RSS Feed

I won't put my hands up and surrender!

Nein! There will be no white flag above my door. (Ja, "dido", für die, die sich gerade fragen). Mich gurkt das alles zu sehr an. Und darum kommt mir die Petition der SP genau richtig.
Auch zwei Jahre nach Ausbruch der Grossbanken-Krise stellt sich die bürgerliche Mehrheit im Parlament konsequent gegen griffige Massnahmen für die Banken. Und die bürgerliche Allianz weigert sich sogar, die genauen Ursachen der Krise aufzuklären und die Schuldigen zu benennen. Und dies, obwohl die Grossbanken-Krise uns Zehntausende Arbeitsplätze und unzählige Steuermilliarden gekostet hat.

Auch die Banken haben aus den Ereignissen nichts gelernt: UBS und CS sind heute bereits wieder im grossen Stil im hochriskanten Investment-Banking tätig. Und beide schütten wie eh und je Boni in Milliardenhöhe aus. Und die Politik schaut zu.
  • Die Einführung einer Bonisteuer für Vergütungen über 1 Million Franken.
  • Die Erarbeitung schärferer gesetzlicher Bestimmungen für systemrelevante Banken bezüglich Eigenmittel und Aufsicht.
Ihre Unterschrift können Sie hier deponieren

12 Kommentare:

Relax-Senf said...

Quizfrage:

Sie verfügen über die entscheidende Stimme in Bern, um das Wahlvolk zu beglücken. Für welche Variante entscheiden Sie sich:

a) 50 Prozent Steuern von viel Bonus
oder
b) 100 Prozent Steuern auf keinen Bonus

Es ist für mich immer wieder interessant festzustellen, wie gut die Leute informiert sind, woher das Steueraufkommen für die praktizierte Umverteilung kommt !!!

Harald Jenk said...

@Relax-Senf: Das Problem ist, dass die Boni nur zum kleinsten Teil in der Schweiz versteuert werden, sondern vor allem in den USA. Die Schweiz trägt aber das Risiko. Dazu kommt, dass ein grosser Teil der jüngeren Gewinne nur deshalb zu Stande kommt, weil sich die Staaten zur Rettung der Banken verschulden mussten.
Nachdem CVP und FDP keine PUK wollen, um das ganze Desaster vollständig aufzuarbeiten und lieber alles unter den Teppich kehren, kann man ihnen auch nicht trauen, was die Gestaltung der zukünftigen Rahmenbedingungen für die Banken angeht.

Zappadong said...

@Relax.

Ich weiss, dass wir hier nicht gleich ticken, deshalb meine Ausgangslage:

Die Petition hat eine untere Grenze von einer Million eingesetzt. Sprich: Alles darunter wird normal besteuert, nämlich nur ein Mal. Ganz ehrlich: Mir hätten 200'000 gereicht als untere Grenze für die Bonisteuer (das ist nämlich immer noch eine ungeheure Menge Geld für eine normale Fussgängerin wie mich).

Es ist so: Ich bin gegen pervers hohe Boni und bin bereit, dafür die Konsequenz zu tragen. Die da wäre: Weniger Steueraufkommen, das aus den Gehältern der Superreichen bezahlt wird => Weniger Geld generell. Ich finde, es täte uns ganz gut, Prioritäten setzen zu müssen. Es täte uns auch ganz gut, zu einer neuen Bescheidenheit zu kommen. Immer nur Konsum und Wachstum zu schreien kann es ja auch nicht sein.

Bei B) unterläuft Ihnen ein kleiner Denkfehler. Gut möglich, dass die Firmen zu ganz anderen Vergütungsmethoden greifen. Will heissen: Die Bonis abschaffen und höhere Fixgehälter zahlen. Aber Fixgehälter müssen auch versteuert werden. Ebenfalls gut möglich: Die Firmen finden mal wieder einen "galanten" Trick zur Umschiffung der Steuer. Was dem sozialen Frieden in keiner Weise fördern wird. Im Gegenteil.

Generell: Ja, es wird weniger Steueraufkommen geben. Wenn es dafür gelingt, die pervers hohen Bonis einzudämmen, ist das ein Preis, den ich gerne bezahle. Denn: Nichts hat in den letzten Jahren die Schweiz so sehr an den Rand der sozialen Zerreissprobe gebracht, wie die sich öffnende Lohnschere. All die Steuereinnahmen nützen uns einen Deut, wenn wir dafür den sozialen Frieden aufs Spiel setzen, wenn die Leute den Glauben an das System, die Politik und an die Gemeinschaft verlieren und zu egoistischen Einzelkämpfern werden.

Nur damit wir uns richtig verstehen: Ich will nicht, dass alle gleich viel / gleich wenig verdienen. Mir soll's recht sein, wenn es Reiche gibt in diesem Land. Wir hatten immer solche mit mehr Geld und solche mit weniger Geld in unserem Land. Und ganz ehrlich: genug Geld zu haben ist eine gute Sache. Aber wir sind in den letzten zwei Jahrzehnten zu weit gegangen. Haben eine Kaste von Leuten herangezüchtet, die wenig von sozialer Verantwortung halten, dafür umso mehr von ganz persönlicher Bereicherung, oft rücksichtslos, auf Kosten der anderen und ohne wirklich eine Leistung dafür erbracht zu haben.

Das gilt nicht für alle. Es gibt sie noch, die Reichen mit dem sozialen Gewissen, die Reichen, denen nicht alles ausser ihre Statussymbole egal ist. Noch.

Ich wünsche mir einen Umkehrschub. Nicht zurück in einen diffusen Kommunismus. Sondern nur in eine gerechte (soziale Marktwirtschaft).

Und deshalb habe ich unterschrieben. Würden nämlich die paar wenigen Gierschlunde, die sich einen Deut um nichts scheren, auch nur ein ganz klein wenig Einsicht und Hinwendung zu ein bisschen mehr Bescheidenheit und Rücksichtsnahme zeigen, brauchte es keine tagelangen Parlamentsdebatten, keine Puk, keine SP Petition. So, wie der Hase jetzt läuft, geht es in meinen Augen gar nicht mehr anders.

Relax-Senf said...

Liebe Frau Zappadong

Lassen Sie mich mit einem Zitat anfangen, das mir einige Ausführungen abnehmen soll:

Jimi Hendrix: „Die Menschen sehen nur das, was sie noch alles haben und bekommen könnten, schätzen aber nicht was sie haben, bis sie es verlieren.“


Nebst meiner öffentlich vertretenen Meinung, habe ich noch eine private Meinung und da gibt es durchaus Aspekte, die beim Feinabgleich nicht völlig konträr zu Ihrer Sicht steht. So verfolge ich mit Schaudern, wie der Graben zwischen Arm und Reich grösser wird, weshalb soziale Spannungen - und mehr – sich entwickeln können. Verglichen mit Deutschland, immerhin eine der weltweit führenden Volkswirtschaften, geht es den schwächeren Einkommensgruppen in der Schweiz viel besser. Trotzdem wird in der Schweiz auf einem sehr hohen Niveau gemeckert, d.h. weitere Ansprüche gestellt. Und wenn man schon nicht mehr bekommen kann, dann soll es zumindest den Spitzenverdienern an den Kragen gehen. An dieser Stelle verweise ich jetzt auf die Sicht von Jimi Hendrix: .. schätzen aber nicht was sie haben, bis sie es verlieren.“

Der Volkswohlstand in der Schweiz ist auch eine Folge der vielen Arbeitsplätzen mit sehr guter Bezahlung. Diese Spitzenverdienste, sind völlig grundlos ein rotes Tuch für viele Bürger, denn die hohe Lebensqualität ist diesen Weltklasseleuten zuzuschreiben. Nein, ich meine nicht gleich die Banker. Nehmen wir Google Schweiz als neutrales Beispiel.

Den ganzen Text gibt es hier:
http://www.mycomfor.de/Blog/von-Relax-Senf-zu-Reizthemen/Die-Schweizer-schaetzen-nicht-was-sie-haben-bis-sie-es-verlieren-Die-Banken-Hassliebe_1193

Thinkabout said...

Diese ganze Diskussion geht mir so was von auf den Keks, und ich bin in keiner Weise geneigt, irgendwelche politischen Initiativen zu diesem Thema zu unterschreiben. Fakt ist für mich, dass eben genau diese Politik ihre Arbeit nicht macht. Während der Bundesrat laufend in der Kritik steht und die UBS verteufelt wird, jedes Feindbild benutzt wird, um billige Polemik zu machen, bekommt der Stammtischprolet sein Futter, um auf den Tisch zu hauen. Und wir Blogger auch.
Das Dumme ist nur, dass wir hier so diskutieren wie Passanten, die von einem entstehenden Bauwerk so viel verstehen, dass sie sich allenfalls über den Anstrich der Fassade unterhalten können, aber kaum über die Tragfähigkeit des Fundaments. Wie auch. Es fehlen die Hintergründe.
Im Falle der Fragen nach PUK da und dort ja oder nein graust mir erst recht: Es liegen doch längst alle notwendigen Fakten auf dem Tisch, und es ist in keiner Weise notwendig, nochmals die lahmsten Enten im ganzen Teich über das eingeleitete Giftwasser schnattern zu lassen. Verzeihung, aber wenn Sie sich die grössten "Koryphäen" unter unseren Parlamentarien auf der einen Seite vorstellen, und die Wirtschaftsrepräsentanten auf der anderen Seite - wem trauen Sie da persönlich mehr Durchsetzungsvermögen, aber eben auch mehr Sachverstand zu diesem Zweck zu?
Egal welcher Couleur - die Parlamentarier sind schlicht überfordert. Und genau deswegen diskutieren sie über populistisch auszuschlachtende Randthemen, statt über substanzielle Verbesserungen - oder nehmen schlicht nicht zur Kenntnisn, was diesbezüglich schon eingeleitet wurde.
Im Artikel selbst scheint es doch schon durch:
Die Entlöhnungssysteme aller Grossfirmen werden IMMER Varianten erlauben, die, vorsichtig formuliert, steueroptimiert sind. Der Staat wird mit seiner Gesetzgebung immer hinterher hinken. Er soll sich darin durchaus bemühen, aber es ist geradezu lächerlich, die Bonifrage als Steuerfrage abhandeln und sich dann auch noch auf die Schultern klopfen zu wollen.
Was wir brauchen sind Systemkorrekturen. Ich wünsche mir von den Politikern nicht, dass sie sich dafür eingesetzt haben, dass der Herr Ospel vor Gericht kommt (und dort nach sechs Jahren frei gesprochen wird, weil das Gesetz Managementfehler nicht bestrafen kann) oder dass sie, heieiei, eine Bonisteuer durchgesetzt haben, über die nur lacht, wer längst andere Wege vorbereitet hat:
Ich will eine Politik, die sich dafür einsetzt, dass
- Banken, die eine solche Bedeutung für die Volkswirtschaft haben, bestmöglichst konkurrenzfähig sind
- die gleichen Banken dabei die Gewinnmaximierung der Sicherheitsoptimierung unterzuordnen haben
- Massnahmen getroffen werden, welche dazu beitragen, dass solche Firmen in ihren einzelnen Geschäftsfeldern transparent bleiben oder werden
- Richtlinien / Gesetze für einzelne Anlagevehikel im Bereich strukturierter Produkte verbessert werden
- Einsatz dafür geleistet wird, dass Hedge Funds einer Aufsicht unterstehen sollten
- Auch die Politiker erkennen, dass sie das Bewusstsein für die Reduzierung der sozialen Spannungen zwischen arm und reich nur dann möglich machen, wenn sie den Populismus bleiben lassen und jene Kräfte fördern, welche - innerhalb der Wirtschaft - sehr wohl in diese Richtung arbeiten.
Das alles ist leider nicht so holzschnittartig und bringt womöglich keine einzige Stimme. Aber mehr Steuereinnahmen durch prosperierende Unternehmen - wie auch immer diese ihre Mitarbeiter bezahlen - je länger je mehr nach immer härteren internationalen Konkurrenzverhältnissen, für welche Arbeitgeber und Arbeitnehmer auch immer.

Zappadong said...

@thinkabout: Ich denke, diese Diskussionen werden noch lange anhalten / anhalten müssen, ob sie uns auf den Keks gehen oder nicht.

Zu den fehlenden Hintergründen:
Nun, wenn man die Anhöhrungen mit höchsten Vertretern der Finanzbrachne in den USA verfolgt, kann man nicht anders als zum Schluss kommen, dass diese Hintergründe leider auch denen fehlen, die sie haben sollten. Es gibt namhafte Experperten, die bewzeifeln, dass noch irgendwer auch nur ansatzweise begreift, was da gerade abläuft. Nicht gerade beruhigend, finde ich.

PUK: Hier widersprechen sich Angaben darüber, was alles auf dem Tisch liegt und was nicht. Ich stelle nur fest: Sogar Wirtschaftsredaktoren der NZZ, wills Gott kein linkes Organ, fordern eine PUK.

Zum Durchsetzungsvermögen und Sachverstand:
Es tut mir leid, aber ich zweifle diesen Sachverstand - nach allem, was passiert ist - massiv an. Ich denke, nicht nur die Parlamentarier sind überfordert, sondern halt eben (fast) alle. Auch jene, die den Sachverstand noch haben sollten. Oder sie stecken in massiven Interessenkonflikten, bei denen der Sachverstand hintenan gestellt wird / werden muss. Und ich habe Angst, dass sich die Interessen jener durchsetzen werden, die den Karren an die Wand gefahren haben.

Es ist gut möglich, dass die derzeitigen Versuche, die Bonifrage als Steuerfrage abzuhandeln lächerlich sind. Sie sind ein Anfang. Hoffentlich auf internationaler Basis. Aber das ist dann wohl eher Wunschdenken als Realität. Es dürfte auch gerne in eine ganz andere Richtung gehen, sofern sich diese Richtung einer gerechteren Verteilung annimmt.

Zu Ihren Wünschen / Forderungen an die Politik:
Da sind wir uns einig, wobei ich denke, dass "konkurrenzfähig" noch genau definiert werden müsste und wohl auch der schwierigste Brocken sein wird.

Uneinig sind wir uns über die Mittel. Ich finde, Unterschriftensammlungen sind ein Ventil für enttäuschte Menschen. Sie können ja nicht mitbestimmen, möchten aber ihrer Enttäuschung und Wut Ausdruck geben. Je mehr Unterschriften, desto höher der Druck an die Politik, nicht nachzulassen. Womit wir bei Duchsetzungsvermögen sind. Politiker mit Menschen, resp. ihren Wählern im Rücken haben mehr als solche, die im luftleeren Raum operieren.

Die NZZ am Sonntag von heute redet - wenn ich mich nicht irre - gleich in zwei Artikeln von einem sich schliessenden Zeitfenster; sprich, wenn jetzt nichts geschieht, geschieht nichts mehr. Wenn eine Unterschriftenaktion bewirkt, dass dieses Fenster noch eine Weile offen bleibt, ist Sinn und Zweck erfüllt.

Ein Letztes: Jene Kräfte in der Wirtschaft, die in die Richtung arbeiten, in der Sie (und auch ich) gehen möchten, erhalten in der Presse sehr viel Raum. Ich habe noch nie so viele so (selbst)kritische Interviews von Experten zur Finanzkrise gelesen wir dieser Tage, lange, ausführliche Aritkel (die leider gar nichts zu meiner Beruhigung beigetragen haben).

Vielleicht stützen wir also am Ende mit diesen Unterschriftensammlungen genau jene Leute, die stärker eingebunden werden sollten. Und wir stützen unsere Politiker, womit wir wieder beim Durchsetzungsvermögen wären.

Bobby California said...

Thinakbout > Ihre Argumentation wäre verständlich, wenn Sie Oswald Grübel heissen würden. Doch leider hat Ihre Argumentation sehr wenig zu tun mit der Faktenlage, so wie sie sich für den Teil der Schweizer präsentiert, die nicht Topmanager bei einer Bank sind.

«Die UBS wird verteufelt»: Wie kommen Sie denn darauf? Es ist doch gar nicht nötig die UBS zu «verteufeln». Tatsache ist: Diese Bank hat mit teuflischen Geschäften das Ansehen der Schweiz ramponiert, und sie hat mit ihren Geschäften dazu beigetragen, dass wir an einer Wirtschaftskrise vorbeigeschrammt sind. Da gibt's doch gar nicht mehr zu verteufeln. Es ist aber auch nicht nötig, die illegalen Geschäfte zu beschönigen, indem man die UBS-Kritiker des «Verteufelns» beschuldigt.

«Wenn Sie sich die Parlamentar auf der einen Seite vorstellen, und die Wirtschaftsrepräsentanten auf der anderen Seite - wem trauen Sie mehr Sachverstand zu?» Aber ja sicher, Herr Thinkabout: Die Wirtschaftsrepräsentanten haben mehr Sachverstand, wenn es darum geht, illegale Geschäfte zu treiben und den Rest der Bevölkerung auszusaugen, sprich: Profite zu privatisieren und Verluste zu sozialisieren.

«Die Entlöhnungssysteme aller Grossfirmen werden IMMER Varianten erlauben, die steueroptimiert sind»: Dann muss man eben die Bonisteuern so hoch ansetzen, dass es weh tut. Oder die Steuergesetze so ändern, dass das «Optimieren» (sprich: der Steuerbetrug) nicht mehr möglich ist.

«Herr Ospel wird frei gesprochen, weil das Gesetz Managementfehler nicht bestrafen kann»: Schön, dass Sie schon vor dem Prozess wissen, dass Ospel freigesprochen wird. «Managementfehler» ist ein sehr beschönigender Begriff. Immerhin ist längst bekannt, welche illegalen Geschäfte die UBS jahrelang betrieb. Das müsste reichen, um das UBS-Management hinter Gitter zu bringen. Falls es nicht reicht, muss man die Gesetze ändern. Wenn ich eine Tafel Schoggi klaue im Migros, kommt die Polizei und ich werde bestraft. Wenn die Bankmanager Milliarden verlochen und damit direkt und indirekt den Staat (also uns alle) massiv schädigen, kommen sie ungeschoren davon. Da stimmt etwas nicht.

«Politiker sollen jene Kräfte fördern, welche - innerhalb der Wirtschaft - sehr wohl in diese Richtung arbeiten»: Ich sehe in der Wirtschaft weit und breit keine Kräfte, die irgend etwas ändern wollen. Ich sehe nur das Gleiche wie immer: Die Boni sprudeln wieder so kräftig wie zuvor... obwohl die Banken keine Steuern zahlen dank dem Verlustvortrag.

Deshalb muss sich jetzt grundlegend etwas ändern. Auch der Stil von Thinabout muss sich ändern: Es ist nicht sehr nett und bringt uns nicht weiter, wenn Sie Ihre Gegner als Populisten und Stammtischproleten beschimpfen.
Think about it.

kopfchaos said...

"... Und ich habe Angst, dass sich die Interessen jener durchsetzen werden, die den Karren an die Wand gefahren haben."

..... ob nun politik oder eben nur das auto, in beiden fällen sitzt zumeist leider immer (noch) der gleiche am steuerknüppel, der den karren an die wand gefahren hat.....
..... sprich, wenn wir unsere "fahrer" nicht schon von beginn weg, so quasi vor fahrtantritt, mit bedacht wählen, so ist es halt nur eine frage der zeit, dass der karren in den dreck, oder eben an die wand gefahren wird.....

Thinkabout said...

spätestens seit der swissair-"Aufarbeitung" muss doch klar sein, wie schwierig bis unmöglich es ist, Manager für eine Unternehmensführung wirklich strafrechtlich verantwortlich zu machen. Die Energie muss in Systemkorrekturen investiert werden, und nicht ins Bashing von Personen oder einzelnen Firmen. Das kann man den Kabarettisten und Satyrikern überlassen.
Noch einmal: Ich erwarte von den Politikern Sachverstand und konkrete Massnahmen für die Regulierung des Systems an sich.

Und ich fühle mich einfach in dieser Sache nicht wirklich wohl, wenn der Präsident der SP "zum ersten Mal in seinem Leben eine Aktie kauft", um an der UBS-GV das Wort ergreifen zu können: Wieviel versteht er dann wohl vom Aktienrecht oder von den Innereien der entsprechenden Unternehmensformen - und wie ernst mag er als Gegenspieler genommen werden? Das ist für mich einfach nur eines: Zirkus. Wenn auch mit vielleicht hehreren Absichten. Vielleicht.

Und wenn die SP-Frontfrau in Wirtschaftsfragen, Frau Fässler, die ganze Zeit die Boni moniert, welche UBS-Manager kassiert haben, und wenn dann Wuffli Boni in Millionenhöhe zurückzahlt, dazu nur meint, sie fände es bedenklich, wenn ein Manager "einfach so" auf eine solche Summe verzichten könne - dann sehe ich darin nur noch eines: Klassenkampfdenken. Und da hin will ich in keinem Fall kommen.

Wir müssen auf eine verträglichere Kultur des Miteinanders einwirken, ja. Aber dazu gehört auch, dass wir uns bewusst sind, dass das, was die Banken überforciert haben, in seinem Ursrpung auf den Ansprüchen der Kunden beruht: Die wollen nämlich die möglichst hohe Rendite. Das "Aktiensparen" ist in den letzten Jahrzehnten immer populärer geworden. Ich erinnere daran, dass es die Politik war, welche es den Pensionskassen möglich machte, in der Anlage mehr Risiko zu fahren, weil man der Meinung war, es wäre gegenüber den Interessen der Rentenbezüger unverantwortlich (!), sie nicht an den hohen Aktienrenditen zu beteiligen. Pensionskassen sind heute die Player am Aktienmartk mit den riesigen Milliardenbeträgen. Politische Gemeinden (v.a. in Deutschland) hatten in Lehmann Brothers - Papiere investiert, Städte verkauften ihre öffentlichen Verkehrsbetriebe und leasten die Leistungen dann vermeintlich günstig zurück. Mit anderen Worten: Das System beginnt nicht am Kopf zu stinken (bei den Banken) - diese sind in erster Linie das Schmiermittel, das Getriebe vielleicht, aber der Motor, die Antriebe, der Sprit kommt von Ansprüchen, welche von den Kunden in die Bank getragen werden. Das sollte bei allem Klassendenken nicht vergessen gehen.

Zappadong said...

@thinkabout. So viel ich weiss, gibt es Untersuchungsergebnisse aus Amerika, in denen kriminelles Handeln der UBS belegt ist. Es sind also mehr als nur "Managementfehler", und ja, doch, ich finde, da sollte man die Schuldigen festnageln. Oder es zumindest versuchen. Bashing? Würden Sie es auch Bashing nennen, wenn man über den Typen, der auf rücksichtsloseste Weise die Tankstelle überfallen hat, herziehen würde?

Das mit dem Anspruch der Kunden teile ich nicht ganz so: Es gibt jenste "Normalsterbliche", die nie eine Aktie besessen haben, die keine Chance haben, ihrer Pensionskasse dreinzureden usw. Es geht manchmal in der laufenden Diskussion fast vergessen, dass es in der Schweiz sehr viele Leute gibt, die kein oder wenig Erspartes haben. Die auch wissen, dass ab einer gewissen Rendite "etwas nicht mehr stimmt" (ohne je eine einzige Aktie besessen zu haben). Und die sich - wie zum Beispiel die aktienlosen Brüder Zappadong - schon lange fragten, wie lange das noch gutgehen kann.

Die alle sind nach Strich und Faden beschissen worden, von jenem Teil des Systems, das seinen Hals nicht vollbekommen konnte und auch jetzt noch nicht vollbekommen kann. Dem Teil, der jetzt schon wieder auf neuste - von Physikern und Mathematikern kreierte - Anlagevehikel anspringen, ohne zu wissen, was sie da eigentlich tun und wo es enden wird. Denn gelernt hat man eins: Irgendjemand zieht einem dann schon aus der Scheisse, wenn sie dampft.

Zum Klassenkampf. Ich denke, der ist heute wieder nötig geworden. Leider. Wenn sich die arbeitende Klasse (jene, die noch mit realen Leistungen Geld verdienen, nicht Geld mit Geld) jetzt nicht bemerkbar macht in ihrem Frust, wird sie geradewegs überseckelt. Schön wäre es, wenn es anders wäre. Aber nehmen Sie nur mal das Rheintal. Uns ist die ganze Industrie um die Ohren geflogen infolge der Wirtschaftskrise (wir sind KEIN Bankenplatz). Wenn man uns hier sagt, dass der Bund mit dem Geld der UBS einen Gewinn gemacht hat, laufen uns vor Zorn die Köpfe rot an, denn: In dieser Rechnung fehlen die Heerscharen von Arbeitslosen, von Kurzarbeitern, von Leuten, die massive Lohneinbussen hinnehmen mussten, die heute für weniger Geld bei viel weniger Sicherheit arbeiten als vorher. Von Leuten, die in einem Kanton leben, in dem der Lohn sowieso eher tief liegt, wo die Billigarbeiter aus dem grenznahen Ausland kommen, wo die Firmen sich nicht einfach so ansiedeln. Bei uns hier kocht es. Nicht nur bei den SVP-Wählern, sondern ganz allgemein.

Wenn Sie also von einer verträglicheren Kultur des Miteinanders reden, dann denke ich, dass der erste Schritt jetzt von jenen kommen muss, die uns die Sache eingebrockt haben. Leider sehe ich dafür sehr, sehr wenige Anzeichen.

Noch eine Korrigenda: Das mit dem sich schliessenden Zeitfenster muss in der Sonntagszeitung gestanden haben; konnte es beim Nachschauen in der NZZ nicht auf Anhieb finde.

Thinkabout said...

@zappadong
Ich möchte an folgendes erinnern:
Die Wirtschaftskrise betrifft auch und gerade Bankangestellte. Unter denen gibt es übrigens Tausende, die hier dafür kämpfen, dass in der Einzelbetreuung die UBS als verlässlicher Partner da steht. Nur mal so am Rande.
Es hat im Raum Zürich noch nie so viele hoch qualifizierte Personen mit unsicheren Jobperspektiven gegeben, um es vorsichtig auszudrücken.
Ich kann in dieser Art Diskussion nicht mitmachen, denn sie stellt mich in eine Ecke, aus der ich gar nicht rauskommen kann.
Meine Wahrnehmungen sind nicht deckungsgleich, und der angeschlagene Ton zeugt von ehrlichem Frust - er bringt aber niemanden dazu, seine Positionen zu überdenken. Er fördert nur Abwehrhaltungen auf der Gegenseite.

Zappadong said...

@thinkabout:
Na ja, ich habe im Moment auch nicht gerade des Gefühl, verstanden zu werden. Liegt wohl am Thema.

Aber nun - trotzdem - zum Thema:

Sohnemann hat sein Jugendkonto bei der UBS und ich habe selten kompetenteres und netteres Personal erlebt als das Personal, mit dem er zu tun hat / hatte. Trotzdem wird er das Konto auflösen und die Bank wechseln. Nicht wegen des Personals, das ihn betreut. Auch nicht wegen mir (er hat seinen eigenen Denkapparat). Sondern wegen des Gebarens der Bank (für das die Angestellten in Zappadong-Hausen nichts können).

Möglich, dass man aus Frust niemanden überzeugen kann. Wahrscheinlich sogar. Aber man zieht so seine ureigenen Konsequenzen. Und es wäre schön, wenn darüber nicht nur die gebeutelten Angestellten einer Bank, sondern vor allem ihre Chefs, die sie gegen aussen repräsentieren, nachdenken würden.

Generell zum Positionen überdenken: Ich bin im Moment nicht bereit, meine Position auch nur einen Millimeter zu überdenken. Das werde ich frühstens dann tun, wenn ich irgendwelche Signale auffange, dass Leute, die es wirklich in der Hand haben - sprich, die Entscheidungsträger, die Repräsentanten, die angesprochenen Boni- und Hochsalärbezieher - dass diese Leute bereit sind, Änderungen der Spielregeln zu akzeptieren.