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Zeitenwechsel oder Trotzdem

Israel. Ich verstehe dieses Land nicht. Ich kann nicht sagen, dass ich die Menschen nicht verstehe, die in diesem Land leben, denn wie in jedem Land gibt es in Israel Menschen verschiedenster Meinungen und Lebenseinstellungen. Es wäre unfähr, sie alle einer Sippenhaft zu unterziehen (ich bin ja auch keine SVP-lerin, obwohl Zappadong-Hausen in SVP-Stammlanden liegt).

Was ich weiss: Dieser Staat macht mich wütend. Seit Jahren. Oder besser: Die Regierung dieses Staats macht mich seit Jahren wütend. So wütend, dass ich schon lange keine Produkte mehr aus Israel kaufe; genauso, wie ich damals, zu Zeiten der Apartheit, keine Produkte aus Südafrika gekauft habe. Wenn ich mir das so überlege, habe ich eine ziemliche Liste an Ländern, denen ich nichts abkaufe.

(Zwischenbemerkung: Über Sinn und Unsinn solcher Boykotte sollte man bei Gelegenheit mal nachdenken; sie treffen nämlich Menschen. Menschen, denen man damit unter Umständen ihre Existenzgrundlage entzieht.)

Zurück zu Israel: So wütend wie jetzt war ich noch nie. Und ich frage mich, ob diese Aktion der eine Schritt zu viel gewesen ist. Der eine Schritt zu weit über eine sowieso schon sehr weit ins Ungerechte gedrückte Linie. Was kommen wird? Keine Ahnung, aber das Wort Hoffnung hat es schwer in diesen furchtbar verfahrenen Zeiten.

Trotzdem:

Gestern hatte ich Besuch eines guten alten Freundes. Überraschend, nach mehr als einem Jahr Funkstille, was vor allem an mir lag, denn: Noch vor zwei Jahren erzählte mir dieser Freund, 2012 werde kein Stein mehr auf dem anderen stehen, ja, die Welt, wie wir sie kennen, werde Vergangenheit sein. Er war zum Eiferer geworden, der mir Angst machte mit seinen Weltuntergangs- und Verschwörungstheorien. Nun, gestern sah mein Freund sehr entspannt aus. Redete von Optimismus und positiver Energie. Vom Zeitenwechsel, der im Gang ist. Von Menschen, die sich ändern. Seinen geradezu verbissenen Kampf gegen all das Böse der Welt hat er aufgegeben. Er sagt, das blockiere nur. Er habe der Welt gesagt, was er der Welt zu sagen hatte. Ob sie es glauben will oder nicht, liegt nun an ihr (resp. den Menschen, die in ihr leben). Er will nicht mehr gegen, sondern für sein. Nicht mehr gegen Windmühlen kämpfen, sondern das positive Beispiel vorleben. Zum ersten Mal seit Jahren ging von ihm wieder diese Kraft aus, für die ich ihn immer sehr gemocht habe. Er war ansteckend. Zurück liess er die Gewissheit, dass es an jedem Einzelnen liegt. Was wir mit dieser Gewissheit anfangen, liegt an uns.

1 Kommentare:

tin said...

Da passt ja das Wort von Aristoteles (384 v. Chr.), auf das ich heute per Zufall gestossen bin:

"Wir können den Wind nicht ändern, aber wir können die Segel anders
setzen".