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Ich weiss jetzt ...

... warum die Finnen das mit der guten Musik total drauf haben. Das Stichwort heisst Nachwuchsförderung:

Es ist Zeit für einen Krankenkassenwechsel

Seit mehr als 20 Jahren ist Familie Zappadong bei der gleichen Krankenkasse. Das "Bodenpersonal" ist freundlich und kompetent, das System überzeugt. Aber jetzt ist Ende Beton. Fertig mit Kundentreue. Unsere Krankenkasse will jetzt nämlich fusionieren und dazu muss die Mitarbeiterstiftung aufgelöst werden, will heissen, die Mitarbeiteraktien müssen zurückgekauft werden.

Über Jahre konnten Verwaltungsratsmitglieder, Delegierte und Mitarbeiter Aktien zu einem willkürlich festgelegten Preis kaufen.
Zu einem Schnäppchenpreis von 28 bis 40 Franken konnten sich fortan alle Angestellten - und vor allem die Chefs - mit Aktien der KPT Versicherungen AG eindecken, die das Geschäft mit den Zusatzversicherungen betreibt. Den Ausgabepreis setzte die Krankenkasse selber fest: Ein externes Gutachten bei einer Bank oder einer Treuhandfirma holte der Krankenversicherer nicht ein." (Quelle: Tages Anzeiger, Printausgabe 30. Juni)
Nun - im Hinblick auf den Verkauf - liegt eine neutrale Bewertung der Aktie vor. CHF 600.00.

Aha. Denkt mein Denkapparat. So geht das also. Und nein, bei solchen Mauschlern will ich nicht versichert sein.

Heute, an der Bahnhofstrasse in Zappadong-Hausen

Zu Heute komme ich gleich. Ich muss bei Gestern beginnen. Weil es gestern anfing. Und zwar so: Eine meiner Missionen führte mich zum Schlüsselservice. Auf dem Weg dorthin befindet sich ein Stand, hinter dem einer Heftliabos verkauft. Kaum sah er mich kommen, rief er mir zu: "Eine Tierli-Zeitschrift für dich?" Ich sagte freundlich "Nein" und ging meines Weges. Dummerweise ist der Schlüsselservice an einem Montagmorgen geschlossen und ich musste geschätzte 60 Sekunden später wieder an dem Typen vorbei. "Eine Tierli-Zeitschrift für dich?", rief er. Diesmal antwortete ich nicht, wunderte mich aber über das seltsame Nichtvorhandensein von Menschenkenntnis. Denn: Das Letzte im Leben, das ich je kaufen würde, wäre eine "Tierli-Zeitschrift."

Heute versuchte ich es noch einmal beim Schlüsselservice. Der Typ stand immer noch da. Was er mir zurief, werden Sie bestimmt erraten. Ich habe mir gedacht, der gute Mann sieht so viele Leute jeden Tag, der kann sich einfach nicht an mich erinnern und sagte deshalb noch einmal freundlich "Nein, danke."

Es dauerte dann ein wenig länger beim Schlüsselservice, aber nicht lange genug, denn diesmal konnte der Typ sich an mich erinnern. Weshalb er rief: "Du, du willst bestimmt eine Tierli-Zeitschrift."

Ich blieb stehen, zog die Sonnenbrille auf die Nasenspitze und sagte: "Hör mal zu, du. Ich bin 49 und damit leicht zu alt, um einfach so mit einem Du angeredet zu werden."
"Ich bin Liechtensteiner", antwortete er. "Ich sage allen Du."
"Okay", sagte ich, denn Liechtensteiner sagen tatsächlich allen Du (wie gut sich das für einen macht, der Heftli verkaufen will, entzieht sich meiner Kenntnis). "Aber trotzdem. Ich will kein Tierli-Heftli. Und auch sonst keins."
"Warum?", wollte er wissen.
Ich gab ihm eine ehrliche Antwort: "Weil die alle Schrott sind."
Das scheint ihm ein wenig zu denken gegeben haben, denn er sagte ein paar Sekunden lang nichts. Ich nutzte die Gelegenheit und lief wacker von dannen.
"Was hast du den für Schrott-Heftli zuhause?", rief es hinter mir.
Ich stutzte. "Keine", sagte ich. Selbst erstaunt, dass ein Lesefreak wie ich so was nicht hat. Also wiederholte ich: "Keine. Sind eh alle Schrott."

Ungefähr 50 Meter weiter die Strasse runter fiel mir ein, dass ich gelogen hatte. Zappadongs HABEN eine Zeitschrift. Das Fernseh-Heftli. Ist totaler Schrott. Samt Fernseheprogramm. Könnte man eigentlich abbestellen.

None of my business

Darüber denke ich in den letzten Tagen nach. Weil mir André bei titus drüben gesagt hat, es sei "none of my business", ob ein Kind den Schwimmunterricht oder ein Schullager besucht. Und David hat es in einem Kommentar so formuliert:
Wer reines Gewissen hat, werfe den ersten Stein. Wer nicht, sollte davon wegkommen, mit dem Finger auf "Verantwortungslose" zu zeigen.
Nun, was mache ich denn, wenn ich einen kenne, der sein Kind misshandelt? None of my business? Oder weil kein Mensch ein reines Gewissen hat, halt nicht mit dem Finger auf ihn zeigen? Darf ich - weil es mich ja entweder nichts angeht oder ich halt wie alle nicht perfekt bin - nicht gegen das schreiben, was ich als Wunde in der Gesellschaft empfinde? Wo beginnt meine Verantwortung? Und wo hört sie auf? Was darf ich sagen und was nicht?

Update: Gerade bei Thinkabout gefunden. Ich habe so eine Ahnung, dass die beiden Beiträge irgendwie zusammengehören, obwohl sie auf den ersten Blick in total verschiedene Richtungen gehen. Fragen Sie mich jetzt nicht, warum. Es ist nur ein Gefühl.

Nach dem Zebrastreifen nun die Plauderstube und der Kennworthacker

Solche Sorgen möchte ich auch haben. Andererseits haben wir es bei einigen Begriffen wirklich übertrieben. Nun ja, viel Spass beim Entschlüsseln.

Update: Ein Nachgedanke. Ob die Berner Verwaltung wohl Freude am Kenntworthacker hat?  Wo man extra aus dem männlichen Fussgänger- einen sächlichen Zebrastreifen gemacht hat. Probleme, wohin das Auge reicht.

Schlammschlacht - ein Rückblick

Heute vor einer Woche fuhren Sohnemann und ich nach Jonschwil. Und kehrten weit vor dem Eingang wieder um. Zum Glück.

Think about it!

Das hat kürzlich jemand in einem Kommentar geschrieben. Nun, gestern sass ich draussen, in meinem Garten, guckte in die Berge und dachte nach. Über das Verhalten von denen da oben und denen da unten.

Nehmen wir bei denen da oben mal einen von der Sorte Abzocker, einen aus dem Investmentbereich (A).
Und bei denen da unten - aus aktuellem Anlass - einen Vertreter der Fussballfans. Wobei ich nicht sicher bin, dass Fan in diesem Zusammenhang das richtige Wort ist. Vielleicht wäre Fussballrowdie das angemessenere Wort. (F)

A ist es egal, wenn er die Wirtschaft an den Rand des Kollapses fährt und der Staat unterstützend eingreifen muss. Hauptsache, die Kohle stimmt.
F ist es egal, wenn er öffentliche Verkehrsmittel demoliert und der Staat dann die Reperatur bezahlen muss. Hauptsache, es macht Spass.

A hat - rein rechtlich - gegen keinen Paragrafen verstossen. Er darf sich auf "Managementfehler" hinausreden.
F hat zwar seine Pyroutensilien dabei, verstösst aber - solange er das Zeug nicht abfackelt - gegen kein Gesetz. Dass er es dann anonym und / oder vermummt trotzdem tut, ist der Kick an der Sache.

A ist einer unter vielen. Andere machen das auch. Und wenn er es nicht macht, macht's halt ein anderer.
F ist einer unter vielen. Andere machen das auch. Und wenn er es nicht macht, macht's halt ein anderer.

A sieht nicht ein, weshalb er Verantwortung tragen sollte.
F sieht nicht ein, weshalb er Verantwortung tragen sollte.

A bereichert sich auf Kosten anderer.
F amüsiert sich auf Kosten anderer.

A ist in seinen Augen wohl ein Sibasiach
F ist in seinen Augen wohl ein Sibasiach.

A.
F.

Oben und unten. Unten und oben. Oben und oben. Unten und unten. Think about it!

Die bösen Hardliner haben verloren

Die netten, unbescholtenen Jungs und Männer, die ihr Leuchtfackelzeug nur aus praktischen Gründen im Genitalbereich versteckt ins Fussballstadion tragen wollten (war halt grad keine Hand frei und das Handtäschchen zu Hause vergessen gegangen), trafen auf böse, böse Polizisten, die OHNE VORANKÜNDIGUNG (welche Frechheit!!!) die Eingangskontrollen verschärft hatten. Die waren dann nicht nur böse, sondern auch unverschämt genug, den ganzen Körper abzutasten und das - ehrlich, wirklich nur aus praktischen Gründen im Genitalbereich untergebrachte - Pyrozeug zu finden. Ausserdem: Die harmlosen Feuerwerkskörper wurden nur ins Stadium mitgenommen, damit sie nicht alleine daheim bleiben mussten. Abfackeln wollte man sie selbstverständlich nicht. Neiiiiiin. Ehrlich. Aber die bösen Hardliner sahen das anders und leiteten ein Strafverfahren ein - und sind mit dieser Sichtweise voll auf die Nase gefallen. Weshalb alles ganz legal war. Und sich die Anwältin jetzt in der WOZ freuen darf.

Ich bin zu alt, so was zu verstehen. Hätte die WOZ heute nicht noch andere, wirklich gute Artikel auf Lager gehabt, ich hätte ihr die Liebe und das Abo gekündigt. Vielleicht schreiben die WOZ-Journalisten ja für so alte Hardlinerfrauen wie mich mal einen Artikel, in dem sie mir erklären, wie sie der Gewalt in und um den Fussball Einhalt gebieten würden.

Pflichtlektüre für Parlamentarier und Parlamentarierinnen

HIER. Statt wie aufgeregte Hühner herumzulibyern herumzugackern.

Einblicke

Einen interessanten Einblick in das Leben einer Muslima in der Schweiz finden Sie hier. Was mir besonders gefällt: Der Fragende (titus von der Augenreiberei) wertet nicht, sondern hört zu.
Nachtrag: Ich weiss nicht, ob ich das so ruhig gekonnt hätte. Viele der Antworten verlangen geradezu nach Widerspruch oder Widerlegung.

Die Schule ist auch nicht mehr, was sie mal war

Kürzlich, da sassen wir in einer Gruppe zusammen und fragten uns, wo das mit den ganzen Baustellen im Bildungswesen noch hinführen solle. Wir sprachen dabei von den Kindern, den Jugendlichen und den Lehrkräften; von Reformen, die auf ihrem Buckel durchgeführt werden und über deren Sinn und Unsinn man vielleicht einmal diskutieren müsste. Und in dieser Diskussion vor allem endlich den Lehrkräften zuhören sollte, die viele dieser auf Papier gut klingenden Reformen umsetzen sollen und dabei an ihre Grenzen stossen. Weil vieles zwar gut gemeint ist, aber nur mit viel höherem finanziellen und personellem Aufwand bewältigt werden könnte. Und weil vieles zwar gut gemeint ist, leider aber nie zu Ende gedacht wurde.

Zum Beispiel: Man schult die Kinder immer früher ein. Mit dem Resultat, dass die jüngsten Jugendlichen die obligatorische Schulzeit im Alter von genau 15 Jahren hinter sich haben. Wenn man nun bedenkt, dass man sich heute ein Jahr vor Schulabschluss um eine Lehrstelle bewerben muss und vorher ja auch noch Zeit braucht, sich zu überlegen, was man denn im Leben will, dann kommt man zum Schluss, dass ein Kind mit 13 oder spätestens mit 14 Jahren wissen muss, was denn dereinst aus ihm werden soll. Damit sind viele Jugendliche überfordert, weil der Entscheid zu früh kommt. Wenn sie nun nicht das Potential haben, eine Aufnahmeprüfung an eine weiterführende Schule zu bestehen, sind sie auf Gedeih und Verderben dem ziemlich uneinheitlichen System der Brückenangebote ausgeliefert. Und da ist dann oft nach einem Jahr fertig. Sprich: Man schult früher ein und spuckt die Jugendlichen dann mit 15 in eine Welt, der sie oft nicht gewachsen sind. Nicht, weil sie nicht wollen, sondern weil sie noch zu jung sind.

Zum Beispiel: Der ganze Integrationsgedanke ist gut, scheitert aber grandios an den Finanzen und dem fehlenden Personal. Mit dem Resultat, dass es Kinder und Jugendliche gibt, die in speziellen Klassen eine optimale Förderung erhielten, nun aber in regulären Klassen mehr oder weniger gehütet werden und vom Unterricht nicht profitieren, weil er über ihre Köpfe hinweggeht.

Dass jeder und jede (auch Frau Zappadong) zur Schule eine Meinung hat und praktisch jeder und jede sie auch verkündet, macht die ganze Sache nicht einfacher. Und nun hat auch der Wirtschaftsverband Economiesuisse seine Ansicht zur Volksschule kundgetan und dabei gleich eine Mängel- und Wunschliste abgeliefert.

Der Fokus soll also auf den Kernkompetenzen liegen, die da wären: Deutsch und Mathematik. Das finde ich eine gar nicht so üble Idee. Nur hat man in den letzten Jahren - nicht zuletzt auf Wunsch der Wirtschaft - andere Fächer prominent in den Lehrplan aufgenommen. Diese wieder rauszuwerfen dürfte schwierig sein, oder auf Kosten von Fächern gehen, die in den Augen der Wirtschaft "nicht so wichtig" sind.

Im ganzen Bildungswesen öffnen die Forderungen von Economiesuisse nur eine weitere Baustelle. Um auf die anfangs erwähnte Diskussion zurückzukommen: Ich bin nicht sicher, ob ich im heutigen System noch Lehrkraft sein möchte. Und deshalb bringt es für mich der Kommentar von Antonio Cortesi im heutigen Tagi für mich am Ende auf den Punkt:
Letztlich funktioniert eine Schule nur mit guten Pädagogen. Zum virulenten Thema Lehrermangel gibt es von Economiesuisse aber keine Rezepte. Wie wäre es, wenn sich die Wirtschaft für höhere Löhne und bessere Anstellungsbedingungen einsetzen würde?

It's a man's world

Also. Ich habe mir gestern die Bilder der Meistverdienenden nicht angeschaut. Dazu war mir dann meine Zeit echt zu schade. Heute Morgen, beim Besuch bei Lupe, erlebte ich dann so etwas wie ... hmmm ... nein, keinen Aha-Effekt. Ich weiss eigentlich gar nicht recht, was es war. Vielleicht einen Na-das-ist-ja-wieder-mal-typisch-Effekt. Und ehrlich gesagt, ich war - in meiner Funktion als weibliches Wesen - schon fast ein bisschen erleichtert.

Ich gehe jetzt das Klo putzen. Weil. Jemand muss das ja tun. Selbst in der Bank von 1812-mal-so-viel-wie-die-Putzfrau-Brady. Ich glaube nicht, dass sich der Kunde als König fühlen würde an einem versifften stillen Örtchen. Und auch Mr D. wäre wahrscheinlich not amused, wenn das Kabäuschen unstandesgemäss riechen würde. Gestern Abend übrigens, da habe ich mir vorgestellt, was wäre, wenn die Putzfrauen der Welt alle gleichzeitig eine Woche lang streiken würden.

UPDATE: Nachdem ich mich zum obigen Thema in einem Kommentar bei Relax nudelfertig und annähernd reif für die Klapse (infolge Depression) geschrieben habe (ich fürchte, der Kommentar liest sich auch so), empfehle ich als konstruktiven Beitrag zu der Bonus-Geschichte den heutigen Blogeintrag bei Thinkabout. Was ich davon halte, muss ich mir überlegen, wenn mein Verstand mich wieder hat (ja, das Thema geht mir gewaltig an die Nieren), aber ich denke,  es könnte eine gute, spannende Diskussion werden.

Und dann finde ich noch ...

... Sie sollten unbedingt das da lesen.

Die weit offene Lohnschere

Die Lohnschere - also das Verhältnis zwischen dem Durchschnittslohn auf der Teppichetage und jenem auf der untersten Gehaltsstufe der Unternehmen - vergrösserte sich (2009 Anm. Zappadong) um 18 Prozent. Seit 2002 hat sich die Lohnschere gar um 70 Prozent geöffnet.
Den Rest finden Sie hier. Und kommen Sie mir jetzt nicht mit "Neiddebatte". Das wäre allzu verniedlichend - und eine Beleidigung für jene, die tagtäglich für einen durchschnittlichen Arbeiterlohn malochen. Zum Beispiel die Bauarbeiter auf der Baustelle neben dem Zappadong-Gebäude, denen es seit Wochen auf den Pelz regnet, und die trotzdem jeden Morgen um 6.20 Uhr auf der Arbeit erscheinen.

Blogartikel des Tages

Ein paar Gedanken zum Sonntag über nützliche und unnützliche Menschen. Hier.

Zitat des Tages

Auch aus Steinen, die in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen.
Johann Wolfgang von Goethe

Nach den Rauchern die Verfressenen

Jetzt hat's mich auch erwischt. Indirekt. Die EU denkt darüber nach, die Werbung für "ungesunde" Lebensmittel einzuschränken. Zum Beispiel für Nutella. HA! Auf diese Nachricht haue ich doch glatt den Löffel bis zum Anschlag ins Glas, stopf mir das klebrige Zeugs rein und spucks mitten in den unsympathischen Mund der unsympathischen Dame, die mir dieses ABSOLUT unsympathische "Verdauung gut - alles gut" Produkt verklickern will. Da wird man zwar vom Werbespot alleine schon krank - aber Hauptsache, das Produkt ist "gesund." En Guata.

Ich will zur Armee

Weil. Dann darf ich die Waffe mit nach Hause nehmen. Zwar ohne Munition, aber mal ehrlich, das ist das kleinste Problem. Aber ein Problem habe ich trotzdem. Wenn die Killerspiele erst einmal verboten sind, dann habe ich vielleicht gar keine Lust mehr darauf, würggli einmal so richtig zu schiessen.

Und jetzt mal einen Zacken ernsthafter ...

... ähm, sorry, geht nicht. Bei diesem Thema hüpft mich der Zynismus von hinten an, hält mir die Knarre ins Genick und lässt mich Sachen tippen, die eine wohlerzogene Dame niemals tippen würde. Bevor ich jetzt die Schwimmweste anziehe und im Schlauchboot in Richtung Jonschwil paddle, wo mich der Lärm taub machen und der Regen ersäufen wird, noch ein paar letzte Worte: Killerspiele verbieten ist einfach. Da kann man ausser ein paar Zockern und Jugendliche niemanden vergraueln. Bei der Waffenlobby und den senkrechten Schweizern ist das ein bisschen schwieriger. Ich glaub, am End wähle ich dann tatsächlich doch die Jusos.

UPDATE: Sind wieder da, Sohnemann und ich. Es gibt eine Schmerzgrenze. Bei uns liegt die bei flächendeckend 20 cm hohem Pfluderschlamm schon beim Anstehen. Wenn einem dann noch vor Dreck starrende Hartgesottene geschlagen entgegentaumeln, ist es sinnvoll, die weisse Fahne zu hissen und den Rückzug anzutreten. Mit Wehmut in der Brust. Aber trotzdem. GRMPF!

Ja, ich trete der SP bei

Zugegeben. Das ist mal wieder ein sehr reisserischer Titel (Hand auf's Herz: Habe ich Sie erwischt?). Ich trete der SP nämlich nicht bei. Ich war da mal ... und seit ich weg bin, bin ich politsch heimatlos; ich weiss ja nicht einmal mehr, welche Partei ich überhaupt noch wählen sollte, geschweige, welcher ich den beitreten würde, falls überhaupt.

Warum ich Sie dann so geleimt habe mit dem Titel?

Weil ich den Schachzug der SP einfach genial finde. Auch wenn es ein Weilchen gedauert hat, bis sie drauf gekommen ist. Der Schachzug geht so: Die SP lanciert eine Petition, in der sie die Einführung einer Boni-Steuer und die Erarbeitung schärferer gesetzlicher Bestimmungen für Banken fordert. Von den Ratsdebatten ermüdete, enttäuschte und empörte Schweizerinnen und Schweizer unterschreiben im Sekundentakt (ich übrigens auch). Und dann, nach ungefähr 6000 Unterschriften kommt irgendeiner aus der Zentrale auf die Idee, unter den Satz

Ja, ich unterschreibe die Petition.

Den Satz

Ja, ich trete der SP bei.

zu stellen (samt Link). Irgendwie fast schade, dass es rund 6000 Unterschriften lang gedauert hat ... Auch wenn ich trotzdem nicht beitrete. Was mir gefällt: Wenn man dem Link folgt, springt einem der Slogan:  "Etwas bewegen. Ja." an. Könnte mir vorstellen, dass eine ganze Menge Leute in diesem Land genau dieses Bedürfnis hat. Und es würde mich interessieren, wie viele dem Link folgen und sich als Mitglied registrieren.

I won't put my hands up and surrender!

Nein! There will be no white flag above my door. (Ja, "dido", für die, die sich gerade fragen). Mich gurkt das alles zu sehr an. Und darum kommt mir die Petition der SP genau richtig.
Auch zwei Jahre nach Ausbruch der Grossbanken-Krise stellt sich die bürgerliche Mehrheit im Parlament konsequent gegen griffige Massnahmen für die Banken. Und die bürgerliche Allianz weigert sich sogar, die genauen Ursachen der Krise aufzuklären und die Schuldigen zu benennen. Und dies, obwohl die Grossbanken-Krise uns Zehntausende Arbeitsplätze und unzählige Steuermilliarden gekostet hat.

Auch die Banken haben aus den Ereignissen nichts gelernt: UBS und CS sind heute bereits wieder im grossen Stil im hochriskanten Investment-Banking tätig. Und beide schütten wie eh und je Boni in Milliardenhöhe aus. Und die Politik schaut zu.
  • Die Einführung einer Bonisteuer für Vergütungen über 1 Million Franken.
  • Die Erarbeitung schärferer gesetzlicher Bestimmungen für systemrelevante Banken bezüglich Eigenmittel und Aufsicht.
Ihre Unterschrift können Sie hier deponieren

The arrogance we carry 'round with us

Soll dann keiner kommen ...

... nächstes Mal, wenn wieder irgend ein too big to fail Vehikel irgendwo an die Wand fährt und uns mit in den Abgrund reisst, das nächste Mal vielleicht definitv und unwiderruflich, und jammern, man habe es nicht kommen sehen und überhaupt und da kann man nichts machen und so, ist halt das Leben, zu kompliziert für unsereinen, und wir dachten, die wissen schon, was sie tun, nach all dem Elend letztes Mal, ausserdem gab es da diese 370 Seiten, und die redeten von Expertenkommissionen, was können wir dafür, wenn die lieber versprechen als handeln, und wir haben doch nach bestem Wissen und Gewissen, nein, nein, keine Lobbyarbeit, nichts mit einseifen und so, aufrechte Bürger, also gell, Demokratie ... blupp ...

I Not Robot - I Farmer

Herr Zappadong und ich sind so was wie Kleinbauern geworden. Freiwillig. Mit Absicht. Zum Haus in den Bergen gehört Wald und Landwirtschaftsland (plus ein richtiger Bach mitten durchs Grundstück).

Wald und Landwirtschaftsland erinnern an einen botanischen Garten. Einen, der dem Vorbesitzer aus dem Ruder gelaufen, oder etwas passender gesagt, wild gewachsen ist (streckenweise sehr wild). Weshalb ich dieses Wochenende mit einem Stachelbeerbaum gekämpft habe. Wir haben uns nichts geschenkt. Ich habe an ihm rumgesägt, er hat mir die Arme zerkratzt und mir sein Gift unter meine Haut gespritzt. Wusste gar nicht, dass Stachelbeerbäume so fies sein können. Auf jeden Fall warf die Haut dann Blasen, die zu einem einzigen Kissen anschwollen (faszinierender Anblick!). Zum Glück bildete sich das Ganze ziemlich schnell zurück.

Den Kampf mit dem Stachelbeerbaum hinter mir, wagte ich mich an die Brombeeren. Die wachsen zu ungefähr 5 Prozent dort, wo sie sollten (mussten aber noch hochgebunden werden) - und zu 95 Prozent auch anderswo, zum Beispiel um den Apfelbaum, der stumm um Hilfe rief. Bevor er in den Ranken erstickte, habe ich ihn befreit. Dummerweise kratzen auch Brombeersträuche. Ab Daumendicke stechen sie auch richtig gemein.

Von den Brennesseln reden wir jetzt nicht. Die habe ich übrigens stehen lassen. Wegen der Schmetterlinge. Und Sie sollten man die Schneckenkolonien auf den Komposthäufen sehen.

Ach ja, die Romanfiguren tun immer noch, was sie wollen. Immerhin in der Rahmenhandlung, die ich für sie erfunden habe. Aber nur knapp. Und die WM? Die geht mir am Hut vorbei. Grüsse an dieser Stelle an Titus.

Gefährliches Zeugs

Alter Ego geht ihre fiktiven Figuren einsammeln. Die machen nämlich gerade, was sie wollen. Zum Teil richtig gefährliches Zeugs. So ähnlich wie Mr Doorman. Der hat mich gestern angerufen. Er will den K2 besteigen. Keine Ahnung, warum. Sagt, Onkel Vladimir bezahlt für die Expedition. Na dann ...

Ihnen allen ein schönes - nicht allzu gefährliches - Wochenende. Und einen Gruss von Mr Doorman.

Wo der Amtsschimmel sehr laut - und mit Ausrufezeichen - wiehert

Schneller als erwartet nimmt die Geschichte mit dem Land im Süden ihren Fortgang. Nein, nein, wo denken Sie hin! Das Geld habe ich immer noch nicht. Das kommt irgendwann nach dem 3. Juli. Zur Erinnerung: Für Lesungen am 24. Februar. (Immerhin 2010 - es könnte also noch schlimmer sein.)

Folgende Mail trudelte vor ca. einer Stunde bei mir ein.
 Ich beziehe mich auf unsere Beauftragung vom 22.02.2010 Prot. Nr. 248021 (allgemeine Bedingungen) voraus hervorgeht, dass die Landesverwaltung innerhalb von 60 Tagen, nach Erhalt einer ordnungsgemässen Rechnung, die Zahlung vornehmen muss."
Zur ordnungsgemässen Rechnung muss gesagt werden, dass ich meiner Rechnung, wie von der Veranstalterin verlangt, folgendes beilegte:

a) eine amtliche Bestätigung, dass ich sämtliche Einkünfte aus anderen Ländern vollumfänglich in der Schweiz versteuere (erneuerbar alle 3 Jahre)
b) eine amtliche Bestätigung, dass ich in der Schweiz offiziell als selbständig Erwerbende arbeite und als solche auch meine Sozialbeiträge bezahle.

Dermassen ausgerüstet fuhr ich in das Land im Süden und überreichte jedem einzelnen Veranstalter Kopien all meiner Bestätigungen. Zwei der drei Veranstalter haben danach ziemlich pünktlich und vor allem anstandslos bezahlt. Der Hauptveranstalter aber informierte mich gegen Ende April - auf meine Anfrage hin, wo denn das Honorar bleibe - , dass meine Rechnung nicht ordnungsgemäss sei  und schickte weitere Formulare, die ich von der Wohngemeinde abstempeln lassen und zurück in das Land im Süden schicken musste. Zudem beschied man mir, dass ich die Hotelübernachtungen nun erst einmal selber bezahlen und den Beleg als Spesen einreichen müsse. Nun, wenn ich Geld sehen wollte, bleib mir keine andere Wahl als das zu tun, was von mir verlangt wurde. Also tat ich es. Umgehend. Wollte ja irgendwann die Kohle sehen, die mir zustand.

Sie - die Kohle - ist trotzdem nicht eingetrudelt. Das hat seinen Grund:
Ihre Honorarnote vom 26.04.2010 über xxx Euro ist am 03.05.2010 bei uns eingegangen und somit ist die Zahlung am 03.07.2010 fällig.
Dies zu Ihrer Kenntnisnahme!
Was mich an der Mail fertigmacht ist der letzte Satz. Und speziell auch für Bobby California, den Sprachsachverständigen unter uns: Sehen Sie das Ausrufezeichen hinter dem letzten Wort? Sie können mir widersprechen, aber so, wie ich das interpretiere, bedeutet dieses Ausrufezeichen: "Alles Ihr Fehler, Sie dumme Frau. Halten Sie jetzt also endlich die Klappe." Oder so ähnlich.

Nun, ich habe gepfeffert zurückgeschrieben. Von wegen Amtsschimmel und unhöflich und so. Ebenfalls mit Ausrufezeichen. Was nichts daran ändern wird, dass das Geld wohl erst irgendwann im Juli auf dem Konto eintrudeln wird. Falls überhaupt. Zum Glück geht auch Herr Zappadong arbeiten und trägt zum Haushaltseinkommen bei. Andernfalls könnte man in meinem Beruf manchmal schon fast verzweifeln (oder verhungern, je nachdem, wie sehr man auf die Einnahmen aus seinem Beruf angewiesen ist).

Finanzielles

Es geht heute nicht um die ganz grossen Geschäfte, um keine Monstermaschinen an der Börse, die innert Sekundenbruchteilen kaufen und verkaufen und sich im Notfall nicht einmal abstellen lassen. Es geht auch nicht um die Steuer-CDs, von denen mal wieder eine gekauft worden ist und zur Abwechslung die andere unserer too big to fail Bank in Bedrängnis bringen könnte. Es geht schon gar nicht um Bonis oder immer abstrusere Parlamentsdebatten um Staatsverträge.

Nein. Es geht um die ureigenen finanziellen Verwicklungen von Frau Zappadong, resp. ihres Alter Egos, die sich zwar um viel kleinere Summen drehen, aber fast so kompliziert sind.

Für jene unter Ihnen mit einem Elefantengedächtnis: Es geht um das fremde Land im Süden, in dem Alter Ego Anfang Februar gelesen hat, im April dann in dessen Steuerdschungel geriet und seither auf die versprochene Überweisung wartet. Zitat: "Wir haben die Überweisung Ihrer Zahlung veranlasst." Nun, ein "veranlasst" in diesem südlichen Land heisst noch lange nichts. Das Honorar samt selbst übernommener Spesen liegt noch immer irgendwo in diesem südlichen Land, das mit einem I anfängt und einem N aufhört. Vielleicht können Sie sich vorstellen, dass sich der Ton unserer Korrespondenz mit besagtem Amt verschärft hat.

Und dann gab es da diese Woche auch noch eine Antwort der Schweizerischen Versicherungsanstalt auf eine Anfrage, weshalb denn das Einkommen von Alter Ego aus selbständiger Erwerbstätigkeit plötzlich - mitten im Jahr - um 25 % hochgeschraubt wurde (nennt sich Nachtragsverfügung) und damit die Prämien einen Schub nach oben erlebten. Also wollte Herr Zappadong (der Finanzminister in unserem Haushalt) wissen, wie sich die Summe dieser Nachtragsverfügung zusammensetzt. Er fragte per Mail, die Antwort kam per B-Post (wortwörtlich):
Für die Erhebung der Persönlichen Beiträge ist das Reineinkommen aus der Selbständigen Tätigkeit massgebend. Aufzurechnende persönliche Beiträge sind unsere verfügten Beiträge in diesem Jahr. Sie können bezahlten AHV-Beiträge bei den Steuern in Abzug bringen. Da für die Berechnung des Beitragspflichtigen Einkommens das Bruttoeinkommen gilt, müssen diese Beiträge wieder aufgerechnet werden.
Nun, ich bin zu blöd, um so was zu kapieren. Ich glaube, Herr Zappadong hat verstanden, was die meinen, beharrte aber auf konkreten Zahlen, weil er keine Ahnung hatte, wie die SVA auf den Betrag der Nachtragsverfügung gekommen waren. Und siehe da. Zwei Mails und zwei Telefonate später trudelte per Mail das Gefragte ein. Um es kurz zu machen: Der Betrag stimmt. Zusammensetzen tut er sich aus zusätzlichen Zahlungen für 2007 und 2008 (ähm, nein, wir haben nichts falsch oder zu spät deklariert, war alles total so, wie es sein sollte), plus jenen aus 2009.

Jetzt müssen nur noch die Leute aus dem Land im Süden bezahlen ...

Amen.

Das liest Frau Zappadong

Weil heute schönes Wetter ist / wird.
Weil heute ein guter Tag zum Lesen ist.
Weil ich mich grad gruusig geärgert habe über einen, der mir unterstellt, ich gebe nur vor, die Sprache zu lieben.

Hier drei Buchanfänge, die mich begeistern:

Allen voran der Einstieg zu "Killing God" - den besten Buchanfang, den ich je gelesen habe. Der Rest des Buches ist übrigens ebenfalls bedrückend und verstörend genial.

Dann den Anfang von "Landeplatz der Engel". Wer so in ein Buch einsteigt wie Frank M. Reifenberg, der hat mein (Sprach)Herz erobert.

Und kürzlich, kürzlich, da hat mir ein Autorenkollege den Tag gerettet mit seinem Buchanfang  von "Ihr mich auch" - und danach die Woche mit dem Rest des Buches :-)

Alle drei Bücher sind Jugendbücher. Alle drei Bücher sollten eigentlich auch in der "Erwachsenenabteilung" stehen. Weil sie das leider, leider nicht tun, empfehle ich Ihnen ab und zu einen Abstecher in die Jugendbuchabteilung. Es gibt dort wahre Perlen zu finden.

UPDATE (weil vor lauter Sprachärger fast vergessen): Und das hört Frau Zappadong. Gestern Abend live in Dornbirn.

Nein, danke, ich will nicht geschützt werden

(Vorsicht, zu lange geratene Einleitung. Eilige können gleich zum nächsten Abschnitt hüpfen) Da komme ich zurück aus den Bergen, und zwar jenen, in denen den Einheimischen die Touristen irgendwie am Arsch vorbeigehen (wie sonst soll ich die mehrheitlich geschlossenen Beizen interpretieren), die Landschaft dafür wunderschön ist. Und eigentlich wollte ich ja an den Arsch der Welt. Also alles in Ordnung. Solange noch in jedem Dorf mehr als ein (Dorf)Brunnen steht, werde ich nicht verdursten, auch wenn die Beizen zu sind.

Aber ... ich wollte Ihnen eigentlich etwas anderes erzählen. Also: Ich komme zurück aus den Bergen und stelle fest, dass mich die Leute in der Berner Verwaltung schützen wollen. Nicht etwa, weil ich etwas Besonderes wäre oder etwas Besonderes geleistet hätte. Nein, einfach, weil ich eine Frau bin. Ist das nicht herzig? Als ob ich einem Deppen nicht selber mein Handtäschchen (oder den Rucksack) um den Grind hauen könnte, sollte es denn nötig werden.

Nun denn, so bin ich in Zukunft nicht mehr Mütterchen Zappadong, sondern das Elter Zappadong. Ich hör meinen Nachwuchs schon durchs Haus Brüllen: "Elter, Elter, wann gibt's was zu essen?" Weil ein Fussgängerstreifen nur von Männern überquert werden darf (der Fussgänger!!!), halte ich mich in Zukunft an den Zebrastreifen. Und wenn ich nun die Sprache meines Bergtals lernen will (um zu fragen, warum alle Beizen geschlossen sind), dann muss ich einen Einstiegskurs besuchen und nicht mehr einen Anfängerkurs.

So, ich steige hier dann mal aus. Greif mir mein Handtäschchen und suche das Verfasser von das Sprachleitfaden.

(gefunden bei Bugsierer)

Umleitung - Sind Boykotte sinnvoll?

Titus von der Augenreiberei hat ein Thema aufgegriffen, das mich immer wieder umtreibt. Ich leite Sie daher in seine Bloghütte um, wo er sich über Boykotte Gedanken macht.

PU(MU)K(EL)

Pumukel ist lustig.
Darbellay auch.

Darum sagt er so witzige Sachen wie
Die UBS soll auch die Empfehlung umsetzen, wonach sie ihre Untersuchungen zu den bankinternen Verantwortlichkeiten offenlege. (Quelle: Tagi Online)
Macht die UBS bestimmt. Ja, ja, ganz sicher. Und da steht dann absolut ehrlich die Wahrheit drin.

Man kann gegen eine PUK sein. Aber dann sollte man bessere als "Forderung" getarnte Bitten haben.

Zeitenwechsel oder Trotzdem

Israel. Ich verstehe dieses Land nicht. Ich kann nicht sagen, dass ich die Menschen nicht verstehe, die in diesem Land leben, denn wie in jedem Land gibt es in Israel Menschen verschiedenster Meinungen und Lebenseinstellungen. Es wäre unfähr, sie alle einer Sippenhaft zu unterziehen (ich bin ja auch keine SVP-lerin, obwohl Zappadong-Hausen in SVP-Stammlanden liegt).

Was ich weiss: Dieser Staat macht mich wütend. Seit Jahren. Oder besser: Die Regierung dieses Staats macht mich seit Jahren wütend. So wütend, dass ich schon lange keine Produkte mehr aus Israel kaufe; genauso, wie ich damals, zu Zeiten der Apartheit, keine Produkte aus Südafrika gekauft habe. Wenn ich mir das so überlege, habe ich eine ziemliche Liste an Ländern, denen ich nichts abkaufe.

(Zwischenbemerkung: Über Sinn und Unsinn solcher Boykotte sollte man bei Gelegenheit mal nachdenken; sie treffen nämlich Menschen. Menschen, denen man damit unter Umständen ihre Existenzgrundlage entzieht.)

Zurück zu Israel: So wütend wie jetzt war ich noch nie. Und ich frage mich, ob diese Aktion der eine Schritt zu viel gewesen ist. Der eine Schritt zu weit über eine sowieso schon sehr weit ins Ungerechte gedrückte Linie. Was kommen wird? Keine Ahnung, aber das Wort Hoffnung hat es schwer in diesen furchtbar verfahrenen Zeiten.

Trotzdem:

Gestern hatte ich Besuch eines guten alten Freundes. Überraschend, nach mehr als einem Jahr Funkstille, was vor allem an mir lag, denn: Noch vor zwei Jahren erzählte mir dieser Freund, 2012 werde kein Stein mehr auf dem anderen stehen, ja, die Welt, wie wir sie kennen, werde Vergangenheit sein. Er war zum Eiferer geworden, der mir Angst machte mit seinen Weltuntergangs- und Verschwörungstheorien. Nun, gestern sah mein Freund sehr entspannt aus. Redete von Optimismus und positiver Energie. Vom Zeitenwechsel, der im Gang ist. Von Menschen, die sich ändern. Seinen geradezu verbissenen Kampf gegen all das Böse der Welt hat er aufgegeben. Er sagt, das blockiere nur. Er habe der Welt gesagt, was er der Welt zu sagen hatte. Ob sie es glauben will oder nicht, liegt nun an ihr (resp. den Menschen, die in ihr leben). Er will nicht mehr gegen, sondern für sein. Nicht mehr gegen Windmühlen kämpfen, sondern das positive Beispiel vorleben. Zum ersten Mal seit Jahren ging von ihm wieder diese Kraft aus, für die ich ihn immer sehr gemocht habe. Er war ansteckend. Zurück liess er die Gewissheit, dass es an jedem Einzelnen liegt. Was wir mit dieser Gewissheit anfangen, liegt an uns.

In Zeiten wie diesen ...

... wo ein GPK-Bericht einem die Haare aufstellen könnte, wenn man nicht alles irgendwie so vermutet hätte, und selbst dann noch ...

... in denen Hilfskonvois mit unvorstellerbarer Gewalt angegriffen werden, auf internationalen Gewässern, von einer extrem starken Armee, die sich dann mit einem "aber die haben uns mit Messern angegriffen" rechtfertigt ...

... ja, in Zeiten wie diesen braucht auch eine Frau Zappadong ihre Ration Brot und Spiele.

Weshalb sie mal wieder eine halbe Stunde mit Sohn Zappadong am PC verbrachte und seine Fundstücke anguckte. Zum Beispiel ist da ein Alex, der die Serie "Lost" in drei Minuten so erklärt, dass alles klar ist - und man sich das Gucken der Serie sparen kann. Dieser Alex hat sich auch geopfert, das Buch "Twilight" zu lesen und die einzelnen Kapitel kurz zusammenzufassen. Und dabei - nicht zuletzt wegen des Wortes "handsomer" - schon mal zum Schluss kommt: "Can't believe this is published." Hier seine Zusammenfassung von Kapitel 3&4 - mit einem herrlichen persönlichen Werbespot am Anfang.



Nach dieser halben Stunde Erholungsaufenthalt dachte ich, ich sei gerüstet fürs Leben in freier Wildbahn. Das war, bevor mir heute Morgen das Wort Landesverrat im Zusammenhang mit dem GPK Bericht aus der Zeitung entgegenhüpfte.