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Frau Zappadong und die Demokratie

"Was tun Sie denn da?", fragt Mr Doorman.
"Blättern."
Mr Doorman wirkt etwas besorgt. "Blättern? Worin? Ich sehe nichts."
"Können Sie auch nicht", antworte ich.
"???"
"Ich lese die Abstimmungsunterlagen zu den Novemberabstimmungen."
"A... Ab ... Aber .." Mr Doorman gerät hoffnungslos ins Rudern. "Die sind doch noch gar nicht gedruckt."
"Egal", erkläre ich. "Ich mache es wie mein Staat. Ich bereite mich frühzeitig vor. Die drucken die Abstimmungsunterlagen, bevor überhaupt feststeht, worüber wir abstimmen. Da habe ich gedacht, ich lese sie auch gleich, bevor sie gedruckt sind. Effizient, nicht wahr?"
Mr Doorman kratzt sich hinter dem Ohr. "Und dann? Füllen Sie die noch ungedruckten Stimmzettel aus, Frau Zappadong?"
"Nein, ich werde überhaupt keine Stimmzettel mehr ausfüllen."
"Was?" Dr Doormans Augen kullern beinahe aus den Höhlen. "Heisst das, Sie hängen die Demokratie an den Nagel?"
"Aber nein doch! Sobald ich die gedruckten Stimmzettel erhalte, werde ich sie ordentlich, wie sich das gehört, in das Stimmcouvert packen und an die Gemeinde schicken."
"Unausgefüllt?"
"Ja. Unausgefüllt. Leer. Aber korrekt."
Der arme Mann sieht aus, als könne er nicht entscheiden, ob ich spinne oder er.
"Es ist so", sage ich. "Ich lege meine Stimmzettel leer ein, damit Bundesrat und Parlament nachher mit meiner Stimme tun können, was sie wollen."
"Das tun sie doch sowieso schon längst", antwortet er und ich sehe ein Blitzen in seinen Augen.
"Eben", sage ich.

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