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Mal ein Wort zu den Lokaljournalisten

Kürzlich, da war ich auf der Redaktion unserer Lokalzeitung (wegen Alter Ego). Ich traf auf engagierte Journalisten, Leute, die die Region in- und auswendig kennen, wissen, wie wir Zappadong-Hausener ticken. Der Journalist, mit dem ich sprach, kannte die Namen aller Kandidaten für das Gemeindepräsidium der Nachbargemeinde von Zappadong-Hausen, mehr noch, wusste, wer sie sind und was sie tun. Ich würde wetten, genauso gut kennt er alle anderen Politiker, Sportler und Vereinshäuptlinge beim Namen und mindestens in einer Kurzbiographie.

Das Gespräch zwischen Alter Ego und Journalist war eine Freude. Weil Alter Ego nicht viel erklären musste. Der Lokaljournalist war im Bild. Welch ein Unterschied zu jener Lokalradiomoderatorin, die Alter Ego in der Live-Sendung erst einmal fragte, wer sie denn sei und was sie denn so schreibe.

Angesprochen auf die Komplexität der Zeitung bekam ich eine ebenso genaue wie interessante Erklärung: Zugehörig zu NZZ und St. Galler Tagblatt, aber printmässig Mantelzeitung der Südostschweiz.

Angesprochen auf die neuen Herausforderungen durch Internet und Online-Medien: Das überlassen wir den grossen Mutterhäusern, die sich sehr intensiv mit diesem Thema auseinandersetzen. Wir machen Print-Lokaljournalismus. Es klang weder jammerhaft noch überheblich, sondern schlicht und einfach überzeugt und selbstbewusst.

Es war eine wirklich gute Erfahrung, da vorn, auf der Redaktion der Lokalzeitung. Und ich wiederhol's noch einmal: Sollte ich je gezwungen sein, bis auf ein Abo alle Zeitungsabos zu kündigen, dann wird dieses eine Abo jenes der Lokalzeitung sein.

4 Kommentare:

bugsierer said...

tja, die freude wird wohl nicht mehr lange andauern. zumindest nicht auf gedrucktem papier. denn print wird sicher zuerst in den randregionen verschwinden und bestenfalls durch online ersetzt.

ich kenne übrigens auch solche gut informierten lokalschurnis. was sie allerdings dann im blatt abliefern (dürfen), ist meist völlig zahnlos.

im lokaljournalismus gilt noch mehr als bei den "grossen", dass kritische berichterstattung kaum stattfindet. dabei hätten die gut informierten lokalschurnis reihenweise heisse storys.

ich erinnere mich gut an meine zeit als "freier" in einem lokalteil in den 80ern. dort galt schon damals die devise, dass kritische worte nur viel zu tun geben (reklamationen, vortraben beim chef, etc.) und daher gefälligst zu vermeiden sind.

Zappadong said...

Ja, das ist in der Tat ein Problem. Wobei ich finde, dass meine Lokalzeitung viel bissiger ist als auch schon.

Zur Online-Ausgabe: Bei uns in Zappadong-Hausen ist das Internet und damit Online-Ausgaben von Zeitungen noch ganz schwer im Hintertreffen. Eine Online-Lokalzeitung würde zum heutigen Zeitpunkt keine Chance haben. Und solange die Printausgabe (wenn auch wenig) Gewinn macht, hat sie wohl noch eine Chance. Ich auf jeden Fall werde dranbleiben bis zum letzten Atemzug meiner Lokalzeitung.

André said...

well, je näher drann, desto überprüfbarer, gell... dass online mittelfristig im lokalen die rolle des print vollständig übernehmen kann, ist kaum vorstellbar; halt primär eine frage des generationenwandels. aber in der tat: solche entscheide werden immer häufiger in fernen zentralen in züri und bern gefällt.
aber vielleicht gilt ja für das lokale ebenso wie für das nationale/internationale: zupackender, einordnender (bloggender) journalismus kostet geld, was mit anderen worten eben auch von der geneigten leserschaft abhängt

Titus said...

Da muss ich Bugsierer einerseits widersprechen und andererseits zustimmen...

Zu Ersterem: Das lokale Gewerbe hat trotz Internet kaum andere Werbe-Möglichkeiten als eben die Lokalzeitung. Natürlich, es gibt Lokalradio, Lokal-TV usw. Aber das kann einerseits teurer sein, weil noch Produktionskosten anfallen. Und andererseits sind es flüchtige Medien, das heisst, damit etwas hängen bleibt bzw. damit man alle zum richtigen Zeitpunkt erreicht werden können (nicht jeder hört gleichzeitig Radio oder schaut TV), muss mehrmals geschaltet werden.

Zu Zweiterem: Gerade weil Lokalzeitungen stark vom lokalen Gewerbe getragen werden, dürfen diese eben nicht zu kritisch sein. Wer will schon einen Auftrag- bzw. Geldgeber bzw. Werbekunden vergraulen? Von uneingeschränkter Unabhängigkeit kann sicher nicht die Rede sein...

Ich glaube daher auch nicht, dass die Lokalzeitung so schnell verschwinden wird. Trotzdem stehen sie unter Druck, insbesondere weil nationale Kunden abspringen und andere Werbemittel anwenden.

Somit müssen sich Lokalzeitungen noch mehr bemühen, bloss keinen Werbekunden zu vergraulen...

Es kommt noch etwas hinzu, das wir schon fast etwas vergessen haben: Es gibt praktisch überall nur noch EINE Lokalzeitung. Worüber man somit in einer Region liest und diskutiert, bestimmt eine einzige Redaktion... Das ist nicht immer ganz unproblematisch.

Damit will ich allerdings nicht per se allen Lokalzeitungen unterstellen, sie würden Andersdenkende oder Andersmeinende gar nicht erst zu Wort kommen lassen. Aber es ist schon eine Herausforderung, alle (gleichermassen?) zu Wort kommen zu lassen.

Ein Patentrezept habe ich natürlich auch keines, höchstens eine Idee. Ob sie allerdings funktioniert, weiss ich nicht (und darum ist sie auch nicht spruchreif).