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Ohrlochstechen ...

... bei Kindern ist jetzt also Körperverletzung.

Mr Doorman und ich erstellen gerade eine Liste, was sonst noch alles verboten gehört für Kinder. Hier ein erster Rohentwurf:

- Radfahren (sie könnten hinfallen und sich verletzen)
- Schwimmen gehen (sie könnten ertrinken)
- TV schauen (Bohlen und Co. machen blöd)
- Zur Schule gehen (sie könnten auf dem Schulweg verunfallen, egal, ob sie selber da hingehen oder von den Eltern gefahren werden)
- Musik hören (all die Schimpfwörter in den Songs!!!)
- Essen (könnte Allergien hervorrufen)
- Leben (ist lebensgefährlich)

Es hat noch Platz. Fühlen Sie sich frei, die Liste zu ergänzen.

Die Versprechen der Woche

31 kg wengier in 6 Wochen (Bio-Botanica) .
12 Millionen neue Jobs in den USA. (Mitt Romney)
Mehr Hirnmasse für alle (Mr Doorman und ich)

Frau Zappadong und die Demokratie

"Was tun Sie denn da?", fragt Mr Doorman.
"Blättern."
Mr Doorman wirkt etwas besorgt. "Blättern? Worin? Ich sehe nichts."
"Können Sie auch nicht", antworte ich.
"???"
"Ich lese die Abstimmungsunterlagen zu den Novemberabstimmungen."
"A... Ab ... Aber .." Mr Doorman gerät hoffnungslos ins Rudern. "Die sind doch noch gar nicht gedruckt."
"Egal", erkläre ich. "Ich mache es wie mein Staat. Ich bereite mich frühzeitig vor. Die drucken die Abstimmungsunterlagen, bevor überhaupt feststeht, worüber wir abstimmen. Da habe ich gedacht, ich lese sie auch gleich, bevor sie gedruckt sind. Effizient, nicht wahr?"
Mr Doorman kratzt sich hinter dem Ohr. "Und dann? Füllen Sie die noch ungedruckten Stimmzettel aus, Frau Zappadong?"
"Nein, ich werde überhaupt keine Stimmzettel mehr ausfüllen."
"Was?" Dr Doormans Augen kullern beinahe aus den Höhlen. "Heisst das, Sie hängen die Demokratie an den Nagel?"
"Aber nein doch! Sobald ich die gedruckten Stimmzettel erhalte, werde ich sie ordentlich, wie sich das gehört, in das Stimmcouvert packen und an die Gemeinde schicken."
"Unausgefüllt?"
"Ja. Unausgefüllt. Leer. Aber korrekt."
Der arme Mann sieht aus, als könne er nicht entscheiden, ob ich spinne oder er.
"Es ist so", sage ich. "Ich lege meine Stimmzettel leer ein, damit Bundesrat und Parlament nachher mit meiner Stimme tun können, was sie wollen."
"Das tun sie doch sowieso schon längst", antwortet er und ich sehe ein Blitzen in seinen Augen.
"Eben", sage ich.

Von der Mühsal der freien Marktwirtschaft

Ich finde Mr Doorman lachend beim Zeitunglesen. Als er mich kommen sieht, begrüsst er mich mit den Worten: "Börsenzocker sind die witzigsten Menschen auf diesem Planeten."
Nun, dass sie zuweilen gierig und manchmal auch grenzenlos dumm sind, das wusste ich schon. Aber witzig? Das kann ich mir nicht wirklich vorstellen. Bis ich den Artikel gelesen habe.

Ich muss mich korrigieren. Börsenzocker sind zuweilen gierig, manchmal grenzenlos dumm und in der Kombination dieser beiden Eigenschaften auch mal sehr witzig. Noch witziger wäre nur noch, wenn der Kerl recht bekäme.

PS: Sie ist aber auch mühsam, diese freie Marktwirtschaft. Jeder kann alles, jeder darf alles. Je mehr, desto besser (und cooler). Dass man dabei auch verlieren kann, könnte einem doch ab und zu mal wer sagen. Gott aller Finanzen noch mal!

Zubetonieren

"Also ich", murmelt Mr Doorman angesichts seiner Zeitungslektüre, "ich wäre dafür, dass wir das Wallis zum Zubetonieren freigeben."
Ich auch.

Mr Doorman und ich sind tief beeindruckt

Der Schweizer Bundesrat will für drei Millliarden Franken Flügerli kaufen, die in Tests die Note "zufriedenstellend" erhalten haben. Allein das hinterlässt bei Mr Doorman und mir einen tiefen Eindruck. Drei Millarden Hämmer für ein "Zufriedenstellend." Also, damals, als wir unsere Zeugnisse nach Hause gebracht hatten, gab es für die Note genügend/zufriedendstellend keinen Bazen, keinen kleinen und schon gar keinen grossen. (Vielleicht hätten wir aus dem Zeugnispapier Flügerli basteln sollen ...)

Noch tiefer wird unser Eindruck, als wir andächtig lesend erfahren, dass "nicht nur militärische, sondern auch politische Überlegungen berücksichtigt werden müssten im Hinblick auf den Kauf eines neuen Kampfjets." Natürlich fragen wir uns jetzt, was für welche Überlegungen das sind. Aber bevor wir zu sehr darüber nachdenken, hören wir lieber wieder auf. Wir haben so den leisen Verdacht, dass wir dabei auf dem Eis der Zynik ausrutschen könnten.

Wie auch immer: Hauptsache Flüger, Hauptsache teuer und Hauptsache zufriedenstellend.

«Mir sind sehr arme Menschen egal.»

Das sagt ein Mann, der neuer Präsident der Vereinigten Staaten werden will.
Mr Doorman und mir wären solche Ignoranten wie der Mann, der neuer Präsident der Vereinigten Staaten werden will, gerne auch egal. Leider verschwinden solche Ignoranten aber nicht in der Versenkung, sondern regieren allenfalls mal Grossmächte (oder tun es heute schon). Irgendwie könnte einem da ziemlich schlecht werden. Und irgendwie ertappt man sich beim Wunsch, es möge tatsächlich eine Hölle geben, auch wenn man nicht daran glaubt. Es könnte auch sein, dass diese Hölle ganz real wird, dann nämlich, wenn es die sehr armen Menschen gestrichen satt haben, dass sie jenen mit der Kohle und der Macht egal sind.

Kleines Quizz

"Haben Sie Lust auf ein kleines Quizz?", fragt Mr Doorman.
"Was kann ich denn gewinnen?", frage ich zurück.
"Nun ..." Mr Doorman grinst. "Sie dürfen wählen."
"Zwischen?"
"Einem Kaffee, einem Lachanfall und dem russischen Pass."
Klingt spannend, finde ich. Weil es zudem in diesem Land schon eine Weile nichts mehr zu lachen gab, bitte ich Mr Doorman, mir die Quizzfrage zu stellen.
"Also", holt Mr Doorman Anlauf. "Von wem ist dieses Zitat:

Wir stärken die Institutionen, indem wir die Verantwortlichen entfernen, die sie schwächen. Das war auch bei Valentin Roschacher, Erwin Beyeler oder Samuel Schmid und Roland Nef der Fall. Erstere waren für die Bundesanwaltschaft, Letztere für die Armee ein grosses Problem. Es sitzen die falschen Leute in den Institutionen.

"Viel zu einfach", sage ich. "Das ist von einem SVP-Christoph. Ich tippe auf den Mörgeli. Der ist sich für gar nichts zu blöd. Auch nicht dafür, zuzugeben, den eigenen SVP-Bundesrat aus dem Amt geschossen zu haben."
"Bingo!", ruft Mr Doorman. "Welchen Preis hätten Sie denn gerne?"
"Den russischen Pass", antworte ich. "Man kann nie wissen, wer nach dem Bankrat und dem Bundesrat als nächstes dran sein wird."

Quelle (das Zitat findet sich am Ende)

Und jetzt?

Der Hildebrand ist weg.
Der Blocher und seine wackeren Mannen sind noch da.
Mr Doorman und ich sind grad ziemlich rat- und sprachlos.
Und ich frag mich mal wieder, was aus der Schweiz geworden ist.

Darüber ist jetzt Zeit zu schweigen.

Mr Doorman starrt in die Zeitung und seufzt.
"Was?", frage ich.
"Darüber ist jetzt Zeit zu schweigen", murmelt er.
"Wir haben doch heute noch gar nicht miteinander geredet, Sie und ich", wende ich ein. "Und gestern und vorgestern auch nicht." (Amerkung: Ich war in den Bergen. Ohne Mr Doorman.)
"Ja, dafür redet jetzt ein anderer."
"Lassen Sie mich raten", sage ich. "Der Herr B."
Mr Doorman nickt und seufzt grad noch einmal. "Dabei hat er schon mehr als einmal gesagt, dass er jetzt schweigen wird." Und dann kommt es. Unvermittelt und extrem laut: "WARUM VERDAMMT NOCH MAL TUT ER ES DANN NICHT?"
Weil er nicht anders kann, als seinen Senf zu allem zu geben, denke ich. Sag's aber nicht. In meinen Ohren klingelt es immer noch.
"Hier", sage ich und reiche Mr Doorman eine Tasse seines Lieblingskaffees. Extra stark. Ohne Milch. Dafür mit drei Löffeln Zucker. Dann warte ich, bis das Zeug wirkt.
"Ist halt sein neuer Lieblingsspruch", sage ich. "Lassen Sie ihm doch die Freude."
"Schon gut", brummt Mr Doorman. "Wie war's denn in den Bergen, Frau Zappadong ..."