RSS Feed

Heute, beim Papierflüügerlibaschteln

Mr Doorman und ich sassen in trauter Eintracht beisammen und falteten aus dem Wahlwerbematerial der Masseneinwanderungspartei Papierflüügerli (ja, immer noch, der Vorrat reicht für mindestens acht Wochen), während im Toggenburg oben (auch immer noch) die sirenenlauten richtigen Flüüger auch dem letzten ausländischen Touristen klar machten, dass es besser ist, sein Bier oder seinen Kaffee in astreinem Schweizerdeutsch zu bestellen, statt in Hochdeutsch oder gar in einer fremden Zunge, die der einheimische Eidgenosse nicht versteht, da er (der auländische Tourist) sonst jederzeit Ziel eines Befreiungsschlags seitens der Schweizer Masseneinwanderungsgegner sein könnte.

Nach dem Falten des umpfzigsten Flüügers brauchte ich eine Pause. Mr Doorman auch. Also marschierte ich im Stechschritt zur Kaffeemaschine, während Mr Doorman das Radio einschaltete und Nachrichten hörte. Genau in dem Moment trat meine Kaffeemaschine lärmmässig in Konkurrenz zu den Flügern im Toggenburg und so verpasste ich die Nachricht des Tages. Machte nichts. Mr Doorman verkündete sie mir frohgemut, als ich mit dem Kaffee anmarschiert kam.

"Frau Zappadong! Wir dürfen unsere Streumunition behalten."
Etwas irritiert stellte ich ihm seine Kaffeetasse hin. "Wir haben Streumunition?", fragte ich. "Wusste ich gar nicht."
"Ich auch nicht. Aber die Sicherheitskommission des Nationalrats hat heute beschlossen, das internationale Übereinkommen über Streumunition nicht zu ratifizieren. " Mr Doorman trank einen Schluck und stellte die Tasse wieder hin, zielgenau auf einen Papierflüger, der danach direkt in die Verschrottung musste. Wir überlegten kurz, ihn mit der Streumunition fertig zu machen, hatten dann aber Angst, dass wir dabei getroffen werden könnten und verwarfen den Gedanken wieder.
"Ähm", sagte ich. "Hat auch jemand gesagt, warum wir Streumunition brauchen?"
Mr Doorman nickte.
Sie ist ein hocheffizientes Verteidigungsmittel. Und es ist unseres Erachtens nicht legitim, den Angreifer gegenüber dem Verteidiger zu bevorzugen.  (sagte Nationalrat Ulrich Schlüer, SVP)
Alternativen wären zu teuer. Wir brauchen die Streumunition. (sagte Nationalrat Roland Borer, SVP, und fügte noch an, mit diesem Entscheid könne man der abtretenden Bundesrätin Calmy-Rey einen Strich durch die Rechnung machen, oder, im Originalton: "Eine Ohrfeige zum Abgang ist gut.")
"Na, das sind doch mal Argumente", sagte ich fröhlich. "Vor allem das mit der Ohrfeige."
Mr Doorman grinste: "Ihre Schweizer Politiker sind ja schlitzohriger als unsere russischen", meinte er. "Von denen könnte sogar Onkel Vladimir noch etwas lernen."
"Und erst unsere Jugendlichen!", fügte ich an. Dann fiel mir etwas ein. "Kann man eigentlich Streumunition auch selber baschteln?", fragte ich den russischen Experten (Mr Doorman).
"Wozu auch?" Er zuckte lässig mit den Schultern. "Ich ruf einfach Onkel Vladimir an. Der kann in zwei Tagen liefern."
"Letzte Frage", sagte ich. "Wo dürfen wir die Muntion denn einsetzen? Ich meine, da gibt es vielleicht doch Regeln, oder nicht?"
Auch auf diese Frage war Mr Doorman vorbereitet.
Da die Schweizer Armee Streumunition nur im Verteidigungsfall und nur auf Schweizer Hoheitsgebiet einsetzen würde, werde die internationale Gemeinschaft durch den Bestand der Streumunition der Schweizer Armee keinesfalls gefährdet
Also, das fand ich jetzt nicht grad so prickelnd cool. Damit würden wir ja uns selbst ... Aber nein, das wird schon nicht passieren. Schliesslich haben wir in der Sicherheitskommission lauter gescheite Leute, die wissen, was sie tun. Wir tranken also friedlich unseren Kaffee fertig und baschtelten weiter, in voller Vorfreude darauf, unsere Papierflüger mit Streumunition auszurüsten.

(Wenn Sie starke Nerven haben, erhalten Sie die Hintergrundinfos zu diesem Artikel hier und hier  - wenn nicht, lassen Sie es bleiben und überlassen die Verantwortung den Schweizer Politikern, Mr Doorman und mir)

0 Kommentare: