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Umleitung reloaded

Wir müssen Sie schon wieder umleiten. Sind damit beschäftigt, unsere Kerzen nicht ausgehen zu lassen. Auf Alter Ego können Sie auch nicht zählen. Das ist die ganze Woche auf Lesetour im Kanton Aargau.

Und so leite ich Sie zu dieser hochspannenden Auseinandersetzung um. Oder - falls Sie immer noch nicht wissen, wie Sie bei den Pensionskassen abstimmen sollen - hierher.

Frau Zappadong und Mr Doorman

Absaufen

Mr Doorman und ich betrachten fasziniert den hartnäckigen Absaufkampf meines Selbstmitleids im vierten Untergeschoss. Wie Loch Ness schnellt das hässliche Mitleidsmonster immer wieder aus dem Wasser und gibt unheimlich grollende Laute von sich. Mittlerweile hat sich auch Onkel Vladimir zu uns gesellt.

"Soll ich es erschiessen, wenn es das nächste Mal auftaucht?", fragt er und tätschelt dabei liebevoll seine Kalaschnikow.
"Nein, ist viel spannender so", antwortet Mr Doorman. "Ausserdem haben Frau Zappadong und ich eine Wette laufen, wann es endgültig absauft."
"Aha", sagt Onkel Vladimir. "Und?"
"Ich habe verloren", antwortet Mr Doorman. "Mein Tipp war Donnerstagnachmittag, 14.31 Uhr."
"Es ist Freitag", meint Onkel Vladimir trocken.
"Eben", seufzt Mr Doorman.

Als sich die durch 147 Kerzen (mehr konnten wir nicht finden) beleuchtete Wasseroberfläche etwas glättet, deutet Onkel Vladimir mit dem Finger auf ein Bündel nasses Papier. "Was ist denn das?" fragt er.
"39 Millionen."
"Rubel?"
"Franken."
"Aha."
"Wenn schon drei Buchstaben, Onkel Vladmir, dann bitte UBS", sage ich.
Und dann schauen wir ungerührt zu, wie das letzte Bündel dieser 39 Millionen absäuft. Der kleine Mann mit der grossen Nase wird den Chlütter dann schon anderswo einsparen.

Und sonst? Haben wir vom Weltgeschehen wundersamerweise hier unten im vierten Untergeschoss nichts mitbekommen. Auch Alter Ego hat sich im Südtirol tunlichst von allen Zeitungen und Nachrichten ferngehalten. Dieser Zustand der Unwissenheit ist wie ein Wellnessurlaub.

"Schön ruhig hier unten", sagt Mr Doorman. "Ich glaube, ich bleibe noch eine Weile."
"Hast du die gelben Pakete verschickt?", fragt Onkel Vladimir.
Mr Doorman nickt.
"Guuuuuuuuut", sagt Onkel Vladimir. "Ich geh dann mal wieder. Zu wenig los bei euch."
"Grüss den Sepp", trage ich ihm auf. "Er soll zur Piratenflagge schauen, solange wir auf Tauchstation sind."

In diesem Moment taucht das Monster schnaubend aus dem Wasser auf. Mr Doorman und ich gucken ihm direkt in die Augen. Eigentlich ... also eigentlich, ist es ja ganz niedlich.

Wegen Frust geschlossen

"Frau Zappdong, was tun Sie denn da?"
"Ich drück den roten Knopf und fahr uns wieder runter."
"Nach all der Arbeit."
"Ja."
"Warum?"
"Mich hat der Frust überfahren wie eine Dampfwalze. Bin grad ziemlich platt."
"Ist's der kleine Mann mit der grossen Nase?"
"Oh, den hätte ich schon fast vergessen."
"Die Banker?"
"Auch."
"Die Pensionskässeler?"
"Auch."
"Auch? Himmel! Ist denn da noch mehr?"
"Ja."
"Wollen Sie darüber reden?"
"Nein."
"Na gut, dann drücke ich den Knopf."
"Tun Sie das."
"Und die Piratenflagge?"
"Lassen wir flattern. Wir spielen jetzt mit dem Frust Russisches Roulette. Und dabei bescheissen wir, dass sich die Balken biegen."
"Gute Idee. Soll ich noch einen Eimer Selbstgebrannten mitnehmen?"
"Wenn Sie möchten."
"Und eine Badewanne, in der Sie das Selbstmitleid ersäufen können?"
"Da reicht eine Badewanne nicht. Aber ich glaube, wir haben jede Menge Wasser im vierten Untergeschoss. Das sollte genügen."
"Gehen wir?
"Ja."

Kino ohne Ende ... und ein klitzekleines Problem

Weil das kleine Mainstream-Multiplex-Kino, dass gleich um die Ecke des Zappadong-Gebäudes liegt, auch diese Woche lieber die Mainstream-Filme zeigt als andere, setzten sich Herr Zappadong und ich ins Auto und fuhren ins benachbarte Liechtenstein, ins Kino unserer Jugend.

Erst einmal verfuhren wir uns. Weil alles anders ist als in der guten alten Zeit und die Schleichwege von damals schon längst keine mehr sind. Dann kauften wir unsere Tickets, d.h. wir bezahlten den Eintritt, Tickets gab's nicht. Setzen konnten wir uns, wo wir wollten. Es war alles noch so, wie beim lange zurückliegenden letzten Mal. Und dann die Überraschung.

KEIN EINZIGES WERBEDIA.
KEIN EINZIGER WERBESOPT.

Herr Zappadong und ich kippten vor Freude und Begeisterung beinahe aus den Sesseln (auch noch die gleichen wie damals).

Danach: Ein Trailer und dann der Film im Original (schon wieder fast aus den Sesseln gekippt; so was gibt's doch gar nicht mehr, dachten wir). Und: KEINE PAUSE.

Kurz: Kino, wie ich es mir immer gewünscht habe.

Weniger witzig war dann, dass der Film 20 Minuten vor dem Ende riss und nicht repariert werden konnte. Aber auch das wurde souverän gemeistert. Der junge Ticket- und Süssigkeitenverkäufer, der gleichzeitig auch der Filmevorführer war und mit uns in der Vorstellung sass, erklärte äusserst charmant, dass da leider, leider gar nichts zu machen sei - und dass wir selbstverständlich alle das Geld zurückbekommen würden.

Jetzt haben Herr Zappadong und ich ein Problem: Wir kennen das Ende vom "Ghostwriter" nicht. Der Film riss an der Stelle, in der das Buch durch die Druckmaschinen ging. Falls jemand den Film zu Ende geguckt hat. Wenn uns jetzt noch jemand den Schluss erzählen könnte, wären wir äusserst dankbar.

Umleitung

Mr Doorman und ich müssen Sie aus Zeitgründen auch heute umleiten. Verpassen Sie auf keinen Fall den Beitrag über den politischen Kindsmissbrauch drüben bei titus.

Wer zahlt, befiehlt

Leider ist bei uns grad ein wenig die Zeit knapp. Mr Doorman packt immer noch Stäbe in gelbe Postpackete, mein Alter Ego ist im Buchüberarbeitungsendspurt.

Und so gibt es auch heute nur einen Link, einen, der zum Thema der letzten paar Einträge passt.

Er hat mit Erfüllungsgehilfen der Show mit besten Hoffnungen für die Sicherheit zu tun und wie fast immer dieser Tage geht es um Geld und Verantwortung.

Weil's grad so schön zu meiner Stimmung (und dem letzten Eintrag) passt

Eine Frage des Wertes. (via)

Reden wir mal kurz von Verantwortung

Pflegerin im Altersheim, ausgebildet, mehrere Jahre Berufserfahrung: CHF 4000.00 im Monat.
Wenn sie einen Fehler macht, können Menschen sich wund liegen, physisch und psychisch leiden, sterben.
Verantwortungsfaktor: sehr hoch (es geht um Menschenleben).
Gewinn für die Gemeinschaft: hoch.

Investmentbanker. Mehr als eine Million pro Jahr. Plus Bonus.
Wenn er einen Fehler macht, kommt der Staat, rettet seine Bude und er verdient genau gleich viel - oder noch mehr - als vorher.
Verantwortungsfaktor: gegen null tendierend (weil es egal ist, wie er geschäftet).
Gewinn für die Gemeinschaft: tief.

Ich glaube, ich muss aufhören, über solche Dinge nachzudenken, sonst wird mir schlecht. Ich gehe jetzt Mr Doorman helfen, Uranstäbe in gelbe Postpakete zu packen. 

Monster

Hier.

Zukunftsmusik

Na ja, so unrecht hatten Zager And Evans nicht ... nur mit den Zahlen lagen sie leicht daneben.

Alles legal

Onkel Vladimir ist schlecht gelaunt. Das ist nicht witzig, glauben Sie mir. Mr Doorman hat sich in den Keller verzogen, Gold polieren, ich trinke meinen Kaffee alleine in der Besenkammer im elften Stock, in sicherer Entfernung von Onkel Vladimir.

Der telefoniert gerade. Und leider hört man ihn von der Lobby bis nach hier oben, in den elften Stock.
"Verdammte Sauerei!", brüllt er. "Wenn ihr ganz Europa bescheissen könnt, will ich auch etwas davon haben."
....
"Mir wurscht, wie ihr das macht. Ich bekomme Kreta, kapiert? Und die Akropolis."
....
"Und einen Verwaltungsratssitz in eurem Scheissladen."
(So langsam wird mir das unheimlich)
....
"Nein, das ist nicht zu viel. Im Gegenteil. Ich will ein Nachtessen mit dem Präsidenten, im Oval Office."
....
"Na, geht doch!", posaunt Onkel Vladimir und klingt plötzlich wieder gut gelaunt.

Ich bleibe doch noch eine Weile in Deckung und lese in einem zerfledderten Westernroman, den jemand in der Besenkammer liegen lassen hat (wahrscheinlich Nini Zappadong, der hat die Dinger stapelweise verschlungen). Unten höre ich Onkel Vladmir singen. Keine Ahnung, warum er Gotthard kennt, auf jeden Fall ist das eindeutig der Song "Top of the World" (es ist irgendwie ungerecht, dass Onkel Vladimir so gut singen kann). Als er nach 20 Minuten immer noch singt, verlasse ich meine Deckung und gehe nach unten.

"Gute Laune?", frage ich.
"Und wie!", antwortet er. "Die Geschäfte laufen gut. Sehr gut. Bin gerade in den Griechenlandhandel eingestiegen." Ein breites Grinsen zieht über sein Gesicht. "Tolle Sache. Und alles legal!"
Mein Gefühl sagt mir: Irgendwo ist da ein Haken.
"Wir brauchen 500 Pakete. So gelbe von der Post", sagt Onkel Vladimir.
Ich schlucke leer. "Wozu?", frage ich.
"Das", antwortet Onkel Vladimir, "wollen Sie nicht wissen."
Ich fürchte, er hat recht.
"Aber sagen Sie meinem Vetter, er soll aufhören, das Gold abzustauben und sich hinter die Uranstäbe machen."
Ich hab's geahnt. Es musste ja so kommen.

UPDATE: Wie viel für Goldman Sachs dabei heraussprang

Heute klauen wir Text und morgen fahren wir den Weltfrieden an die Wand

Ich wusste es. Sonntagszeitungen lesen IST gefährlich.

Da schreibt also so eine Dame von der NZZ mit wahrscheinlich null Ahnung von gar nichts, sie verstehe die ganze Aufregung um das Kopieren von Texten nicht. Habe man doch immer schon gemacht und sowieso, die Blogger sollen nicht so kleingeistig borniert reagieren, die täten das ja ständig. Worauf ich mir überlegt habe, ihren Artikel abzuschreiben, den ganzen, dann ein paar Sätze umzustellen und zwei oder drei Wörter zu ändern ... und dann mal zu gucken, ob sie dann immer noch ihrer Meinung ist, die Dame. Leider ist mir das zu gefährlich. Denn sie könnte tatsächlich mit der gesamten, furchteinflössenden Rechtsabteilung ihres Verlags angefahren kommen und dann wäre ich - wie Onkel Vladimir mir gestern schon so schön verdeutlichte - total am Arsch.

Nun, das ist aber noch nichts im Vergleich mit jenem Artikel aus dem Wirtschaftsteil derselben Zeitung, wo genau und glaubhaft beschrieben wird, wie Goldman Sachs am Niedergang Griechenlands verdient - mit Hilfe der Pensionskassen, denen man versichert, es könne nichts passieren, da es im Fall des totalen Absaufens Griechenlands keinen Schadenfall gäbe, weil es Notfallmassnahmen zur Rettung des Landes gebe. Zur Erinnerung: Goldman Sachs gibt es nur noch, weil man gigantische Rettungsmassnahmen für sie ergreifen musste, unter denen nun eine gesamte Weltwirtschaft leidet. Zur weiteren Erinnerung: Banken wie Goldman Sachs haben uns an die Wand gefahren. Jetzt könnte es gut möglich sein, dass sie wissentlich den Krieg riskieren. Den ohne WIRTSCHAFT vor dem Wort KRIEG.

UPDATE: Es ist alles noch viel schlimmer Goldman Sachs hat Griechenland auch geholfen, die EU in Bezug auf die wirkliche finanzielle Lage des Staates zu täuschen. Meine Frage wäre nun: Ist es denn nicht möglich, solchen Banken die Lizenz zu entziehen? Oder läuft das immer noch unter too big to fail?

Sie sind am A...., Frau Zappadong

Ja, der Onkel Vladimir, der bringt es halt immer direkt auf den Punkt. Weshalb er unser Gespräch mit einem "Sie sind am Arsch, Frau Zappadong" beginnt.
Nun, das könnte man so sehen, bei einer Ladung geschmuggelten Urans und tonnenweise versteckten Goldbarren im Keller. Aber mit seinem Ausspruch meint Onkel Vladimir - wie sich gleich herausstellen wird - nicht die kleinen Mitbringsel aus seiner Heimat.
"Stellen Sie sich vor, Ihr Compüterchen geht kaputt und Sie holen sich einen dieser cleveren Burschen, der das wieder hinkriegt", beginnt er.
Ich warte, denn ich habe keine Ahnung, worauf er hinaus will.
"Dann", fährt Mr Doorman fort, "nutzt er die Gelegenheit und lädt sich das fixfertige Manuskript Ihres Alter Egos auf eine CD und verschwindet damit."
"Oha", sage ich.
"In der Tat", antwortet Onkel Vladimir. "Denn nun kommt's: Sie gehen zur Polizei und zeigen den *&%ç%* (zensuriert) an."
Ich nicke heftig.
"Und die Polizei informiert sie darüber, dass er Ihr Manuskript an einen Verlag verkauft hat und einen Vorschuss kassiert hat."
"Ha, den kriegen wir dran!", rufe ich.
"Nein", erklärt Onkel Vladimir. "Deshalb sind Sie ja am Arsch."
"Hä?", sage ich.
"Darf ich zitieren?", fragt Onkel Vladimir.
"Sie dürfen", antworte ich.

"Da Daten anders als Autos oder Handys keine Sachen sind, kann man sie nicht stehlen. Und wo es keine gestohlene Ware gibt, da gibt es auch keine Hehlerei." (Frau Justizministerin Beate Merk aus Bayern, Quelle)

Ich bin grad ein bisschen verwirrt. "Sie meinen, weil mein Manuskript kein Auto oder kein Handy ist, sondern nur Daten auf einem Maschinchen, kann man es klauen."
"Sie haben's erfasst", sagt Onkel Vladimir zufrieden. "Sie sind am ..."
"Stopp!", rufe ich. "Ich hab's kapiert."
"Ja, die ersten 50 Prozent", fährt Onkel Vladimir ungerührt fort. "Jetzt kommt der Rest."
"Welcher Rest?"
"Der nächste Teenager. 13 Jahre alt. Findet Ihren Blog zum Brüllen schlecht und verwurstelt ihn zu einem Buch Warum man Blogs hassen muss und schreibt dazu wortwörtlich ihre Beiträge ab."
"Dem werd ich was hinter die Löffel geben", murmle ich.
"Aber nicht doch!", sagt Onkel Vladimir. "Können Sie doch nicht. Das clevere Kerlchen ist doch schon längst für den Aussermarsianischen Buchpreis nominiert. Sie würden als schlechte Verliererin dastehen."
Jetzt ist mir schlecht. Ich überlege mir, meinen Beruf zu wechseln und Schuhmacherin zu werden. Wenn mir dann jemand die Schuhe klaut, kann ich darauf beharren, dass sie eine Sache sind ...

PS: Wäre noch ganz witzig, wenn jemand der Frau Merk aus Bayern ein paar persönliche Daten abstauben würde und ihr dann mit ihrer eigenen Argumentation käme ...

Schönes Wochenende

Gedenkminute

Während wir die zweite Tasse Kaffee trinken, halten Mr Doorman und ich in Eintracht mit Frau Petra van Cronenburg eine Gedenkminute ab.

UPDATE (hinke heute den Aktualitäten hinterher): Frau Wetterfest plagiagiert jetzt auch ... oder so. Blogger mögen bitte die Buchstaben in ihren Einträgen anbinden - andernfalls könnten Sie von Frau Wetterfest gekidnappt resp. gekl... (ach, so, das sagt man jetzt ja nicht mehr) und zum Buch verwurstelt werden.
UPDATE II: Oha.
UPDATE II: Lesenswert.

1:12

Wir trinken also Kaffee und regen uns nicht auf. Draussen flattert unsere Piratenflagge, hier drinnen ist es schön warm. Mr Doorman und ich haben uns den Unterschriftenbogen der Initiative 1:12 aus dem Internet heruntergeladen und setzen gerade unsere Unterschriften darunter.

UPDATE: Harald Jenk legt in seinem Blog genau die Gründe dar, warum Mr Doorman und ich unseren Namen auf den Unterschriftenbogen gekritzelt haben.

Sollen wir uns jetzt aufregen ...

... fragt mich Mr Doorman.
"Nein", antworte ich. "Aber haben Sie die Piratenflagge heil zurückgebracht?"
"Klar, doch, Ehrensache", antwortet Mr Doorman.

(Zwischenbemerkung: Er, Onkel, Vladmir und Sepp haben ihren Grind gegen die Marmorfassaden der Pensionskassen geschlagen und hätte ich ein Handtäschchen dabei gehabt - hätte ich es den Häuptlingen, die durch die Drehtür kamen .... ähm .... lassen wir das ...)

"Dann hängen wir sie jetzt wieder auf", sage ich.
"Ist das alles?", will Mr Doorman wissen.
"Ja!", antworte ich. "Wenn die so weitermachen, kracht das alles von alleine zusammen. Da müssen wir gegen gar nichts anrennen."
"Dann trinken wir jetzt noch eine Tasse Kaffee", schlägt Mr Doorman vor.
Aber sicher doch.

UPDATE: Wenn Sie nicht anders können als sich halt doch zu ärgern, gucken Sie hier vorbei.

Einen für titus, einen für mich ...

... so am Ende eines langen Tages.

Lieber titus. Für Sie, Sie junger Hüpfer, weil Sie sich nicht an die Nits erinnern. Lassen Sie sich in die holländischen Berge entführen.



Und der da ist für mich. Und Sohn Zap. 1959. Von Sisters of Mercy.

Frau Zappadong goes (not) Literaturwettbewerb

Zeitunglesen gestern hatte etwas Gefährliches an sich. Lauter Beiträge zum Ärgern. Das ist ja nicht unbedingt das, was man sich für einen Sonntag so wünscht. Andererseits: Selber schuld, wer Sonntagszeitungen liest.

Zum Thema: Gestern in der NZZ am Sonntag (Printausgabe):

Die Stadt Zürich vergibt jedes Jahr einen Werkbeitrag an einen Comiczeichner / eine Comiczeichnerin. CHF 42'000. Dummerweise wissen davon nur ganz wenige. Sowohl ein bekannter Basler Comiczeichner als auch der Inhaber eines Comicladens hatten nicht den Schimmer einer Ahnung, dass es so was gibt. Eine Comiczeichnerin, die davon gehört hatte, suchte vergeblich im Internet nach Informationen und nahm an, es handle sich um ein Gerücht. Tut es aber nicht. Die Stadt Zürich vergibt - absolut intransparent - CHF 42'000 an ein paar Eingeweihte.

So weit, so schlecht. Heute bekam ich Post vom KJM, dem Ostschweizer Ableger des SIKJM (Schweizer Institut für Kinder- und Jugendbuchautoren) ... und da fiel mir ein, dass da doch irgendwann mal was gewesen ist in Bezug auf einen Schweizer Kinder- und Jugendbuchpreis. Ich erfuhr letztes Jahr per Zufall davon, weil eine Autorenkollegin anfragte, ob ich da dabei sei. War ich nicht. Aber neugierig, wie ich nun mal bin, habe ich im Netz nach Infos gesucht. Ausser dass es den Preis gibt, war da leider gar fast gar nichts zu erfahren.

Heute Morgen habe ich (wohl um der Putzarbeit auszuweichen) eine Mail an das SIKJM geschrieben, in der ich mich nach den Teilnahmebedingungen erkundigte, und im Gegensatz zur letzten Mail (in einer anderen Angelegenheit), die ich im August 2009 abschickte und nie eine Antwort erhielt, hatte ich keine Stunde später eine Antwort im virtuellen Briefkasten.

Der Schweizer Kinder- und Jugendmedienpreis wird alle zwei Jahre an Personen mit Schweizer Bürgerort oder Wohnort (seit mindestens 2 Jahren) oder an Schweizer Verlage, Reihen oder Editionen verliehen. Eine Fachjury prüft alle Medien (Romane, Bilderbücher, Sachbücher, Lyrik, Theaterstücke, Comics, andere Medien wie Hörbücher, Hörspiele, CD-ROMs, Editionen und Reihen), die vom 1. April des Preisjahres bis zum 31. März des nächsten Preisjahres erschienen sind. Die Fachjury fragt unter
anderem nach der ästhetischen und der sprachlichen Qualität eines Mediums. Sie können sich aus oben genannten Gründen nicht um den Preis bewerben.


Okay. Dann halt nicht.

Dass es auch anders geht, zeigen die Organisatoren dieses Kinder- und Jugendbuch Literaturwettbewerbs. Oder jene des Glauser Krimi-Preises (inklusive Hansjörg-Martin-Preis für Kinder- und Jugendkrimis). Selbst die Teilnahmebedingungen und Anmeldemodalitäten für den Schweizer Buchpreis sind für jeden ersichtlich. Um nur ein paar Beispiel zu nennen ...

UPDATE: Vielen Dank an Jerzovskaja für den Hinweis auf diesen lesenswerten Artikel.

Rentenklau? Aber nicht doch!

Mr Doorman kommt vom Briefkasten zurück, sein Gesicht ein einziges Schuldeingeständnis.
"Oha", sage ich. "Was ist denn passiert?"
"Ich habe aus versehen die Post vom Sepp geöffnet."
Der Sepp ist unser Nachbar. 72. Gut erhalten. Fidel. Ausgestattet mit viel Humor. Nur: Sein Briefkasten ist nicht unser Briefkasten. Also frage ich: "Wie kommen Sie denn dazu, den Briefkasten vom Sepp zu leeren?"
"Gar nicht", antwortet Mr Doorman. "Der Brief lag in unserem Briefkasten."
Das passiert öfters. Wir haben einen netten Pöschtler, aber in der Hitze des Postgefechts ...

(Zwischenbemerkung: Vielleicht erinnern Sie sich an die Posteinträge hier bei uns. Falls nicht: Die Postboten haben eine bestimmte, auf die Sekunde ausgerechnete Zeit für ihre Runde. Berechnen tun sie die nicht selber, sondern irgend ein theoretischer Schlaumeier, der die Route unter Idealbedingungen abfährt und dabei sicher nie mit Frau Meier, die schon am Briefkasten wartet, zwei, drei Sätze wechselt und auch keine Zeit hat, der Frau Müller, die nicht mehr gut zu Fuss ist, die Post an die Tür zu bringen ...)

... ist der Brief vom Sepp bei uns im Briefkasten gelandet. Und Mr Doorman hat ihn versehentlich geöffnet.
"Ich bringe Sepp den Brief", sagt Mr Doorman.

Fünf Minuten später stehen beide in der Eingangshalle. Die Gesichter hochrot. Oha, denke ich, vielleicht ein Liebesbrief oder sonst etwas Persönliches, das nicht für Mr Doormans Augen bestimmt war. Aber so ist es nicht.
"Frau Zappadong!", schreit Sepp - in einer Frequenz, die mich um sein ansonsten noch rüstiges Herz bangen lässt. "Jetzt schauen Sie sich diese Sauerei an."
"Ja, schauen Sie sich diese Sauerei an", echot Mr Doorman dem Sepp nach.

Ich schaue mir diese Sauerei also an und stelle fest: Es ist eine Sauerei.

Sepp hat Post von seiner Pensionskasse erhalten.

Lieber Sepp
Du darfst, kannst und musst bei der Abstimmung über die Renten Ja stimmen. Du kannst das bedenkenlos tun, weil deine Rente nicht angetastet wird. Du bekommst, was du auch sonst bekommen hättest. Nur die Jüngeren bekommen irgendwann mal weniger. Aber das ist doch nicht dein Problem, gell ;-)
Also: Ja zum tieferen Umwandlungssatz bei der Rente. Weil es dich nicht trifft. Sondern nur die Jüngeren. Das kann, soll und muss dir egal sein
Deine Pensionskasse

Mittlerweile geht auch mein Puls ziemlich hoch. Ungesund hoch.
"Weckt Onkel Vladimir!", befehle ich. "Wir fahren da hin und geigen denen die Meinung."
"Ich will auch mit!", schreit Sepp. "Die Siechen, die! Verwaltungskosten, dass es chlepft und tätscht! Räumlichkeiten wie Bankmanager! Gewinne für die Aktionäre! Alles für sie - nichts für die nächsten Generationen. Und jetzt spielen sie auch noch uns Alten gegen die Jungen aus. Ich könnte kotzen."
Das tut er glücklicherweise nicht. Aber er schnappt sich unsere Piratenflagge, die wir endlich gefunden und auch gleich gekauft haben. "Worauf warten wir?", ruft er.
"Auf das da!", erklärt Mr Doorman und hält ein Schild hoch:



Die Fakten zu diesem Artikel:
Swiss Life: 60'000 Schreiben an Pensionierte. Im Schreiben werden sie darauf aufmerksam gemacht, dass "bereits laufende Renten durch die künftige Festlegung des Umwandlungssatzes keine Änderung erfahren." Das betreffe nur Neurenten.
Helvetia: Schreiben an 11'500 Unternehmen und 5500 Pensionierte mit ähnlichem Inhalt.
Zürich-Versicherung: 20'000 Schreiben an Pensionerte, denen man versichert "vom Ausgang der Abstimmung nicht betroffen zu sein."

Eine Schweinerei? Mehr als das! Solidarität? War mal. Ist heute total uncool.

Quelle: Printausgabe NZZ am Sonntag.

Uran verscherbeln war gestern - Heute gehen wir in die Politik

"Frau Zappadong, Sie müssen Nationalrätin werden", sagt Mr Doorman.
"???" (Es ist zu früh am Morgen für solche Überraschungsangriffe.)
"Da kommt das Geld von selbst."
"???" (Ach, ja, denke ich, aber wenn ich das jetzt sage, wird es mir erklärt.)
"100'000 Franken für zwei Sitzungen pro Jahr", erklärt Mr Doorman. (Ich habe doch gar nichts gesagt.)
(Ich gebe auf.) "Für zwei Sitzungen?", frage ich.
Mr Doorman nickt. "Steht im Magazin*."
"Und was muss ich dafür tun?", erkundige ich mich. "Meine Seele dem Teufel verkaufen?"
"Nicht ganz", antwortet Mr Doorman. "Nur einem Beirat einer Firma beitreten."
"Bedingungslos?", will ich wissen. "Oder ..."
"Offiziell bedingungslos."
"Aha."
"Na ja, vielleicht sollten Sie dann im Parlament im Sinne der Firma reden und abstimmen." Mr Doorman zuckt mit den Schultern. "Scheint heute Gang und Gäbe zu sein."
"Aha." (Mich überfordert so was zu so einer Tageszeit - und eigentlich auch generell, zu jeder Tageszeit.)
"Sie können auch mehreren Beiräten, Verwaltungsräten und was es sonst noch an Ämtlis gibt beitreten", fährt Mr Doorman fort, der mein Schweigen als Interesse auslegt. "Wenn Sie die richtigen Leute kennen, rückt man auch ein paar Dinge für Sie gerade. So können Sie zum Beispiel Parteipräsidentin werden."
"???"
"Ihre Geldgeber werden es für Sie richten."
"???"
"Ja. Steht im Magazin*. Und wenn Sie in eine Kommissionssitzung gehen, gibt Ihnen die Firma, die Sie so grosszügig entlöhnt auch gleich ein Positionspapier mit Argumenten mit und sagt Ihnen, wo Sie sich mit einem Antrag wie melden müssen."
"???" (Mir ist schlecht. Da kann man schlecht denken.)
"Sind Sie Mitglied einer Partei?", dringt Mr Doormans Stimme durch dicken Nebel zu mir durch.
Ich schüttle refelxartig den Kopf.
"Okay, dann nehmen wir was Bürgerliches. Zahlt sich besser aus. Hätten Sie lieber das christliche C oder das liberale F?"
"Gar nichts", würge ich aus meiner ziemlich trockenen Kehle.
"Dann nehmen wir das F. Obwohl Herr Eugen David von der Partei mit dem C. aus dem Kanton Zappadong ganz schön absahnt - und Sitzungen schon mal nach dem Willen seiner Geldgeber abhält - steht im Magazin*."
Ich winke matt mit der Hand.
"Sie wollen, dass ich aufhöre?", fragt Mr Doorman.
Ich nicke.
"Kein Nationalrat?", hakt er nach.
"Um Himmels Willen, nein", hauche ich.
Mr Doorman grinst zufrieden. "Sie sind meine Frau Zappadong", meint er. "Verscherbeln wir also lieber Onkel Vladimirs Uran."
"Natürlich tun wir das!", ruft Onkel Vladimir, der die Treppe hinunterkommt und die letzten paar Worte mitbekommen hat. "Was denn sonst?"
Ja, was denn sonst.

Wenn Ihnen die Lust am Wählen noch nicht vergangen ist. Checken Sie doch bitte vor dem Ausfüllen des Stimmzettels, wie viele Ämtlis die Kandidaten Ihrer Wahl haben und überlegen Sie es sich dann noch einmal.

* Ich habe den Artikel online nicht gefunden. Gehen Sie hin und kaufen Sie sich die Printausgabe.

Mr Doorman und Onkel Vladimir amüsieren sich - ich nicht so ganz

Aus der Ecke mit den Kuschelsofas erklingt herzhaftes Gelächter. Ich fülle eine Tasse mit bestem Kaffee und schlendere zu Mr Doorman und Onkel Vladimir hinüber.
"Darf ich mitlachen?", frage ich.
"Klar doch", brüllt Onkel Vladimir. Und dann beginnt er mir vorzulesen:

Mein Vorschlag ist, jeden, der einen deutschen Pass hat, mit seinem gesamten Vermögen weltweit in Deutschland zu besteuern.

Doch, ja, das finde ich witzig, vor allem wenn ich mir das praktisch vorzustellen versuche. "Ist das Ihre Idee?", frage ich (bei Onkel Vladmir weiss man nie).
 "Nein, auf sowas komme nicht mal ich", grinst er. "Wollen Sie noch mehr hören?"
Ich will.

Jeder, der einen deutschen Pass hat, muss deutscher Steuerzahler sein. Es kann nicht sein, dass ich die Privilegien des deutschen Passes in der Welt nutze, mich aber der Steuerpflicht entziehe. Wer das nicht will, kann gerne seinen deutschen Pass abgeben und sich einen neuen suchen

"Ist das von Christoph Blocher?", rate ich, um mich gleich zu korrigieren. "Nein, warten Sie, auf so was kommt nur Toni Brunner. Wenn er gut drauf ist. Oder allenfalls noch der Mörgeli. Wenn er sich über die Deutschen lustig machen will."
"Falsch", sagt Mr Doorman trocken. Das kommt von Kurt Lauk und der ist Vorsitzender der CDU-Wirtschaftskammer.
"Aha", sage ich, weil es sonst nicht viel zu sagen gibt. Vor allem kann ich nicht viel mehr sagen, weil ich jetzt grad ziemlich lachen muss.
"Na ja, nicht alles, was der Mann sagt, ist lustig", fügt Mr Doorman hinzu. "Zum Beispiel das da, das ist ziemlich unverschämt":

"Ich halte es unter machtpolitischen Gesichtpunkten für ausdrücklich richtig, die Schweiz unter Druck zu setzen ... Wir müssen das Geschäftsmodell Schweiz trocken legen.

Nun, sagen wir es so. Es gab den Terminator, den Herminator und jetzt gibt's den Laukimator. Wenn er also auf einer Höllenmaschine angerattert kommt, so einer mit einer grossen Baggerschaufel vorne, seien Sie auf der Hut und erklären Sie ihm, dass Sie einen Schweizer Pass haben, Ihre Steuern in der Schweiz bezahlen und die Blümchen, die er in Ihrem Garten plattwalzen will, Ihr (Schweizer) Eigentum sind. Er solle also mal husch seinen deutschen Pass nehmen und im eigenen Garten alles plattfahren.

(Quelle: n-tv.de)

UPDATE: Stellen Sie sich das Zitat andersherum vor: "Wir (Schweizer) müssen das Geschäftsmodell Deutschland trockenlegen." Einfach nur so. Mal zum Ausprobieren, wie das klingen würde. Und dann stellen Sie sich mal vor, was in Deutschland abgehen würde. Auch nur so. Mal zum Ausprobieren.

UPDATE II: Ich muss mich hier ausklinken (und Platten hören gehen), bevor ich irr werde oder durchdrehe oder was wirklich Unanständiges sage ...

Plattenspieler, Teil IIII

In der Familie Zappadong lädt niemand Musik vom Netz runter, auch der Nachwuchs nicht.

Weil. Es gibt nichts Schöneres als eine Plattenhülle oder ein CD Cover. Dann die Texte, auf den Innenumschlag gedruckt oder bei DCs in eigens gestalteten kleinen Büchlein. Die Danksagungen (immer eine wahre Freude zu lesen). Die Gestaltung einer CD-Scheibe (zum Teil so edel oder schön, dass einem fast die Tränen kommen). Das Ding im Gestell bei allen anderen, ein Gesamtkunstwerk.

Ich weihe Sie noch in ein weiteres Zappadong-Geheimnis ein: Sohn Zap kauft sich sämtliche Filme auf DVD (er könnte bald einen eigenen Laden eröffnen). Sein DVD-Regal sieht genauso toll aus wie sein Bücherregal. Eine Augenweide.

Selbst Tochter Zap mit limitiertem (Taschen)geld kauft sich CDs. Alles andere ist nicht "the real thing". Und wenn ich so die CD Hüllen  und die Büchlein dazu anschaue, dann verstehe ich ganz genau, was sie meint. (Sie hört die Art von Musik, wo die Covers und CDs so genial gestaltet sind, dass sie fast noch besser sind als die Musik selber).

Und ich? Ich bin wieder bei den Platten angelangt. Die Scheibe auspacken, sie auf den Teller legen, den Tonarm in die richtige Rille legen ... ein Erlebnis für die Sinne.

Und nein, allein wegen solchen Nostalgieanfällen wird man nicht zwangsläufig zur SVP-Wählerin. Keine Bange.

Für Diskussionsfreudige ...

... empfehlen Mr Doorman, Onkel Vladmir und ich:

Die spannende Diskussion über ein Kopftuchverbot an den Schulen. HIER entlang, bitte.
Die ebenfalls spannende Diskussion zum Thema Datenklau. HIER entlang, bitte.

UPDATE: Und HIER noch ein lesenswertes Interview zum Thema Datenklau

Plattenspieler, Teil III

ugugu hat nicht wirklich helfen können mit seinem Rat. Aber ich ich weiss jetzt, wo ich ungefähr anfangen will: Mit der Box mit den 5 Live-Alben von Bruce Springsteen.

Cover me ist einer meiner Lieblingssongs auf dieser Sammlung. Nicht zuletzt, weil mich der Text immer wieder umhaut (Man kann uralte Springsteen-Songs hören und der Text könnte immer von heute sein).



Und dann ist da noch War. Uralt und topaktuell:

Plattenspieler, Teil II

Zu dritt sitzen wir enttäuscht vor unseren Maschinchen.
"Das war ja ganz einfach", meint Mr Doorman.
"Uran schmuggeln ist spannender", erklärt Onkel Vladimir.
"Kein einziges Problem", stelle ich fest. "Gar keins. Nicht einmal ein Klitzekleines."


Die Technik hat uns verarscht. Sie hat funktioniert.

Nun zu den guten Nachrichten: Wir können sämtliche Zappadong-Schallplatten auf den PC übertragen und auf den iPod laden. Einfach so. Ohne Probleme.

Das heisst: Ein Problem haben wir schon: Wo fangen wir bloss an???

Plattenspieler, Teil 1

"Ich hab genug von Datenklau- und Kopftuchverbotsdebatten", erklärt Mr Doorman entschieden.
Ich seufze.
"Wir sollten endlich tun, was wir schon seit Anfang Januar tun wollen." Mr Doorman klingt jetzt mehr als entschieden.
"Was?", frage ich. "In eine Höhle kriechen und einen Winterschlaf machen und hoffen, dass die Welt nicht mehr spinnt, wenn wir aufwachen?"
Mr Doorman legt den Kopf schief. "Das wäre auch eine Möglichkeit", sagt er. "Aber eigentlich hatten wir etwas ganz anderes vor."
Winterschlaf fällt also flach. Jo nu so dänn. Ich gucke Mr Doorman erwartungsvoll an.
"Wir installieren endlich den Plattenspieler!", ruft er.
"Au, ja!", rufe ich zurück. Denn: Wir haben Anfang Januar so ein Möbel gefunden, mit dem man Platten auf den PC überspielen kann. Fragen Sie mich jetzt aber nicht, wie das funktioniert - und schon gar nicht, ob das funktioniert. Ich sag's Ihnen dann, wenn ich es versucht habe.
"Dann lassen Sie uns mal die Gebrauchsanweisung suchen und beginnen", schlage ich vor.
Es wäre nicht nötig gewesen. Mr Doorman hat alles schon parat gelegt. Es kann losgehen. Wir halten Sie auf dem Laufenden.
"PLATTENSPIELER?", dröhnt es begeistert von der Treppe her. Onkel Vladimir kommt angestürmt, als ob es eine Zusatzladung Uran zu gewinnen gäbe. "ICH LIEBE PLATTENSPIELER."
Das habe ich fast befürchtet. Wir halten Sie trotzdem auf dem Laufenden.

Onkel Vladimirs neuste Geschäftsidee

Während wir so an unseren Drinks nippen (ich) und kippen (Onkel Vladmir) holt ihn schon die nächste Geschäftsidee ein.

"Mr Doorman hat doch mal eine Weile für die too big to fail Bank gearbeitet", sagt er.
Ich nicke.
"Und Katze Zappadong auch."
Ich nicke.
"Das bedeutet, sie haben Insiderwissen", fährt Onkel Vladmir fort.
Ich nicke.
"Guuuuuuuuuut", meint Onkel Vladimir. "Seeeehrrrrrrrr guuuuuuuut."
Ich weiss nicht, ob er den Drink mit den Ötztal Eiswürfeln meint oder die Tatsache, dass zwei Wesen aus dem Zappadong-Gebäude bei der too big to fail Bank gearbeitet haben.
"Wissen Sie, wie man eine Webseite macht?", will Onkel Vladimir nun wissen.
"Warum, wollen Sie jetzt auch bloggen?", frage ich.
"Um Himmels Willen. Nein."
Ich gucke ihn an und warte.
"Wir brauchen eine Verkaufsplattform. So wie D-Bay oder wie das heisst."
"Aha?"
"Ja. Und dort bieten wir alle Informationen den Meistbietenden an. Deutschland. Belgien. Den Österreichern. Den Schweden. Den Engländern. Den Franzosen."
"ähm, die Franzosen haben die Daten schon", bringe ich ihn auf den fast neusten Stand der Dinge.
"Macht nix", meint er. "Hat genügend andere, die zahlen werden. Zum Beispiel die USA."
"ähm", muss ich erneut intervenieren. "Die bezahlen nicht. Die fordern einfach."
"Aha", sagt Onkel Vladimir.
"Wie steht es mit den Russen?", will ich wissen.
Er bricht in schallendes Gelächter aus. "Die kennen ihre Daten, dazu brauchen sie keine Diskette."
Es dauert eine Weile, bis ich begreife, was er meint.
"Nun, dann wären da noch die Isländer", versuche ich es.
"Wozu?" Onkel Vladimir schaut mich fragend an. "Die haben nichts mehr. Die würden mit Geysir-Wasser bezahlen."
Auch wahr. Aber es gibt ja noch genügend andere Länder, nicht wahr? Ich glaube, die Idee von Onkel Vladmir ist nicht ohne.

Onkel Vladimir will sein Uran verscherbeln

Ausgeschlafen. Traumlos. Will heissen, ich habe weder von 2.5 Millionen Euro noch von Buspassagieren geträumt. Aber beim Aufwachen ist mir Onkel Vladimir eingefallen. Den habe ich nun eine halbe Stunde lang gesucht und nicht gefunden.

"Ist Onkel Vladmir abgereist?", frage ich Mr Doorman.
"Nein", antwortet er etwas verlegen, "der ist im Bügelzimmer."
BÜGELZIMMER? ONKEL VLADMIR???
Während ich die Treppen hochgehe, überlege ich mir, was in aller Welt Onkel Vladimir im Bügelzimmer tut.

"Was in aller Welt tun Sie denn im Bügelzimmer?", frage ich, als ich ihn dort tatsächlich antreffe.
"Bügeln."
"Bügeln? Sie?"
Er nickt. "Wegen gestern. Sie wissen schon. War leicht angesäuselt ..."
Ich erinnere mich. Alles halb so wild. Nur dass mein Eiszapfen jetzt halt Eiswürfel ist / sind.
"Kein Problem", antworte ich. "Schon vergessen."
Ein erleichtertes Grinsen zieht über Onkel Vladimirs Gesicht und legt eine Zahnlücke frei, die vor meiner Abreise ins Ötztal noch nicht da war.

"Wenn ich mir eine Bemerkung erlauben darf ...", beginnt er und ich fürchte einen Moment, einem Ausserirdischen in Gestalt von Onkel Vladmir gegenüberzustehen (unhöflich und ungehobelt ist er mir lieber), "aufregen lohnt sich nicht."
"Wie meinen Sie das?", frage ich.
"Na, ist doch ganz einfach", ruft er. "Es sind Deutsche, die diese Datengeschichte ausbaden müssen. Es sind Deutsche, die Nachsteuern bezahlen müssen. Es sind Deutsche, denen es an den Kragen geht. Es ist der deutsche Staat, von dem in Zukunft jeder Kriminelle Geld verlangen kann. Es sind Deutsche, die sich fragen müssen, ob sie nächstens auf einer CD landen, in welcher die Farbe der Unterhosen und die politische Gesinnung gespeichert sind. Es sind Deutsche, die sich überlegen müssen, welchen Schritt ihre Regierung als nächsten tut. Zum Beispiel Elena. Zum Beispiel automatischer Informationsaustausch. Zum Beispiel gläserner Bürger.

Onkel Vladimir macht eine kleine Pause, um sicher zu sein, dass ich ihm auch folgen kann. "Alles klar?", fragt er.
"Yap", antworte ich. "Die ganze Geschichte kann uns total egal sein. Und jetzt trinken wir einen."
"Aber sicher doch!", ruft Onkel Vladimir und wirft das Bügeleisen in die Ecke. "Und dann versuchen wir, unser Uran an die Deutschen zu verscherbeln." Schelmisch fügt er hinzu: "Solange sie noch in Kauflaune sind."

PS: Bevor wir Ihnen verraten, welche Farbe unsere Unterhosen haben und mit wem wir am Samstag ins Kino gegangen sind und wie viel auf unserem Sparkonto liegt, schliessen wir die Zappadong-Hütte.

Von Disketten und Buspassagieren

"Schön, dass Sie wieder da sind", sagt Mr Doorman.
"Ja", ergänzt Onkel Vladimir. "Kannst gleich die Hemden bügeln und hochprozentigen Nachschub holen."

Ich haue Onkel Vladimir mein Feriensouvenir um die Ohren - einen dicken, spitzen Eiszapfen aus dem Ötztal, den ich eigentlich am Stück ins Gefrierfach legen wollte, sozusagen als Ötziersatz. Nun, jetzt muss er halt als Eiswürfel für unsere Drinks herhalten.

"Ist eine ganze Menge passiert", beginnt mich Mr Doorman auf den neusten Stand der Dinge zu bringen.
"Will ich überhaupt wissen, was so gegangen ist?", frage ich.
"Nein", antwortet Mr Doorman.
"Doch", brummt Onkel Vladimir, der sich die Hand an die Nase hält. "Oder wollen Sie auf ein paar Millionen verzichten?"
"Millionen von was?", erkundige ich mich. "Falls Sie von Bakterien reden: Diese paar Millionen habe ich bereits kennengelernt, einzeln."
"Geld." Onkel Vladimir brummt immer noch.
"Geld?", frage ich.
"Sie haben doch überall so Sticks und Disketten herumliegen." Jetzt nuschelt er. Ich glaub, da ist ein Zahn rausgefallen.
"Habe ich."
"Die können Sie dem deutschen Staat verkaufen", nuschelt Onkel Vladimir.
"Ach ja?"
"Ja." Er beginnt, heftig zu nicken, hört aber sogleich wieder auf damit.
"Egal, was drauf ist?", will ich wissen.
"Nun, Sie müssten schon ein paar Kundendaten rausrücken."
"Tut mir leid", antworte ich. "Damit kann ich nicht dienen."
"Schade", meint Onkel Vladimir.
"Also kein Geld?", frage ich.
"Nein."
An dieser Stelle mischt sich Mr Doorman ins Gespräch. "Sie brauchen keine Diskette und keinen Stick. Sie können auch einen Bus entführen und damit drohen, die Passagiere ... na ja, Sie wissen schon." Er macht eine eindeutige Bewegung, die mir gar nicht gefällt.
Mir ist gar nichts mehr klar und so sage ich: "Warum sollte ich einen Bus entführen?"
"Einen deutschen Bus", präzisiert Mr Doorman. "Und dann sagen Sie, Sie wollen 2,5 Millionen Euro oder Sie ... na, Sie wissen schon."
"???"
"Es ist so: Die deutsche Regierung wird bezahlen."
"???"
"Weil: Die Leute werden ausrasten, wenn die Regierung für das Leben von ein paar Buspassagieren nicht bezahlt, hingegen für ein paar Zahlen auf einer Diskette schon."
Ich gestehe: Ich verstehe nur Bahnhof. Und darum gehe ich jetzt schlafen. Mögen die Buspassagiere sicher ankommen.