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Think about it!

Das hat kürzlich jemand in einem Kommentar geschrieben. Nun, gestern sass ich draussen, in meinem Garten, guckte in die Berge und dachte nach. Über das Verhalten von denen da oben und denen da unten.

Nehmen wir bei denen da oben mal einen von der Sorte Abzocker, einen aus dem Investmentbereich (A).
Und bei denen da unten - aus aktuellem Anlass - einen Vertreter der Fussballfans. Wobei ich nicht sicher bin, dass Fan in diesem Zusammenhang das richtige Wort ist. Vielleicht wäre Fussballrowdie das angemessenere Wort. (F)

A ist es egal, wenn er die Wirtschaft an den Rand des Kollapses fährt und der Staat unterstützend eingreifen muss. Hauptsache, die Kohle stimmt.
F ist es egal, wenn er öffentliche Verkehrsmittel demoliert und der Staat dann die Reperatur bezahlen muss. Hauptsache, es macht Spass.

A hat - rein rechtlich - gegen keinen Paragrafen verstossen. Er darf sich auf "Managementfehler" hinausreden.
F hat zwar seine Pyroutensilien dabei, verstösst aber - solange er das Zeug nicht abfackelt - gegen kein Gesetz. Dass er es dann anonym und / oder vermummt trotzdem tut, ist der Kick an der Sache.

A ist einer unter vielen. Andere machen das auch. Und wenn er es nicht macht, macht's halt ein anderer.
F ist einer unter vielen. Andere machen das auch. Und wenn er es nicht macht, macht's halt ein anderer.

A sieht nicht ein, weshalb er Verantwortung tragen sollte.
F sieht nicht ein, weshalb er Verantwortung tragen sollte.

A bereichert sich auf Kosten anderer.
F amüsiert sich auf Kosten anderer.

A ist in seinen Augen wohl ein Sibasiach
F ist in seinen Augen wohl ein Sibasiach.

A.
F.

Oben und unten. Unten und oben. Oben und oben. Unten und unten. Think about it!

8 Kommentare:

David said...

Und wir anderen, die da dazwischen? Berücksichtigen wir immer alle Auswirkungen unseres Handelns auf Gesellschaft, Natur und kommende Generationen und verhalten uns entsprechend verantwortungsvoll?
Oder hinterlassen wir unseren Kindern auch CO2 und Atommüll? Kaufen wir auch Computer, die zu Hungerlöhnen produziert werden? Betreiben wir auch Handel mit Dikatoren, um unseren Energiehunger zu stillen und Kriegsmaterial und anderes zu verkaufen (und somit unsere Arbeitsplätze zu retten)?

Wer reines Gewissen hat, werfe den ersten Stein. Wer nicht, sollte davon wegkommen, mit dem Finger auf "Verantwortungslose" zu zeigen. Es nützt nichts, Schuldige zu haben. Das einzige was nützt, sind konstruktive Vorschläge für die Verbesserung des Systems. Strafrecht und Repression sind kaum die tauglichsten Mittel.

These are my thoughts about it.

Zappadong said...

Wir dazwischen. Ich finde, wir haben die Pflicht, uns zu wehren. Ich finde, wir haben das Recht, uns gegen rüpelhaftes Verhalten verbal aufzulehnen. Und uns selber immer wieder dabei zu hinterfragen. Den Mund halten, bloss weil keiner von uns ein ganz "reines Gewissen" hat, wird dazu führen, dass die Rücksichtslosen geradewegs über uns hinwegtrampeln. Ich will nicht Fussabstreifer dieser Rücksichtslosen werden.

Ansonsten ware ich immer noch auf diese konstruktiven Vorschläge. Bis endlich jemand einen brauchbaren hat, kommen mir Strafrecht und Repression als letzte Methode, solche Rüpel zurückzubinden, genau richtig. Tut mir leid, ich bin nicht gemacht für dieses "die Wange hinhalten".

David said...

Konstruktive Vorschläge sind bezüglich "Abzocker": Stärkung der Aktionärsrechte, höherer Eigenmittelwert bei systemrelevanten Banken, höhere Steuern für sehr hohe Einkommen/Vermögen.

Konstruktiver Vorschlag bezüglich demolierte Fan-Züge: Rückerstattung des Fahrpreises falls der Zug nicht demoliert wird, für die Fans, die sich beim Einsteigen in den Zug identifizieren – bezahlt durch die Clubs. (Weiss nicht, ob sowas praktikabel ist, aber solche oder ähnliche Möglichkeiten gäbe es bestimmt.)

Zappadong said...

Zu den konstruktiven Vorschlägen re Abzocker: Da liegen wir auf einer Linie. Ich ginge noch etwas weiter und würde Lohn- und Boniobergrenzen wünschen, weiss aber, dass das chancenlos ist. Mit etwas Glück würde sich das durch den höheren Eigenmittelwert etwas relativeren.

Zu den konstruktiven Vorschlägen re Fan-Züge: Da liegt mir die Latte zu weit unten. Ich verstehe nicht so ganz, warum sich die Clubs gegen die Fancards wehren. Die wären für mich eine Möglichkeit. Eine andere Möglichkeit: Von Mitgliedern des Clubs begleitete Fanzüge (können auch von Clubs angestellte, konfliktfähige und durchsetzungsstarke Sicherheitsleute sein). Oder: der Club kommt für von Randalierern entstandene Schäden auf. Das Problem scheint mir zu sein, dass im Moment auf viele Vorschläge sehr abwehrend reagiert wird.

Was mich frustriert: Das Problem ist seit Jahren bekannt. Seit Jahren sucht man konstruktive Lösungsansätze. Dabei scheint nichts wirklich zu greifen.

David said...

Das Problem bei der Fancard scheint mir: Wenn sie strikt vorgeschrieben wird (oder man ohne Fancard sehr grosse Nachteile hat), werden dadurch Gelegenheits-Matchbesucher abgehalten. Sobald man die Fancard aber weniger strikt handhabt, gibt es Schlupflöcher. (Ausserdem würde die Fancard, wenn ich das richtig verstanden habe, auch nur dazu dienen, die Sanktion Hausverbot besser durchsetzen zu können. Hast du nicht eben noch vertreten, dass Hausverbote als Sanktion allein nicht genügen?)

Grundsätzlich sollte man die Probleme MIT den Fans anpacken, und nicht GEGEN die Fans. Ohne die Fans aktiv in den Lösungsfindungsprozess einzubinden, wird es wohl nie eine funktionierende Lösung geben. Die Lösungen müssen von einer grossen Mehrheit der Fans und Fanclubs mitgetragen werden, sonst werden sie jede Lösung untergraben und torpedieren – oder man vergrault sie, aber dann gibt es grosse wirtschaftliche Einbussen für die Klubs.

Manchmal (wenn ich z.B. solche Artikel lese: http://www.jugendarbeit.ch/texte/tx_disziplin.htm) habe ich den Eindruck, dass Jugendarbeiter viel professioneller und lösungsorientierter vorgehen als die versammelten Experten aus Politik, Polizei und Sportmanagement.

Mia said...

Ich bin da ganz bei David's Meinung. Und die pragmatische Problemlösung von Jugendarbeitern habe ich selbst genau so erfolgreich erlebt in meiner Jugend.

Möglichst viel Eigenverantwortung, anstatt Verbote. Ich erinnere mich noch gut an Diskussionen in der Betriebsgruppe eines Jugenkulturraumes; Alkohol bei Konzerten, ja oder nein, wenn ja, wie kontrolliert man, dass keine Minderjährigen Alkohol trinken, was machen wir gegen die zunehmnde Aggressivität bei Hip-Hopkonzerten (Securitas wurde eingestellt u.s.w.) - die Jugendarbeiter begleiteteten das ganze zwar, halfen, wenn ihre Hilfe gefragt war, aber liessen die Jugendlichen auch ihre Erfahrungen machen.
Wenn die zum Bardienst eingeteilten Jugendlichen betrunken oder bekifft oder gar nicht kamen, mussten die Jugendarbeiter nichts sagen, denn das übernahnmen schon die Kollegen, die sagten: so kann man nicht arbeiten. Und dann wurde von den Jugendlichen selbst die Regel aufgestellt, dass Barmitarbeiter erst nach ihrem Einsatz trinken durften.
Die Akzeptanz dieser Regel wäre bestimmt nie so gut gewesen, wäre sie von den Jugendarbeitern gekommen und nicht von den Jugendlichen selbst.

Zappadong said...

@ Mia: Das mit der Eigenverantwortung ist in der Finanzwelt so was von gescheitert. Ist es da ein Wunder, dass das Vertrauen verloren geht?

Auch bei den Fussballclubs ist das mit der Eigenverantwortung ziemlich schief gegangen - sonst stünden wir jetzt nicht vor Problemen, bei denen nichts anderes übrig bleibt, als einzuschreiten.

Das Projekt gefällt mir. Es ist aber ein kleineres, überschaubareres, gut begleitetes Projekt. Im grösseren Rahmen kann das meiner Ansicht nach nur funktionieren, nachdem wir viele solcher Kleinprojekte - erfolgreich - durchgeführt haben. Für mich sind solche Projekte ein wichtiger und wesentlicher Anfang - und so, wie ich das mitbekomme, gibt es viele solcher und ähnlicher Projekte. Bis sie ihre Wirkung in grösserem Rahmen entwickeln, kann das noch eine Weile dauern (man kann ein System nicht von heute auf morgen ändern). Bis dann bleiben meiner Ansicht nach einfach keine anderen Massnahmen als die Repression und Strafverfolgung. Wie weit man damit diese guten Projekte "von unten" gefährdet, ist eine andere Frage, wahrscheinlich nicht zuletzt eine Frage des Dialogs.

David said...

Klar, man kann das Beispiel aus der Jugendarbeit nicht eins zu eins auf die Fussballfans, und schon gar nicht auf die Finanzwelt anwenden.
Aber die Grundeinstellung, die nicht auf Emotionen oder Schuld abzielt, sondern auf die gemeinsame Lösung von Problemen (und das bedeutet keinesfalls ein Anything-goes), diese vermisse ich schwer. Und das sehe ich als Hauphindernis für die Lösung der Probleme.