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Heute, an der Bahnhofstrasse in Zappadong-Hausen

Zu Heute komme ich gleich. Ich muss bei Gestern beginnen. Weil es gestern anfing. Und zwar so: Eine meiner Missionen führte mich zum Schlüsselservice. Auf dem Weg dorthin befindet sich ein Stand, hinter dem einer Heftliabos verkauft. Kaum sah er mich kommen, rief er mir zu: "Eine Tierli-Zeitschrift für dich?" Ich sagte freundlich "Nein" und ging meines Weges. Dummerweise ist der Schlüsselservice an einem Montagmorgen geschlossen und ich musste geschätzte 60 Sekunden später wieder an dem Typen vorbei. "Eine Tierli-Zeitschrift für dich?", rief er. Diesmal antwortete ich nicht, wunderte mich aber über das seltsame Nichtvorhandensein von Menschenkenntnis. Denn: Das Letzte im Leben, das ich je kaufen würde, wäre eine "Tierli-Zeitschrift."

Heute versuchte ich es noch einmal beim Schlüsselservice. Der Typ stand immer noch da. Was er mir zurief, werden Sie bestimmt erraten. Ich habe mir gedacht, der gute Mann sieht so viele Leute jeden Tag, der kann sich einfach nicht an mich erinnern und sagte deshalb noch einmal freundlich "Nein, danke."

Es dauerte dann ein wenig länger beim Schlüsselservice, aber nicht lange genug, denn diesmal konnte der Typ sich an mich erinnern. Weshalb er rief: "Du, du willst bestimmt eine Tierli-Zeitschrift."

Ich blieb stehen, zog die Sonnenbrille auf die Nasenspitze und sagte: "Hör mal zu, du. Ich bin 49 und damit leicht zu alt, um einfach so mit einem Du angeredet zu werden."
"Ich bin Liechtensteiner", antwortete er. "Ich sage allen Du."
"Okay", sagte ich, denn Liechtensteiner sagen tatsächlich allen Du (wie gut sich das für einen macht, der Heftli verkaufen will, entzieht sich meiner Kenntnis). "Aber trotzdem. Ich will kein Tierli-Heftli. Und auch sonst keins."
"Warum?", wollte er wissen.
Ich gab ihm eine ehrliche Antwort: "Weil die alle Schrott sind."
Das scheint ihm ein wenig zu denken gegeben haben, denn er sagte ein paar Sekunden lang nichts. Ich nutzte die Gelegenheit und lief wacker von dannen.
"Was hast du den für Schrott-Heftli zuhause?", rief es hinter mir.
Ich stutzte. "Keine", sagte ich. Selbst erstaunt, dass ein Lesefreak wie ich so was nicht hat. Also wiederholte ich: "Keine. Sind eh alle Schrott."

Ungefähr 50 Meter weiter die Strasse runter fiel mir ein, dass ich gelogen hatte. Zappadongs HABEN eine Zeitschrift. Das Fernseh-Heftli. Ist totaler Schrott. Samt Fernseheprogramm. Könnte man eigentlich abbestellen.

5 Kommentare:

flashfrog said...

Wieder was über Liechtensteiner gelernt.

Zappadong said...

Das gilt nur für die Ureinwohner des Landes. Zugezogene und fremde Fötzel kennen das "Sie" und wenden es auch ab und zu an.

Hausfrau Hanna said...

Aus Liechtenstein?
Und ich habe schon geglaubt, Ihr Heftliverkäufer sei Schwede.

Bobsmile said...

Mein Fernsehheftli ist 'reduced to the max' und kommt als Beilage zur Tageszeitung, da wird einem der Schrott wenigstens nicht auch noch erklärt.
:-)

Zappadong said...

@Hanna: Na ja, er hat ausgesehen wie ein Schwede ... (braungebrannt, strohblondes Haar und lockere Freizeitkleidung).

@Bobsmile: Ja, kenne ich. Und ich fürchte, es gibt für mich beim Schrott Schmerzgrenzen. Das Beilagefernsehheftli tut einfach so weh, dass ich nicht mal reingucken möchte.