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Zahltag oder Ein Kachingle-Zwischenfazit

Gestern war mal wieder Kachingle-Abrechnungstag. Pünktlich zum Monatstag meiner Anmeldung (6. März 2010) erhielt ich deshalb Post von der Kachingle-Zentrale.

Die erste Mail enthielt Informationen darüber, was mit meinem Geld passiert ist:
Dear Kachingler Frau Zappadong,
Your Kachingler monthly payments totaling $5 were distributed to the Sites you visit.
13 lucky Sites received your social cents! The average payment to each site was $0.38.
Kachingler Monthly statement for Frau Zappadong
Na, da fühle ich mich doch richtig gut. Und nach der zweiten Mail noch besser:
Dear Kachingle Site Owner "Frau Zappadong",
Your Kachingle monthly statement cycle closed on Jul 06, 2010 for your site Zappadong. Your balance was $4.38.
Your PayPal account xxx will receive a Pay-Out in the next few days, less 15 percent, which Kachingle retains to cover the cost of processing payments (as always, we pay all related PayPal fees) and our commission.
Mit diesen $ 4.38 erhalte ich zum zweiten Mal eine Kachingle-Auszahlung.  Anfänglich lag die Minimalauszahlung bei $ 50.00 - was bedeutet hätte, dass ich ewig und zwei Tage auf die Zahlungen hätte warten müssen. Das haben auch die Chef-Kachingler realisiert und den Minimalauszahlbetrag auf $ 3.35 gesenkt. Die Begründung, warum gerade $ 3.35 finde ich witzig:
We decided your social cents Pay-Out should at least get you a grande iced latte at Starbucks!
Alles in allem habe ich in den letzten vier Monaten $ 14.07 ausbezahlt bekommen. Wenn Sie nun meinen, ich könnte mir damit die Schokolade für den Panikraum schon finanzieren, irren Sie. Denn: Ein Kachingler erhält nicht nur Geld, er verteilt auch. Pro Monat $ 5.00. Ich überlasse es Ihren Kopfrechenkünsten, meinen Verlust auszurechnen :-) Kommt dazu: Da ich selber mein eigener Kachingler bin, stammt der Hauptteil der Einnahmen von ... mir.

So viel zum Finanziellen. Nun ein generelles Zwischenfazit nach vier Monaten Kachingeln.

Positiv finde ich:
  • Die Informationspolitik der Kachingle-Macher ist ausgezeichnet.
  • Dasselbe lässt sich vom Support sagen. Wer Probleme meldet, erhält mehr oder weniger umgehend Antwort von einem Kachigle-Macher.
  • Die Geschwindigkeit, in der abgerechnet und ausbezahlt wird, ist bemerkenswert.
  • Das System funktioniert und wird laufend verbessert.
Leider gibt es auch negative Seiten:
  • Die meisten der bei Kachingle gemeldeten Seiten sind (für mich) total unattraktiv. Ich habe zuweilen sogar das Gefühl, dass jemand nur wegen Kachingle (und der Hoffung auf den grossen Reibach) Seiten eröffnet und anmeldet.
  • Viele Seiten, die ich sehr gerne finanziell unterstützen würde, sind nicht gemeldet.
  • Unter meinen 13 Kachinglern befinden sich etwa 80 Prozent Kachingler-Leichen (sprich: einmal eingeklinkt und nachher nie wieder) - umgekehrt habe auch ich bei mindestens 80 Prozent nur ein- oder zweimal vorbeigeschaut und dann nie wieder.
  • Wäre ich nicht selber mein eigener Kachingler, sähe die Bilanz himmeltraurig aus (ein Grund, mich selber nicht von der Kachingler-Liste zu nehmen).
  • Kachingle hat zu wenige Mitglieder und wächst nur sehr langsam - leider auch in eine nicht so gute Richtung: Aufschaltung rein kommerzieller Seiten.
Langer Rede kurzer Sinn: Trotz Verlust mache ich vorläufig erst einmal weiter, denn mich überzeugt die Idee der freiwilligen Mikropayments. 

Frage: Kann jemand von den "Flattrn" ein Feedback einbringen oder auf ein Flattr-Feedback verweisen? Würde mich interessieren. Vor allem, ob die jemals gedenken, aus der Beta-Phase herauszukommen.

UPDATE: herzlichen Dank an Bugsierer, der diesen Beitrag von Sascha Lobo zu Flattr empfiehlt. Ich übrigens auch. 

9 Kommentare:

bugsierer said...

ich bin seit dem start der beiden dienste eher skeptisch. dein beispiel zeigt gut, dass es für die weitaus meisten teilnehmer eigentlich nur ein herumschieben von geld ist. dass man nur kassieren kann, wenn man auch zahlt, ist mir völlig unverständlich und riecht schwer nach umsatz bolzen. die ansage, man wolle damit die unterscheidung von medienkonsumenten und mediennutzern aufheben, ist naiv.

ich selbst hatte nie das gefühl, dass ich für meine bloggerei geld bekommen sollte, ich habe auch nie diese hässlichen google ads eingebaut. und in meinem feedreader gibts nur gerade ein gutes dutzend blogs, denen ich geld geben würde, einigen hab ich schon was via paypal geschickt.

eine interessante kritik an flattr hat kürzlich sascha lobo gepostet:
http://saschalobo.com/2010/07/05/warum-ich-nicht-flattre/

gut finde ich vor allem den satz: "Ein Buch ist ein Produkt, ein Blog ist ein Prozess."

Zappadong said...

Inserate werden mir auch nicht in meine Blogs kommen. Ich habe etwas mehr als ein Dutzend Blogs, denen ich Geld geben würde - aber davon sind nur zwei oder drei bei Kachingle.

Ich bleibe dabei: Die Idee von Micropayments gefällt mir. Und ich würde wahnsinnig gerne meine Lieblingsblogs unterstützen. Mittlerweile mache ich es so: Ich besuche die zwei, drei Blogs, denen ich wirklich Geld zukommen lassen möchte, regelmässig. Die andern wenig oder nicht (mehr). So stimmt es für mich einigermassen. Aber als Modell taugt das natürlich nichts oder nicht viel. Denn ich könnte - wie du - diesen Bloggern auch direkt Geld überweisen.

Titus said...

Bis anhin konnte ich mich mit solchen Micropayement-Systemen auch noch nicht anfreuden, obschon ich das «Experiment», wenn man das so bezeichnen darf, durchaus interessant finde.

Auch mich stört das Herumreichen bzw. das Nullsummen-Spiel. Der einzige, der dabei gewinnt, ist der Systembetreiber selbst (kachingle, flattr). Ich würde daher eher Aktien von denen kaufen ;-)

Zudem dürften die wenigsten meiner Besucher selber ein Blog haben und gleichzeitig noch kachingeln. Wenn ein Besucher ohne Blog/Kachingle trotzdem etwas «spenden» möchte, kann er es nicht einmal...

Das wäre jedoch die Voraussetzung, damit ich wenigstens meine Kosten
fürs Hosting und die Domains hereinholen könnte (oder ich müsste «zielgruppengerecht» mehr Blogger/Kachingler auf mein Blog ziehen können).

bugsierer said...

@zappadong: klar, micropayments find ich auch gut, aber diese beiden systeme werden sich so nicht durchsetzen. ich glaube dagegen, dass sich in nächster zeit via handy einiges tun wird. in der dritten welt laufen solche systeme ja schon erfolgreich und im moment sind ein paar firmen in den startlöchern, die das auch hier lancieren.

@titus: du machst eines der blogs, denen ich was zahlen würde, wenn da ein paypal button wäre. versuchs doch mal – via paypal kann jeder mit seiner kreditkarte bezahlen.

Titus said...

@ Busierer
Vielen Dank. Ich nehme auch alkoholhaltige Edel-Naturalien an... ;-)

Bobby California said...

Titus > Achtung, Bugsierer hat Anspielungen auf alkoholische Getränke nicht gern... er forderte beim Medienspiegel deswegen meinen Rauswurf!

Bobby California said...

Zappadong > Vor drei Monaten kam ich in meinem Blog zu fast exakt dem gleichen Schluss. Damals erntete ich Widerspruch aus Zappadonghausen («Ich habe nichts dagegen, wenn Blogger Blogger finanzieren», «Auf den Bloggern herumzuhacken, weil sie alternative Modelle ausprobieren, kann auch nicht die Lösung sein» usw). Schön, dass Frau Zappadong inzwischen zu den gleichen Schlüssen gekommen ist wie Bobby California. Dieses Blogpost liest sich wie eine indirekte Bestätigung meines Befundes.

Zappadong said...

@bobby. ähm, gleiche Schlüsse? Ich bin IMMER NOCH für Versuche im Mikropayment-Bereich.

Bobby California said...

@ Zappadong... «Ich bin IMMER NOCH für Versuche im Mikropayment-Bereich»: Ich bin nicht dagegen, ich war nie dagegen. Nur scheint die Idee nicht besonders gut zu funktionieren.