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Eidgenossen. Punkt.

Mr Doorman liest neuerdings die Zeitung nicht mehr gedruckt, sondern online. Das macht ihn leider nicht glücklicher. Im Gegenteil. Er guckt so grimmig auf sein Tablet, dass ich Angst darum bekomme (ums Tablet - um Mr Doorman mache ich mir keine Sorgen).
"Was ist?", frage ich. "Lesen Sie mal wieder Kommentare?"
Er grummelt vor sich hin.
Das bedeutet so viel wie: Ja, er liest Kommentare. Ich gestehe, die machen auch mich nicht gerade fröhlich. Weshalb man das Lesen ebendieser Kommentare als geistig gesunder Mensch besser bleiben lassen sollte.
"Eidgenoss", murmelt er. "Eidgenoss, Eidgenoss, Eidgenoss." Und dann bricht es aus ihm heraus. "Reicht es euch Schweizern eigentlich nicht mehr, Schweizer zu sein?"
"Nun, vielen von uns schon", antworte ich. "Aber die ganz senkrechten Schweizer nennen sich jetzt eben Eidgenossen. Damit man sie nicht mit den Papierli-Schweizern verwechselt, Sie wissen schon, den Eingebürgerten, die für den Pass bezahlt und ihn eigentlich gar nicht verdient haben. Ausser wenn sie für die Fussballnati spielen oder sonst irgendwelche Sportsiege für uns einfahren. Oder den Linken und den Netten, die zwar schlimmstenfalls eigentlich Schweizer wären, aber nicht dazugezählt werden können, weil die ja die Schweiz direkt in den Abgrund der EU oder des Sozialismus treiben, sozusagen Landesverräter sind."
Eigentlich wollte ich mit diesen etwas überspitzt formulierten Definitionen Mr Doormans Humor kitzeln, habe aber glaub ich stattdessen sein Aggressionszentrum getroffen.
"Senkrechte Schweizer?" Mr Doorman guckt noch grimmiger. "Und warum heissen die meisten dieser Eigenossen Punkt?"
Ich stutze.  "Punkt? Das ist kein Schweizer Name."
"Steht aber fast überall. Gucken Sie."
Er zeigt auf einen Kommentar, der an dieser Stelle nicht wiedergegeben werden kann, da ich keine Lust habe, wegen Verstoss gegen das Anti-Rassismus-Gesetzes vor Gericht zu landen (der Kommentarschreiber scheint diese Angst nicht zu kennen, er ist schliessslich Eidgenoss und damit gilt für ihn die Meinungsfreiheit auch dort, wo sie andere Menschen verletzt). Am Ende dieses Kommentars steht Punkt.
"Ach", sage ich. "Das bedeutet so viel wie das indianische Hugh, ich habe gesprochen."
Mr Doorman seufzt und stellt seine Kaffeetasse aufs Tablet. Etwas heftiger als nötig. Auf dem Kommentar, den er mir gezeigt hat, schwimmen braune Flecken.
"Oha", sagt er.
"Punkt", beende ich die Diskussion. 
 

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