht. Das «Lächerlichmachen» wird auch in Deutschland beklagt. Das hindert einige deutsche Blogger aber nicht daran, solide Arbeit zu leisten. Aber wenn man einen Scoop landen will, braucht es
1. Fachwissen in einem bestimmten Gebiet
2. Viel Arbeit und Leidenschaft
Beides geht leider vielen CH-Bloggern ab. Viele CH-Blogger begnügen sich damit, den Journis eins ans Bein zu brünzeln. Das prangere ich an in meinem Blog.