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A propos Bahnfahren ...

Mr Doorman und ich hätten da noch was für die Hardcore-Realsatiriker unter Ihnen:

"Am gravierendsten ist der Ausfall des bisherigen Nachtzugs um 7.10 Uhr ab Buchs, der viele Pendler umsteigefrei und mit einzigem Halt in Sargans nach Zürich brachte. Ursache ist die neue Fahrplanlage der beiden Euronight(EN)- Züge. Diese verlassen nun Buchs um 6.10 Uhr und 8.10 Uhr. Allerdings dürfen sowohl in Buchs wie in Sargans keine Passagiere zusteigen, sehr wohl aber in Feldkirch."

Anmerkung. Feldkirch ist gleich über der Grenze, wenige Bahnminuten entfernt.

"Um nicht unnötige (!) Rangiermanöver durchführen zu müssen und so die Weiterfahrt der EN-Züge zu verzögern, verzichte die SBB darauf, zusätzliche Inlandwagen anzuhängen (...), hält Marti fest.

Aha! Na, das ist doch wohl ein Argument. ähm, wäre ein Argument, wenn da nicht ...

"Ein Augenschein vor Ort zeigt allerdings, dass doch ein Wagen zusammen mit der Lok angehängt wird, dieser aber leer bleibt. Denn die Anzeige auf der Hinweistafel ist eindeutig: «Bitte nicht einsteigen!» Auf die Frage, warum das Anhängen einer Lokomotive mit zwei, drei Waggons (wie vorher) wesentlich länger dauern soll als das Anhängen einer Lok und allenfalls eines Wagens (wie nach dem Fahrplanwechsel), erklärt Marti: «Es stehen nicht überall Wagen à discrétion zur Verfügung, die man ruck, zuck an- und irgendwo wieder abhängen kann.Zudem: Wagen müssen intensiv gewartet und gereinigt werden. Nur so können wir der Kundschaft den hohen Standard bieten, den sie von der SBB zu Recht erwarten.»"

Grad nochmals Aha. Auf die seltsame Zählerei der Waggons gehen wir mal nicht ein, halten jedoch gerne fest, dass so oder so rangiert wird. Viel mehr interessiert uns die interessante Definition von hohem Standard: Vielleicht hat er ja recht und das nostalgische Rollmatieral, das rund um Zappadong-Hausen eingesetzt wird (sprich: uralte Wagen, unsäglich heiss im Sommer, ziemlich zugig im Winter, in jeder Jahreszeit mit brüllend laut quietschenden Bremsen) gehört wirklich zum Feinsten und wir wissen das einfach nicht zu schätzen. Aber zurück zum Thema:

"Eine präzisere Antwort liefert Thomas Gartmann vom Kundendienst Region Graubünden-Walensee in der Antwort auf einen Beschwerdebrief der «Zürich-Pendlerin» U. M. aus Buchs: «Die Nachtzüge verkehren nun als reine Nachtverbindungen mit Halten in Buchs und Sargans nur zum Aussteigen. Die Nachtzüge verfügen nur über Zweitklasswagen, in denen Fahrgäste sitzen, welche die Nachtreise hinter sich haben, und es entsprechend im Wagen riecht und Fahrgäste auf den Sitzbänken schlafen.» "

Und ein letztes Mal ein AHA, ein etwas Erstauntes. Die Österreicher müssen andere Sensoren in den Nasen haben, denn was kurz nach der Grenze "stinkt", ist in Feldkirch noch ganz normal.

Zitate aus einem Artikel im Werdenberger & Obertoggenburger, erschienen am 27. Januar 2010, verfasst von Hanspeter Turnheer.

PS: Mr Doorman und ich fahren jetzt für ein paar Tage in die Berge. Mit der SBB, der RhB und dem Postauto. Dazu brauchen  wir nur ein einziges Ticket - und wir könnten über all ein- und aussteigen, wo die verschiedenen Bahnen resp. das Postauto anhält. Hoffen wir. Bis bald.

Mr Doorman, der Railjet, die SBB und ich

Morgen früh, am Bahnhof von Zappadong-Hausen.
Mr Doorman: "Kommen Sie, Frau Zappadong, wir nehmen diesen Zug."
Frau Zappadong: "Geht nicht. Ist der Railjet."
Mr Doorman: "Was haben Sie gegen den Railjet?"
Frau Zappadong: "Falsche Frage. Sie müssen fragen, was der Railjet gegen uns hat."
Mr Doorman: "???"
Frau Zappdong: "Wir dürfen da nicht mitfahren."
Mr Doorman: "äh .. aber ... der Zug steht da, samt SBB Wagen ..."
Frau Zappdong: "Sie dürfen trotzdem nicht einsteigen. Sehen Sie, steht sogar auf der Anzeigetafel."
Mr Doorman: "???"
Frau Zappdong: "Vergessen Sie es. Wir nehmen einen von denen, in die wir einsteigen dürfen. Welchen hätten Sie denn gerne: Den pumpenebenvollen etwas schnelleren, wo Sie sich nachher eine Viertelstunde lang in Sargans den Arsch abfrieren oder den pumpenebenvollen, der so knapp in Sargans ankommt, dass Sie im Vollspurt auf Gleis 2 hecheln müssen?"
Mr Doorman: "Keinen der beiden. Dieser hier fährt direkt nach Zürich. Da müssen wir nicht umsteigen. Er steht hier. Der Wagen ist leer ..."
Frau Zappadong: "Wir nehmen den pumpenebenvollen mit der Arschabfrierwartezeit."
Mr Doorman: "???"

Wir nehmen also den pumpenebenvollen, frieren uns in Sargans eine Viertelstunde den Arsch ab und quetschen uns dann in den pumpenebenvollen Zug, der von Chur her in Sargans einfährt.

Später, am Abend desselben Tages, am Bahnhof in Zürich.

Mr Doorman: "Jetzt nehmen wir aber den direkten Zug nach Zappadong-Hausen, nicht wahr? Er fährt um 20.40 Uhr und hält in Sargans und Zappadong-Hausen. Ohne umsteigen. Super."
Frau Zappadong: "Nein, den nehmen wir nicht."
Mr Doorman: "???"
Frau Zappdong: "In diesen dürfen wir nicht einsteigen."
Mr Doorman: "Wo steht das?"
Frau Zappdong: "Nirgends."
Mr. Doorman: "Aber wir dürfen nicht einsteigen?"
Frau Zappdong: "Nein."
Mr Doorman: "Sagt wer?"
Frau Zappadong: "Die SBB."
Mr Doorman: "Aber ..."
Frau Zappdong: "Fragen Sie nicht."
Mr Doorman: "Ist's wieder dieser Railjet?"
Frau Zappdong: "Richtig geraten! Kommen Sie. Wir können den 20.37 Uhr Zug nehmen und dann in Sargans umsteigen."
Mr Doorman: "Und uns in Sargans den Arsch abfrieren beim Umsteigen?"
Frau Zappdong: "Nein, wir müssen seckeln. Sonst verpassen wir den Anschluss."
Mr Doorman: "Aber ... aber Sie haben vier volle Einkaufstüten. Mit dem Direktzug wäre ..."
Frau Zappdong: "Den Direktzug dürfen wir nicht nehmen."
Mr Doorman: "Sind Sie sicher, dass wir hier nicht in Russland sind?"
Frau Zappdong: "Nein."
Mr Doorman (grinst): "Dann machen wir es wie die Russen. Wir nehmen den direkten Zug."
Frau Zappdong (grinst auch): "Machen wir. Schliesslich steht nirgends geschrieben, dass wir das nicht dürfen."

Noch etwas später, auf dem Railjet.

Mr Doorman: "Wir bezahlen doch Steuern, oder nicht?"
Frau Zappadong: "Ja."
Mr Doorman: "Und damit finanzieren wir auch Bahnschienen und SBB Wagen."
Frau Zappdong: "Ja."
Mr Doorman: "Um dann draussen vor der Waggontür zu stehen."
Frau Zappdong: "..."

Die Geschichte mit dem Schaffner, der uns darauf hinweist, dass wir nicht in diesem Zug sitzen dürfen, erzählen wir Ihnen ein anderes Mal.