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The Boss ... oder: Demokratie war gestern ... oder: so blöd sind wir nicht - oder doch?

Ziemlich entlarvend, das hier (Video gucken).
Da würde mich jetzt natürlich interessieren, wie ernst dem Herrn Chef seinen Vertrag mit dem Volch nimmt. Und am Schluss noch ein wenig total unfreiwillige Realsatire (ab 1:55, Frage an Freysinger).

A propos Bahnfahren ...

Mr Doorman und ich hätten da noch was für die Hardcore-Realsatiriker unter Ihnen:

"Am gravierendsten ist der Ausfall des bisherigen Nachtzugs um 7.10 Uhr ab Buchs, der viele Pendler umsteigefrei und mit einzigem Halt in Sargans nach Zürich brachte. Ursache ist die neue Fahrplanlage der beiden Euronight(EN)- Züge. Diese verlassen nun Buchs um 6.10 Uhr und 8.10 Uhr. Allerdings dürfen sowohl in Buchs wie in Sargans keine Passagiere zusteigen, sehr wohl aber in Feldkirch."

Anmerkung. Feldkirch ist gleich über der Grenze, wenige Bahnminuten entfernt.

"Um nicht unnötige (!) Rangiermanöver durchführen zu müssen und so die Weiterfahrt der EN-Züge zu verzögern, verzichte die SBB darauf, zusätzliche Inlandwagen anzuhängen (...), hält Marti fest.

Aha! Na, das ist doch wohl ein Argument. ähm, wäre ein Argument, wenn da nicht ...

"Ein Augenschein vor Ort zeigt allerdings, dass doch ein Wagen zusammen mit der Lok angehängt wird, dieser aber leer bleibt. Denn die Anzeige auf der Hinweistafel ist eindeutig: «Bitte nicht einsteigen!» Auf die Frage, warum das Anhängen einer Lokomotive mit zwei, drei Waggons (wie vorher) wesentlich länger dauern soll als das Anhängen einer Lok und allenfalls eines Wagens (wie nach dem Fahrplanwechsel), erklärt Marti: «Es stehen nicht überall Wagen à discrétion zur Verfügung, die man ruck, zuck an- und irgendwo wieder abhängen kann.Zudem: Wagen müssen intensiv gewartet und gereinigt werden. Nur so können wir der Kundschaft den hohen Standard bieten, den sie von der SBB zu Recht erwarten.»"

Grad nochmals Aha. Auf die seltsame Zählerei der Waggons gehen wir mal nicht ein, halten jedoch gerne fest, dass so oder so rangiert wird. Viel mehr interessiert uns die interessante Definition von hohem Standard: Vielleicht hat er ja recht und das nostalgische Rollmatieral, das rund um Zappadong-Hausen eingesetzt wird (sprich: uralte Wagen, unsäglich heiss im Sommer, ziemlich zugig im Winter, in jeder Jahreszeit mit brüllend laut quietschenden Bremsen) gehört wirklich zum Feinsten und wir wissen das einfach nicht zu schätzen. Aber zurück zum Thema:

"Eine präzisere Antwort liefert Thomas Gartmann vom Kundendienst Region Graubünden-Walensee in der Antwort auf einen Beschwerdebrief der «Zürich-Pendlerin» U. M. aus Buchs: «Die Nachtzüge verkehren nun als reine Nachtverbindungen mit Halten in Buchs und Sargans nur zum Aussteigen. Die Nachtzüge verfügen nur über Zweitklasswagen, in denen Fahrgäste sitzen, welche die Nachtreise hinter sich haben, und es entsprechend im Wagen riecht und Fahrgäste auf den Sitzbänken schlafen.» "

Und ein letztes Mal ein AHA, ein etwas Erstauntes. Die Österreicher müssen andere Sensoren in den Nasen haben, denn was kurz nach der Grenze "stinkt", ist in Feldkirch noch ganz normal.

Zitate aus einem Artikel im Werdenberger & Obertoggenburger, erschienen am 27. Januar 2010, verfasst von Hanspeter Turnheer.

PS: Mr Doorman und ich fahren jetzt für ein paar Tage in die Berge. Mit der SBB, der RhB und dem Postauto. Dazu brauchen  wir nur ein einziges Ticket - und wir könnten über all ein- und aussteigen, wo die verschiedenen Bahnen resp. das Postauto anhält. Hoffen wir. Bis bald.

Mr Doorman, der Railjet, die SBB und ich

Morgen früh, am Bahnhof von Zappadong-Hausen.
Mr Doorman: "Kommen Sie, Frau Zappadong, wir nehmen diesen Zug."
Frau Zappadong: "Geht nicht. Ist der Railjet."
Mr Doorman: "Was haben Sie gegen den Railjet?"
Frau Zappadong: "Falsche Frage. Sie müssen fragen, was der Railjet gegen uns hat."
Mr Doorman: "???"
Frau Zappdong: "Wir dürfen da nicht mitfahren."
Mr Doorman: "äh .. aber ... der Zug steht da, samt SBB Wagen ..."
Frau Zappdong: "Sie dürfen trotzdem nicht einsteigen. Sehen Sie, steht sogar auf der Anzeigetafel."
Mr Doorman: "???"
Frau Zappdong: "Vergessen Sie es. Wir nehmen einen von denen, in die wir einsteigen dürfen. Welchen hätten Sie denn gerne: Den pumpenebenvollen etwas schnelleren, wo Sie sich nachher eine Viertelstunde lang in Sargans den Arsch abfrieren oder den pumpenebenvollen, der so knapp in Sargans ankommt, dass Sie im Vollspurt auf Gleis 2 hecheln müssen?"
Mr Doorman: "Keinen der beiden. Dieser hier fährt direkt nach Zürich. Da müssen wir nicht umsteigen. Er steht hier. Der Wagen ist leer ..."
Frau Zappadong: "Wir nehmen den pumpenebenvollen mit der Arschabfrierwartezeit."
Mr Doorman: "???"

Wir nehmen also den pumpenebenvollen, frieren uns in Sargans eine Viertelstunde den Arsch ab und quetschen uns dann in den pumpenebenvollen Zug, der von Chur her in Sargans einfährt.

Später, am Abend desselben Tages, am Bahnhof in Zürich.

Mr Doorman: "Jetzt nehmen wir aber den direkten Zug nach Zappadong-Hausen, nicht wahr? Er fährt um 20.40 Uhr und hält in Sargans und Zappadong-Hausen. Ohne umsteigen. Super."
Frau Zappadong: "Nein, den nehmen wir nicht."
Mr Doorman: "???"
Frau Zappdong: "In diesen dürfen wir nicht einsteigen."
Mr Doorman: "Wo steht das?"
Frau Zappdong: "Nirgends."
Mr. Doorman: "Aber wir dürfen nicht einsteigen?"
Frau Zappdong: "Nein."
Mr Doorman: "Sagt wer?"
Frau Zappadong: "Die SBB."
Mr Doorman: "Aber ..."
Frau Zappdong: "Fragen Sie nicht."
Mr Doorman: "Ist's wieder dieser Railjet?"
Frau Zappdong: "Richtig geraten! Kommen Sie. Wir können den 20.37 Uhr Zug nehmen und dann in Sargans umsteigen."
Mr Doorman: "Und uns in Sargans den Arsch abfrieren beim Umsteigen?"
Frau Zappdong: "Nein, wir müssen seckeln. Sonst verpassen wir den Anschluss."
Mr Doorman: "Aber ... aber Sie haben vier volle Einkaufstüten. Mit dem Direktzug wäre ..."
Frau Zappdong: "Den Direktzug dürfen wir nicht nehmen."
Mr Doorman: "Sind Sie sicher, dass wir hier nicht in Russland sind?"
Frau Zappdong: "Nein."
Mr Doorman (grinst): "Dann machen wir es wie die Russen. Wir nehmen den direkten Zug."
Frau Zappdong (grinst auch): "Machen wir. Schliesslich steht nirgends geschrieben, dass wir das nicht dürfen."

Noch etwas später, auf dem Railjet.

Mr Doorman: "Wir bezahlen doch Steuern, oder nicht?"
Frau Zappadong: "Ja."
Mr Doorman: "Und damit finanzieren wir auch Bahnschienen und SBB Wagen."
Frau Zappdong: "Ja."
Mr Doorman: "Um dann draussen vor der Waggontür zu stehen."
Frau Zappdong: "..."

Die Geschichte mit dem Schaffner, der uns darauf hinweist, dass wir nicht in diesem Zug sitzen dürfen, erzählen wir Ihnen ein anderes Mal.

Heute, beim Papierflüügerlibaschteln

Mr Doorman und ich sassen in trauter Eintracht beisammen und falteten aus dem Wahlwerbematerial der Masseneinwanderungspartei Papierflüügerli (ja, immer noch, der Vorrat reicht für mindestens acht Wochen), während im Toggenburg oben (auch immer noch) die sirenenlauten richtigen Flüüger auch dem letzten ausländischen Touristen klar machten, dass es besser ist, sein Bier oder seinen Kaffee in astreinem Schweizerdeutsch zu bestellen, statt in Hochdeutsch oder gar in einer fremden Zunge, die der einheimische Eidgenosse nicht versteht, da er (der auländische Tourist) sonst jederzeit Ziel eines Befreiungsschlags seitens der Schweizer Masseneinwanderungsgegner sein könnte.

Nach dem Falten des umpfzigsten Flüügers brauchte ich eine Pause. Mr Doorman auch. Also marschierte ich im Stechschritt zur Kaffeemaschine, während Mr Doorman das Radio einschaltete und Nachrichten hörte. Genau in dem Moment trat meine Kaffeemaschine lärmmässig in Konkurrenz zu den Flügern im Toggenburg und so verpasste ich die Nachricht des Tages. Machte nichts. Mr Doorman verkündete sie mir frohgemut, als ich mit dem Kaffee anmarschiert kam.

"Frau Zappadong! Wir dürfen unsere Streumunition behalten."
Etwas irritiert stellte ich ihm seine Kaffeetasse hin. "Wir haben Streumunition?", fragte ich. "Wusste ich gar nicht."
"Ich auch nicht. Aber die Sicherheitskommission des Nationalrats hat heute beschlossen, das internationale Übereinkommen über Streumunition nicht zu ratifizieren. " Mr Doorman trank einen Schluck und stellte die Tasse wieder hin, zielgenau auf einen Papierflüger, der danach direkt in die Verschrottung musste. Wir überlegten kurz, ihn mit der Streumunition fertig zu machen, hatten dann aber Angst, dass wir dabei getroffen werden könnten und verwarfen den Gedanken wieder.
"Ähm", sagte ich. "Hat auch jemand gesagt, warum wir Streumunition brauchen?"
Mr Doorman nickte.
Sie ist ein hocheffizientes Verteidigungsmittel. Und es ist unseres Erachtens nicht legitim, den Angreifer gegenüber dem Verteidiger zu bevorzugen.  (sagte Nationalrat Ulrich Schlüer, SVP)
Alternativen wären zu teuer. Wir brauchen die Streumunition. (sagte Nationalrat Roland Borer, SVP, und fügte noch an, mit diesem Entscheid könne man der abtretenden Bundesrätin Calmy-Rey einen Strich durch die Rechnung machen, oder, im Originalton: "Eine Ohrfeige zum Abgang ist gut.")
"Na, das sind doch mal Argumente", sagte ich fröhlich. "Vor allem das mit der Ohrfeige."
Mr Doorman grinste: "Ihre Schweizer Politiker sind ja schlitzohriger als unsere russischen", meinte er. "Von denen könnte sogar Onkel Vladimir noch etwas lernen."
"Und erst unsere Jugendlichen!", fügte ich an. Dann fiel mir etwas ein. "Kann man eigentlich Streumunition auch selber baschteln?", fragte ich den russischen Experten (Mr Doorman).
"Wozu auch?" Er zuckte lässig mit den Schultern. "Ich ruf einfach Onkel Vladimir an. Der kann in zwei Tagen liefern."
"Letzte Frage", sagte ich. "Wo dürfen wir die Muntion denn einsetzen? Ich meine, da gibt es vielleicht doch Regeln, oder nicht?"
Auch auf diese Frage war Mr Doorman vorbereitet.
Da die Schweizer Armee Streumunition nur im Verteidigungsfall und nur auf Schweizer Hoheitsgebiet einsetzen würde, werde die internationale Gemeinschaft durch den Bestand der Streumunition der Schweizer Armee keinesfalls gefährdet
Also, das fand ich jetzt nicht grad so prickelnd cool. Damit würden wir ja uns selbst ... Aber nein, das wird schon nicht passieren. Schliesslich haben wir in der Sicherheitskommission lauter gescheite Leute, die wissen, was sie tun. Wir tranken also friedlich unseren Kaffee fertig und baschtelten weiter, in voller Vorfreude darauf, unsere Papierflüger mit Streumunition auszurüsten.

(Wenn Sie starke Nerven haben, erhalten Sie die Hintergrundinfos zu diesem Artikel hier und hier  - wenn nicht, lassen Sie es bleiben und überlassen die Verantwortung den Schweizer Politikern, Mr Doorman und mir)

Flüügerli

Während Mr Doorman und mir schon den ganzen Morgen die Ohren sausen und brummen von den Armeeflüügern, die zum umpften Mal über dem Toggenburg herumkreisen und dabei einen Lärm machen wie die gut schweizerischen Warnsirenen, hat nach dem Nationalrat auch der Ständerat beschlossen, dass unser Land dringendst neue Flüüger braucht. Mr Doorman und ich finden auch, dass es nicht genug davon geben kann. Im Toggenburg hat es noch ein bisschen Platz und weil wir hier in Zappadonghausen nur die Hälfte des Lärms abbekommen, melden wir uns freiwillig als Unterflugsgebiet. Also, wir hätten gerne mindestens 100 Stück. Abstimmen darüber wollen wir nicht. Wir erklären uns auch prophylaktisch bereit, Klassengrössen von 40 Kindern zu akzeptieren, ab der Oberstufe Studiengebühren zu bezahlen, mit der Hälfte unserer AHV auszukommen (falls wir die noch erleben) und was halt sonst noch alles nötig ist, damit wir vor dem Unbill dieser Welt und allenfalls von anderen Planeten geschützt werden.

PS: Bis die Flüüger dann auch über dem Toggenburg eingetroffen sind, werden wir aus den unzähligen SVP Wahlunterlagen, die tagtäglich in unserem Briefkasten landen, Papierflüüger baschteln. Einfach, damit keine Versorgungslücke entsteht.

Wo sie recht haben, haben sie recht

Mr Doorman und ich haben's ja häufiger nicht so mit Gottes irdischen Vertretern, doch diesmal sitzen wir nicht nur kopfnickend da, sondern bedanken uns ausdrücklich für die klaren Worte.

Wenn Bilder Bände sprechen

Herr Blocher will Ständerat werden. Und dabei bekommt er Unterstützung. Mr Doorman hat sich vor einer Viertelstunde das Bild angeguckt, das zum entsprechenden Artikel gehört, und trinkt seither heftigst Vodka. Ich glaube, wegen der gelben Kravatten. Ich finde das Bild erhellend, aber nicht wegen der Leuchtkraft der Kravatten. Mr Doorman, reichen Sie mir mal die Flasche rüber.

Starke Schulleistungen aus Liebe zur Schweiz ... oder so ... oder anders ... oder gar nicht

Heute standen Mr Doorman und ich vor einem Werbeplakat. Da stand ungefähr das da drauf (der exakte Wortlaut ist mir entfallen und in meiner Entgeisterung habe ich auch kein Foto davon geschossen):

Für mehr Leistung in der Schule.
Aus Liebe zur Schweiz.

Darunter stand der Name der Partei (FDP).

Mr Doorman legte seinen Kopf ein wenig schief, kniff die Augen zusammen und öffnete sie wieder.
"Ich muss das nicht verstehen", sagte er und es klang wie eine Frage.
"Nein", antwortete ich.
Wir beliessen es dabei. Aber als ich nach einem halben Kilometer frohen Wanderns in der Natur einen Blick auf Mr Doorman warf, schüttelte er immer noch den Kopf. Ich verstand ihn.

Gott war hier

Die Schweiz. Punkt.

Ohne Zusatz. Nicht die SVP "Schweizer wählen SVP" Schweiz. Nicht die FDP "Aus Liebe zur Schweiz" Schweiz. Nicht die CVP "Keine Schweiz ohne uns" Schweiz. Einfach die Schweiz. Punkt.






Die Bauern und ihre Geldtröge

Ich ertappe Mr Doorman dabei, wie er in den Spiegel guckt und sich dabei die Hände gegen den Kopf drückt (an jener Stelle, an der dem Teufel die Hörner wachsen).

"ähm, was tun Sie denn, Mr Doorman?", frage ich.
"Mir überlegen, ob ich mir Hörner wachsen lassen soll."
"...?"
"Ich könnte damit Geld verdienen."
"Ja, als Attraktion im Zirkus", antworte ich.
"Nein. Einfach so."
"Einfach so?"
"Ja, einfach so!"
"Wie denn?"
"Ich schliesse mich den Bauern an und verlange einen Franken pro Tag und Kuh."
"Aha?"
"Ist ganz einfach." Er hält mir einen Zeitungsartikel hin, in dem steht, dass das Bundesamt für Landwirtschaft prüft, ob Halter von gehörnten Kühen und Ziegen finanziell unterstützt werden sollen. Bauernvertreter finden gemäss Artikel einen Franken pro Tag und Kuh (20 Rappen bei Ziegen) für angemessen.
Weil ich weiss, dass heute nicht der 1. April ist, lache ich nicht.
Ich hätte wahrscheinlich auch sonst nicht gelacht. Denn wie es der Zufall so will, habe auch ich gerade einen Artikel über den Bauernstand gelesen. Der Bauernstand will, dass die massiv verschärften Regeln in der Invalidenversicherung für Bauern nicht gelten. Dass es nicht zuletzt die "Volkspartei" mit den vielen Bauern war, die diese Verschärfung wollte, sollte hier ausdrücklich erwähnt werden.

"Vergessen Sie es", sage ich zu Mr Doorman.
"Warum?"
"Weil sie erstens kein Bauer sind. Zweitens nicht einmal Schweizer. Und drittens, weil Ihnen Hörner einfach nicht stehen würden. Glauben Sie mir."
Mr Doorman stösst einen tiefen Seufzer aus und murmelt dann: "Das Leben ist nicht fair."
Womit er ein Mal mehr recht hat.

q.e.d.

"q.e.d.?", frage ich und schaue dabei auf den Schriftzug hinter der Theke. "Haben Sie das geschrieben, Mr Doorman?"
Mr Doorman dreht sich kurz um, um sich mir dann mit einem Grinsen im Gesicht wieder zuzuwenden. "Cool, nicht wahr?"
Ich bin mir nicht so sicher. "Ist das moderne Kunst?", will ich wissen.
Mr Doorman schüttelt den Kopf. "Beweisführung."
In meinem Hinterkopf regt sich was. Mathematik- oder Geometrieunterricht. Damals.
"Quod erat demonstrandum", hilft mir Mr Doorman auf die Sprünge.
Bei mir wird's hell im Oberstübchen. Genau! Das mussten wir jeweils hinter gelöste Aufgaben schreiben!
"Und was haben Sie bewiesen?", frage ich.
"Ich? Nichts."
"...?"
"Unser Spezialfreund unter dem weissen Helm hat mal wieder bewiesen, was er schon immer bewiesen hat. Sie wissen schon, dieses Blogger-sind-keine-Journalisten-Ding."
(Anmerkung von Frau Zappadong: An dieser Stelle KEIN Link!)
"Aha. Schlüssig?"
Mr Doorman bricht in schallendes Gelächter aus. "Raten Sie mal."
"Also nicht schlüssig?"
"Auf seine zurechtbiegende Art schlüssig."
"Können Sie das beweisen?"
"Was?"
"Na, das Nichtschlüssig."
"Klar kann ich das. Ich verweise Sie mal kurz an die Abteilung journalistische Glaubwürdigkeit und sage q.e.d."

Heute, auf der Startseite der Online-Plattform ...

... einer seriösen Schweizer Tageszeitung (20 Mai 2011):

"Er liebt Sex, na und?"
"Rettet die Schmuddel-Beiz"
"Sex wie im Film"
"Als meine Eltern cool waren"
"Mama goes Facebook"
"Put your hands on me, John F. Kennedy"
"Ertappte Liebe"
"Survival guides für Singles"
"Fotowettbewerb: Land-Idylle"

Ich warte darauf, dass mein Printabo ausläuft. Es wird genausowenig erneuert wie die Printagausgabe der dazugehörigen Sonntagszeitung (abgelaufen und noch keinen Tag vermisst).

Me, Mr Doorman and Bobby California aka Mr Delete

Mr. Doorman: "Guten Moooooorgen, Frau Zappadong!"
Frau Zappdong: "So gut gelaunt, Mr Doorman?"
Mr Doorman: "Jap."
Frau Zappadong: "Darf ich fragen, weshalb?"
Mr Doorman: "Sie dürfen."
Frau Zappadong: "Weshalb?"
Mr Doorman: "Mr California hat wieder einmal gepöbelt und dann gelöscht."
Frau Zappadong: "Oha! Das muss ich verpasst haben."
Mr. Doorman: "Macht nichts. Ich habe mir erlaubt, für Sie einen Screenshot zu machen."
Frau Zappadong: "Zeigen Sie mal."


Frau Zappadong: "Und das ist schon wieder weg?"
Mr Doorman: "Jap. Ausgelöscht. Deleted. Im Cyberspace entschwunden. Aus Mr Californias Auge, aus Mr Californias Sinn."
Frau Zappadong: "Das ging diesmal ja hurtiger als letztes Mal."
Mr Doorman: "Aber ich war schnell, sehr schnell und ich ..." (grinst)
Frau Zappadong: "???"
Mr Doorman: "Ich habe mir erlaubt, im Namen Ihres Alter Egos zu antworten."
Frau Zappadong: "Da bin ich aber gespannt."
Mr Doorman: "Bitte sääääährrrr!"

Frau Zappadong: "Haben Sie recht gut hinbekommen, Mr Doorman.
Mr Doorman: "Finde ich auch. Kaffee?"
Frau Zappadong: "Gerne, sehr gerne."

Mr Doorman packt die Koffer

Frau Zappadong: "Was tun Sie denn da?"
Mr Doorman: "Sehen Sie doch! Ich packe die Koffer."
Frau Zappadong: "Ja, schon, aber Sie können doch nicht einfach einen lebendigen Ex-Bundesrat einpacken!"
Mr Doorman: "Warum nicht? Wäre tot besser?"
Frau Zappadong: "..."
Mr Doorman: "Na, sehen Sie!"
Frau Zappdong: "Ich sehe nur, dass sie gerade den Verwaltungsratspräsidenten der too-big-to-fail-Bank in diesen Koffer stecken."
Mr Doorman: "Ist das so schwer zu verstehen? Der Herr too-big-to-fail-Bankchef prüft ja im Moment sämtliche Auslandoptionen, weil die falschen Leute das falsche ausgehandelt haben. Ich habe mir gedacht, ich packe vorsorglich schon mal."
Frau Zappdong: "Aber da packt man doch Socken ein, Unterwäsche, ein paar Hemden, nette Kravatten, die Zahnbürste ..."
Mr Doorman: "Alles unwichtig."
Frau Zappdong: "Finde ich nicht. Ohne Zahnbürste geht nicht."
Mr Doorman: "Okay, wenn Sie meinen. Die hat noch Platz neben dem Herrn Verwaltungsratspräsidenten. Aber nur die."
Frau Zappadong: "Ich versteh's immer noch nicht. Der Herr Verwaltungsratspräsident kann doch einen Sitz im Flüger buchen. Erste Klasse, Premium-Abteilung, mit Sonderbehandlung, garantiert unter Seinesgleichen."
Mr Doorman: "Der kann  froh sein, dass ich für ihn einen soliden Koffer mit gepolsterten Wänden gefunden habe!"
Frau Zappadong: "???"
Mr Doorman: "Sämtliche Säcke, die wir haben, waren zu klein."
Frau Zappadong: "Säcke?"
Mr Doorman: "Der Herr Bankpräsident hat doch den Herrn Verwaltungsratspräsidenten im Sack, nicht wahr?"
Frau Zappadong: "ähm, ja ..."
Mr Doorman: "Verstehen Sie jetzt?"
Frau Zappadong: "Ich denke schon. Aber passen Sie auf, wenn Sie den Koffer schliessen. Der Herr Verwaltungsratspräsident fuchtelt wahnsinnig gerne mit den Händen. Nicht, dass Sie mir da noch was einklemmen."
Mr Doorman: "Geht in Ordnung. Werfen Sie schon mal die Kaffeemaschine an. Bin gleich fertig."
Frau Zappadong: "Und wohin schicken Sie dann den Koffer?"
Mr Doorman: "Na, wohin schon? Ins Ausland."

Me, Mr Doorman and Bobby California

Mr Doorman: "Was tun Sie denn da, Frau Zappadong?"
Frau Zappadong: "Suchen."
Mr Doorman: "Ostereier?"
Frau Zappadong: "Nein, Tweets."
Mr Doorman: "Tweets?"
Frau Zappadong: "Jap."
Mr Doorman: "Was für Tweets?"
Frau Zappadong: "Tweets von einem, der von sich behauptet, ein seriöser Journalist zu sein."
Mr Doorman: "Halt! Lassen Sie mich raten. Sie sprechen von Bobby California."
Frau Zappadong: "Grad nochmals jap."
Mr Doorman: "hihihi."
Frau Zappdong: "???"
Mr Doorman: "Ich meine, was hat er denn diesmal angestellt?"
Frau Zappadong: "Er hat in einem an mich adressierten Tweet gedroht, alle, die bugsierer retweeten zu entfollowen."
Mr Doorman: "ähm. Ist er da bei Ihnen nicht falsch? Er folgt Ihnen ja gar nicht."
Frau Zappadong: "Habe ich ihm auch geschrieben."
Mr Doorman: "Aha. Hat er geantwortet."
Frau Zappadong: "Ja, dass er keine Ahnung hat, was ich so twittere."
Mr Doorman: "hihihi."
Frau Zappadong: "Ich fand das auch lustig. Weshalb ich in einem Tweet empfohlen habe, bugsierer und Herrn California zu folgen."
Mr Doorman: "Oh. Und dann?"
Frau Zappadong: "Dann wurde es wüst. Herr California hat mir VERBOTEN (!!!) seinen Namen im gleichen Atemzug mit Herrn bugsierer zu verwenden."
Mr Doorman: "Verboten??? hihihi."
Frau Zappadong: "Ja, fand ich auch ganz witzig und habe dem leicht cholerischen Herrn empfohlen, mich doch zu blocken."
Mr Doorman: "Frage, Frau Zappadong. Warum verlinken Sie nur Ihre Tweets?"
Frau Zappdong: "Weil der Herr oberseriöser Journi Tweets, die ihn etwas blöd aussehen lassen, einfach löscht."
Mr Doorman: "Neiiiiiin. Dann können Sie ja aufhören zu suchen. Die Tweets, meine ich."
Frau Zappadong: "Wo Sie recht haben, haben Sie recht. Also dann. Suche beendet."
Mr Doorman: "Scheint mir ein ziemlich sonderbarer Herr zu sein."
Frau Zappdong: "Das haben Sie gesagt, Mr Doorman."
Mr Doorman: "Und jetzt?"
Frau Zappadong: "Fressen wir den Schokohasen!"
Mr Doorman: "Meine Rede!"

Der Mann mit den beschwichtigenden Händen und der Brille

Wir hatten den kleinen Mann mit der Nase und sind froh, dass wir den nicht mehr haben.
Dafür haben wir jetzt den Mann mit den beschwichtigenden Händen und der Brille. Dieser Mann übte einmal das gleiche Amt aus wie der kleine Mann mit der Nase. Auch er ist ein Alt-Bundesrat. Und jetzt zuständig für eine der "Too-big-to-fail"-Banken, der mit dem U vorne und dem S hinten.

In seiner Funktion als oberster Beschwichtiger und Verwedler, sagt er immer mal wieder Dinge, bei denen Mr Doorman und ich danach nicht anders können, als den Verstärker volle Pulle aufzudrehen und aller Kraft in die Saiten resp. die "Küche" zu schlagen.

Dinge wie diese hier:
"Die Schweiz droht eine Insel zu werden." (Wenn sie im Alleingang in Sachen Bankenregulierung etwas unternimmt).

"Ich habe noch nie eine Gesetzgebung dieser Tragweite gesehen, die so husch, husch entstanden ist." (Husch, husch? ähm ... mir kommt das Gewurstel endlos lange vor.)

"Das ist ein Schnellschuss.» Vor allem ein Schnellschuss für «unsere Konkurrenzfähigkeit», wenn man nicht abwarte, was im Ausland passiere. Legiferieren im Affekt sei riskant, es gebe keinen Grund zur Eile, sagt der frühere Finanzminister, der seit zwei Jahren den Verwaltungsrat der UBS präsidiert. Wenn die Schweiz der UBS Nachteile beschere, müsse die Bank «gewisse Geschäfte anderswo machen».(ach nööööö?)

Wie Villiger im AZ-Interview betont, muss sich die Schweiz fragen, «ob sie einen überdurchschnittlich starken Finanzplatz haben» wolle oder «einen durchschnittlichen – wie Schweden oder Österreich». (ja, ja, die Schweden, diese Niemande ... hihi ... Hallo Hausfrau Hannah! Und dann erst die Österreicher, können eh nur skifahren und sonst nix!)
Quelle

Wenn der überdurchschnittlich starke Finanzplatz dann kollabiert und es nichts mehr zu retten gibt, weder die Banken noch den Staat, dann darf der Mann mit der Brille seine beschwichtigenden Hände heben und irgendwas sagen. Wird ihm schon was einfallen. Denke ich.

Zweiklassengesellschaft

"SO schlecht gelaunt?", fragt Mr Doorman und weicht einen Schritt von mir zurück.
"Ja", schnauze ich ihn an.
"Warum?", will er wissen.
"Ich war einkaufen."
"AHA."
Sie sollten hören, wie er das AHA betont! Als wäre alles klar. Ist es aber nicht, denn das Einkaufen war heute ziemlich unterhaltend.

(Einschub, der nichts mit der Geschichte zu tun hat: Vor mir an der Kasse wollte ein Bergbauer eine Uhr kaufen, was fast scheiterte, weil a) das Ding piepste, als er es ahnungslos am elektronischen Kontrollposten vorbeitrug und der Kassierern hinlegte und b) die Verkäuferin die Uhr fallen liess, als sie ihm zeigte, wie dieser elektronische Kontrollposten funktioniert. Eine Schreckenssekunde später hatte der Bauer eine funktionierende Uhr und einen Garantieschein. Dann war ich dran. Ich hatte zwar den Blumenkohl gewogen, nicht aber die Bananen, worauf ich durch den Laden raste und wie von der Kassiererin angewiesen die Nummer 1 für Bananen drückte. Die Damen hinter mir warteten geduldig und lösten dann irgendein Kleidchenproblem mit viel Charme.)

"Es war nicht das Einkaufen", blaffe ich.
"Was dann?", blafft Mr Doorman zurück.
"Der Gehsteig."
"Der Gehsteig?"
"Ja, der verdammte Gehsteig. Eine einzige Todeszone!"
"Todeszone?"
"Alles vereist. Total vereist."
"Aha."
Diesmal klingt es schon etwas netter, das AHA von Mr Doorman.
"Ja", ereifere ich mich. "Ich habe mir überlegt, auf der Fahrbahn zu gehen. Die war nämlich wunderbar trocken und unvereist."
"Sie müssen schon verstehen ...", beginnt Mr Doorman.
Ja, ja, ich verstehe. Der Verkehr hat Priorität. Ist ja scheissegal, wenn ich einen halben Rückwärtssalto hinlege, mit dem Hinterkopf aufpralle und für den Rest des Lebens als welkes Gemüse volkstümliche Schlage intoniere.
"Also ...", nimmt Mr Doorman einen neuen Anlauf.
Schon klar. Alles klar. Es ist so: Zappadonghausen will Energiestadt sein. Zappandonghausen will umweltfreundlich sein. Aber wenn es hart auf hart geht, lässt man lieber den energiesparenden, umweltschonenden Fussgänger auf den Latz knallen als den CO2 schleudernden Autofahrer zu ärgern.
"Ich habe uns Schokokuchen gebacken", nimmt Mr Doorman einen dritten Anlauf.
Schokokuchen?
"Ich hätte gerne ein grosses Stück", sage ich. "Mit Vanille-Eis und Sahne. Das ganze Programm."
"Mit Kaffee?"
"Mit Kaffee."
Ich darf das. Bei all den Kalorien, die ich auf meiner Einkaufstour verbrannt habe, gilt es nun, eine ausgewogene Energiebilanz herzustellen. Weil: Zappandonghausen ist Energiestadt. Wie ich schon sagte.

Das wird was!

An den Drums: Mr Doorman
Am Keyboard: Herr Bobsmile
An der (bis jetzt einzigen) Gitarre: Frau Zappadong
Background: Frau Wetterfest (und wenn sie schon mal da ist, kann sie gleich putzen helfen)

Ja, das wird was. 2011 lassen wir es rocken (und gelegentlich werfen wir einen Blues oder Boogie dazwischen, gell Herr Bobsmile). Kann irgendjemand da draussen Bassgitarre oder singen?

PS @Herr Bobsmile: Mr Doorman und ich stehen total auf Deep Purple. Und Sie wissen ja: Deep Purple ohne Keyboard ist nicht Deep Purple.