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Zweiklassengesellschaft

"SO schlecht gelaunt?", fragt Mr Doorman und weicht einen Schritt von mir zurück.
"Ja", schnauze ich ihn an.
"Warum?", will er wissen.
"Ich war einkaufen."
"AHA."
Sie sollten hören, wie er das AHA betont! Als wäre alles klar. Ist es aber nicht, denn das Einkaufen war heute ziemlich unterhaltend.

(Einschub, der nichts mit der Geschichte zu tun hat: Vor mir an der Kasse wollte ein Bergbauer eine Uhr kaufen, was fast scheiterte, weil a) das Ding piepste, als er es ahnungslos am elektronischen Kontrollposten vorbeitrug und der Kassierern hinlegte und b) die Verkäuferin die Uhr fallen liess, als sie ihm zeigte, wie dieser elektronische Kontrollposten funktioniert. Eine Schreckenssekunde später hatte der Bauer eine funktionierende Uhr und einen Garantieschein. Dann war ich dran. Ich hatte zwar den Blumenkohl gewogen, nicht aber die Bananen, worauf ich durch den Laden raste und wie von der Kassiererin angewiesen die Nummer 1 für Bananen drückte. Die Damen hinter mir warteten geduldig und lösten dann irgendein Kleidchenproblem mit viel Charme.)

"Es war nicht das Einkaufen", blaffe ich.
"Was dann?", blafft Mr Doorman zurück.
"Der Gehsteig."
"Der Gehsteig?"
"Ja, der verdammte Gehsteig. Eine einzige Todeszone!"
"Todeszone?"
"Alles vereist. Total vereist."
"Aha."
Diesmal klingt es schon etwas netter, das AHA von Mr Doorman.
"Ja", ereifere ich mich. "Ich habe mir überlegt, auf der Fahrbahn zu gehen. Die war nämlich wunderbar trocken und unvereist."
"Sie müssen schon verstehen ...", beginnt Mr Doorman.
Ja, ja, ich verstehe. Der Verkehr hat Priorität. Ist ja scheissegal, wenn ich einen halben Rückwärtssalto hinlege, mit dem Hinterkopf aufpralle und für den Rest des Lebens als welkes Gemüse volkstümliche Schlage intoniere.
"Also ...", nimmt Mr Doorman einen neuen Anlauf.
Schon klar. Alles klar. Es ist so: Zappadonghausen will Energiestadt sein. Zappandonghausen will umweltfreundlich sein. Aber wenn es hart auf hart geht, lässt man lieber den energiesparenden, umweltschonenden Fussgänger auf den Latz knallen als den CO2 schleudernden Autofahrer zu ärgern.
"Ich habe uns Schokokuchen gebacken", nimmt Mr Doorman einen dritten Anlauf.
Schokokuchen?
"Ich hätte gerne ein grosses Stück", sage ich. "Mit Vanille-Eis und Sahne. Das ganze Programm."
"Mit Kaffee?"
"Mit Kaffee."
Ich darf das. Bei all den Kalorien, die ich auf meiner Einkaufstour verbrannt habe, gilt es nun, eine ausgewogene Energiebilanz herzustellen. Weil: Zappandonghausen ist Energiestadt. Wie ich schon sagte.

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